Der Schwere Ladungsträger (Sd.Kfz. 301) Borgward B IV (Sd.Kfz. = Sonderkraftfahrzeug) war ein nach Beginn des Zweiten Weltkrieges bei Borgward für die Wehrmacht entwickeltes Kettenfahrzeug, welches ferngesteuert eine Sprengladung an einem Ziel absetzen konnte, die dann per Funk gezündet wurde, nachdem das Fahrzeug den Gefährdungsbereich verlassen hatte.

Hintergrund Die deutsche Wehrmacht erbeutete im Rahmen des Westfeldzuges 1940 einige moderne, ferngesteuerte Fahrzeuge der französischen Armee, welche kurz vor der Serienfertigung standen. Das wenig bekannt gewordene Véhicule Pommellet weist in den Abmessungen gewisse Ähnlichkeiten mit dem späteren Borgward B IV auf.

Die Firma Borgward hatte bereits seit 1938 auf Veranlassung des Heereswaffenamtes an ferngesteuerten Fahrzeugen gearbeitet. Hierbei waren die Minenräumwagen Borgward B I und Borgward B II entstanden, welche als Sonderkraftfahrzeug 300 kurz vor Beginn des Westfeldzuges in Produktion gingen. Ein Borgward B III, von dem laut Literatur zumindest Prototypen entwickelt worden sind, ging, nachdem die französischen Fahrzeuge erbeutet worden waren, nicht mehr in die Fertigung.

Im Gegensatz zum französischen Fahrzeug war der Borgward B IV in der Lage, die Sprengladung vor der Detonation abzusetzen und aus der Gefahrenzone zurückzufahren. Die beiden kleineren Ladungsträger, Sd.Kfz. 302 bzw. 303 „Goliath“ und Sd.Kfz. 304 „Springer“ wurden bei der Detonation ihrer Sprengladung jeweils mit zerstört.

Entwicklung Im September 1937 hatte das Allgemeine Heeresamt (AHA) die Firma Carl F.W. Borgward zur Entwicklung eines gepanzerten Munitionsschlepper aufgefordert. Zwei Monate zuvor hatte die französische Armee mit der Erprobung des Munitionsschlepper Lorraine 37L begonnen. Der französische Munitionsschlepper Renault UE war bereits länger eingeführt.

Die vom Inspektorat 6 vorgegebene Spezifikation verlangte ein Fahrzeug mit einer Höchstgeschwindigkeit von mindestens 30 km/h und einer Nutzlast von 500 kg und die Fähigkeit weitere 500 kg in einem Anhänger zu ziehen.Jentz, Doyle: Gp. Nachschub-Fzge - PT 17, 2004, S. 17–12. Entsprechend dem erteilten Auftrag entwickelte Borgward ein gegen SMK-Beschuss gepanzertes Fahrzeug, welches ein Gewicht von 3,5 t hatte und von einem 2,3-Liter-Motor mit 55 PS angetrieben wurde. Die Kettenkonstruktion des als VK 3.01 bezeichneten Fahrzeugs, ähnelte der des bei Borgward produzierten Sd.Kfz. 11, wobei jedoch die Speichen-Laufrollen nicht verschachtelt waren. Es wurde eine 0-Serie von 20 Fahrzeugen beauftragt, wobei die Firma Schoeller-Bleckmann Stahlwerke AG in Ternitz den Auftrag zur Fertigung der Panzerwannen erhalten hatte. Nach den Tests war das Heereswaffenamt, welches für die Umsetzung der AHA Projekte zuständig war, nicht zufrieden und mit einigen Änderungen wurden von einem veränderten Typ, dem gepanzerten Munitionsschlepper (VK 3.02) dann 400 Stück bestellt, die ab Oktober 1941 ausgeliefert werden sollten.Jentz, Doyle: Gp. Nachschub-Fzge - PT 17 2004 S. 17–16 Im Oktober 1941 allerdings verlangte das Inspektorat 6 des AHA vom Heereswaffenamt die Entwicklung eines ferngesteuerten Ladungsträgers der eine Sprengladung von 500 kg in einem Ziel platzieren konnte. Seit Monatsbeginn war die Fertigung des VK 3.02 angelaufen, doch hatte sich die grundlegende Situation seit der Freigabe im Frühjahr 1940 sehr verändert. So entschied das Inspektorat 6 am 16. Dezember 1941, dass der Vertrag über 400 auf 200 oder sogar 160 Fahrzeuge reduziert werden solle und Borgward stattdessen 200 bis 240 Sprengstoffträger liefern sollte. Dies wurde möglich, indem Borgward eine große Zahl von Bauteilen aus dem VK 3.02 Projekt für den Sprengladungsträger übernahm. Neben der neuen Aufgabe eine Sprengladung an ein Ziel heranzufahren und abzuwerfen, wurde die ursprüngliche Aufgabe der ersten, ferngelenkten Borgward-Minenräumwagen mit in den Entwurf übernommen. Hierbei sollte eine Druckplatte unter dem Fahrzeug Minen zur Explosion bringen, was dann die schwere 500 kg Ladung auslösen sollte. Die folgende schwere Detonation sollte alle weiteren Minen in 40 m Umkreis zur Explosion bringen.Jentz, Doyle: Gepanzerte Pionier-Fahrzeuge - PT 14, 1998, S. 14–12.

