Die Stadtwerke Schwerin GmbH (SWS) ist ein 1991 gegründetes städtisches Unternehmen der Landeshauptstadt Schwerin. Es bietet Strom, Gas, Fernwärme und Wasser an sowie Internet- und TV-Produkte über das unternehmenseigene city.kom-Glasfasernetz. Strom und Gas werden auch bundesweit vertrieben.
Die Stadtwerke Schwerin betreiben zwei Gas-und-Dampfturbinen-Heizkraftwerke sowie eine Biogasanlage mit angeschlossenem Wärmespeicher und diverse Photovoltaikanlagen. Eine Geothermie-Anlage ermöglicht die Nutzung erneuerbarer Energien für die Fernwärmeversorgung.
Seit 2017 bauen die Stadtwerke Schwerin eigenwirtschaftlich das Glasfasernetz im Stadtgebiet aus. Außerdem betreibt das Unternehmen das öffentliche city.WLAN-Netz in Schwerin.
Geschichte mini|Altes E-Werk, 1904 Mit der Gründung der Stadtwerke im Jahre 1991 knüpfte Schwerin wieder an die Tradition kommunaler Daseinsvorsorge an. Die nach der Wende erstmals wieder frei gewählte Stadtverordnetenversammlung war sich einig, dass die Versorgung der Stadt mit Strom, Gas, Wärme und Wasser durch ein kommunales Unternehmen erfolgen sollte.
Die Geschichte der Versorgungswirtschaft Schwerins reicht jedoch schon zurück in das 19. Jahrhundert, als am 1. März 1855 das erste Gaswerk in der Stadt seinen Betrieb aufnahm. Im Jahre 1919 ging die Gasanstalt in städtisches Eigentum über und war bis 1980 in Betrieb. Es war damit eines der letzten „Inselgaswerke“ in der DDR. Auf dem Gelände des ehemaligen Gaswerkes wurde im Juli 1981 eine vollautomatische Ferngasübernahmestation eingerichtet, die für die Stabilisierung der Gasversorgung im Stadtzentrum nötig war.
Ein weiterer Meilenstein in der kommunalen Versorgungswirtschaft war die Errichtung des ersten Wasserwerkes, das am 8. Juni 1890 seinen Betrieb aufnahm. Bis 1954 war es das einzige Wasserwerk, das die Stadt mit Trinkwasser versorgte. Es folgte in jenem Jahr das Wasserwerk in Gosewinkel am Medeweger See und im Jahre 1979 das dritte Wasserwerk in Pinnow.
Seit 1999 wird Schwerin nur noch von zwei Wasserwerken versorgt, von dem neu errichteten Wasserwerk Mühlenscharrn und dem Wasserwerk in Pinnow.
Im Jahre 1904 erhielt die Stadt Schwerin auch endlich ihr erstes Elektrizitätswerk. Die Kapazität des Werkes musste wegen steigender Nachfrage ständig erweitert werden. Nach dem Ersten Weltkrieg kam es zu besonders umfangreichen Modernisierungsmaßnahmen, die der Stadt eine weitere Neuerung brachten: die erste Fernwärmeheizung. Doch trotz aller Modernisierungen war das alte E-Werk spätestens nach dem Zweiten Weltkrieg für die sich ständig vergrößernde Stadt zu klein geworden und so wurde es endgültig 1972 stillgelegt. Heute wird Schwerin von zwei modernen Heizkraftwerken mit Strom und Wärme versorgt.
Heute wird Schwerin durch die beiden Heizkraftwerke an den Energiestandorten Schwerin Süd und Lankow versorgt. Beide Kraftwerke wurden aufwendig modernisiert und gehören zu den effizientesten ihrer Art. Darüber hinaus betreiben die Stadtwerke eine Biogas-Anlage sowie verschiedene Photovoltaik-Anlagen. 2023 wurde die Geothermie-Anlage in Betrieb genommen, welche die Schweriner Haushalte anteilig über erneuerbare Erdwärme beheizt.
