244x244px|mini|Pyrbaum, Luftaufnahme (2016) Pyrbaum ist ein Markt im Landkreis Neumarkt in der Oberpfalz in Bayern.

Pyrbaum wird auch „Tor zur Oberpfalz“ genannt. Es war die erste Gemeinde Bayerns, die bereits am 1. Oktober 1970 die Gemeindegebietsreform vollzog. Pyrbaum ist auch als Gemeinde mit dem größten zusammenhängenden Waldgebiet Bayerns bekannt.

Geografie Geografische Lage Als westlichste Gemeinde des Regierungsbezirks der Oberpfalz liegt Pyrbaum ca. 15 km südöstlich der Stadt Nürnberg. Das Gemeindegebiet ist größtenteils von Wald bedeckt. Als einzige Gemeinde der Oberpfalz zählt Pyrbaum zur Region Franken.

Der überwiegende Teil des Ortes liegt auf einer gerodeten Anhöhe. Der Gemeindeteil Neumühle ist der westlichste Punkt der Oberpfalz.

Südlich von Pyrbaum befinden sich die Quellen des Finsterbachs, im Nordosten die des Hembachs. Beide münden etwa 15 km weiter westlich in die Rednitz.

Gemeindegliederung Es gibt 14 Gemeindeteile (in Klammern ist der Siedlungstyp angegeben):

Es gibt auf dem Gemeindegebiet die Gemarkungen Oberhembach, Pyrbaum, Rengersricht und Seligenporten. Die Gemarkung Pyrbaum hat eine Fläche von 17,828 km². Sie ist in 2085 Flurstücke aufgeteilt, die eine durchschnittliche Fläche von 8550,82 m² haben. In ihr liegen keine weiteren Gemeindeteile.

Nachbargemeinden Nachbargemeinden sind von Norden aus im Uhrzeigersinn: Schwarzenbruck (Mfr./LAU), Burgthann (Mfr./LAU), Postbauer-Heng, Freystadt, Allersberg (Mfr./RH), Roth (Mfr./RH), Schwanstetten (Mfr./RH) und Wendelstein (Mfr./RH)

Geschichte

Frühzeit und Antike Ein Faustkeilfund bei Rengersricht zeigt, dass schon in der Jungsteinzeit Jäger und Sammler die Gegend durchstreiften. Etwa 800 m nördlich von Brikenlach befindet sich ein vorgeschichtlicher Betstattungsplatz mit Grabhügheln. Östlich von Schwarzach - südlich des Kesselweihers - wurde vom Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege ein Siedlung der Späthallstatt-/Frühlatènezeit verortet.

Die Herren von Pyrbaum In den Jahren 1138–1147 tritt der Landadelige "Tvirnchart de Birboum", dessen namentlich nicht bekannte Tochter sich im Kloster Weihenstephan befand, als Zeuge auf, als die Töchter Burkards von Wolfershofen im Rahmen ihres Eintritts in den Konvent dem Kloster Weihenstephan Besitz in Daßwang übergab.

Ein weiteres Mal bezeugt "Tůrinchardus de Pirbǒm" im Februar 1147 ein Rechtsgeschäft des Weihenstephaner Abts Sigmar auf dem Hoftag König Konrads III. in Regensburg. Im Zeitraum zwischen 1148 und 1156 verzichteten dann "Durinchard de Pirpoum" und sein Gattin "Iudita" (Judith) vor dem König und dem Klostervogt Pfalzgraf Otto auf Weihenstephaner Besitz in Daßwang unter der Bedingung, dass ihre beiden Töchter ins Kloster aufgenommen werden und übergeben dazu eine Hube in Winn mit 16 Hörigen.

