Sodalitas litteraria Germaniae oder kurz Sodalitas litteraria war der Name von wissenschaftlichen Vereinigungen, die den Gelehrten und Anhängern des Renaissance-Humanismus im mitteleuropäischen Raum eine Plattform zum Austausch und zur Weiterentwicklung ihrer Ideen boten.siehe Literatur Tibor Klaniczay: Celtis und die Sodalitas Litteraria Germaniam.siehe Literatur: Ernst Jungkenn: Johann von Dalberg und Jakob Köbel als Mitglieder der Sodalitas litteraria Rhenana, insb. S. 169f.
Ursprung Der Philosoph und lateinische Dichter Conrad Celtis, der als eifrigster Verbreiter des Humanismus in Deutschland und Österreich in die Geschichte einging, hatte zwischen 1487 und 1489 während seines Aufenthalts in Florenz bei Marsilio Ficino und Rom bei Pomponio Leto Akademien des neuen Typus „Academia Platonica“ kennen und schätzen gelernt. Die italienischen Humanisten setzten darin die antike Tradition der Akademie, einer von Platon gegründeten Philosophenschule, als Accademia Romana fort. Celtis wiederum nahm die Vorbilder aus Florenz und Rom als Modell für seine Sodalitas litteraria.
Zweck Celtis konzipierte die Sodalitas als eine freie und zwanglose Vereinigung (Bruderschaft, Freundeskreis) mit dem Hauptzweck, die humanistischen Disziplinen sowie die Literatur und dabei insbesondere die Studien der einzelnen Genossen zu fördern und zu verbreiten. Die kritische Einstellung der Humanisten zur Scholastik und ihren theologischen Wurzeln barg Konfliktstoff mit dem herrschenden theologischen System und veranlasste die Mitglieder in diesem Punkt zu Vorsicht und Zurückhaltung.
Die Humanisten wollten in der Wissenschaft an die Arbeiten der Denker des klassischen Altertums anknüpfen und auf dieser Grundlage die Universität aus den Gleisen der Scholastik herausheben. Diese Änderungsansprüche brachten sie auf Distanz zur herkömmlichen Universität und ihrem Gelehrtenstand, der die neuen Vorstellungen auch kaum unterstützte. Als Voraussetzung für eine erfolgreiche wissenschaftliche Arbeit mit den Originalquelltexten sahen sie hervorragende Kenntnisse der alten Sprachen, allen voran des Original-Lateins, aber auch des Griechischen und wenn möglich, des Hebräischen. Als äußeres Zeichen ihrer neuen Denkrichtung legten sich die Humanisten gerne – dazu passend – latinisierte oder gräzisierte Namen zu.
Organisation Die Gesellschaft hatte einen Präsidenten und Sekretäre. Das lateinische Wort Sodalitas bedeutet Freundschaft, Kameradschaft. Das einzelne Mitglied hieß Sodale. Wer als Mitglied aufgenommen werden wollte, musste ernstlich beabsichtigen, die Zwecke der Gesellschaft zu fördern und einen gewissen Grad humanistischer Bildung aufweisen.
Unter den Sodalen befanden sich die angesehensten Gelehrten aller Wissensgebiete, wobei nur die wenigsten dem zünftigen Universitäts-Gelehrten-Stand angehörten.
Es war nicht notwendig, dass die Mitglieder am Gründungs- oder Geschäftsleitungsort Wohnsitz hatten. In Städten, in denen sich mehrere Sodalen in der Nähe befanden, schuf man Einkehr- oder Versammlungsorte. Ein angesehener Sodale besorgte als „Hospes“ für die „Sektion“ oder das „Contubernium Sodalium“ die etwa nötige Beherbergung und Bewirtung. Niedergang und Auflösung Nach dem Tod des kaum 49 Jahre alt gewordenen Gründers und geistigen Führers Conrad Celtis gingen die Aktivitäten und die Wirkung der Sodalitates litteraria trotz der außerordentlich hohen Bildung und Schaffenskraft ihrer Mitglieder mehr und mehr zurück. Die von der Sodalitas litteraria verbreiteten moderner Gedankengänge sollten auch dazu helfen, den drohenden Zerfall der nach Wissen strebenden religiösen gebildeten Stände zu vermeiden. Auch Bischöfe hatten sich mit Gelehrten verbunden, um den Bruch innerhalb der Kirche zu verhindern. Luthers Kirchenspaltung im Jahre 1517 trennte auch die Sodalitas-Gemeinschaft in Kreise, die der alten Kirche treu blieben, und in solche, die sich ganz und gar der aufkommenden Kirchenreformation zur Verfügung stellten. Die unter Celtis gegründeten humanistischen Gemeinschaften verschwanden. Einige von seinen Schülern gegründete Sodalitates litterarie legten ihr Hauptgewicht auf die wissenschaftliche und literarische Unterstützung der Reformation und hatten auch Bedeutung, so lange diese noch nicht ihren festen Platz eingenommen hatte.
