Carl Ch. Lörcher (* 2. Juli 1884 in Stammheim bei Stuttgart; † 1966 in Stuttgart) war ein deutscher Architekt, Stadtplaner und Hochschullehrer.

Leben In der zweiten Hälfte der 1920er Jahre war Lörcher in der Türkei und auf dem Balkan tätig. So entwickelte er 1927–1929 den ersten Bebauungsplan Ankaras.Spuren einer Hauptstadt. Deutschsprachige Architekten in Ankara. Goethe-Institut Ankara 2010 Lörcher, der bereits zum 1. Juli 1931 der NSDAP (Mitgliedsnummer 574.132)Bundesarchiv R 9361-IX KARTEI/26260007 und im selben Jahr der SA beigetreten war, wurde nach der „Machtergreifung“ der Nationalsozialisten Leiter der Reichsstelle für Raumordnung bei der Neubildung deutschen Bauerntums beim Reichsernährungsministerium.Dieter Münk: Die Organisation des Raumes im Nationalsozialismus. Eine soziologische Untersuchung ideologisch fundierter Leitbilder in Architektur, Städtebau und Raumplanung des Dritten Reiches. Pahl-Rugenstein, Bonn 1993, ISBN 3-89144-175-4, S. 403 f. Oder auch als Reichsstelle für bäuerliche Siedlungsplanung benannt. An diesem Ministerium war er jedoch nur ungefähr ein Jahr lang tätig.Andreas Dornheim: Beamte, Adjutanten, Funktionäre. Personenlexikon zum Reichsministerium für Ernährung und Landwirtschaft und Reichsnährstand. W. Kohlhammer, Stuttgart 2021, ISBN 978-3-17-040086-3, S. 245.

Ab 1933 bis 1945 war er Professor für Bau- und Siedlungswesen an den Vereinigte Staatsschulen für freie und angewandte Kunst (später Staatliche Hochschule für bildende Künste) und war zugleich Leiter der Abteilung Architektur.Antje Kalcher, Dietmar Schenk: Vor der UdK. 1. Auflage. Universität der Künste Berlin, 2024, Seite 68 Außerdem wurde er Präsident des Bundes Deutscher Architekten.Ernst Klee: Das Kulturlexikon zum Dritten Reich. Wer war was vor und nach 1945. S. Fischer, Frankfurt 2007, ISBN 978-3-10-039326-5, S. 375. Daneben leitete er ab Juni 1933 den dann von ihm 1934 liquidierten Deutschen Werkbund.Personenregister „Ausstellungsleitung, Stadtverwaltung, Politiker“, Teil der Website „Die Ausstellung Schaffendes Volk“ von Stefanie Schaefers, zuletzt abgerufen am 17. Juli 2019 Lörcher schlug 1933 vor, der Deutsche Werkbund solle in Zukunft nur noch Bauernhäuser bauen lassen.Tagung des Deutschen Werkbunds in Würzburg. In: Stuttgarter Neues Tagblatt vom 3. Oktober 1933.

Im August 1934 unterzeichnete Lörcher den Aufruf der Kulturschaffenden zur „Volksabstimmung über das Staatsoberhaupt des Deutschen Reichs“ über die Vereinigung des Reichspräsidenten- und Reichskanzleramtes in der Person Adolf Hitlers. Künstlerisch berief er sich auf eine Neubesinnung auf traditionelle Ausdrucksweisen des deutschen Bauerntums.

Im Kampfbund Deutscher Architekten und Ingenieure, der die ideologische Richtung von Gottfried Feder innerhalb des Nationalsozialismus vertrat, war Lörcher zuständig für den Bereich Siedlung, d. h. Stadt- und Regionalplanung.

Bauten mini|Mühlhäuser Löwe von Max Kruse ab 1925: Umbau und Ausbau des Zentralgefängnisses Ankara (Ulucanlar Cezaevi), das seit 2006 als Museum dient 1927–1928: Kriegerdenkmal für die Gefallenen des Ersten Weltkriegs der Stadt Mühlhausen/Thüringen (mit dem „Mühlhäuser Löwen“ von dem Berliner Bildhauer Max Kruse) auf www.muehlhausen.de, zuletzt abgerufen am 17. Juli 2019 ab 1935: Entwurf der Häuser des für schwäbische Siedler neu angelegten Dorfs Schwabendorf in Mecklenburg zwischen 1934 und 1937: Bauernhof in Hierlshagen, heute polnisch Ostaszów, Landgemeinde Przemków.Hubert Schrade: Bauten des Dritten Reiches. Bibliographisches Institut, Leipzig 1937, Abb. 34. 1936: „Lotte-Neumann-Siedlung“ in Wuppertal-BarmenHans C. Goedeking (Hrsg.): Architektur in Wuppertal. Müller und Busmann, Wuppertal 1993, ISBN 3-928766-06-6, S. 241. ab 1937: Arbeiterstadt „Große Halle“ für den Generalbauinspektor für die Reichshauptstadt Albert Speer in Berlin-Spandau (heute Evangelisches Waldkrankenhaus Spandau)Evangelisches Waldkrankenhaus Spandau (Hrsg.), Helmut Bräutigam: Arbeiterstadt „Große Halle“. Zur unbekannten Geschichte auf dem Gelände des Evangelischen Waldkrankenhauses Spandau. Berlin-Spandau 1997, S. 7. 1942: Mannschaftsbauten am Rande der sogenannten „Speerplatte“ in Berlin-CharlottenburgJürgen Tietz: Zwangsarbeiter in Spandau – Zwei Baudenkmälern des Dritten Reiches droht die Zerstörung in Der Tagesspiegel vom 22. Dezember 1999, zuletzt abgerufen am 9. April 2020.

Literatur Barbara Miller Lane: Architektur und Politik in Deutschland 1918–1945 (= Schriften des Deutschen Architekturmuseums zur Architekturgeschichte und Architekturtheorie). Vieweg, Braunschweig / Wiesbaden 1986, ISBN 3-528-08707-2, S. 166 f. Levent Uluis: Einparteienregime und Städtebau: Die Entstehung der neuen Hauptstadt der kemalistischen Türkei (1923–1938). Dissertation an der Technischen Universität Berlin, 2015, Universitätsverlag der TU Berlin. Paul Sigel: Carl Christoph Lörcher. In: Wolfgang Benz u. a. (Hrsg.): Planen und Bauen im Nationalsozialismus. Voraussetzungen, Institutionen Wirkungen, Band 4. Hirmer, München 2023, ISBN 978-3-7774-4114-6, S. 1215.

Einzelnachweise

Kategorie:Architekt (Berlin) Kategorie:Architekt im Nationalsozialismus Kategorie:Person (Planen und Bauen) Kategorie:Stadtplaner (Deutschland) Kategorie:Hochschullehrer (Vereinigte Staatsschulen für freie und angewandte Kunst) Kategorie:NSDAP-Mitglied Kategorie:SA-Mitglied Kategorie:Mitglied des Deutschen Werkbundes Kategorie:Mitglied des Bundes Deutscher Architektinnen und Architekten Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 1884 Kategorie:Gestorben 1966 Kategorie:Mann