Dieser Teil der Liste lateinischer Phrasen enthält mit dem Buchstaben E beginnende Phrasen.
150px|ohne|rahmenlos|Initiale E
E E contrario „aus dem Gegenteil“ – zum Beispiel bei der Beweisführung
Mit „argumentum e contrario“ wird in der Rechtsmethodik die Schlussfolgerung des Umkehrschlusses bezeichnet.
E duobus malis minimum eligendum est. „Von zwei Übeln ist das kleinste auszuwählen.“
E flamma petere te cibum posse arbitror. „Ich glaube, dass du Nahrung aus der Flamme holen kannst.“ – Jambischer Senar aus Terenz, Eunuchus 491. Im Sinne von: „Für eine warme Mahlzeit würdest du alles tun.“
E pluribus unum „aus mehreren eines“
Ursprüngliches Motto der USA auf dem Staatssiegel. Gemeint ist damit, dass aus mehreren Einzelstaaten ein Gesamtstaat wird.
Siehe auch das ähnliche Motto In varietate concordia.
E verbo „aufs Wort“ – wörtlich, Wort für Wort
Ea Ea tela texitur. „Dieses Gewebe wird angezettelt/gewebt.“ – Cicero, De oratore 3,226.
Heute gebraucht als Hinweis auf das in Rede stehende Thema.
Eadem Eadem mensura metiri „mit gleichem Maß messen“
Ecce
Ecce agnus dei qui tollit peccata mundi. „Seht, das Lamm Gottes, das die Sünde der Welt hinwegnimmt!“
Im Johannesevangelium (Vulgata-Übersetzung) spricht Johannes der Täufer diese Worte, als er Jesus sieht (Joh ). In der römisch-katholischen Liturgie wird der Satz vor dem Empfang der Kommunion gesprochen, die Gläubigen antworten mit dem Gebet Herr ich bin nicht würdig.
Siehe auch Agnus Dei.
Ecce ego mitto vos sicut oves in medio luporum. „Siehe, ich sende euch wie die Schafe mitten unter die Wölfe.“ – Aussendung der Apostel durch Jesus nach dem Evangelium nach Matthäus ().
Ecce homo „Siehe, der Mensch!“ – Im Johannesevangelium (Vulgata-Übersetzung) spricht Pilatus diese Worte, als er Jesus mit der Dornenkrone vor die Menschenmenge führt (Joh ).
Ecce mater tua. „Sieh, das ist deine Mutter!“ – Diese Worte sagte der sterbende Jesus am Kreuz zu seinem Jünger Johannes, der sich seiner Mutter Maria annehmen sollte ().
Ecclesia Ecclesia militans „die kämpfende Kirche“ – das Volk Gottes auf der Erde
Ecclesia non sitit sanguinem. „Die Kirche dürstet nicht nach Blut.“ – Die Kirche übergab die so genannten Ketzer der weltlichen Gerichtsbarkeit zur Vollstreckung der Strafe.
Auch: „Die Kirche besteht nicht auf Todesstrafen und ihrer Vollstreckung.“Detlef Liebs et al.: Lateinische Rechtsregeln und Rechtssprichwörter. Beck, München 1982.
Ecclesia triumphans „die triumphierende Kirche“ – Gemeinschaft der Seligen im Himmel
Ede
Ede nasturtium. „Iss Brunnenkresse!“ – Erasmus von Rotterdam, Adagia 1,8,54.
Brunnenkresse (Nasturtium officinale) war ein wichtiger Vitamin-C-Lieferant durch die schon im Winter mögliche Ernte. Man sagte ihr nach, dass sie die Denkfähigkeit erhöhe.
Edere Edere oportet, ut vivas, non vivere, ut edas. „Man muss essen, um zu leben, nicht leben, um zu essen.“
Besser verständliche Variante von: Auctor ad Herennium 4,39, wo es heißt: „Esse oportet …“. Esse ist eine mehrdeutige Alternative des Infinitivs edere (ēsse: „essen“; ĕsse: „sein“).
Quintilian (Institutio oratoria 9,3,85) formuliert dasselbe als Beispiel für die Stilfigur Antimetabole: „Non ut edam, vivo, sed ut vivam, edo.“
Vergleiche auch „Edimus, ut vivamus, non vivimus, ut edamus.“
Edimus Edimus, ut vivamus, non vivimus, ut edamus. „Wir essen, um zu leben. Wir leben nicht, um zu essen.“
Variante: „Edendum tibi est ut vivas, et non vivendum ut edas.“ („Du musst essen, damit du lebst, du lebst nicht, um zu essen.“)
Vergleiche auch „Edere oportet, ut vivas, non vivere, ut edas.“
Editio Editio princeps „Erste Ausgabe“ – unter editio princeps versteht die Editionswissenschaft die erste Druckausgabe eines Klassikers.
Ego Ego Dominus Deus tuus, qui eduxi te de terra Aegypti, de domo servitutis. „Ich bin der Herr, dein Gott, der dich aus dem Land der Ägypter geführt hat, aus dem Sklavenhaus.“ – Einleitung zu den Zehn Geboten (, ).
