Deutsche Reparationen nach dem Ersten Weltkrieg mussten aufgrund des Kriegsschuldartikels 231 des Versailler Vertrages von 1919 durch Deutschland gezahlt werden. Die endgültige Höhe und Dauer der Reparationen waren im Versailler Vertrag nicht festgelegt, sondern sollten von einer mit weitreichenden Kontrollfunktionen ausgestatteten Reparationskommission ohne deutsche Beteiligung festgesetzt werden.

Die Verringerung, Verschiebung und endgültige Beendigung der Reparationszahlungen waren das vorrangige Ziel der deutschen Außenpolitik. Vor allem Gustav Stresemann und Heinrich Brüning brachten Deutschland dem Ziel näher. Als aber die deutsche Regierung 1932 auf der Konferenz von Lausanne das Ende der Reparationszahlungen erreichte, war Stresemann bereits tot und Brüning war kurz zuvor entlassen worden.

Positionen der Siegermächte Die USA unter Präsident Thomas Woodrow Wilson wollten Deutschland als Bollwerk gegen den Kommunismus und eine stabile Situation in Europa (siehe: 14-Punkte-Programm). Sie waren aber auch an einer Rückzahlung der Kriegskredite, die sie den Europäern (Großbritannien, Frankreich, Italien) gewährt hatten, interessiert. In den USA wurde der Vertrag von Versailles kritisiert. Da der Großteil der Reparationen als Rückzahlung von Kriegskrediten letztendlich in die USA floss, hatten sie den größten Einfluss auf die Entwicklung der Zahlungen. Die USA ratifizierten den Versailler Vertrag jedoch nicht. Aufgrund des Berliner Vertrages von 1921 wurde eine German American Mixed Claims Commission – bestehend aus je einem Schiedsrichter benannt von den USA und vom Deutschen Reich – eingesetzt, um die Schadenersatzansprüche festzustellen. 1923 beendeten die Vereinigten Staaten ihre freiwillige Isolation und gaben im Rahmen des Dawes-Plans, an dem sie maßgeblich beteiligt waren, Kredite an Deutschland. 1931 ging vom amerikanischen Präsidenten Herbert C. Hoover das Hoover-Moratorium aus.Werner Link: Die amerikanische Stabilisierungspolitik in Deutschland 1921–32. Droste, Düsseldorf 1970, S. 223–502. Die Position der USA und der Versailler Vertrag wurden (zum Beispiel von John Maynard Keynes) kritisiert, da es keine Regelungen zum wirtschaftlichen Wiederaufbau Europas gab.

Großbritannien unter Premierminister David Lloyd George hatte eine ähnliche Position. Es wollte Deutschland als Schutz gegen den Kommunismus, ein europäisches Mächtegleichgewicht, und brauchte die Reparationen, um die Kredite an die USA zurückzahlen zu können. Der Versailler Vertrag wurde in Großbritannien abgelehnt. Es beteiligte sich nicht an der Ruhrbesetzung, sondern verurteilte sie als Vertragsbruch.

Frankreich unter Ministerpräsident Raymond Poincaré war primär an einer Schwächung Deutschlands und an einer Stärkung der eigenen Position in Europa interessiert; es erhob hohe Forderungen und plädierte für hartes Durchgreifen. Frankreich wollte auch die Kontrolle über die Industriegebiete im Westen Deutschlands. Seit dem Deutsch-Französischen Krieg herrschte in Frankreich – aus Frustration über die (schnelle) Niederlage – ein Revanchismus; auch die gezahlten fünf Milliarden Francs (= 1.450 Tonnen Feingold) waren nicht vergessen.

In Frankreich standen sich Poincaré mit einer kompromisslosen Haltung und Aristide Briand, der sich für eine Verständigung mit Deutschland einsetzte, gegenüber. Bei der Ruhrbesetzung war Frankreich unter Poincaré die treibende Kraft.

Von 1925 bis 1929 arbeitete Briand als Außenminister eng mit Gustav Stresemann zusammen und es entstand der Vertrag von Locarno. Die Bevölkerung war für einen harten Kurs gegenüber Deutschland, so dass Briand keine großen Zugeständnisse machen konnte, die Stresemann den Rücken gegenüber den radikalen Parteien gestärkt hätten. 1931 war Frankreich als einziges Land gegen das Hoover-Moratorium (20. Juni 1931). Es fühlte sich von den USA übergangen, da es vorher nicht konsultiert worden war; erst nach wochenlangen Verhandlungen stimmte die französische Regierung unter Ministerpräsident Pierre Laval zu. Am 13. Juli 1931 brach das deutsche Bankensystem zusammen.