Dem neuen Fahrzeug wurde die Sonderkraftfahrzeug-Nummer 301 zugeordnet.

Produktionsausführungen In Summe wurden 1.193 Stück des Schweren Ladungsträger Borgward B IV gefertigt.

Borgward B IV a mini|links|B IV Ausf. a Die erste Serienvariante des schweren Ladungsträger B IV wurde mit einer Stückzahl von 628 Fahrzeugen gefertigt. Hierbei sind die im April 1942 gefertigten 12 Vorserien-Fahrzeuge eingerechnet.Jentz, Doyle: Gepanzerte Pionier-Fahrzeuge - PT 14 1998 S. 14–12 Die Fahrzeuge hatten ein Einsatzgewicht von 3,6 t und wurden von einem Borgward 6-Zylinder Typ 6 M 2,3 RTBV angetrieben. Der Tank fasste 123 l was bei einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 38 km/h eine Reichweite von etwa 200 km ermöglichte. Der für die transportierte Sprengladung verwendete Sprengstoff, Ekrasit, war verhältnismäßig sicher. So waren Treffer am Fahrzeug solange verhältnismäßig ungefährlich, wie die Sprengkapsel zur Zündung nicht eingesetzt war. Im schlimmsten Fall brannte das Fahrzeug, wenn es nicht zum Einsatz vorbereitet war, nur vollständig aus, ohne dass es zur Explosion kam.

Das Fahrzeug konnte auch mit einem Nebelgerät ausgerüstet werden. Es konnten acht Nebelkerzen abgeworfen oder am ferngesteuerten Fahrzeug gezündet werden, um dem Gegner die Sicht zu nehmen. Das Nebelgerät konnte auch für den Abwurf von chemischen Kampf- oder Entgiftungsstoffen genutzt werden. Zu identifizieren sind diese ersten Fahrzeuge an der gummigepolsterten Kette und anhand einer kleinen Windschutzscheibe für den Fahrer.Jentz, Doyle: Gepanzerte Pionier-Fahrzeuge - PT 14 1998 S. 14–12 Diese wurde bei den folgenden Ausführungen durch einen aufstellbaren, dreiseitigen Panzerschutz für den Fahrer ersetzt. Bei der im Einsatz stehenden Ausführung a wurde dieser angesichts vieler Ausfälle von Fahrern an der Front nachgerüstet.

Borgward B IV b mini|Borgward B IV Ausf. b in Kubinka mini|Erbeuteter Borgward B IV Ausf. b in Italien Die zweite Serie wurde mit 260 Fahrzeugen von Juli bis November 1943 gefertigt. Mit der Ausführung B wurde eine ungeschmierte neue Gleiskette ohne Gummipolster eingeführt.Spielberger, Doyle: Spezial-Panzerfahrzeuge 1993 S. 27 Optisch sind B- und C-Fahrzeuge sofort an dieser Kette und den nun verwendeten Zahnkranzleiträdern zu erkennen. Weiterhin wurden die Panzerplatten der Wannenseiten nun in 10 mm Stärke (vorher 5 mm) ausgeführt. Hinzu kam eine 8 mm Zusatzpanzerung an der Fahrzeugfront, die, wie auch teilweise die neuen Ketten, auch bei den Ausf.-a-Fahrzeugen nachgerüstet wurde. Der Fahrer erhielt auf der rechten Fahrzeugseite eine Notausstiegsluke, anhand der Ausf. a und b eindeutig unterschieden werden können, und die Antennenhalterung für den Funkkommandoempfänger wurden vom bisherigen Platz hinter dem Fahrersitz, nach vorne (links von der Fahrerschutzplatte) verlegt. Schon vor Serienbeginn hatte die Truppe eine durchgängige Panzerung von 20 mm gefordert, doch dies war mit der aktuellen Motorisierung nicht möglich.

Borgward B IV c mini|links|Explodierter auf dem Kopf liegender Borgward B IV Ausf. c in Warschau 1944 Die dritte und letzte Serie der schweren Ladungsträger wurde von Dezember 1943 bis September 1944 gefertigt.

In diesem Zeitraum wurden aus einem ursprünglichen Auftrag über 1.000 Stück nur 305 Fahrzeug komplettiert. Entsprechend der vorherigen Forderung der Truppe wurde die Panzerung durchgängig auf 20 mm verstärkt. Diese Maßnahme steigerte das Gewicht auf 4,58 t, was gleichzeitig einen stärkeren Motor erforderte. Der neue Typ 6 B 3,8 war ein 6-Zylinder Vergaser von Borgward und leistete 78 PS.

