mini|Friedenskirche in Potsdam Die evangelische Friedenskirche im Schlosspark Sanssouci in Potsdam steht im Marlygarten gleich am Grünen Gitter. Das Projekt schloss sich an den Bau der Heilandskirche am Port von Sacrow im selben Stil an, dem kirchlichen Rundbogenstil.Eva Börsch-Supan: Berliner Baukunst nach Schinkel 1840–1870, München 1977, S. 127f. Dieser Stil bezog sich programmatisch auf den (damals tatsächlich kaum bekannten) frühchristlichen Kirchenbau und vor allem sachlich auf romanische Elemente der Kirchenarchitektur Italiens und Roms. Der ganze Komplex ist oberitalienischen Klosterbauten nachempfunden.

Die Kirche wird für Gottesdienste der Evangelischen Friedenskirchengemeinde Potsdam genutzt. Der Oratorienchor Potsdam hat hier seinen Sitz.

Planungs- und Baugeschichte mini|Friedenskirche von Norden Eine Skizze für den Bau der Friedenskirche hatte Friedrich Wilhelm IV. bereits als Kronprinz im Jahr 1839 angefertigt. Dieser Entwurf orientierte sich an der frühchristlichen Kirche San Clemente in Rom.Anke Reiß: Rezeption frühchristlicher Kunst im 19. und frühen 20. Jahrhundert. ein Beitrag zur Geschichte der Christlichen Archäologie und zum Historismus. J.H.Röll Verlag. Dettelbach 2008. ISBN 978-3-89754-274-7. S. 117. Die Kirche sollte dabei den höfischen Ansprüchen einer königlichen Sommerresidenz in Sanssouci entsprechen. Symbolisch sollte die Friedenskirche Friedrich Wilhelms auf dem Gottesgnadentum beruhende Legitimation als Herrscher und damit Summus Episcopus in Preußen als einem „christlichen Staat“ widerspiegeln. Zu diesem Zweck ordnete Friedrich Wilhelm an, das Apsis-Mosaik der Klosterkirche San Cipriano in Murano wiederzuverwenden. Er hatte es 1834 erworben, als das Kloster abgerissen werden sollte. Das byzantinische Mosaik zeigt den auf einem Thron sitzenden Jesus Christus als Weltenrichter – eine von Friedrich Wilhelm IV. bewusst inszenierte Darstellung der Bestimmung seinerselbst durch Gott.David E. Barclay: Anarchie und guter Wille. Friedrich Wilhelm IV. und die preußische Monarchie. Siedler. Berlin 1995. ISBN 978-3-88680-463-4. S. 51–52.

Die Thronbesteigung im Jahr 1840 ermöglichte Friedrich Wilhelm die Verwirklichung seines Vorhabens, jedoch nicht, wie ursprünglich vorgesehen, am Schloss Charlottenhof, sondern im deshalb erweiterten Marlygarten. Inzwischen sah Friedrich Wilhelm vor, den Kirchenbau in einer Gesamtheit von See, Park und Ergänzungsbauten anzulegen.Zu den Intentionen Friedrich Wilhelms siehe Friedrich Mielke: Potsdamer Baukunst. Das klassische Potsdam. Propyläen, Frankfurt am Main, Berlin, Wien 1981, ISBN 3-549-06648-1, S. 148–151. Die vom Hofarchitekten Ludwig Persius nach seinen Ideen angefertigten Entwürfe lehnte er mehrfach ab: So kritisierte er unter anderem, dass beim ersten Entwurf der Kirche ein Turm fehlte oder die Größenverhältnisse nicht stimmig wären. Erst am 20. Oktober 1843, nach fast zweijähriger Planungszeit, genehmigte der König Persius’ Baupläne. Vorbild des frei stehenden Glockenturms wurde der Campanile von Santa Maria in Cosmedin in Rom. Diese Kirche hatte der Kronprinz in dem Kupferstichwerk Denkmale der christlichen Kirchen Roms kennengelernt. Am 14. April 1845 legte er den Grundstein der Friedenskirche. Nach Persius‘ Tod am 12. Juli 1845 führte Friedrich August Stüler den Bau weiter. Die Bauleitung erhielten Ferdinand von Arnim und Ludwig Ferdinand Hesse. Am 24. September 1848 wurde die Friedenskirche unter Anwesenheit des Königs und der Königin eingeweiht, der Glockenturm im Jahr 1850 vollendet. Die Bauzeit an den Nebenanlagen und Ensemblebauten, darunter das Grüne Gitter, die Villa TieckKönigin-Elisabeth-Haus / Villa Tieck / Wittmeyersches Haus, Information der Website Denkmale in Brandenburg, abgefragt am 16. Oktober 2020. und die Villa IllaireVilla Illaire und Gehilfenhaus sowie Pavillon, Information der Website Denkmale in Brandenburg, abgefragt am 16. Oktober 2020. und das Königliche Zivilkabinettshaus,Königliches Zivilkabinettshaus, Information der Website Denkmale in Brandenburg, abgefragt am 16. Oktober 2020. dauerte noch bis Mitte der 1850er Jahre. Im Jahr 1890 folgte am Atrium ein Mausoleum für Kaiser Friedrich III.

