Das Kabinett Hosokawa regierte Japan unter Führung von Premierminister Morihiro Hosokawa vom 9. August 1993 bis zum Rücktritt am 28. April 1994.

Durch Parteiaustritte hatte die Liberaldemokratische Partei (LDP) von Vorgänger Kiichi Miyazawa die absolute Mehrheit im Shūgiin, dem Unterhaus, verloren. Bei der aus dem erfolgreichen Misstrauensvotum gegen Miyazawa resultierenden Shūgiin-Wahl 1993 blieb die LDP weiter ohne Mehrheit. Die bisherigen Oppositionsparteien mit Ausnahme der Kommunistischen Partei Japans einigten sich auf eine Koalition und wählten einen Tag nach dem Rücktritt des alten Kabinetts am 5. August 1993 Hosokawa (gegen den neuen LDP-Vorsitzenden Yōhei Kōno) zum Premierminister.

Das Kabinett Hosokawa wurde am 9. August vorgestellt und vom Tennō formal ernannt. Es war das erste ohne LDP-Beteiligung seit der Gründung der Partei 1955. Ihm gehörten einschließlich des Premierministers 17 Abgeordnete des Shūgiin und zwei des Sangiin (Oberhaus) an. Zwei Minister waren nicht Abgeordnete. Die Neue Japan-Partei (Nihon Shintō) stellte nur den Premierminister. Die Sozialistische Partei Japans (Nihon Shakaitō, SPJ) stellte sechs Minister, die Erneuerungspartei (Shinseitō) fünf und die Kōmeitō vier. Die Demokratisch-Sozialistische Partei (Minshatō, DSP), die Neue Partei Sakigake (Shintō Sakigake) und der Sozialdemokratische Bund (Shakai Minshu Rengō) erhielten je ein Ressort. Der ebenfalls in die Koalition einbezogene „Demokratische Reformbund“ (Minshu Kaikaku Rengō) stellte einen parlamentarischen Staatssekretär. Stellvertretende Kabinettssekretäre waren Yukio Hatoyama (Neue Partei Sakigake) und Nobuo Ishihara; Leiter des Legislativbüros blieb Takao Ōde.

Wichtigstes Vorhaben war die Initiierung einer seit langem diskutierten Reform des Wahlrechts, durch die in einem Grabenwahlsystem auch ein Teil der Mandate im Shūgiin durch Verhältniswahl besetzt wird. Die erst 1989 eingeführte MehrwertsteuerFAZ.net 14. Dezember 2015 sollte zur Abdeckung gestiegener Sozialausgaben als kokumin-fukushi-zei (, „Volkssozialsteuer“) von drei auf sieben Prozent erhöht werden. Beide Vorhaben führten zu Streit in der Koalition (letztlich wurde die Mehrwertsteuer 1997 auf 5 Prozent erhöht).

Zu Fall brachte das Kabinett aber der Spendenskandal um Sagawa Kyūbin (Sagawa Express), der maßgeblich zum Machtverlust der LDP beigetragen hatte und schließlich auch Hosokawa erreichte. Am 8. April 1994 kündigte Hosokawa seinen Rücktritt an, nachdem öffentlich geworden war, dass er selbst einen zweifelhaften Kredit von Sagawa Kyūbin erhalten hatte. Das Kabinett blieb bis zur Wahl Tsutomu Hatas zum Nachfolger am 25. April und der Vorstellung des neuen Kabinetts am 28. April 1994 im Amt.

Staatsminister + Kabinett Hosokawa – vom 9. August 1993 bis 28. April 1994 Amt Name Bild Kammer Partei Premierminister Morihiro Hosokawa 100px|Morihiro Hosokawa Shūgiin JNP Justizminister Akira Mikazuki — — Außenminister Stellvertretender Premierminister Tsutomu Hata 100px|Tsutomu Hata Shūgiin JRP Finanzminister Hirohisa Fujii 100px|Hirohisa Fujii.jpg Shūgiin JRP Bildungsministerin Ryōko Akamatsu 100px|Ryōko Akamatsu — — Gesundheits- und Sozialminister Keigo Ōuchi Shūgiin DSP Minister für Landwirtschaft, Forsten und Fischerei Eijirō Hata Shūgiin JRP Minister für Internationalen Handel und Industrie Hiroshi Kumagai Shūgiin JRP Verkehrsminister Shigeru Itō Shūgiin SPJ Postminister Takenori Kanzaki Shūgiin Kōmeitō Arbeitsminister Chikara Sakaguchi 100px|Chikara Sakaguchi Shūgiin Kōmeitō Bauminister Kōzō Igarashi Shūgiin SPJ Innenminister Vorsitzender der Nationalen Kommission für Öffentliche Sicherheit Kanju Satō Shūgiin SPJ Chefkabinettssekretär Masayoshi Takemura Shūgiin NPS Leiter der Behörde für Management und Koordination Kōshirō Ishida Shūgiin Kōmeitō Leiter der Behörde für die Entwicklung Hokkaidōs Leiter der Behörde für die Entwicklung Okinawas Leiter der Behörde für Staatsland Kōsuke Uehara Shūgiin SPJ Leiter der Verteidigungsbehörde Keisuke Nakanishi (bis 8. Mai) Shūgiin JRP Kazuo Aichi (ab 2. Dezember 1993) Shūgiin JRP Leiterin des Wirtschaftsplanungsamts Manae Kubota Sangiin SPJ Leiter der Behörde für Wissenschaft und Technologie Satsuki Eda 100px|Satsuki Eda Shūgiin SDF Leiterin der Umweltbehörde Wakako Hironaka Sangiin Kōmeitō Staatsminister für politische Reform Sadao Yamahana Shūgiin Kōmeitō

Rücktritte Verteidigungsminister Nakanishi trat am 2. Dezember 1993 zurück, nachdem er das von der Verfassung vorgegebene Verbot (nach damaliger Interpretation) der Teilnahme Japans an friedenserhaltenden UN-Missionen in Frage gestellt hatte. Premierminister Hosokawa kündigte seinen Rücktritt am 8. April 1994 an, nachdem seine Verwicklung in den Sagawa-Kyūbin-Skandal öffentlich geworden war.

Weblinks Kantei: 細川内閣

Einzelnachweise

Hosokawa