Von Celtis gegründete Gesellschaften Sodalitas litteraria Vistulana Polnische Gesellschaft für Wissenschaft, Sitz Krakau.
Gründung
Durch Conrad Celtis in der Zeit seines Studiums der Mathematik und Astronomie 1489 bis 1491 an der Universität Krakau als erste der wissenschaftlichen Gesellschaften nach dem Muster der italienischen Akademien gegründet.
Mitglieder
Bekanntes Mitglied: Philippus Callimachus Experiens, auch „Filippo Buonaccorsi“, italienischer Humanist adliger Herkunft und Staatsmann der Renaissance, Mitglied der Accademia Romana und der Krakauer Akademie, an der er die Methoden des humanistischen Lernens einführte.
Sodalitas litteraria Rhenana auch nach ihrem Gründer Sodalitas Celtis genannt, Rheinische Gesellschaft für Wissenschaft, (1491 in Mainz gegründet und 1517 mit Luthers Kirchenspaltung beendet); Geschäftsleitung Heidelberg, Nebensitz Worms, Versammlungsorte: Mainz, Oppenheim, Nürnberg, Augsburg.
Vorgeschichte
Seit der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts tat sich Heidelberg als Residenz der rheinischen Pfalzgrafen immer mehr hervor. Alte, früher nur gewohnheitsmäßig ausgeübte Vorrechte des Hauses, namentlich das Reichsverweseramt, waren Reichsgesetz geworden. Heidelberg erhielt bereits 1386 als dritte Stadt nach Prag und Wien, aber noch 90 Jahre vor dem kurfürstlichen Mainz eine Universität.
Um die gleiche Zeit rief Kurfürst Philipp der Aufrichtige – er regierte 1476–1508 – einen Kreis von bedeutenden Humanisten an seinen Hof nach Heidelberg, um den Geist der neuen Zeit seinem Land zu vermitteln.
Eifriger und verständnisvoller Helfer des Kurfürsten war sein Kanzler Johann XX. von Dalberg, Bischof von Worms. Der gebürtige Oppenheimer hatte in Erfurt an der Hochschule des Erzbistums Mainz die freien Künste studiert, dann in Pavia und Padua kanonisches Recht. Dort befreundete er sich mit dem Humanisten Rudolf Agricola, den er später an die Universität nach Heidelberg ziehen konnte. 1480 wurde Dalberg Wormser Dompropst und damit verbunden Kanzler der Heidelberger Universität. Mit Sondererlaubnis des Papstes wurde er 1482 mit erst 27 Jahren Bischof von Worms, behielt aber sein Kanzleramt bei. Dalberg war der erste Bischof, der sich offen zu der neuen Geistesrichtung bekannte.
Die Humanisten verehrten Philipp und Dalberg als ihre Schutzherren. Es war allein der kurfürstliche Hof zu Heidelberg, in dessen Glanz sich die Humanisten sonnen durften.
Mitglieder
Die anfängliche Anzahl ist nicht überliefert, wird aber nicht über 12 gelegen haben. Auf jeden Fall gehörten zu ihnen:siehe Literatur Joseph Aschbach: Die frühen Wanderjahre des Conrad Celtis und die Anfänge der von ihm errichteten gelehrten Sodalitäten
von Conrad Celtis genanntAusgabe der Werke der Roswitha, Celtis 1501
Johann von Dalberg, erster Präsident (1491–1503). Johann Wacker (Vigilius), Vizepräsident oder erster Sekretär, kurfürstlicher Rat und Universitätsprofessor aus Heidelberg (Sinsheim). Heinrich Spiess (Cuspidius oder Cuspianus), zweiter Sekretär, Humanist aus Heidelberg. Johannes von Trittenheim (latinisiert Trithemius), Abt des Klosters Sponheim, Humanist, Literatur-Historiker und Geschichtsschreiber, Moralphilosoph und Dichter. Willibald Pirckheimer, Nürnberger Patrizier, Förderer der humanistischen Wissenschaften, Freund Albrecht Dürers, Berater Kaiser Maximilians I. Martin Pollich von Mellerstadt, Philosoph, Mediziner (Leibarzt des sächsischen Kurfürsten Friedrich), Theologe, Dichter, Gründungsrektor der Universität Wittenberg Johann Stabius, Mathematikprofessor in Ingolstadt, Theologie, Rektor der Universität Ingolstadt, Chosmograph und Astronom, Dichter Johannes Tolhopf (auch Janus Tolophus), Propst von Forchheim, Domherr von Regensburg, Professor der Philosophie und Theologie 1472 und Rektor 1473 an der Universität Ingolstadt, Astronom und