Ego flos campi, et lilium convallium. „Ich bin eine Blume des Feldes und eine Lilie des Tales.“ – Hoheslied 2,1 nach der Vulgata (, ).
Häufiger Anfangssatz geistlicher Motetten, zum Begriff der flos campi siehe Rose von Scharon.
Ego sum lux mundi „Ich bin das Licht der Welt.“ − Johannesevangelium 8,12 (, ).
Eines der Ich-bin-Worte Jesu.
Ego sum, qui sum. „Ich bin der, der ich bin.“ – 2. Buch Mose (Exodus) 3,14 nach der Vulgata (, ).
Ego te absolvo. „Ich spreche dich frei [von deinen Sünden].“ – Absolution bei der Beichte.
Eheu Eheu fugaces, Postume, Postume, / labuntur anni. „O weh, wie flüchtig, Postumus, Postumus, / vergehn die Jahre.“ – Horaz, Oden 2,14,1f., Übersetzung im Versmaß des Originals.
Ens Ens „sas Seiende“ – Partizip Präsens von esse („sein“), Begriff der Philosophie, insbesondere der Scholastik
Ens a se „das durch sich selbst Seiende“ – das von keinem anderen Seienden Verursachte
Ens ab alio „das von einem anderen Seiende“ – von einem anderen verursachtes Seiendes
Ens individuale „Einzelwesen“ – Individuum
Ens perfectissimum „das vollkommenste Ding“ – Bezeichnung Gottes bei René Descartes
Ens rationis „das Gedankending“ – das nur gedachte Ding
Ens reale „das wirkliche Ding“ – Begriff aus der Philosophie: das reale, vom Bewusstsein unabhängige wirkliche Wesen
Ens realissimum „Das allerwirklichste Sein“ – Gemeint ist damit Gott.
Ens sociale „Gemeinschaftswesen“ – Entspricht dem griechischen Zoon politikon.
Ense mini|Siegel des US-Bundesstaates Massachusetts mit dem Motto Ense petit placidam sub libertate quietem. Ense petit placidam sub libertate quietem. „Mit dem Schwert sucht er die stille Ruhe unter dem Schutze der Freiheit.“ – Motto des US-Bundesstaates Massachusetts.
Vollständiger Wortlaut dieser Verse von Algernon Sidney (1622–1683):
Manus haec inimica tyrannis ense petit placidam sub libertate quietem. Diese den Tyrannen feindliche Hand sucht mit dem Schwert die friedliche Ruhe in Freiheit.
Eo Eo ipso „aus sich heraus“ – gerade dadurch
Eodem Eodem die „am selben Tag“
Eodem mense „im selben Monat“
Eodem anno „im selben Jahr“
Epicuri Epicuri de grege porcum „Ein Schwein aus der Herde des Epikur“
Selbstironisches Zitat aus den Briefen (1,4,16) des Dichters Horaz. Der griechische Philosoph Epikur galt als Genussmensch und wurde oft geschmäht. Mit dem Aufkommen des Christentums geriet der Epikureismus zunehmend in Misskredit.
Epistula Epistula non erubescit. „Ein Brief errötet nicht.“ – Cicero in einem Brief.Cicero: Epistulae ad familiares (Briefe an Freunde und Vertraute) 5,12,1 (Brief an Lucius Lucceius).
Equi Equi donati dentes non inspiciuntur. „Eines geschenkten Pferdes Zähne beschaut man nicht.“
Vorbild für das deutsche Sprichwort „Einem geschenkten Gaul schaut man nicht ins Maul.“
Es gibt auch die Redewendung „Equi dentes inspicere donati“ („Die Zähne eines geschenkten Gaules betrachten“).
Equitare Equitare, arcum tendere, veritatem dicere. „Reiten, Bogenschießen, die Wahrheit sagen“ – Motto von Karen Blixens berühmtem Buch Jenseits von Afrika.
Equum Equum habet Seianum. „Er hat das Pferd des Seius.“ – Er ist dem Verderben geweiht.
Der Römer Gnaeus Seius hatte ein ausgezeichnetes Pferd, das angeblich von den Pferden des Diomedes abstammte, der gegen Troja gekämpft hatte. Allerdings lag auf dem Pferd der Fluch, dass, wer es besaß, mit seiner ganzen Familie und seinem Hab und Gut dem Verderben geweiht sei. Die Geschichte erzählt Gellius in den Noctes Atticae (3,9,2-6) und zitiert das Sprichwort mit dem folgenden Wortlaut: „Ille homo habet equum Seianum.“ („Dieser Mann besitzt das Pferd des Seius.“)
Eram Eram quod es; eris quod sum. „Ich war, was du bist; du wirst sein, was ich bin.“ – Häufige Grabinschrift in Renaissance und Barock; Horaz zugeschrieben, dort jedoch nicht belegt.