Bettina Vaupel von der Deutschen Stiftung Denkmalschutz hebt die Bedeutung des Bauwerks für Friedrich Wilhelm IV. hervor. In einem Artikel in dem Magazin Monumente erläutert sie: „Wenn er schon nicht dauerhaft in diesem Land (Italien) verweilen darf, muss er seine Sehnsucht in Potsdam stillen“. Zwischen 2015 und 2028 unterstützte die Deutsche Stiftung Denkmalschutz mehrere Maßnahmen zur Instandsetzung der Kirche. Im Jahr 2020 stand fest, dass auch der Glockenturm massiv in seiner Substanz gefährdet war. Bereits im Jahr 1905 mussten die Eisengussplatten an den Außenwänden ausgebaut und durch Stahlbeton ersetzt werden. Diese Betonböden waren mittlerweile aufgerissen und kaum noch tragfähig. Die Zwischendecken müssen mit Edelstahl versteift werden, um ein Auseinanderbrechen der Mauern zu verhindern. Ebenso war das Mauerwerk teilweise beschädigt.Bettina Vaupel: Risse im Traumbild, In: Monumente, Ausgabe 5/2020, S. 18–23 Die eigentliche Sanierung lief zwischen 2022 und 2024. Dabei konnte die Restaurierung umfänglich aus privaten Spendengeldern finanziert werden, unter anderem gaben die Hermann Reemtsma Stiftung und Günther Jauch jeweils eine Million Euro. Auch die Deutsche Stiftung Denkmalschutz war erneut mit 300.000 Euro beteiligt.Evangelische Presseagentur (epd), zitiert nach evangelisch.de Im Zuge der Arbeiten wurde auch das Glockengeläut saniert und das Turmkreuz wieder vergoldet.

Architektur mini|Friedenskirche und Campanile von Osten Die Kirche ist eine dreischiffige Säulenbasilika ohne Querhaus mit einem 42 Meter hohen Campanile. Der 42 Meter hohe freistehende Glockenturm auf der Südseite ist dem Campanile von Santa Maria di Cosmedin in Rom nachempfunden. Eine Ädikula auf der Ostseite zeigt ein Fresko Jesus in Gethsemane von Eduard Steinbrück. Der Turm hat sieben offene Obergeschosse. Die vier Glocken mit Namen Gratia, Clementia, Pax und Gloria erklingen vom dritten Turmgeschoss oberhalb des Uhrwerks. 1917 und 1945 wurden sie, bis auf die kleinste, zum Einschmelzen für die Rüstungsproduktion vom Turm genommen, konnten aber ihrem Schicksal entgehen. Das 13,50 Meter hohe Hauptschiff überragt die halb so breiten Seitenschiffe. Rundbogenarkaden zeigen den Übergang an. Als Vorlage für die Potsdamer Kirche diente ein frühchristlich idealisierter Kupferstich der Kirche San Clemente in Rom.

Der religiöse Friedrich Wilhelm IV. wünschte eine flache Kassettendecke im Innern. In den Feldern sind goldene Sterne auf blauem Grund enthalten. Dem König schienen die frühen christlichen Sakralbauten, die aus Markt- und Gerichtshallen entstanden sind, als bauliches Vorbild besonders geeignet.

Mosaik (Apsis) mini|Blick in die Apsis Ein im Wesentlichen erhaltenes veneto-byzantinisches Mosaik aus dem ersten Drittel des 13. Jahrhunderts schmückt die Apsis der Kirche.Horst Hallensleben: Ein venezianisches Mosaik des Mittelalters in Potsdam. In: Max-Planck-Gesellschaft, Jahrbuch, München u. a. 1983, S. 756 Es befand sich ursprünglich in der zum Abbruch bestimmten Kirche San Cipriano (Weihe 1109) auf Murano bei Venedig. Friedrich Wilhelm hatte es noch in seiner Kronprinzenzeit für 385 Taler ersteigern und von der Apsis abnehmen lassen. Das rund 60 Quadratmeter große Mosaik wurde auf 111 Gipsplatten aufgezogen und auf dem Wasserweg nach Potsdam gebracht.