Dichter, ab 1479 Königlicher Rat und Hofastrologe des Königs Matthias Corvinus Heinrich von Bünau auf Teuchern und Gröbitz, sächsischer Edelmann, damals zum Studium der klassischen Wissenschaften in Worms Eitelwolf von Stein (Hololycus de Lapide), Humanist aus Schwaben, Mitbegründer der Universität Frankfurt/Oder (1506), Förderer Ulrich von Huttens, in brandenburgischen, zuletzt in Mainzer Diensten Sebastian Sprenz (Sperantius) aus Dünckelspühl (später Bischof von Bozen-Brixen 1521–1525 ??) Heinrich Grieninger, Humanist und Gräzist aus München Johannes Werner, Mathematiker, Kartograph und Pfarrer zu Wörth bei Nürnberg Johann Ziegler (Lateranus), Mathematiker aus Nürnberg Urban Prebusenius, Rhetoriker aus Schlesien
aus Briefen und anderen Dokumenten abzuleitende Mitgliedschaften
Jakob Dracontius, Prämonstratenser, Dichter und Musiker aus Heidelberg. Jakob Wimpheling, Domherr aus Speyer. Thomas Truchsess (Drusus), Domherr, Kanonikus aus Speyer. Hartmann von Eptingen Canonicus aus Basel. Theodorich Gresmund von Meschede, Humanist aus Mainz. Theoderich Ulsenius, Humanist und Arzt in Nürnberg. Heinrich Gerathwol (Euticus oder Eutychus) Arzt aus Frankfurt. Johannes Reuchlin, aus Schwaben, neben Erasmus von Rotterdam der deutsche Philosoph und Humanist. Heinrich Bebel, Humanist aus Schwaben. Konrad Peutinger, Patrizier aus Augsburg. Jodocus Gallus, Theologe aus Heidelberg Jakob Köbel, Stadtschreiber aus Oppenheim, Adam Werner von Themar, Theologe, Jurist, Dichter, Erzieher von Kurfürst Ludwig V. (Pfalz) Johann Wessel, Theologe.
Und mehrere andere.
Die Sodalitas litteraria Rhenana hatte mit Mainz, Heidelberg, Oppenheim, Nürnberg und Augsburg mehrere Einkehr- oder Versammlungsorte. Für die Beherbergung und Bewirtung sorgten dort die „Hospites“: Dietrich Gresemund (Theodorich) von Meschede für Mainz Johann Vigilius für Heidelberg Jakob Köbel für Oppenheim Willibald Pirckheimer für Nürnberg Conrad Peutinger für Augsburg
In einer solchen „Sektion“ oder „Contubernium Sodalium“ trafen sich oft weitere Mitglieder regelmäßig, so bei der
Oppenheimer Gruppe Sebastian Münster Kosmograph, Humanist und Hebraist Ulrich von Hutten Humanist, „erster Reichsritter“ Philipp Melanchthon Philologe, Philosoph, Humanist, Theologe, Lehrbuchautor, neulateinischer Dichter und wurde als „Praeceptor Germaniae“ (Lehrer Deutschlands) bekannt. Neben Martin Luther treibende Kraft der deutschen und europäischen kirchenpolitischen Reformation Hartmut XII. von Cronberg Hans Landschad zu Steinach Kaspar Sturm Reichsherold aus Oppenheim Peter Günther aus Neustadt, Korrektor bei Hieronymus Galler und Unterstützer Köbels Friedrich VI. von Dalberg, Bürgermeister von Oppenheim, Bruder von Bischof Johann III. von Worms.Hubert Cancik: Europa - Antike - Humanismus: Humanistische Versuche und Vorarbeiten, Transcript Verlag, 2014, S. 127, ISBN 3-8394-1389-3; (Digitalscan)
Verlauf
Der Humanistenkreis um Bischof Johann von Dalberg hatte nur wenige Jahre Bestand. Rudolf Agricola starb bereits 1485, Konrad Celtis verließ Heidelberg Anfang 1496 wieder. Johannes Reuchlin konnte 1499 wieder nach Stuttgart zurückkehren, und Jakob Wimpheling übersiedelte 1501 nach Straßburg. Mit Dalbergs Tod endeten die Verbindungen der Humanisten zum Wormser Bistum.Alte Quelle aus dem netz genommen; neu bequellen
Sodalitas litteraria Hungarorum Ungarische Gesellschaft für Wissenschaft, Sitz Preßburg (Bratislava). Bekanntes Mitglied: Johannes Manardus. 1497 als „Sodalitas litteraria Danubiana“ nach Wien verlegt.
Sodalitas litteraria Danubiana Donauländische Gesellschaft für Wissenschaft, auch „Societas Danubiana“ genannt, Sitz Wien.
Gründung
Durch Conrad Celtis und andere Humanisten 1497 oder 1498 in Wien als Nachfolge der Sodalitas litteraria Hungarorum. Die Gelehrtengesellschaft wählte Johann Vitéz zu ihrem Vorsitzenden.