miniatur|Hauptplatz von Ruma Ruma () ist eine Kleinstadt im serbischen Okrug Srem. Der Verwaltungssitz der nach ihr benannten Gemeinde zählt laut Volkszählung von 2011 30.656 Bewohner.http://media.popis2011.stat.rs/2011/prvi_rezultati.pdf, S. 29.
Ruma liegt am Rand des ostsyrmischen LössplateausSlobodan B. Markovic et al. 2007: Late Pleistocene loess-palaeosol sequences in the Vojvodina region, north Serbia. In: Journal of Quartarnary sciences 2008, 23(1), 73–84 (PDF) in der pannonischen Tiefebene südlich der Donau und Fruška Gora und nördlich der Saveniederung. Die Stadt ist ein Verkehrsknotenpunkt an den Verbindungsachsen West–Ost (Europastraße 70) sowie Nord–Süd (Bosnien–Zentralserbien–Vojvodina).Franz Wilhelm: Rumaer Dokumentation 1745-1945 – Mittelpunkt der deutschen Bewegung in Syrmien, Slavonien und Kroatien. Donauschwäbische Kulturstiftung, Reihe IV: Beiträge zur donauschwäbischen Volks- und Heimatgeschichtsforschung. S. 68, Stuttgart.
Geographie Lage Ruma liegt auf 111 m Höhe im Zentrum des Ostsyrmischen Zwischenstromlandes. Durch Ruma verläuft der 45. Breitengrad, der den Übergang der subtropischen Zone zur gemäßigten Zone bestimmt. Daher ist die Zahl 45 auch im Stadtwappen abgebildet. Das Stadtgebiet Rumas wird im Wesentlichen durch drei Bäche der Fruška Gora gegliedert. Nach Westen wird das zentrale Stadtgebiet vom Kudoš-Bach, nach Osten vom Borkovačka-Bach begrenzt. Der Stadtteil Breg liegt zwischen dem Löss-Plateau, das durch die Borkovčka reka und den Jelence-Bach gebildet wird. Die Stadtmitte Rumas liegt rechtsseitig der Borkovačka reka.
Topographie Höhenunterschiede sind in Ruma trotz der Lage in einem Niederungsgebiet durch die Randlage auf dem sanft geneigten Syrmischen Lössplateau und dem sanften Ansteigen nach Norden gegen die Fruška Gora dennoch augenscheinlich. So fällt das Lössplateau in der Umgebung Rumas auf 10 km Entfernung von ca. 200 m auf 100 m am Rand des Plateaus ab. Im eigentlichen Stadtgebiet liegen die nördlichen Stadtteile in Kudoš und Borkovačko naselje auf 115 m und sinken zum Bahnhof im Süden auf 94,4 m ab. Die amtliche Höhe ist mit 111,1 m angegeben. Das Tal der Borkovačka reka schneidet als einziger Flusslauf das engere Stadtgebiet Rumas. Das Muldental der Borkovačka reka ist durch seine steilwandigen Hänge nur im zentralen Teil entlang der Hauptstraße bebaut. Insbesondere im nördlichen Bereich des Borkac-Tales ist es bewaldet und dient zur Erholung (Sportstätten).
Geologie Geologisch liegt Ruma am Rande des ostsyrmischen Lössplateaus auf jungpleistozänem Löss. Das Sremer Lössplateau erreicht Mächtigkeiten von bis zu 30 m. Ein 20 m mächtiges Lössprofil bei Ruma enthält zahlreiche Paläoböden. Die Abfolge aus kaltzeitlichem Löss und warmzeitlichen Bodenbildungen dokumentiert eindrucksvoll Klimaveränderungen im Pleistozän.Slobodan B. Markovic et al. 2009: Middle and Late Pleistocene loess sequences at Batajnica, Vojvodina, Serbia. In: Quartarnary International, Vol. 198, pp. 255–266, .DRAŽENKO NENADIĆ & VLADIMIR SIMI, 2005. Stratigraphy and lithology of the loess deposits in eastern Srem (Serbia). In: ANNALES GÉOLOGIQUES DE LA PÉNINSULE BALKANIQUE, 66 (2004–2005), 21–26, Belgrad (PDF)
Das Relief des sanft nach Süden geneigten Lössplateaus ist durch wellige Lösskuppen und in diese eingeschnittene Muldentäler der zahlreichen Bäche der Fruška Gora geprägt. An den Bachläufen des Kudoški potok, Jelenci potok und Borkovačka reka sind aus der Abtragung der Löss-Sedimente profilierte Hänge entstanden. Die geschlängelt bis mäandrierend in tiefen und breiten Muldentälern verlaufenden Bäche weisen unregelmäßige Bögen und die höchsten natürlichen Einschnitttiefen aller Flachland-Gewässertypen auf. Durch wasserwirtschaftliche Maßnahmen sind dort zahlreiche Stauseen entstanden. Da die nahezu senkrechten, an den Prallhängen unterschnittenen Ufer aufgrund des bindigen Lössmaterials stabil bleiben, sind auch praktisch keine Erosionsschutzmaßnahmen notwendig. Die mehrere Hektar großen Akkumulationen im Borkovačko- und Pavločacko- (Kudeško-) jezero werden als beliebte Sommerbadeseen genutzt und dienen der Bewässerung von Obst- und Gemüseplantagen.
