mini|José Sánchez de Murillo (2006)

José Sánchez de Murillo (* 8. Februar 1943 in Ronda, Provinz Málaga, Spanien) ist ein römisch-katholischer Ordenspriester, Philosoph und Dichter.„Der Glaube an ein Schicksal. Redaktion: Hubert Schöne.“ Buch und Regie: Dorit Vaarning. BR 2000.

Leben Sánchez de Murillo legte sein naturwissenschaftliches Abitur 1960 in Córdoba ab, wo er im selben Jahr in den Orden der Unbeschuhten Karmeliten eintrat.Die biografischen Angaben folgen im Wesentlichen dem „Lebenslauf“ in: José Sánchez de Murillo: Die existentialistische Freiheitsauffassung und die christliche Gotteserfahrung. Eine kritische Untersuchung der Philosophie Jean-Paul Sartres in religionsphänomenologischer Hinsicht. Inaugural Dissertation. Würzburg 1975 Von 1961 bis 1963 studierte er zunächst scholastische Philosophie und Musik (Klavier und Orgel) an der „Université Catholique“ in Lille und schloss das Studium mit einer Diplomprüfung ab.Vorwort von Luise Rinser zu Dein Name ist Liebe. Bergisch Gladbach 1998. ISBN 3-404-70122-4 Im Winter 1963 begann er das Studium der Theologie und spanischen Mystik am Teresianum in Rom, das er 1968 mit dem Lizenziat abschloss. Anschließend bereitete er eine Dissertation über das Thema „Hoffnung“ im Lichte der philosophisch-theologischen Prinzipien Karl Rahners in Rom vor. Im Sommer 1970 reiste er nach Würzburg, um mit Heinrich Rombach Kontakt aufzunehmen und die Möglichkeit einer philosophischen Dissertation zu besprechen.Diese – amtlich verbürgte – Information über den Erstkontakt zwischen Sánchez und Rombach 1970 macht die von Martin Thurner wiedergegebene Version der „ersten Sprechstunde“ von Sánchez mit Heinrich Rombach 1971, in deren Vorfeld – noch ohne deutsche Sprachkenntnisse – die schicksalhafte „Begegnung“ mit dem Werk Jakob Böhmes stattgefunden habe, die für die spätere Entwicklung der Tiefenphänomenologie ausschließlich maßgeblich gewesen sei, zumindest frag-würdig. – Martin Thurner: Tiefenphänomenologie eines Ortes: Luise Rinser, José Sánchez de Murillo und Ronda. in: Luise Rinser und / y Ronda, München 2007 ISBN 978-3-00-022084-5 Im September 1970 kehrte er nach Rom zurück und schloss sein Studium mit der Promotion in Theologie über die transzendentalphilosophisch begründete Theologie Karl Rahners ab. Anschließend lehrte er Theologie in Rom. 1971 ließ er sich in Rom beurlauben und setzte sein Philosophiestudium mit den Nebenfächern französische Literaturwissenschaft und Theologie in Würzburg fort. 1972 wurde er wissenschaftlicher Mitarbeiter von Heinrich Rombach am Institut für Philosophie, Lehrstuhl I der Universität Würzburg. 1973 gab er die Dozentenstelle in Rom auf und begann mit der Ausarbeitung einer Dissertation über Jean-Paul Sartre. Nebenbei war er als Sprachlehrer für Französisch, Italienisch und Spanisch sowie als Ethiklehrer am städtischen Schönborngymnasium in Würzburg tätig. 1976 schloss er das Studium mit einer philosophischen Dissertation über die Phänomenologie Jean-Paul Sartres ab.

1976 studierte er das Werk Jakob Böhmes, dazu Schelling, Schopenhauer, Scheler, Heidegger, Novalis und Franz von Baader. Letzterem widmete sich Sánchez de Murillo in seiner Habilitationsschrift über den deutschen Idealismus und die deutsche Romantik.

Ab 1977 reiste Sánchez mehrmals zu längeren Aufenthalten nach Guatemala und Mexiko.Vorwort von Luise Rinser in: Dein Name ist Liebe. Bergisch Gladbach 1998 S. 11f., ISBN 3-404-70122-4 Die Begegnung mit dem Elend und der Ausbeutung in diesen Ländern erschütterte Sánchez und änderte seine Beziehung zur Wissenschaft in Richtung menschliche Nähe. Durch den unmittelbaren Einblick in diese auf der Pflanze – dem Mais – beruhende, im Wesen „weibliche“ Kultur erkannte er eine Parallele zu dem Anliegen, das in der Deutschen Romantik mit dem Wort „Zurück zu den Müttern!“ ausgedrückt wurde.

