Hintermeilingen ist ein Ortsteil der Gemeinde Waldbrunn (Westerwald) im mittelhessischen Landkreis Limburg-Weilburg. Zu diesem Ortsteil gehört auch die Ansiedlung Schlagmühle. In dem Westerwalddorf wohnen über 1200 Einwohner. Historisch überliefert ist für den Ort auch der Name Lahrmeilingen. Im örtlichen Dialekt wird der Ort „Maling“ genannt.
Geographie Geographische Lage Hintermeilingen liegt im südöstlichen Westerwald, etwa 15 Kilometer nördlich von Limburg an der Lahn, 12 Kilometer westlich von Weilburg und 14 Kilometer östlich von Westerburg. Der Ort liegt in Hessen, nahe der Grenze zu Rheinland-Pfalz.
Die angrenzenden Orte sind, von Norden beginnend im Uhrzeigersinn: Fussingen, Lahr, Heckholzhausen, Steinbach, Ellar. Ungefähr drei Kilometer westlich, jedoch durch den Höhenrücken Heidenhäuschen getrennt, liegt der Ort Hangenmeilingen (Gemeinde Elbtal).
mini|Der Kerkerbach im Bereich der Schlagmühle Der Ort liegt in der Quellmulde des Hintermeilinger Floß bei etwa 243 m ü. NN und ist von bewaldeten Höhenrücken umgeben. Bei den Wäldern handelt es sich überwiegend um Buchen- und Nadelmischwälder. Die Gemarkung gehört zum Vorfluterbereich des Hintermeilinger Floß und des Kerkerbachs. Der Hintermeilinger Floß mündet bei der Schlagmühle in den Kerkerbach.
Nördlich von Hintermeilingen befindet sich ein Höhenrücken aus den Bergen Oberholz (331,0 m ü. NN), Bühl (303,3 m ü. NN), Steinkopf (329,8 m ü. NN) und Honigberg (311,5 m ü. NN). Die Quellmulde setzt sich im Westen in die Ellarer Gemarkung, dem Bereich der Wüstung Oberndorf, fort und schließt mit dem Höhenrücken Heidenhäuschen aus den Bergen Burg (350 m ü. NN), Remelsberg (397,8 m ü. NN) und Spitzberg (335 m ü. NN) ab. Nach Süden und Südosten wird die Quellmulde durch die Berge Gackenberg (301,3 m ü. NN) und den Gleisenberg (308,1 m ü. NN) abgeschlossen.
Geologie mini|hochkant|Basaltblockmeer am Heidenhäuschen, ca. 3 Kilometer von Hintermeilingen
Der Ort liegt im Übergangsbereich zwischen dem Oberwesterwald und dem Limburger Becken im Oberwesterwälder Hügelland. Geologisch besteht der Untergrund aus oberdevonischem Schiefer. Die Höhenrücken im Norden und Westen bestehen überwiegend aus Olivinbasalten. Die beiden südlich gelegenen Berge bestehen überwiegend aus Quarziten. Diese Schichten besitzen ein Alter von etwa 300 Millionen Jahren.
In der Gemarkung bestehen ausgeprägte Tonvorkommen. Diese Tonablagerungen haben eine Mächtigkeit von etwa 12 Metern. Sie sind vor etwa 52 bis 40 Millionen Jahren während der Oligozänzeit gebildet worden.H. Gröschen: Wie kommt der Ton nach Hintermeilingen. in: Waldbrunner Nachrichten. 26/51/96. S. 18. Die oberste Bodenschicht (ca. 3–15 Meter) und der Oberboden sind stark lößhaltig. Diese Schichten haben sich während der Würmeiszeit vor etwa 115.000 bis 10.000 Jahren gebildet.
Klima Die Jahresmitteltemperatur liegt bei 7,2 °C. Die mittlere jährliche Niederschlagsmenge beträgt etwa 750–760 Millimeter und ist damit etwas geringer als im Oberwesterwald und deutlich höher als im Limburger Becken. Durch die mittlere Höhenlage zwischen dem Lahntal und dem hohen Oberwesterwald gibt es nur ca. 40 Nebeltage jährlich.
Geschichte Entstehung Der Ort liegt in einem wahrscheinlich vorgermanischen Siedlungsgebiet. Bei Bauarbeiten der Kerkerbachbahn in Fussingen wurde eine Urne aus der Zeit um 1000 v. Chr. gefunden. Am Lindenberg bei Hausen wurden Keramikscherben aus der Hallstattzeit (Stufe C) um 700 v. Chr. gefunden. Bei Heckholzhausen und Lahr befinden sich Hügelgräber aus der späten Hallstattzeit. Von der Dornburg, dem Heidenhäuschen und vor allem in Lahr sind Funde bekannt, die eine keltische Besiedlung während der La-Tène-Zeit belegen.
