Dieser Teil der Liste lateinischer Phrasen enthält mit dem Buchstaben D beginnende Phrasen.

150px|ohne|rahmenlos|Initiale D

Da Da mihi castitatem et continentiam, sed noli modo. „Schenke mir Keuschheit und Enthaltsamkeit – aber nicht gleich!“

Rückblickendes Selbstzitat aus den Confessiones des Kirchenlehrers Augustinus von Hippo.

Da mihi factum, dabo tibi ius. „Gib mir den Sachverhalt, ich werde dir das Recht geben.“

Römische Rechtsregel, nach der die Parteien vor Gericht nur den Sachverhalt, nicht jedoch die Rechtslage vorzutragen haben.

Da pacem Domine. „Gib Frieden, Herr.“

Dabit Deus his quoque finem. „Gott wird auch diesem [Unglück] ein Ende machen.“ – Vergil, Aeneis, 1,203.

Damnatio

Damnatio memoriae „Verdammung der Erinnerung“

Jemand soll aus dem Gedächtnis gelöscht werden. Dabei wurden die Namen besonders verhasster Personen aus den Annalen getilgt und sämtliche Bildnisse und Inschriften zerstört.

Damus Damus petimusque vicissim. „Wir geben und nehmen im Wechsel.“

Danaum Danaum fatale munus „das verhängnisvolle Danaergeschenk“ – Seneca, Agamemnon 624.

Damit ist das Trojanische Pferd gemeint.

Siehe auch Quidquid id est, timeo Danaos et dona ferentes.

Dat Dat census honores. „Reichtum bringt Ansehen.“ – Eigentlich: „Der Steueranschlag verleiht Ehrenämter.“ – Ovid, Amores 3,8,55.

Dat, dicat, dedicat. „Er gibt, weiht und widmet.“ – Weiheformel für Gegenstände, die man den Göttern widmete, abgekürzt mit

Eine andere Version ist Dat, donat, dedicat.

De De duobus malis minus est eligendum. „Von zwei Übeln muss man das kleinere wählen.“ – Cicero, De officiis III, 3.

De facto „in der Tat, in Wirklichkeit“

So heißt es von einem realen Tatbestand, der unter Umständen nicht dem rechtmäßigen Zustand de jure entspricht.

De gustibus non est disputandum. „Über Geschmack kann man nicht streiten.“

Dieser Satz stammt nicht aus der Antike. Der Franzose Jean Anthelme Brillat-Savarin leitete ihn vom spanischen „“ her. In der scholastischen Philosophie heißt es:

„De gustibus et coloribus non est disputandum.“ („Über Geschmäcke und Farben kann man nicht streiten.“)

Meist wird diese Aussage so verstanden, dass niemand rational beweisen kann, dass ein bestimmtes Geschmacksempfinden das richtige sei.Wilfried Stroh, 3. Juli 2003 (Festvortrag zur feierlichen Eröffnung des 17. Oberpfälzer Zahnärztetages „Der gute Geschmack“; historischer Reichssaal des Alten Rathauses der Stadt Regensburg): .

De jure „nach [geltendem] Recht“

Der Begriff wird meist im Zusammenhang mit dem Begriff de facto verwendet. Eine Regierung, die de jure im Amt ist, wurde nach geltendem Recht eingesetzt, muss aber keine faktische Gewalt haben. Eine De-facto-Regierung hingegen hat eine tatsächliche Gewalt, jedoch nicht unbedingt eine rechtliche Legitimation.

De minimis „um das Geringste“

Rechtsprinzip, bei dem Bagatellen nicht den Tatbestand einer Norm erfüllen oder nicht angeklagt werden. Beschreibt davon ausgehend auch eine Ausnahmeregelung oder Dinge von geringfügiger Bedeutung.

Kurzform zu den folgenden Sätzen:

De minimis non curat praetor „Um Geringfügigkeiten kümmert sich der Praetor nicht.“ – Variante: Minima non curat praetor.

De minimis non curat lex „Um Geringfügigkeiten kümmert sich das Gesetz nicht.“ (Vergleiche auch lex.)

De mortuis nil/nihil nisi bene [dicendum (est)] „Von Verstorbenen [(ist)] nur in guter Weise [(zu) sprechen]“ – Lateinische Übersetzung einer gleichbedeutenden, ursprünglich Chilon von Sparta zugeschriebenen griechischen Wendung: ().

De nihilo nihil fit. „Von nichts kommt nichts.“

Nach Lukrez, De rerum natura 2,287, wo es heißt: „de nihilo quoniam fieri nil posse videmus“ („weil wir sehen, dass aus nichts nichts werden kann“).

De novo „von Neuem“

De omnibus dubitandum „An allem ist zu zweifeln.“ – formuliert von René Descartes, Grundlage seiner Erkenntnistheorie.