Wie dem Nürnberger Urkundenbuch zu entnehmen ist, wurde mit Schiedsspruch des Jahres 1278 dem "Albert von Rindsmaul" das Patronatsrecht an der Kapelle zu Pyrbaum bestätigt. Damit trat dieses Adelsgeschlecht das Erbe der "Pyrbaumer" an, das wohl kurz davor am Mannesstamme ausgestorben sein dürfte. Im Jahre 1310 wird der aus der Ministerialenfamilie der Rindsmaul stammende "Konrad von Gestorf" urkundlich genannt. Dieser Konrad hatte Pyrbaum vermutlich zu Lehen.

Die Wolfsteiner mini|hochkant|Ev. Pfarrkirche St. Georg Auf dem Erbwege ging Pyrbaum dann von den Rindsmaul an das Adelsgeschlecht der Wolfsteiner. Pyrbaum wurde daraufhin von 1346 bis zu deren Aussterben im Jahre 1740 von den Wolfsteinern beherrscht.

Im Rahmen einer ersten Teilung des Wolfsteiner Güterbesitzes im Jahre 1354 erhielt Albrecht der Ältere von Wolfstein die Herrschaft Pyrbaum, während seine Neffen Gotfried und Albrecht der Jüngere die Herrschaften Wolfstein und Sulzbürg zugesprochen bekamen.

Im Salbuch von 1457 wird vermerkt: "Pyrbaum das Schloss mit Graben mit dem Gericht". Wilhelm von Wolfstein erbaute im Jahre 1493 in Pyrbaum ein "neues" Schloss. Um 1510 folgte der Bau der Pfarrkirche St. Georg, die danach den Wolfsteinern als Grablege diente. In die selbe Zeit fiel der Bau der Gottesackerkapelle mit einem Flügelaltar.

Am 7. September 1527 erhielten die Wolfsteiner von Kaiser Karl V. für den "Markt und das Gericht Pyrbaum" ein eigenes Wappen. Kaiser Karl gewährte Johann von Wolfstein am 1. April 1530 das Privileg zu Pyrbaum jeden Samstag einen Wochenmarkt abzuhalten, wodurch Pyrbaum zum Reichsmarkt erhoben wurde.

Auf dem "geharnischten Reichstag" zu Augsburg des Jahres 1530 zählten die Wolfsteiner bereits zu den protestantischen Adeligen. Um 1540 führten die Wolfsteinern auch in Pyrbaum die neue Glaubensrichtung ein; 1561 wurde die Reformation dort abgeschlossen, als die letzten Katholiken den Ort verließen.

Mit Vertrag vom 27. November 1602 teilten die Wolfsteiner ihr Herrschaftsgebiet erneut, wobei Hans Albrecht von Wolfstein den Markt und die Herrschaft Pyrbaum erhielt. Da Hans Albrecht im Jahre 1620 ohne Erben verstarb, fiel die Herrschaft Pyrbaum an die Linie des Johann Adam von Wolfstein zu Sulzbürg.

Im Dreißigjährigen Krieg wurde das Gemeindegebiet stark in Mitleidenschaft gezogen. Zu nennen ist hier v. a. der Feldzug des Jahres 1641 der Schweden bei ihrem Überfall auf den Reichstags in Regensburg. Insbesondere aber Erzherzog Leopold Wilhelm von Österreich – der sich im November 1645 im Schloß zu Pyrbaum einquartierte – und seine 16.000 Mann starke Truppe haben in Pyrbaum und der gesamten Umgebung erhebliche Verheerungen verursacht.

Pyrbaum wird bayrisch Am 27. April 1740 fiel Pyrbaum, mit dem Tode des letzten männlichen Erben der Wolfsteiner - Reichsgraf Christian Albrecht von Wolfstein - fiel die Herrschaft Pyrbaum dem Kurfürstentum Bayern zu.