Erste Forderungen Im Versailler Vertrag war zunächst festgelegt, dass Deutschland 20 Milliarden GoldmarkFriedensvertrag von Versailles. 28. Juni 1919. Kapitel I. Artikel 235. – dies entsprach zum damaligen Zeitpunkt über 7.000 Tonnen Gold – im Laufe der Jahre 1919, 1920 und bis einschließlich April 1921 in Raten zahlen sollte. Im April 1920 stellte der Oberste Alliierte Rat fest, dass Deutschland mit den Kohlelieferungen und mit den Zahlungen in Rückstand war. Im Juni 1920 forderten die Alliierten auf der Konferenz von Boulogne 269 Milliarden Goldmark in 42 Jahresraten.

mini|Sachlieferungen auf Reparationskonto an Frankreich (1920) mini|Nicht nur Goldmark, sondern auch Industrieprodukte, wie die Kemna Straßenlokomotive EM (im gesamten Deutschen Reich produzierte Einheitsmaschine), wurden als Reparationsleistungen an die Siegermächte in Europa verschickt.

1920 kam es zu mehreren Konferenzen (San Remo im April, Hythe und Boulogne-sur-Mer im Juni), bei denen auch die Reparationsfrage besprochen wurde. Auf der Konferenz von Spa im Juli 1920 durften erstmals Vertreter aus Deutschland teilnehmen. Auf dieser Konferenz wurde ein Verteilerschlüssel festgelegt, um zu klären, welchen Anteil die verschiedenen Länder von den Reparationszahlungen erhalten sollten. Demnach sollte Frankreich 52 %, Großbritannien 22 %, Italien 10 % und Belgien 8 % bekommen. Die Alliierten drohten weiterhin mit der Besetzung des Ruhrgebiets, falls die Forderungen nicht erfüllt würden. Im Dezember trafen sich Sachverständige zur Diskussion über die Reparationen in Brüssel.

1921 verlangten die Siegermächte auch, dass die beiden neuen DELAG-Verkehrsluftschiffe LZ 120 und LZ 121 ausgeliefert werden. Teils auf ausdrückliches Verbot der Alliierten hin kam so die deutsche Zeppelin-Luftfahrt vorübergehend zum Stillstand. 1924 lieferte Deutschland das Amerikaluftschiff an die USA – ebenfalls als Reparation.

Am 29. Januar 1921 forderten die Alliierten in Paris erneut 269 Mrd. Goldmark in 42 Jahresraten, davon 226 Mrd. als unveränderliche Hauptsumme, außerdem musste Deutschland 12 % des Wertes seiner jährlichen Ausfuhren abgeben. Deutschland bot an, 50 Mrd. Goldmark zu zahlen. Die Alliierten lehnten das ab. Am 8. März besetzten französische und belgische Truppen Ruhrort, Duisburg und Düsseldorf.

Am 30. April 1921 folgte der Londoner Zahlungsplan. Deutschland sollte einwilligen, insgesamt 132 Milliarden Goldmark zu tilgen und zu verzinsen. Ob die so genannten C-Bonds, die mit 82 Milliarden Goldmark den größten Teil der Reparationsschuld ausmachten, bedient werden mussten, wurde von einem Votum der Reparationskommission über die deutsche Leistungsfähigkeit abhängig gemacht.Stephen A. Schuker: American “Reparations” to Germany, 1919–33: Implications for the Third-World Debt Crisis. (Princeton studies in international finance, Nr. 61). Princeton 1988, S. 16 f. (). Die Annuitäten betrugen 2 Milliarden Goldmark, zusätzlich hatte Deutschland 26 % des Wertes seiner Ausfuhr zu begleichen. Diese Forderungen der Alliierten übergab David Lloyd George am 5. Mai 1921 dem deutschen Botschafter in London. Die Forderungen waren begleitet vom Londoner Ultimatum der Alliierten. Bei Nichtannahme der Forderungen innerhalb von sechs Tagen drohten die Alliierten darin, das ganze Ruhrgebiet zu besetzen. Im Ultimatum wurde außerdem die im Versailler Vertrag festgeschriebene Auslieferung von Kriegsverbrechern und die Demilitarisierung gefordert.