Naturlandschaft und Vegetation Der Randlage im pannonischen Becken entspricht die naturlandschaftliche Übergangslage Syrmiens, die sich durch einen ozeanischeren Osten und Süden sowie kontinentaleren Westen auszeichnet. Den beherrschenden Zügen der halbtrockenen Baum(Halb-)steppen der ostsyrmischen Tiefebene auf dem Lössplateau stehen die mehr ozeanisch geprägten westsyrmischen Auwälder und die ehemals versumpften Bereiche der ostsyrmischen Niederung entgegen. Die Lößebene Ostsyrmiens war auch vor der landwirtschaftlichen Überprägung eine offene Landschaft mit lichtem Baumwuchs und einer Steppenflora vom pannonischen Typ. Zu den charakteristischen Kennarten der Steppenflora gehören beispielsweise die Grasarten Stipa joannis, Festuca (Verband Festucion rupicolae) sowie Sesleria.RETKE, RANJIVE I UGROŽENE BILJNE I ŽIVOTINJSKE VRSTE NA PODRUCJU JP „VOJVODINAŠUME“ (PDF) Salzwiesen des Typs Artemisio-Festucetum pseudovinae sind durch Artemisia monogyna und Festuca pseudovina gekennzeichnet.Protections of Biodiversity of the Sava river basin floodplains. (PDF) Unter anderen sind noch Centaurea sadleriana und Adonis vernalis und unter den Steppenbäumen Acer tataricum sowie Quercus pubescens (Verband Aceri tatarico-Quercion) typisch.
Klima Trotz der Lage ist das Klima in Ruma gemäßigt kontinental mit strengen Wintern und heißen Sommern. Niederschlagsmaxima fallen mit dem Sonnenhöchststand zusammen. Trocken ist dagegen der Hoch- und Spätsommer (Juli bis September). Bemerkenswert ist die lange Wärmephase, die vom März bis Oktober reicht. Schon Mitte März sind die Strahlungsgewinne höher als die Ausstrahlungsverluste. Dieser frühe positive Einstrahlungsgewinn wirkt sich auf den schnellen Jahreszeitenwechsel vom Winter zum Frühjahr sowie vom Frühjahr zum Sommer aus.Weischet, W. und W. Endlicher (2000): Regionale Klimatologie Teil 2 – Die Alte Welt – Europa, Afrika, Asien. Stuttgart, Leipzig, Teubner Verlag, Bib: 1310-155 II Der Spätsommer wird durch die stabile Hochdrucklage zu einem Altweibersommer (Miholjsko leto) um mehrere Wochen verlängert. Umso deutlicher ist der Wechsel zum Herbst ausgeprägt.
Da in Ruma keine amtliche meteorologische Klimastation des Hidrometeorološki Zavod Srbije besteht, kann für die klimatischen Verhältnisse nur die nächstgelegene amtliche Wetterstation im 17 km entfernten Sremska Mitrovica genutzt werden. Die Daten stammen aus der Regelperiode 1981–2010. Da bei vergleichbarer Lage und Höhe davon ausgegangen werden darf, dass sich nur die Luftfeuchtigkeit durch die durch Sremska Mitrovica fließende Save stärker unterscheidet (aufgrund der höheren Verdunstung über der Wasseroberfläche), sind die Daten der Wetterstation Sremska Mitrovica unten mit aufgeführt.
Stadtgliederung Ruma gliedert sich in die Stadtbezirke Berak, Tivoli, Kudoš, Borkovačko naselje, Vrbare und Breg. 1,5 km westlich von Tivoli am Rumski drum liegt das Dorf Voganj, 9 km nördlich das Dorf Pavlovci und 12 km südlich Buđanovci. Am östlichen Stadtgebiet, östlich des Stadtteils Breg im Flurstück Male ledine liegt hinter dem Viehmarktplatz (Vašarište) eine größere Romasiedlung.
Bevölkerung Ruma hat 32.229 Einwohner (2002).