Die Fahrzeugwanne veränderte sich zugunsten einer offensichtlich vereinfachten Produktionsweise. Die Panzerplatte an den Seiten wurde hinten glatt hochgezogen und lief, wie bei Sd.Kfz. 251, nach hinten spitz aus. Der zuvor am Heck querliegende längliche Auspufftopf wanderte auf die linke Fahrerseite und war mehr rechteckig geformt. Die hintere Abschleppöse ist, wie zuvor schon vorne Teil der Seitenpanzerung und nicht seitlich angeschweißt. Die Abdeckung des hinteren Motorraumes ist nun flach und nicht mehr wie bei den Ausf. a und b zu den Seiten hin abfallend.

Im Fahrwerksbereich erhöhte sich der Abstand der einzelnen Laufrollen, um die Gewichtsbelastung besser zu verteilen. Eindeutig zu identifizieren sind die Ausf. c durch den Wechsel des Fahrerplatzes von rechts nach links, was natürlich auch Änderungen im Innenraum des Fahrzeugs erforderte.

Technik mini|links|Aufteilung des Innenraums im Bodenfund des HGM Wien mini|Stark verwitterter Reihensechszylinder­motor eines Borgward B IV Der Borgward B IV ist ein kettengetriebenes und gepanzertes Fahrzeug. Es ist etwa 3658 mm (US-Bericht) oder 3962 mm (Bradford) lang, 1829 mm breit und 1397 mm hoch. An der Vorderseite ist es mit 10 mm starken Panzerplatten gepanzert, an den Seiten mit insgesamt 13 mm starken Platten. An der stärksten Stelle ist die Panzerung bis zu 20 mm stark. Die Masse des Borgward B IV beträgt laut Bradford und US-Bericht ca. 3600 kg, im HGM Wien ist die Masse mit 4500 kg angegeben. Davon stark abweichend spricht Tarczyński von 5000 kg. Fritz Trenkle schreibt, dass es unterschiedliche Ausführungen mit Massen von 4000 kg bis 6000 kg gab. Das Fahrzeug hat eine geschweißte Panzerwanne, die in drei Segmente unterteilt ist. Im Heckbereich ist der Motor mitsamt Fahrzeughydraulik und Funkausrüstung eingebaut. In einem der vorderen Segmente ist das Getriebe eingebaut, daneben ist der Fahrerplatz im dritten Segment. Angetrieben wird das Fahrzeug von einem wassergekühlten Reihensechszylinderottomotor mit 3745 cm³ Hubraum und OHV-Ventilsteuerung, der Laut US-Bericht eine Leistung von 80 hp (60 kW) entwickelt, im HGM ist die Leistung mit 70 PS (51 kW) angegeben. Tarczyński nennt eine Leistung von 57 kW. Vom Motor wird das Drehmoment über eine Nasskupplung auf das Getriebe übertragen, das einen lang übersetzten Gang und einen Kriechgang hat. In beiden Gängen kann vorwärts und rückwärts gefahren werden. Vom Getriebe wird das Drehmoment über vier Stirnräder auf die vorderen Antriebsräder übertragen. Das Fahrzeug hat Drehstabfedern. Je Seite laufen die Gleisketten in fünf Rädern, sie werden mittig geführt. Die Laufflächen sind demontierbar und aus Gummi, die Breite beträgt ca. 200 mm. Damit kann der Borgward B IV ca. 50 km/h schnell fahren. Die Sprengladung ist an der Fahrzeugfront angebracht und kann abgesenkt und abgesetzt werden. Über die Sprengladung gibt es unterschiedliche Angaben, im HGM ist die Masse mit 500 kg Ekrasit angegeben, der US-Bericht spricht von 800 lb (363 kg), George Bradford und Fritz Trenkle geben wie das HGM 500 kg an. Weitere Quellen nennen 450 kg. Die Funkfernsteuerung arbeitet mit einem Überlagerungsempfänger mit Amplitudenmodulation und einer Frequenz von 24,6 MHz. Die Zwischenfrequenz beträgt 0,464 MHz.

Einsatz Einsatztechnik mini|Bugbereich mit Abwurfvorrichtung und Sprengkapsel-Klappe Die gemischten Verbände aus Leitpanzern und Borgward B IV fuhren gemeinsam in eine Ausgangsstellung für einen Angriff. Erst in der Ausgangsstellung wurde die Sprengpatrone in die spezielle Öffnung in der oberen Klappe der abzuwerfenden Ladung eingesetzt. Wie sich herausstellte gerieten die Einheiten bereits bei der Annäherung unter gezieltes Feuer von Scharfschützen oder aus weitreichenden Maschinengewehren, was bei der Ausf. a zu vielen Ausfällen von Fahrern führte, da deren Kopf anfänglich von keinerlei Panzerung geschützt war.

War ein Funklenkpanzer nah genug ans Ziel herangekommen, aktivierte der Fahrer die Funklenkung und stieg aus dem Fahrzeug aus. Dieser Moment war für den Fahrer der gefährlichste, da er dabei nahezu ungeschützt war.