Die Entstehung des Ortsnamens ist, wie beim nahen Fussingen, umstritten. Nach Prof. Dr. Heinrich Richter (ehemals Prähistoriker an der Justus-Liebig-Universität Gießen) handelt es sich um einen „unechten -ingen Namen“,Rudersdorf: Waldbrunn/Westerwald S. 22. der während der vorrömischen Siedlungsperiode bis 39 v. Chr. entstanden ist. Der Name beziehe sich auf die Matronae Mahalinehae der Ubier. Richter vermutet ein sakrales, den Mahalinehae geweihtes Gericht auf Remelsberg, von dem sich die Namen Hintermeilingen, Hangenmeilingen und Remelsberg ableiten. Nach dem Historiker Hellmuth Gensicke handelt es sich um einen „echten -ingen Name[n]“.Gensicke: Landesgeschichte des Westerwaldes S. 12 Dieser zeige eine Entstehung des Ortes während der Völkerwanderung zwischen 375 und 600 n. Chr. an. Der Name beziehe sich auf den Gründer des Ortes, Megilo.
Die älteste bekannte, eindeutige urkundliche Erwähnung erfolgte 1301 als Meylingen im Kirchspiel Lahr. Als Hinder Maylingen wurde der Ort nachweislich erstmals 1328 bezeichnet. Der Zusatz Hinter- wurde zur Unterscheidung von Hangenmeilingen eingeführt. Zuvor hießen beide Orte nur Mailingen. Hierdurch ist die Zuordnung der älteren Urkunden nicht zweifelsfrei möglich. Ab 1585 wurde für Hintermeilingen zeitweise der Name Lahrmeilingen benutzt.
Frühes Mittelalter Hintermeilingen gehörte zum Zentgericht Lahr im Bereich des Mark Ellar („Allanaher Marka“). Gegen Ende der Karolingerzeit lag die Mark Ellar im Niederlahngau des Herzogtums Franken. Die Mark befand sich im 13. Jahrhundert als Amt Ellar im Besitz der Grafschaft Diez. Ab dem Jahr 1315 war das Zentgericht Lahr an die Herrschaft Merenberg verpfändet. Die Einlösung erfolgte vor 1333. Im Jahr 1337 verpfändete die Grafschaft Diez die Gebiete erneut, diesmal an das Haus Nassau-Hadamar. Die Einlösung erfolgte in den Jahren 1356 bis 1362.
Sitz der Urpfarrei war Lahr, von der sich Hintermeilingen nie gelöst hatte. Das Kirchenpatronat lag bei dem Haus Runkel/Westerburg als Vögte des Stifts Gemünden. Der Ort verfügte über eine gotische Kapelle (erwähnt seit 1524), die St. Peter geweiht war. Spätestens im Jahr 1726 war die Kapelle jedoch St. Marien geweiht.
Die von Mylingen In Hintermeilingen war die niederadlige Familie „von Mylingen/von Meilinchin“ begütert, die wahrscheinlich aus diesem Ort stammte. Die Mitglieder der Familie standen im Dienst der adligen Familien Molsberg und Runkel/Westerburg. Bezeugte Mitglieder der Familie waren: Amshelm von Mylingen (im Jahr 1244)/von Meilinchin (1253) und seine Schwester Hildegard. Albrecht von Mylingen (um 1270) Conrad der Schwarze von Mylingen (um 1300) Jutta von Mylingen und ihre Söhne Heinrich und Kunz (zwischen 1352 und 1358).
Grafschaft Katzenelnbogen 1367 trat die Grafschaft Diez das Amt Ellar mit dem Zentgericht Lahr als Mitgift an die Grafschaft Katzenelnbogen ab. Nach dem Ende des Erbfolgestreits der Grafschaft Nassau-Hadamar erhielt am 28. Juli 1408 das Haus Nassau-Dillenburg ein Drittel des Amtes Ellar, der Rest verblieb bei der Grafschaft Katzenelnbogen.
Die Bevölkerung lebte überwiegend von dem geringen Ertrag der Landwirtschaft auf den eher kargen Böden. Eine wichtige Rolle nahm über lange Zeit die Schafzucht ein. Die Landwirtschaft war seit dem Mittelalter in der Dreifelderwirtschaft organisiert. Für den Ort bestand Mühlenbann auf die Gadelheimer Mühle und die Ellarer Mühle. Durch die Realerbteilung entstanden immer kleinere Höfe, die dazu führten, dass die Bevölkerung versuchte weitere Einkommensquellen zu erschließen.