Die Herrschaft Pyrbaum umfasste im Jahre 1740 innerhalb der Grenzen den Hochgerichts Pyrbaum die Orte

Pyrbaum (Schloß, Kastnerhaus, Pfleghaus, Bauhof, Schulhaus, Ziegelhütte, 25 Höfe und 62 Wohnhäuser) Münchsmühle (1 Hof) Oberhembach (Hirtenhaus, 28 Höfe) Pruppach (Hirtenhaus, 21 Höfe) Straßmühl (1 Hof).

Weitere Pyrbaumer Besitzungen befanden sich 1740 im Schultheißenamt Neumarkt und darüber hinaus:

Aßlschwang (13 Höfe) Forchheim (Hirtenhaus und 30 Höfe) Kleinberghausen (6 Höfe) Köstlbach (2 Höfe) Möning (44 Höfe) Pölling (1 Hof) Röckersbühl (Hirtenhaus und 37 Höfe) Rohr (6 Höfe) Thundorf (9 Höfe) Dietfurt (Amt Dietfurt, 1 Haus) Attenhofen (Hochstift Eichstätt, 1 Hof)

Mit Hilfe des Kapuzinerordens wurde Pyrbaum rekatholisiert; am 14. April 1751 feierte ein Sulzbürger Kapuziner die erste Messe seit der Reformation im Pyrbaumer Getreidekasten. Im Schloss Pyrbaum wurde ein Gottesdienstraum eingerichtet und 1752 wurde eine ständige Wohnung für die Kapuziner, die aus Sulzbürg oder aus Neumarkt für die Abhaltung der Messe kamen, eingerichtet. Auch eine kleine Kirche wurde dort 1753, trotz des Einspruches der Franziskaner von Freystadt, die um ihre Einnahmen aus Almosen fürchteten, benediziert. Aufgrund der angestiegenen Zahl an Katholiken wurde in Pyrbaum am 13. Oktober 1756 auch eine katholische Schule (auch der erste katholische Lehrer war angestellt worden) und 1757 ein katholischer Friedhof auf landesherrlichem Grund eingerichtet. Der Bau des Kapuzinerhospizes (heute Pfarrhof am Oberhembacher Weg 2) erfolgte 1760, was nicht ohne Proteste der ortsansässigen evangelischen Bürger erfolgte, in die auch das Corpus Evangelicorum in Regensburg eingeschaltet wurde. Diese Konflikte über katholische Bittgänge und Prozessionen oder die Aufstellung von Bildstöcken und Kreuzen im öffentlichen Raum dauerten die nächsten Jahre an. Die letzte Beschwerdeschrift an das Corpus Evangelicorum datiert von 1768.

19. und 20. Jahrhundert mini|Katholische Pfarrkirche Mater dolorosa in Pyrbaum|249x249px Am 5. März 1802 wurde das Kapuzinerhospiz aufgehoben und die hier lebenden Mönche in das Kapuzinerkloster Altötting umgesiedelt. Das Inventar wurde an die Pfarrei und an den dortigen Weltpriester übergeben. Am 14. Februar 1803 wurde als erster weltlicher Pfarrer Georg Maier ordiniert; er erhielt auch die Bibliothek der Kapuziner, so diese nicht bereits an einen Papiermacher verkauft war. Das Hospizgebäude wurde zum Pfarrhaus.

Mit dem königlichen Gemeindeedikt vom 17. Mai 1818 entstand die Ruralgemeinde Pyrbaum. Die Einwohnerzahl Pyrbaums entwickelte sich danach wie folgt: +BerichtsjahrHauptort PyrbaumGemeinde Pyrbaum18716546541925651651195010981098197013423067198720344379 1853 brannte das Schloss ab, nicht jedoch die Kapelle, die 1880/81 abgebrochen und durch einen Neubau ersetzt wurde. Diese Kirche brannte jedoch am Pfingstmontag 1899 ab. Im Jahr darauf erfolgte ein Neubau, der am 20. Januar 1901 benediziert wurde. mini|187x187px|Altes Bahnhofsgebäude in Pyrbaum Die Lokalbahn von Burgthann über Pyrbaum nach Allersberg wurde am 14. Dezember 1902 feierlich eröffnet.