Ergo mini|hochkant|Ergo-bibamus-Denkmal in Jena Ergo bibamus. „Also lasst uns trinken!“
Titel eines berühmten Studentenliedes, das 1810 von Johann Wolfgang von Goethe gedichtet und 1813 von Traugott Maximilian Eberwein vertont wurde. Nach dem Goethe-Text wurde ein Denkmal benannt, das 1986 in Jena auf dem Standort des ehemaligen Brauhauses der Universität aufgestellt wurde. Der Text der ersten Strophe lautet folgendermaßen: Hier sind wir versammelt zu löblichem Thun, Drum Brüderchen Ergo Bibamus! Die Gläser sie klingen, Gespräche sie ruhn, Beherziget Ergo Bibamus! Das heist noch ein altes ein tüchtiges Wort, Es passet zum ersten und passet so fort, Und schallet ein Echo vom festlichen Ort, Ein herrliches Ergo Bibamus.
Ergo vivamus, dum licet esse bene. „Lasst uns also leben, solange es uns gut gehen darf!“ – Ein Vers (Pentameter) aus dem Roman Satyrikon (34,10) des Titus Petronius, wo ihn der neureiche Trimalchio als seine Lebensmaxime zitiert.
Eripere Eripe mihi hunc dolorem, aut minue saltem. „Nimm mir diesen Schmerz oder verringere ihn wenigstens!“ – Zitat aus Ciceros Briefen an Atticus (IX,6) von 705 a.u.c. .
Eripuit mini|hochkant|Eripuit coelo fulmen sceptrumque tyrannis: Franklins Experiment mit dem Drachen Eripuit coelo fulmen sceptrumque tyrannis. „Er entriss dem Himmel den Blitz und das Szepter den Tyrannen.“
Auf Benjamin Franklin gemünzter Spruch, der den Blitzableiter erfand und an der US-amerikanischen Unabhängigkeit maßgeblich beteiligt war. Während eines Gewitters ließ Franklin einen Drachen steigen und wies durch Funken die Elektrizität im Blitz nach. Außerdem saß Franklin im Komitee, das die Unabhängigkeitserklärung der USA konzipierte. Mit dem Tyrannen ist der englische König gemeint.
Eine andere Version des Spruchs lautet:
„Eripuit coelo fulmen, mox sceptra tyrannis.“ („Er entriss dem Himmel den Blitz, bald die Szepter den Tyrannen.“)
Eritis Eritis mihi testes. „Ihr werdet meine Zeugen sein.“ – Zitat aus der Apostelgeschichte in der Vulgata./
Motto von Kardinal Franz Hengsbach (und anderen).
Eritis sicut dii scientes bonum et malum. „Ihr werdet sein wie die Götter, wissend, was Gut und Böse ist.“ – Zitat aus der Schöpfungsgeschichte in der Vulgata (/).
Errantis Errantis non est voluntas. „Den Willen eines Irrenden gibt es nicht.“ – Rechtsgrundsatz, nach dem ein Vertrag bei einem wesentlichen Irrtum (error essentialis) einer Vertragspartei ungültig ist.
Anderer im Römischen Recht überlieferter Wortlaut dieser Maxime:
„Errantis voluntas nulla est.“ (Codex Iustinianus 1,18,8, Diokletian).
Als Rechtsmaxime heute so nicht mehr gültig.
Errare mini|Errare humanum est als Inschrift; die hier zu sehende Zuschreibung an „Aennaeus Seneca“ (wohl Seneca der Ältere) ist unsicher. Errare humanum est, in errore perseverare stultum. „Irren ist menschlich, im Irrtum beharren dumm.“
Diesen häufig vorkommenden GedankenVergleiche die Belege bei Meinolf Schumacher: „… ist menschlich.“ Mittelalterliche Variationen einer antiken Sentenz. In: Zeitschrift für deutsches Altertum und deutsche Literatur. Band 119 (1990), S. 163–170, (uni-bielefeld.de [PDF; 1,1 MB]). findet man bei Hieronymus (Brief 57,12: „[…] quia et errasse humanum est“ – „[…] weil Irren menschlich ist“) und früher auch bei Cicero (Philippische Reden 12,5): „Cuiusvis hominis est errare“ („Jeder Mensch kann irren“).
Errare (Mehercule) malo cum Platone […] quam cum istis vera sentire. „Ich will – bei Herkules! – mich lieber mit Plato […] irren, als mit diesen da die Wahrheit erkennen.“ – Gegen die Pythagoräer gerichtete Aussage von Cicero (Tusculanae disputationes 1,39).
Errata Errata corrigere, superflua abscidere, recta cohartare Lesart: Errata corrigere, superflua abscindere, recta cohartare.
„Irrtümer zu berichtigen, Überflüssiges zu entfernen, Richtiges zu bekräftigen.“ – Dieses Trikolon findet sich in der Admonitio generalis Karls des Großen.Capitularia regum Francorum. Denuo edidit Alfredus Boretius. Tomus Primus. Hahn, Hannover 1883 (Monumenta Germaniae Historica, Legum Sectio II), S. 54 (dmgh.de); vergleiche auch die Übersetzung von Alexander Demandt: Sternstunden der Geschichte. C. H. Beck, München 2004, S. 124.
Erro Erro, dum vivo.