Von Karl Marx 1865 in einem Fragebogen seiner Tochter Jenny als sein Lieblingsmotto bezeichnet.

mini|hochkant|De Profundis (rechte Spalte direkt unterhalb des Bildes) De profundis „Aus der Tiefe“ – Anfang des 130. Bibelpsalms: „De profundis clamavi ad te Domine.“ „(Aus der Tiefe rufe ich, Herr, zu Dir.“)

de re und de dicto „über die Sache“ und „über das Gesagte“ – Unterscheidung in der Logik, ob sich eine Notwendigkeit auf die Sache selbst bezieht oder die Art und Weise, wie sie beschrieben ist.

De te fabula narratur „Diese Geschichte wird über dich erzählt.“ – Du bist gemeint!

Aus Horaz, Sermones 1,1,69 f., wo der Satz vollständig lautet: „mutato nomine / de te fabula narratur.“ („Der Name ist geändert, / aber die Geschichte handelt von dir.“)

Decernat Decernat. „Er/sie/es möge entscheiden!“ (3. Person Singular Konjunktiv Präsens Aktiv, vergleiche lateinische Konjugation)

Mit diesem Wort wurde eine Angelegenheit vom Vorstand einer Behörde der zuständigen untergeordneten Dienststelle zugewiesen, dem entsprechenden „Dezernat“, wie man seit dem 19. Jahrhundert sagte, fälschlicherweise mit Endbetonung, als stammte das Wort von einem Partizip Perfekt Passiv her wie etwa Dekret von decrétum.So Duden Band 7. Das Herkunftswörterbuch. Mannheim 1997.

Decori/Decus Decori decus addit avito. „Ruhm fügt er dem angestammten Ruhm hinzu.“

Der Spruch kommt vor als Aufschrift auf einer Medaille des Earl Spencer (1799). Ob der Satz – die zweite Hälfte eines Hexameters – aus einer Dichtung stammt, ist nicht nachgewiesen.

Decus et tutamen „Zier und Schutz“

Inschrift auf dem Rand der britischen Ein-Pfund-Münze, der zum Schutz vor Beschneidung beschriftet war. Im 17. Jahrhundert kam es oft vor, dass der Rand von Silbermünzen abgeschnitten wurde. Die Wortwahl geht zurück auf Vergils Epos Aeneis (5,262).

Defensor Defensor fidei „Verteidiger des Glaubens“ – Variante von Fidei defensor.

Defensor matrimonii „Verteidiger der Ehe“ – auch defensor vinculi („Ehebandsverteidiger“). Er tritt in katholischen kirchlichen Scheidungsprozessen auf.

Dei mini|Englische Münze für Heinrich VIII.:hEnRIC VIII DI GR REX AnGLIE(Henricus VIII. Dei Gratia Rex Angliae,„Heinrich VIII. von Gottes Gnaden König von England“) Dei Gratia „Von Gottes Gnaden“

Der Begriff Gottesgnadentum entwickelte sich aus dem Titelzusatz Dei Gratia. Das Gottesgnadentum beinhaltet die Legitimation des Herrschers durch den Willen Gottes (Stellvertreter Christi auf Erden). Auch heute noch prangt auf den britischen Münzen der Zusatz D. G. (für Dei Gratia) hinter dem Königsnamen.

Deleatur mini|hochkant|Korrekturzeichen Deleatur Deleatur. „Es möge getilgt werden.“

Korrekturzeichen, welches diejenigen Teile eines Manuskripts (einzelne Buchstaben, Wörter, Sätze oder ganze Absätze) kennzeichnet, die gestrichen werden sollen. Seine Form geht dabei auf den kleinen Buchstaben „d“ in der deutschen Kurrentschrift zurück.

Delicta/Delictum Delicta carnis „fleischliche Vergehen“

Delictum omissivum „Unterlassungsdelikt“ – Straftat, bei der – anders als beim Begehungsdelikt – ein Unterlassen unter Strafe gestellt wird.

Delictum tentatum „versuchtes Verbrechen“

Delirant Delirant isti Romani. „Die spinnen, die Römer.“ – Aus der lateinischen Version der Asterix-Serie; Standardspruch von Obelix, der auf ungewohnte Verhaltensweisen mit Befremden reagiert („Die spinnen, die …“)

Delirium Delirium tremens „Zitterndes Irresein“ – Entzugsdelirium, eine ernste Komplikation bei einer länger bestehenden Alkoholkrankheit.

Demon Demon est deus inversus. „Der Teufel ist die Kehrseite Gottes.“

Ein aus Esoterik und Theosophie stammender Satz, bekannt geworden vor allem durch H. P. Blavatskys Werk Die Geheimlehre.Helena Petrovna Blavatsky: Die Geheimlehre, Band 2 (Kosmogenesis), Zweiter Teil (Die Entwicklung der Symbolik), Abteilung XI (Demon est deus inversus).

Demon ist eine spätlateinische Schreibung, im klassischen Latein hieß es daemon („[böser] Geist, Dämon“) als Fremdwort aus dem griechischen („göttliches Wesen“). Die Begriffseinengung auf den Teufel ist christlich.