Regionale Erzeugung Strom und Gas Die beiden Heizkraftwerke am Energiestandort Süd sowie in Lankow basieren auf dem Funktionsprinzip der Kraft-Wärme-Kopplung. So wird das Gas effizient und möglichst CO2-arm eingesetzt.
Am Energiestandort Süd befindet sich zusätzlich eine Power-to-Heat-Anlage, welche zeitweise überschüssigen Strom in Wärme umwandelt. Gespeichert wird diese im 15.000 m³ großer Wärmespeicher und bei Spitzenlasten abgegeben.
Biogas mini|Auch im eigenen Fuhrpark setzen die Stadtwerke auf alternative Antriebe. Die Biogasanlage erzeugt seit 2007 am Energiestandort Süd zuverlässig grüne Wärme und Ökostrom für die Landeshauptstadt. Jährlich werden über das Prinzip der Fermentation grüner Strom und grüne Wärme erzeugt.
Als erneuerbare Energieträger dienen Mais und Roggen, die auf Feldern in Mecklenburg-Vorpommern sowie Nordbrandenburg wachsen. Feste Vertragspartner bauen die Rohstoffe an, lagern sie bei sich ein und liefern bedarfsgerecht an die BioEnergie Schwerin GmbH (BioE), Tochtergesellschaft der SWS und Betreiber der Biogasanlage.
Erdwärme 1.300 Meter unter der Erdoberfläche gibt es mit Thermalsole eine unerschöpfliche Energiequelle für die Wärmeerzeugung. Die Geothermie-Anlage am Energiestandort Lankow fördert seit 2024 Sole. Mithilfe von Höchstleistungspumpen wird nachhaltig Fernwärme gewonnen. Im Vergleich zu Wind- oder Sonnenenergie steht Erdwärme ganzjährig und konstant zur Verfügung. Die genutzte Sole wird am Ende des Prozesses wieder in die ursprüngliche Gesteinsschicht zurückgeführt, wodurch ein geschlossener Kreislauf entsteht. In Schwerin sind bereits mehr als die Hälfte aller Haushalte an das Wärmenetz angeschlossen.
Photovoltaik Im Jahr 2010 wurde eine Tochtergesellschaft der Stadtwerke, die Gesellschaft für erneuerbare Energien Schwerin mbH (GES) eigens zu dem Zweck gegründet, Photovoltaikanlagen in Schwerin und im Umland zu errichten sowie zu betreiben. Daraufhin entstanden die zahlreiche Dachflächenanlagen im Schweriner Stadtgebiet sowie drei Freiflächenanlagen in und um der Landeshauptstadt.
Der Unternehmensverbund der Stadtwerke Schwerin mini|hochkant|Heizkraftwerk Schwerin-Süd Die Konzernstruktur besteht aus einer Reihe von Unternehmen, an denen die Stadtwerke Schwerin GmbH (SWS) unterschiedliche Beteiligungen hält.
EVSE Die Energieversorgung Schwerin GmbH & Co. Erzeugung KG (EVSE) wurde zum 1. Januar 2004 aus den Stadtwerken Schwerin ausgegliedert. Die EVSE ist eine 100-prozentige Tochter der Stadtwerke, die für die Erzeugung von Strom und Wärme sowie den Handel mit Strom, Gas, Wärme und CO2-Zertifikaten verantwortlich ist.
EVSV Die Energieversorgung Schwerin Verwaltungsgesellschaft mbH (EVSV) wurde am 22. April 2004 als 100-prozentiges Tochterunternehmen der Stadtwerke Schwerin gegründet. Die Geschäftstätigkeit der Gesellschaft umfasst die Übernahme der Gesellschafterstellung als Komplementärin der Energieversorgung Schwerin GmbH & Co. KG (EVS), deren Gesellschaftszweck wiederum das Erbringen von Versorgungs- und anderen Dienstleistungen im Bereich der Energieversorgung, insbesondere Elektrizität, Erdgas und Wärme ist.