Sánchez führte ein „weltliches Leben“,Der Glaube an ein Schicksal, BR 2000 heiratete und wurde am 23. Februar 1983 in Augsburg mit seiner Schrift Der Geist der deutschen Romantik. Franz von Baaders Versuch einer Erneuerung der Wissenschaft. Von Kant zu Jakob Böhme für das Fach Philosophie habilitiert, nachdem er sein Habilitationsgesuch in Würzburg zurückgezogen hatte.José Sánchez: Durchbruch der Tiefenphänomenologie S. 28 Kohlhammer, Stuttgart 2002, ISBN 3-17-017368-5. – Eine aktuellere Selbstdarstellung vom Juli 2016 findet man auf der Website des Edith-Stein-Instituts: https://www.edith-stein-institut-muenchen.de/pages/tiefenphaenomenologie.html Diese erschien 1986 nach weiteren drei Forschungsjahren mit dem neuen Untertitel Der Übergang vom logischen zum dichterischen Denken und der Hervorgang der Tiefenphänomenologie. Von 1984 bis 1988 lehrte er Philosophie in Augsburg, von 1989 bis 1992 in Granada.

Nach weiteren „schicksalhaften Ereignissen“Vorwort von Luise Rinser in: Dein Name ist Liebe. Bergisch Gladbach 1998 S. 11, ISBN 3-404-70122-4; José Sánchez: Die Krankheiten des Professor Walther. Roman. Pfeil, München 1986, ISBN 3-923871-13-9; José Sánchez: Leben im Aufgang. Roman. Pfeil, München 1994, ISBN 3-923871-76-7. kehrte er in den Orden zurück, da es ihm nur dort möglich sei, zu „lieben und geliebt zu werden, nur weil ich es bin“.Der Glaube an ein Schicksal, BR 2000 1992 entwarf er in München das Konzept eines Edith-Stein-Instituts für Phänomenologie und Tiefenphänomenologie e. V., dessen Vorsitzender er ist. 1993 übernahm er die Schriftleitung des neu gegründeten Edith-Stein-Jahrbuchs, das seitdem im Auftrag und mit finanzieller Unterstützung des Teresianischen Karmel in Deutschland beim Echter Verlag erscheint.

Im Wintersemester 1994/95 lehrte er noch einmal Philosophie am Teresianum. Im Januar 1995 besuchte er Luise Rinser in Rocca di Papa. Aus dieser Begegnung entstand eine enge Freundschaft, die für beide menschlich und literarisch wichtig wurde und die für die Entwicklung der dichterischen Dimension der Tiefenphänomenologie von grundlegender Bedeutung war. Luise Rinser veranlasste die philosophisch-meditative Schrift Das Fünklein Mensch über Jakob Böhme (1997) und das Epos Dein Name ist Liebe (1998), das sie mit einem Vorwort versah.Vorwort von Luise Rinser in: Dein Name ist Liebe. Bergisch Gladbach 1998 S. 9, ISBN 3-404-70122-4 Ebenso regte sie das noch unabgeschlossene Epos Gotteshervorgang (1998) an. 2011 veröffentlichte er eine Biografie über Rinser.Artikel in der FAZ 2011 An dem Buch, das die Verstrickung Luise Rinsers in den Nationalsozialismus nachweist und den Mythos ihrer Autobiographie aufdecktJosé Sánchez: Luise Rinser hat uns alle angelogen https://www.merkur.de/kultur/neue-biographie-luise-rinser-alle-angelogen-1210860.html arbeitete auch ihr Sohn Christoph Rinser mit.

Mit dem neunten Band Menschen, die suchen schied Sánchez 2003 aus der Schriftleitung des „Edith-Stein-Jahrbuches“ aus. Im gleichen Jahr gründete er – zusammen mit Martin Thurner – die neue Reihe „Aufgang. Jahrbuch für Denken – Dichten – Musik“ und setzte seine Lehrtätigkeit auf Einladung von Martin Thurner mit gemeinsamen Lehrveranstaltungen und im Bereich des Seniorenstudiums an der Universität München fort.

Am 20. Juni 2014 wurde ihm im Rahmen der Tagung „Musik und Spiritualität“ in St. Ottilien der Luise Rinser Preis verliehen. Der Preis ist mit einem zeitlich unbegrenzten finanziellen monatlichen Beitrag zum Lebensunterhalt des Philosophen dotiert.

Am 11. Juli 2018 beendete Sánchez mit einer Vorlesung über deutsche Märchen beim Seniorenstudium der Universität München seine akademische Lehrtätigkeit.

Philosophischer Ansatz Die Tiefenphänomenologie ist hervorgegangen aus Auseinandersetzungen mit der Naturphilosophie von Jakob Böhme und mit Autoren der deutschen Romantik, insbesondere Franz von Baader, und deren Diskussion über Kant. Wichtig war die vorausgegangene Beschäftigung Murillos mit der Theologie Karl Rahners und den Phänomenologien von Edmund Husserl, Martin Heidegger und Jean-Paul Sartre. Ebenso von Bedeutung waren laut eigener Darstellung die Erforschung mittelamerikanischer Mythologien, vor allem der Maya-Kultur, die Erfahrung menschlichen Elends durch Aufenthalte in Indio-Dörfern von Guatemala, lebensgeschichtliche Brüche und das Leiden an der Härte der akademischen Wirklichkeit.José Sánchez: Die Krankheiten des Professor Walther. Roman. Pfeil, München 1986, ISBN 3-923871-13-9.