Der Regionalbezirk Evros () ist der östlichste der sechs Regionalbezirke der griechischen Region Ostmakedonien und Thrakien. Bis zum Vollzug des Kallikratis-Plans war Evros eine der – seit 1997 selbstverwalteten – griechischen Präfekturen. Seit 2011 beschränkt sich seine Bedeutung auf die Zuteilung von elf Abgeordnetensitzen im Regionalrat Ostmakedoniens und Thrakiens. Evros trägt seinen Namen nach dem gleichnamigen Fluss, der hier die Grenze zur Türkei bildet.

Geografie mini|hochkant|Topografische Karte Evros erstreckt sich mit einer Nord-Süd-Ausdehnung von rund 100 km am östlichen Rand der griechischen Rhodopen, die an der Grenze zum Regionalbezirk Rodopi noch auf knapp über 1.000 m ansteigen und den südwestlichen Teil der Präfektur bedecken. 57,05 % der Fläche entfallen auf die Ebenen der Flüsse und der Küste, 27,86 % sind Hügelland, 15,09 % gebirgig., Website der Überpräfektur (griech.)

Die Nord- und Ostgrenze sind durch die Ebene des Flusses Evros geprägt, dem im Norden der Ardas, etwas weiter südlich der Erythropotamos zufließt. Der Evros bildet (bis auf einen kleinen Abschnitt bei Edirne) auf über 185 km Länge die Grenze zwischen Griechenland und der Türkei und mündet in einem rund 500 km² umfassenden Delta in das Thrakische Meer, das nördliche Nebenmeer der Ägäis. Im Frühjahr schwillt der Evros erheblich an und überflutet dabei gelegentlich größere Gebiete; schwerere Schäden entstanden durch Hochwasser zuletzt in den Jahren 1997 und 2005.dartmouth.edu:

Evros grenzt im Westen an die griechische Präfektur Rodopi, im Nordwesten und Norden an den bulgarischen Oblast Chaskowo, im Osten an die türkische Provinz Edirne und wird im Süden von der Thrakischen See, einem Teil der Ägäis, begrenzt. Zur Präfektur gehört ferner die knapp 180 km² bedeckende Ägäisinsel Samothraki, die etwa 40 km südlich der Küste liegt und deren Bergmassiv Fengari mit 1624 m die höchste Erhebung des Regionalbezirks bildet. Das Dorf Ormenio in der Gemeinde Orestiada ist die nördlichste Siedlung Griechenlands.

Klima In Evros herrscht ein gemäßigt subtropisches, winterfeuchtes Klima vor (Mittelmeerklima). Die höher gelegenen Gebiete im Südwesten sind deutlich feuchter und kälter als die Küste und die Ebene des Flusses Evros, wo auch im Winter ein relativ mildes Klima herrscht. Die durchschnittliche Temperatur beträgt in den Wintermonaten −1 bis 7 °C, in den Sommermonaten werden durchschnittlich 18 bis 24 °C erreicht. Die kältesten Gebiete sind die Berggipfel im Westen der Präfektur und die Höhen des Fengari auf Samothraki. Die jährliche Sonnenscheindauer nimmt mit zunehmender Höhenlage und stärker noch von Süden nach Norden hin ab, entsprechendes gilt umgekehrt für die Niederschlagsmenge, deren Werte zwischen 20 und 30 l/m² im Sommer und 530 und 800 l/m² im Winter liegen. Auf das Jahr gerechnet fallen in Evros durchschnittlich Niederschlagsmengen zwischen 740 l/m² (Küsten und Evros-Tal) und 960 l/m² (Höhenlagen im Westen und auf Samothraki).

Natur Die Landschaft des Evrosdeltas ist durch Lagunen, Inselchen und Salzwiesen geprägt. 15 der 350 Pflanzenarten hier sind Halophyten. Etwa 60 % der Fläche weisen noch Salzboden auf, viele Flächen wurden für die Landwirtschaft trockengelegt bzw. ausgesüßt. Das Delta ist Lebensraum für 46 Fischarten, die Landflächen dienen vor allem Vögeln als Winterquartier, Brut- oder Rastplatz. Zu den brütenden Arten zählen neben zahlreichen Seeschwalben-Arten Schwarzkopfmöwe, Rotflügel-Brachschwalbe, Triel, Seeregenpfeifer, Spornkiebitz und Säbelschnäbler. Als Winterquartier dient das Delta vor allem Enten, Gänsen und Schwänen, aber auch Flamingos, Zwergscharben und Krauskopfpelikanen. Besonders im Winter kommen verschiedene Greifvogel-Arten an die Küste. Hinzu kommen bis zu 150.000 Vögel, die das Delta auf ihrem Zug als Rastplatz aufsuchen. Obwohl das Evrosdelta offiziell als Naturschutzgebiet ausgewiesen ist, bedrohen illegaler Wohnungsbau, Beweidung und die Vogeljagd durch Einheimische die Natur im Gebiet erheblich.Evros National Park an ‘ecological disaster’, ekathemerini.com, 15. November 2005 (englisch)