BioE 2006 wurde die BioEnergie Schwerin GmbH (BioE) als 100-prozentige Tochtergesellschaft der Stadtwerke gegründet. In der Biogasanlage auf dem Kraftwerksgelände in Schwerin Süd werden nachwachsende Rohstoffe in Strom und Wärme umgewandelt.
NGS Am 1. Oktober 2005 wurde die Netzgesellschaft Schwerin mbH (NGS) als eigenständige Gesellschaft für das Strom- und Gasnetz in der Landeshauptstadt Schwerin gegründet. Am 1. Januar 2006 wurden 40 % Anteile der NGS von der E.ON edis AG erworben.
SchwerinCOM
Seit 2017 baut und betreibt die SchwerinCOM Telekommunikations GmbH das städtische Glasfasernetz der Landeshauptstadt Schwerin. Darüber hinaus stellen sie das öffentliche WLAN an über 200 verschiedene Hotspots im Stadtgebiet sowie in allen Bussen und Bahnen des Nahverkehrs zur Verfügung.
WEMACOM Die Stadtwerke Schwerin halten eine Minderbeteiligung von 33,3 % an der Telekommunikationsgesellschaft WEMACOM. Sie verfügt in Westmecklenburg über ein umfangreiches Telekommunikationsnetz. Die WEMACOM vermarktet die freien Übertragungskapazitäten und realisiert zusammen mit ihren Partnern den Ausbau des Glasfasernetzes.
WAG/AQS Die Wasserversorgungs- und Abwasserentsorgungsgesellschaft Schwerin mbH & Co. KG wurde zum 1. Januar 2003 gegründet. Gesellschafter sind die Stadtwerke Schwerin GmbH (SWS) und die Eurawasser Aufbereitungs- und Entsorgungs GmbH Berlin. Die WAG sorgt für die Wasserversorgung und die Abwasserentsorgung in Schwerin. Die WAG betreibt die beiden Wasserwerke Mühlenscharrn und Pinnow.
Als Tochtergesellschaft der WAG überwacht das Labor der Aqua Service Schwerin Beratungs- und Betriebsführungsgesellschaft mbH die Qualität des Schweriner Trinkwassers. Seit dem 1. Januar 2005 gehört zur AQS auch ein Labor in Rostock sowie seit 2007 eine Außenstelle in Cottbus.
mini|hochkant|Straßenbahn des NVS
NVS Die Nahverkehr Schwerin GmbH (NVS) ist eine 99-prozentige Tochter der Stadtwerke Schwerin. Vier Straßenbahn- und 15 Buslinien gehören zum Fuhrpark des Nahverkehrs. Die NVS betreibt dabei ein Bahnliniennetz von 40,5 Kilometern und ein Busnetz von 167,5 Kilometern. Der Nahverkehr ist Mitglied in der Verkehrsgemeinschaft Westmecklenburg.
Literatur Stadtwerke Schwerin, May Hempel, Dr. Ingo Sens: 100 Jahre öffentliche Stromversorgung in Schwerin. Schwerin 2004 Stadtwerke Schwerin, May Hempel, Dr. Ingo Sens: 150 Jahre Gasversorgung in Schwerin. Schwerin 2005 Schweriner Abwasserentsorgung, Wasserversorgungs- und Abwasserentsorgungsgesellschaft Schwerin mbH, May Hempel, Ingo Sens: Auf den Spuren des Schweriner Wassers, zur Entwicklung der öffentlichen Wasserversorgung und der Abwasserentsorgung in der Landeshauptstadt Schwerin von den Anfängen bis zur Gegenwart. Schwerin 2006
Einzelnachweise
Schwerin Kategorie:Unternehmen (Schwerin) Kategorie:Unternehmensgründung 1991