Dentata Dentata charta „gezähntes Papier“ – Schmähschrift

Deo Deo dignus vindice nodus „ein Knoten bedürftig eines Gottes zum Lösen“

Das Diktum geht zurück auf Horaz, Ars poetica 191 f., wo für die Tragödie gefordert wird „nec deus intersit, nisi dignus vindice notus / inciderit“ („und kein Gott sei im Spiel, außer es ist eine Verstrickung angefallen, die einen Befreier verlangt“).

Deo gratias. „Gott sei Dank!“

Deo iuvante „mit Gottes Hilfe“ – Ordensdevise

Deo Optimo Maximo (D. O. M.) „dem besten und höchsten Gott“ – christliche Aufnahme der antiken Prädikation Jupiter Optimus Maximus

Seit der Renaissance oft bei Grabmälern in Kirchen und Friedhöfen zu sehen. Devise des Benediktinerordens.

Deo parere libertas. „Gott gehorchen ist Freiheit.“

Deo volente nobis viventibus. „Wenn wir am Leben sind, weil Gott will.“ – „Wenn wir nach Gottes Willen am Leben sind.“ – „So Gott will und wir leben.“

Zum Beispiel als Nachsatz: „Wir treffen uns dann morgen, so Gott will und wir leben.“

Siehe auch Condicio Iacobaea.

Depositio Depositio cornuum „Ablegung der Hörner“ – eine Zeremonie vor der Immatrikulation.

Desine Desine fata deum flecti sperare precando! „Lass ab von der Hoffnung, das von den Göttern verhängte Schicksal werde durch Beten abgewendet.“ – Vergil, Aeneis 6,376.

Desinit Desinit morbus, incendium extinguitur. „Eine Krankheit hört auf, ein Brand wird gelöscht.“

Deum/Deus Deum cole, regem serva. „Gott verehre, dem König diene!“

Deus Adiutor et Protector meus „Gott, mein Helfer und Schützer“ – Wahlspruch derer von Elverfeldt genannt von Beverfoerde zu Werries, wie auf deren Stammsitz Schloss Loburg zu sehen ist.

Deus ex machina „Ein Gott aus der [Bühnen-]Maschine“ – .

Heute bezeichnet man mit deus ex machina meist eine unerwartet auftretende Person oder Begebenheit, die in einer Notsituation hilft oder die Lösung bringt.

Deus in minimis maximus „Gott ist in den kleinsten Dingen am größten.“ – Augustinus zugeschrieben.

mini|Deus lo vult Deus lo vult „Gott will es!“ – Spätlateinischer Kampfruf der Kreuzzüge. So antwortete die Menschenmenge, als Papst Urban II. am 27. November 1095 in einer Predigt auf der Synode von Clermont zur Befreiung Jerusalems aufrief.

Das nichtklassische „lo“ leitet sich ab von vulgärlateinisch illu(m) anstelle des klassisch korrekten illud. Daraus entwickelte sich ein italienischer Artikel.

Deus mare, Friso litora fecit. „Gott schuf das Meer, der Friese die Küste.“

Deus providebit. „Gott wird sorgen.“

Deus sive Natura „Gott oder auch die Natur“

Di Di meliora dent. „Die Götter mögen Besseres geben!“

Di minores „niedere Götter“

Dic Dic cur hic. „Sag, warum hier [und jetzt].“ – „Sag, warum du hier bist.“

Von J. M. Moscherosch geprägte humanistische Leitfrage.

Dic, hospes, Spartae nos te hic vidisse iacentes, / dum sanctis patriae legibus obsequimur. „Sag, Fremder, in Sparta, du habest uns hier liegen sehen, / den heiligen Gesetzen der Heimat gehorchend.“

Epigramm des Simonides von Keos in der lateinischen Übersetzung von Marcus Tullius Cicero (Tusculanae disputationes 1,101). Auf dem Gedenkstein bei den Thermopylen für die Spartaner, die sich dort gegen die Perser bis auf den letzten Mann aufopferten, soll das Epigramm auf Griechisch gestanden haben:

Friedrich Schiller übersetzt (in Der Spaziergang): „Wanderer, kommst du nach Sparta, verkündige dorten, du habest / Uns hier liegen gesehn, wie das Gesetz es befahl.“

Dictum Dictum „Gesagtes“ – Diktum, Ausspruch, Äußerung, Sentenz, Bonmot

Dictum, factum. „Gesagt, getan.“

Dictum sapienti sat. „Ein Wort genügt dem Weisen.“ – Vergleiche Sapienti sat.

Diem/Dies Diem perdidi. „Ich habe einen Tag verloren!“ – Diese Worte soll Kaiser Titus ausgerufen haben, als ihm bei Tische einfiel, er habe an jenem Tage noch niemandem etwas Gutes getan.

Dies ater „ein schwarzer Tag“

So nannte der römische Geschichtsschreiber Livius die Schlacht an der Allia, bei der die römischen Truppen gegen Gallier eine Niederlage erlitten, durch die die Eroberung Roms ermöglicht wurde.

Dies irae