Das Gebiet flussaufwärts ist mit Schilf und Galeriewäldern aus Pappeln und Weiden gesäumt, in den stillen Tümpeln zuseiten des Evros finden sich Schwertlilien-Arten und eine reiche Wasserpflanzenflora, so Weiße Seerose und Wasserfenchel. Die Gräben und Kanäle, die nach dem Zweiten Weltkrieg zur Entwässerung angelegt wurden und heute zur Bewässerung der Felder mit Süßwasser dienen, sind zudem Lebensraum für einige seltene Krötenarten und die Rotbauchunke; die Reptilien sind zum Beispiel durch Ringel- und Würfelnatter, Europäische Sumpf- und Kaspische Bachschildkröte vertreten.

Das dünn besiedelte Hinterland des Evros erstreckt sich bis zur bulgarischen Grenze im Nordwesten. Es steigt im südlichen Teil der Präfektur bis auf Mittelgebirgshöhe an und ist größtenteils bewaldet. Nadelwälder, vor allem aus Schwarzkiefer und Kalabrischer Kiefer, wechseln mit Laubwäldern aus vornehmlich Buchen oder niedrigwüchsigen Eichen ab. Streng geschützt ist der Wald von Dadia auf dem Gebiet der Gemeinden Soufli und Tychero, in dem sich eine einzigartige Fauna erhalten hat. Allein 36 der 38 europäischen Greifvogelarten wurden hier nachgewiesen, mindestens 23 von ihnen brüten auch im Regionalbezirk. Neben den insgesamt 219 Vogelarten sind 40 Vertreter der Reptilien und Amphibien sowie 36 Säugetierarten nachgewiesen, aber auch die Vielfalt der Käfer- und anderer Insektenarten ist beträchtlich.

Die Natur der Vulkaninsel Samothraki wird vom Fengari-Massiv bestimmt, das im Südosten steil zum Meer hin abfällt. Die Küstengebiete sind großenteils von Kulturlandschaft geprägt. In höheren Lagen befinden sich Wälder aus Zerr- und Flaumeichen. Das vor allem an der Nordseite wasserreiche Bergmassiv ist noch Heimat der artenreinen Morgenländischen Platane.

Bevölkerung Im Regionalbezirk Evros lebten laut der Volkszählung 2011 des griechischen Nationalen Amts für Statistik 147.947 Personen (Excel-Dokument, 2,6 MB).

Die Präfektur ist durch anhaltende Landflucht geprägt. Während die Einwohnerzahl der Hauptstadt Alexandroupoli von 1981 bis 2001 um knapp 40 % gestiegen ist, ist in derselben Zeit die Zahl der Gesamtbevölkerung nur um 2,12 % gestiegen. Entsprechend sanken in den meisten übrigen, ländlichen Gemeinden beständig die Einwohnerzahlen., Website der Überpräfektur (griech.)

Sprachen und Religionen mini|Orthodoxe Kirche in Didymoticho mini|hochkant|Die Bayezid-Moschee in Didymoticho

Weitgehend griechische, orthodoxe Christen bilden mit 135.000 von 144.000 Einwohnern (93,75 %); zitiert in: die überwältigende Bevölkerungsmehrheit der Präfektur. Evros umfasst zwei Diözesen (Metropolien), Alexandroupolis und Traianoupolis sowie Didymoticho und Orestiada, deren Metropoliten kirchenrechtlich dem Ökumenischen Patriarchat von Konstantinopel unterstehen.ecclesia.gr: (griechisch)

Die muslimische Minderheit wurde 1997 auf rund 6000 Personen (6,25 %) geschätzt, die sich aus Türken, Pomaken und muslimischen Roma zusammensetzen. Damit ist Evros von den drei thrakischen Präfekturen Griechenlands diejenige mit dem kleinsten muslimischen Bevölkerungsanteil. Gleichzeitig ist Evros, namentlich die Umgebung der Städte Alexandroupoli und Didymoticho, das Hauptsiedlungsgebiet der 5.000 bis 18.000 Roma in Griechenland, die teils christlicher, teils muslimischer Religion sind, weshalb es keine gesicherten Zahlen über sie gibt. (Griechenland erhebt keine Daten zur Sprache oder ethnischen Herkunft seiner Einwohner.) Didymoticho ist Sitz eines der drei vom griechischen Staat ernannten Muftis, die teilweise für standes- und zivilrechtliche Angelegenheiten zuständig sind.mfa.gr: (englisch) Als Sprache der muslimischen Minderheit ist das Türkische im Verkehr mit der religiösen Behörde sowie vor Gericht zugelassen, sein Gebrauch wird jedoch durch den griechischen Staat in keiner Weise gefördert.