Durch den Londoner Zahlungsplan kam es in Deutschland zu einer schweren Regierungskrise. Reichskanzler Constantin Fehrenbach lehnte ihn als inakzeptabel ab. Am 4. Mai trat die Regierung Fehrenbach zurück, am 10. Mai brach die Nachfolgeregierung unter Reichskanzler Joseph Wirth zusammen. Tags darauf stimmte der Reichstag angesichts des Londoner Ultimatums dem Londoner Zahlungsplan mit 220 Ja- gegen 172 Nein-Stimmen zu. Die Regierung Wirth sah sich gezwungen, am Tag nach ihrer Amtsübernahme das Abkommen zu unterzeichnen. Wirth knüpfte damit an die Bemühungen Matthias Erzbergers an, der zur Bewältigung der antizipierten Zahllast die Finanz- und Steuerreform von 1919/20 durchgeführt und durch die damit einhergehende Unitarisierung die fiskalische Stellung des Reiches gegenüber den Ländern maßgeblich gestärkt hatte.

Diese „Erfüllungspolitik“ wurde von den Rechten heftig kritisiert. Erzberger wurde am 26. August 1921 von Mitgliedern der Organisation Consul als Erfüllungspolitiker ermordet.

Einigungsversuche Die Grundsatzentscheidung unter Reichskanzler Joseph Wirth, den Forderungen nachzukommen, um dadurch ihre Unerfüllbarkeit zu zeigen, löste aber nicht die Reparationsfrage. Ende 1921 konnte der deutsche Außenminister Walther Rathenau ein Abkommen mit Frankreich erreichen, so dass Frankreich mehr Sachlieferungen statt finanzieller Leistungen erhielt. Rathenau wurde im Juni 1922 ermordet – aus demselben Grund wie Erzberger.Heinrich August Winkler: Weimar. Die Geschichte der ersten deutschen Demokratie. C.H. Beck, München 1998, S. 174. 1922 erreichte Deutschland mit britischer Unterstützung einen Zahlungsaufschub. Großbritannien wollte die deutsche Kaufkraft und industrielle Produktion schützen, damit Deutschland weiterhin britische Waren kaufen und Reparationen zahlen könnte. Dies war ein erster Erfolg bei dem Bemühen, dem Ausland die Grenzen der deutschen Zahlungsfähigkeit zu zeigen. Die Briten wollten ihr Ziel eines Ausgleichs in Europa durch die Konferenz von Genua (1922) über Finanz- und Weltwirtschaftsfragen voranbringen; die 34 teilnehmenden Staaten erreichten aber keine nennenswerten Ergebnisse.

Am Rande der Konferenz von Genua schlossen Deutschland und Sowjetrussland am 16. April 1922 den Vertrag von Rapallo. In ihm verzichteten beide Vertragspartner darauf, von der anderen Seite Entschädigungen zu fordern, und er brachte eine Annäherung der beiden ansonsten isolierten Staaten.

Ruhrbesetzung

Die Reparationsfrage war weiterhin ungelöst, und während nach der Meinung der deutschen Regierung die starke Inflation die rechtzeitige Zahlung verhinderte, warfen die Westmächte nicht unbegründet Deutschland vor, es lasse die Inflation bewusst auf hohem Niveau. Die Westmächte waren nur zu einzelnen, kurzen Zahlungsaufschüben bereit, eine längere Aussetzung lehnten sie ab. Da die Erfüllungspolitik keine nennenswerten Erfolge vorweisen konnte, wurde sie in Deutschland zunehmend abgelehnt, die Regierung unter Wilhelm Cuno beendete sie im November 1922.

mini|Szene aus dem Ruhrkampf 1923 Nach der Konferenz von Genua hatte Frankreich wieder die Initiative in der Deutschlandpolitik der Westmächte ergriffen und forderte „produktive Pfänder“. 1922 wurde die Übergabe deutscher Industrieanteile an die Reparationskommission durch Großbritannien verhindert. Als Deutschland mit den Reparationszahlungen wieder in einen vergleichsweise kleinen Rückstand kam, besetzten französische und belgische Truppen Anfang 1923 das Ruhrgebiet. Die deutsche Regierung und die Bevölkerung reagierten mit passivem Widerstand, das heißt, Befehle der Besatzungstruppen wurden ignoriert, ein Generalstreik wurde ausgerufen, und vor allem die Transportzüge mit der Kohle, die Franzosen und Belgier als Reparationen abtransportieren wollten, wurden umgelenkt und blockiert. Daraufhin entließen die Besatzer alle deutschen Bahnarbeiter, die wie die Streikenden von der Reichsregierung finanziell unterstützt wurden.

Inflation und Ende des Ruhrkampfs