Die Darstellung zeigt das byzantinische Bildmotiv der Deësis (Fürbitte) mit dem thronenden Christus im Zentrum. Die Gottesmutter Maria zu seiner Rechten und Johannes der Täufer zu seiner Linken wenden sich ihm mit erhobenen Armen und Händen in einer demütigen und flehentlichen Haltung zu. In ähnlicher Haltung stehen rechts neben Maria (aus Sicht der Betrachtenden also links außen) der Apostel Petrus und spiegelbildlich neben Johannes der Namenspatron von San Cipriano, der 258 enthauptete Märtyrer Cyprianus im Bischofsornat. Christus hat den rechten Arm und die rechte Hand zum Segensgestus erhoben. In der Linken hält er ein kostbar verziertes, geschlossenes Buch, das entweder als „Buch des Lebens“ oder als Evangelium gedeutet wird.Thomas-Peter Gallon: Herrscher, Richter, Segensspender ? In: Mitteilungen, Studiengemeinschaft Sanssouci, Potsdam 2013, S. 62 f. (siehe Literaturverzeichnis) Als Sinnbild des Heiligen Geistes schmückt die Taube den Scheitel der Halbkugel. Über den Köpfen der Erzengel Raphael und Michael erscheint das Lamm als Christussymbol. Am Halbrund der Apsis lautet die lateinische Inschrift in Luthers Übersetzung: .

Die vier dunkelgrünen Säulen des Altarziboriums, aus sibirischem Jaspis, sind ein Geschenk des russischen Zaren Nikolaus I. aus dem Jahr 1842.

Taufkapelle und Sakristei In Verlängerung des rechten Seitenschiffes befindet sich die ehemalige Taufkapelle. Der sechsseitige Taufstein wurde 1965 in den Kirchenraum versetzt. Als Pendant zur Taufkapelle ist die Sakristei im linken Seitenschiff. Nach dem Tod Friedrich Wilhelms IV. diente sie vorübergehend als Mausoleum, auch für später verstorbene Mitglieder des Hauses Hohenzollern. Zwei Söhne des Kaisers Friedrich III. und seiner Gemahlin Victoria, die Prinzen Sigismund und Waldemar, wurden hier bis 1892 aufgebahrt. 1920 fand der jüngste Sohn des letzten Deutschen Kaisers Wilhelm II., Prinz Joachim (1890–1920) in der Sakristei eine Ruhestätte. Nach 1931 wurde er in den Antikentempel überführt. In der Kirche wurden Kaiser Wilhelm II., Kronprinz Wilhelm von Preußen, Eitel Friedrich von Preußen, August Wilhelm von Preußen, Oskar von Preußen, Joachim von Preußen und Viktoria Luise von Preußen eingesegnet.

Königliche Gruft mini|Grabplatte mit Inschriften für Friedrich Wilhelm IV. und Elisabeth Ludovika von Bayern vor dem Altar mini|Gruft mit den Sarkophagen von Friedrich Wilhelm IV. und Elisabeth Ludovika von Bayern unterhalb des Altars Unter zwei Marmortafeln, die vor den Stufen zum Altarraum in den Boden eingelassen wurden, befindet sich die königliche Gruft. Friedrich Wilhelm IV. starb nach mehreren Schlaganfällen am 2. Januar 1861. Nach der Einweihung der Gruft im Oktober 1864 wurde sein Sarkophag dort aufgestellt. Das Herz Friedrich Wilhelms ruht jedoch an der Seite seiner Eltern im Mausoleum im Schlosspark Charlottenburg in Berlin.

Im Jahr 1873 folgte ihm seine Gemahlin Elisabeth Ludovika. Die beiden Marmorplatten im Kirchenfußboden (siehe die nebenstehenden Abbildungen) tragen die gleichen Inschriften wie Sarkophage aus englischem Zinn in der Gruft.

Im Jahr der Grufteinweihung war auch die von Friedrich Wilhelm IV. erwünschte Fußbodengestaltung im Kirchenraum als ein ineinander verschlungenes Endlosband als Symbol für die Ewigkeit fertiggestellt.

Orgel mini|Orgelprospekt seit 2004 Die heutige Orgel der Friedenskirche besteht zum Teil noch aus einer mit 25 Registern auf zwei Manualen und Pedal recht klein disponierten Orgel, die 1847 von dem Orgelbauer Gottlieb Heise (Potsdam) erbaut worden war. Erhalten ist das Gehäuse, welches von Ferdinand von Arnim entworfen worden war.

Da das Instrument für den Kirchenraum zu schwach war, wurde es nach 1848 mehrfach umgebaut und ergänzt. Bedeutende Änderungen hat im Jahr 1909 der Orgelbauer Wilhelm Sauer (Frankfurt/Oder) vorgenommen. Er baute das Instrument um, stattete es mit pneumatischer Traktur aus und gestaltete das Orgelgehäuse neu, wodurch die Fensterrose hinter der Orgel verdeckt wurde. Das Instrument besaß danach weiterhin 25 Register, entsprach aber besser den damaligen Forderungen der Organisten. Weitere einschneidende Änderungen nahm 1930 der Orgelbauer Alexander Schuke (Potsdam) vor. Er erweiterte die Orgel auf 38 Register und gestaltete sie zu einem spätromantisch-symphonischen Instrument mit barockisierenden Elementen um.