Bevölkerungsbewegungen im frühen 20. Jahrhundert Das untere Evros-Tal war im 19. Jahrhundert multiethnisch und multireligiös besiedelt. Die größten Bevölkerungsgruppen waren orthodoxe Griechen und Bulgaren sowie sunnitische Türken.

Während der Zugehörigkeit Westthrakiens zu Bulgarien flohen rund 70.000 der Griechen in das Königreich Griechenland und etwa 49.000 Türken in osmanisches Gebiet, während die bulgarische Regierung gezielt vertriebene Bulgaren aus Makedonien und Ostthrakien ansiedelte. Die Bulgaren mussten nach dem Vertrag von Neuilly-sur-Seine (1919) das Gebiet verlassen, ein großer Teil der griechischen Flüchtlinge kehrte nach Westthrakien zurück.

1920 erhob die französische Besatzung Daten zur Bevölkerung Westthrakiens. Das Ergebnis für April 1920 berücksichtigte die Angaben der jeweiligen Bevölkerungsgruppen, insbesondere Angaben zu den wiederkehrenden Griechen, die während der bulgarischen Besatzungszeit ins Königreich Griechenland geflohen waren:

Bevölkerungsgruppen in Evros 1920Das 1923 an die Türkei gefallene Gebiet von Karaağaç wurde hier mitgerechnet. Bezirk Türken Bulgaren Griechen Juden Armenier andere Summe Karagatch 5 10.210 15.045 370 450 1.113 27.193 0,02 % 37,55 % 55,33 % 1,36 % 1,65 % 4,09 % Didymoticho 1.274 4.956 18.856 878 157 192 26.313 4,84 % 18,83 % 71,66 % 3,34 % 0,60 % 0,73 % Soufli 2.770 10.998 7.435 – – 47 21.250 13,04 % 51,76 % 34,99 % 0,00 % 0,22 % 0,00 % Dedeagatch 642 11.543 3.355 165 512 100 16.317 3,93 % 70,74 % 20,56 % 1,01 % 3,14 % 0,61 % Evros 4.681 37.707 44.691 1.413 1.119 1.452 91.073 5,15 % 41,40 % 49,07 % 1,55 % 1,23 % 1,59 %

Obwohl die Muslime Westthrakiens von dem im Vertrag von Lausanne (1923) vereinbarten Bevölkerungsaustausch zwischen Griechenland und der Türkei ausgenommen waren,Abkommen zum Bevölkerungsaustausch zwischen Griechenland und der Türkei (englisch) erhöhte sich der Anteil der Griechen in Evros vor allem durch Ansiedlungen aus dem übrigen, nun bulgarischen (Nordthrakien) bzw. türkischen Thrakien (Ostthrakien) erheblich. So ist zum Beispiel Nea Orestias, heute das Zentrum der Gemeinde Orestiada, eine Neugründung von 1923 durch Griechen, die aus Ostthrakien und dem nunmehr türkischen Gebiet von Karaağaç geflohen waren, das noch 1920 unter griechischer Herrschaft in Orestias umbenannt worden war.

mini|Die katholische St.-Josephs-Kirche wurde für die ausländischen Arbeiter beim Bau der Bahnstrecke Thessaloniki-Konstantinopel 1896–1901 in Dedeağaç errichtet.

Die 1871 im Zuge der Errichtung der Eisenbahnstrecke Thessaloniki-Konstantinopel an der Stelle eines Fischerdorfs erbaute Hafenstadt Dedeağaç wurde 1920 in Alexandroupoli umbenannt und ist heute fast ausschließlich griechisch besiedelt. Alexandroupoli war außerdem eines der ersten Zentren armenischer Besiedlung in Griechenland. Sephardische Juden, die im nahe gelegenen Edirne ein Siedlungszentrum hatten, siedelten vor allem in Didymoticho.

Einwanderung seit 1980 Der Fluss Evros ist trotz der Sicherung durch Patrouillen einer Sonder-Polizei eine stark frequentierte Übertrittsstelle für Flüchtlinge, vor allem aus dem Mittleren Osten und Zentralasien. Die Verstärkung der Kontrollen hat die Zahl der aufgegriffenen Personen von 22.924 (2001) auf 14.280 (2002) sinken lassen.The Evros: A perilous crossing on the threshold of Europe ekathimerini.com, 24. September 2003 (englisch) Zahlreiche der Flüchtlinge ertrinken im Fluss12 bodies found in Evros River, ekathemerini.com, 10. September 2003 (englisch) oder werden durch Landminen getötet. Weitere illegale Grenzübertritte erfolgen durch Schmuggel in Fahrzeugen über den Grenzübergang Kipi.