Nahe am Ort verlief eine Hohe Straße von Frankfurt über Limburg nach Siegen. Die Straße folgte der Wasserscheide zwischen dem Kerkerbach und dem Lasterbach, einem Seitenbach des Elbbach. Vermutlich wurde diese Straße während der karolingischen Zeit als Königsstraße angelegt. Auf Karten des frühen 18. Jahrhunderts von Hintermeilingen ist die Straße noch verzeichnet. Spätestens mit dem Bau der neuen Mainzer Landstraße (heute B 54) um 1780 verlor diese alte hohe Straße jedoch ihre Bedeutung.
Nassau-Dillenburg mini|Erinnerungstafel für die 1524 errichtete Kapelle im Ort
Mit dem Tod von Philipp von Katzenelnbogen 1479 starben die Grafen von Katzenelnbogen im Mannesstamm aus. Es kam zu einem lang anhaltenden Streit zwischen den Grafen von Nassau-Dillenburg und der Landgrafschaft Hessen. Als nächster Verwandter Philipps ergriff Heinrich III. von Hessen-Marburg Besitz des Katzenelnbogener Erbes. Die hessischen Landgrafen verkauften 1534 die Hälfte ihres Anteiles an Kurtrier. Der „Frankfurter Vertrag“ führte zu einem Vergleich im Katzenelnbogener Erbfolgestreit 1555. Das Amt Ellar gehörte seitdem komplett zu Nassau-Dillenburg.
Im Ort wurde 1524 die Sankt-Peter-Kapelle erbaut. Ab dem Jahr 1536 setzte die Reformation in der Grafschaft Nassau-Dillenburg ein. Die Grafen von Dillenburg schrieben den lutherischen Glauben vor. Um 1557 trat der Landesherr Johann VI. von Nassau-Dillenburg zum Calvinismus über, was zu einem erneuten Wechsel der Religion führte.
Die zentrale Person der Reformation im Kirchspiel Lahr war der am 1. April 1576 eingeführte Pfarrer Eberhard Artopaeus. Anfangs Lutheraner, wurde er später ein überzeugter Calvinist. Artopaeus gründete 1582 die Kirchspielschule in Lahr. In dem Gebäude bei der Kirche wurde für alle Kinder aus dem Kirchspiel Unterricht im Winterhalbjahr durchgeführt. Für die Kinder aus Hintermeilingen bedeutete dieses einen Schulweg von ca. 30 Minuten.
Am 29. Januar 1590 wendete sich die Bevölkerung mit einem Schreiben an den Landesherren in Dillenburg. Sie klagten ihre Mitbürgerin Anna der Hexerei an und verlangten, dass ihr in Dillenburg der Prozess gemacht wird.
Nassau-Hadamar Bei der Erbteilung des Hauses Nassau-Dillenburg im Jahr 1607 wurde das Amt Ellar der neu gegründeten Grafschaft Nassau-Hadamar unter Graf Johann Ludwig zugewiesen. Aus dem 1612 für die Grafschaft angelegten Salbuch geht hervor, dass der Zehnt in dieser Zeit im Besitz der Familien von Wied (ehemals von Runkel) und von Riedesel war. Im Jahr 1614 wurde das Dorf von einer Pestepidemie betroffen.
Mit dem Beginn des Dreißigjährigen Kriegs 1618 begann eine verheerende Phase für den Ort. Fast jährlich mussten die verschiedenen Kriegsparteien einquartiert werden, zudem musste die Bevölkerung erhebliche Sondersteuern tragen und Bestechungsgelder aufbringen. Ursache der Kriegslast war die Nähe zu den wichtigen Lahnübergängen und die anfängliche Neutralität der Grafschaft Nassau Hadamar, die dazu führte, dass keine Kriegspartei das Gebiet schonte. Ein Bewohner von Hintermeilingen schloss sich den schwedischen Truppen an.
Bereits 1619 marschierte eine Bayerische Armee durch die Grafschaft. Im Winter 1622/23 bezogen Truppen des ligistischen General Tilly Winterlager in der Grafschaft. Nach ihrem Sommerfeldzug kehrten sie im Winter 1623/24 zurück. 1626 durchquerten wieder Truppen der katholischen Liga den Ort. Am 23. Juni 1627 besetzten Wallensteins Truppen unter General Görzenichs den Oberen Westerwald. Nur mit einer gemeinsamen Aktion mehrerer Grafschaften gelang es, die plündernden Truppen zu vertreiben.