1923 bekam die Gemeinde elektrischen Strom, ab 1954 Zug um Zug eine zentrale Wasserversorgung. (PDF-Datei)

Eingemeindungen Im Zuge der Gemeindegebietsreform wurden die Gemeinden Pyrbaum, Oberhembach, Rengersricht und Seligenporten am 1. Oktober 1970 zur Marktgemeinde Pyrbaum zusammengefasst.

Ortsname Gemäß den Forschungen der Kommission für bayerische Landesgeschichte bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften bezieht sich der Ortsname auf das bairisch-althochdeutsche Bestimmungswort "pirapoum", was mit Birnbaum zu übersetzten ist. Die Namensbedeutung ist somit " (Siedlung am) Birnbaum".Herbert Maas: Mausgesees und Ochsenschenkel. Kleine nordbayerische Ortsnamenskunde. 3. Aufl. Verlag Nürnberger Presse, 1995, ISBN 3-920701-94-1.

Einwohnerentwicklung Dargestellt wird hier die summarische Entwicklung der Hauptwohnsitze aller heutiger Ortsteile Pyrbaums. Zwischen 1987 und 2017 wuchs die Einwohnerzahl der Marktgemeinde von 4379 auf 5837 um 1458 Einwohner bzw. um 33,3 %.

1840–1987

2010–2024

Politik mini|hochkant|Rathaus des Marktes Marktgemeinderat Der Marktgemeinderat besteht aus 20 Mitgliedern und dem Bürgermeister. Er setzt sich seit der Kommunalwahl am 8. März 2026 wie folgt zusammen:

Partei / Liste Sitze +/−* Stimmenanteil CSU 7 ± 0 35,4 % SPD 3 ± 0 13,3 % Grüne 1 - 1 7,4 % Die Linke 1 ± 0 3,2 % Freie Wähler Bayern/Freie Wähler Pyrbaum 5 + 1 24,0 % Christlich Freie Wähler Seligenporten-Rengersricht (CFW) 2 ± 0 11,9 % Freie Wähler Schwarzach 1 ± 0 4,9 % Gesamt 20 * Differenz zur Wahl 2020

CSU SPD FW / CFW Grüne Linke Gesamt 2026 7 3 8 1 120 Sitze20207372120 Sitze20147481020 Sitze

Bürgermeister Am 8. März 2026 wurde Michael Langner (CSU) mit 60,0 % der Stimmen im 1. Wahlgang als Erster Bürgermeister der Marktgemeinde wiedergewählt. Auf seinen Gegenkandidaten Stefan Zeltner (Christliche Freie Wähler) entfielen 40,0 % der Stimmen. Die Wahlbeteiligung lag bei 72,6 %.

Wappen

Kommunale Allianz Schwarzachtalplus 180x240px|mini|Büchervitrine im Schlossgraben Der Markt Pyrbaum ist Mitglied der Kommunalen Allianz Schwarzachtalplus. Zu dieser gehören auch die Stadt Altdorf bei Nürnberg, die Gemeinde Berg bei Neumarkt in der Oberpfalz, die Gemeinde Burgthann, der Markt Feucht, die Gemeinde Leinburg, der Markt Postbauer-Heng, die Gemeinde Schwarzenbruck und die Gemeinde Winkelhaid. Im Rahmen eines integrierten ländlichen Entwicklungskonzepts (ILEK) wird gemeinschaftlich an der Erhaltung charakteristischer Landschaftsräume, an der Stärkung der Siedlungsstrukturen und Ortsmitten sowie an der gemeinsamen Gestaltung der Mobilitäts- und Energiewende gearbeitet. Ziel ist es, auch den Zusammenhalt in der Region zu stärken.

Aktionsbündnis Oberpfalz-Mittelfranken (ILE AOM)