Ethnien in Ruma: Serben = 28.032 (86,98 %) Kroaten = 1.027 (3,19 %) andere
Politik Gemeinderat
An den serbischen Kommunalwahlen vom 6. Mai 2012 nahmen mit 27.435 abgegebenen Stimmzetteln 57,5 % der wahlberechtigten Rumaer teil. Danach sind im Gemeinderat der Opština Ruma fünf Parteien mit folgender Verteilung vertreten: Partei DS SNS SRS SPS-PUPS* DSS Gesamt Sitze 14 11 7 6 5 43 Stimmenanteil 25,6 % 19,8 % 12,5 % 13 % 9,3 % 100 % * SPS-PUPS: Wählergemeinschaft
Gemeindepartnerschaften Samtgemeinde Bersenbrück (Deutschland), seit 2017 Am 24. November 2017 schlossen die Samtgemeinde Bersenbrück und die serbische Gemeinde Ruma eine Partnerschaft.In Neue Osnabrücker Zeitung am 24. November 2017:"Samtgemeinde Bersenbrück und Ruma jetzt Partner"; abgerufen am 24. Dezember 2018
Geschichte miniatur|links|Altes deutsches Bauernhaus, Stadtzentrum
Vorgeschichte Die Anfänge der menschlichen Besiedlung auf dem Gebiet des heutigen Ruma datieren auf die Vorgeschichte. An der Lokalität Gomolava wurde ein Tell mit stratifizierbaren Schichten von der mittleren neolithischen Vinča-Kultur, der kupferzeitlichen Badener und Kostolac-Kultur, der mittleren bis späten Bronzezeit, der La Tène I und II, der römischen Epoche bis zum Mittelalter archäologisch ausgegraben.Marija Gimbutas, S. 247 The gods and goddesses of old europe 7000 – 3500 BC Vorrömische Kulturen in der Region sind durch Illyrer und Kelten bezeugt.
Römische Stadt Bassianae Unweit des Rumaer Dorfes Donji Petrovci zehn Kilometer östlich von Ruma lag am römischen Kanal der Jarčina die zweitgrößte römische Stadt Syrmiens, Bassianae.Spomenici kulture SrbijeBasijana Teile eines römischen Castrums wurden zudem zwischen den Dörfern Dnji Petrovci und Dobrinci freigelegt. Bassianae wurde 124 n. Chr. Municipium, spätestens 214 Colonia. Als eine der wichtigsten Städte Pannonia secundas residierte dort ein hoher römischer Beamter als procurator gynaecii Bassianensis Pannoniae secundae. Im 4. Jahrhundert hatte Bassianae ein gynaecia (Imperiale Wollweberei).The later Roman Empire, 284–602: a social economic and administrative survey-Arnold Hugh Martin Jones Im 5. Jahrhundert von den Hunnen zerstört, fiel Bassianae 510 an das Byzantinische Reich, im späten 6. Jahrhundert wurde Bassianae durch die Awaren endgültig zerstört.
Die Stadt Ruma im Mittelalter und während der osmanischen Epoche miniatur|Die Ulmer Schachtel, Siedler-Schiff auf der Donau zwischen Schwaben und der Donauebene Ein mittelalterlicher Marktflecken auf dem Gebiet des heutigen Ruma namens Arpatarlo wurde 1324 erstmals erwähnt.Slobodan Đurić: Naselja Srema – Geografske karakteristike. 1995, S. 212. Auf Arpatarlo verweist der Friedhof am heutigen nordwestlichen Stadtrand am Kudoš-Bach. Archäologische Ausgrabungen beim Autobahnbau in Syrmien 1983 ließen an der Flurmarkung Stara Kudoška livada Gräber aus der Zeit vom 10. bis 15. Jahrhundert zu Tage treten. Auch Grundrisse einer einfachen Lehmkirche des 12. Jahrhunderts wurden dort ergraben.Humka kod stare vodenice Noch unter ungarischer Herrschaft entwickelten sich insbesondere die Ortschaften nördlich von Ruma an den Abhängen der Fruška Gora. Irig blieb bis ins 18. Jahrhundert Ruma an Bedeutung überlegen. In Vrdnik ist aus mittelalterlicher Zeit eine von mehreren Befestigungen erhalten, die die Ungarn an den Hängen der Fruška Gora zur Abwehr der Osmanen errichteten. 1521 schleiften die Osmanen die Burg von Vrdnik und 1526 fiel Peterwardein. 1556/57 wurde Ruma als Dorf mittlerer Größe in einem syrmischen Defter erwähnt. Der Ort war von Serben besiedelt, die eine Kirche und einen Geistlichen hatten. Als serbisch besiedeltes Dorf unter osmanischer Herrschaft blieb Ruma auch in der nachfolgenden Zeit bestehen.