mini|Eingang von Berlin Hauptbahnhof mini|Dresden Hauptbahnhof um 1900

Hauptbahnhof (abgekürzt in Deutschland und Österreich Hbf, in der Schweiz HB) bezeichnet in vielen Orten des deutschsprachigen Raumes üblicherweise den wichtigsten von mehreren Personenbahnhöfen der jeweiligen Stadt.

In mehreren nicht-deutschsprachigen Ländern, wie zum Beispiel in Italien, den Niederlanden oder Tschechien, werden dafür Begriffe ähnlicher Bedeutung verwendet, während es in anderen Ländern – wie Frankreich, Spanien oder Rumänien – nicht üblich ist, einen bestimmten Bahnhof als den zentralen oder wichtigsten Bahnhof der Stadt zu bezeichnen. Im 19. Jahrhundert war auch in Deutschland für den wichtigsten Bahnhof einer Großstadt der Begriff Centralbahnhof geläufig, was um die Wende zum 20. Jahrhundert durch Hauptbahnhof ersetzt wurde. Eine veraltete, selten verwendete, Abkürzung ist dabei Hptbhf.Warum wird Hauptbahnhof mit „Hbf“ abgekürzt – und nicht mit „Hbh? auf travelbook.de, abgerufen am 13. April 2026

In einigen Städten gab es auch eine Hauptgüterbahnhof genannte Station für den Güterverkehr, in Abgrenzung davon sprach man bei der Station für den Reiseverkehr mitunter vom Hauptpersonenbahnhof, abgekürzt Hpbf.

Deutschland Geschichte Die ersten Centralbahnhöfe mini|Erfurt Hauptbahnhof, 1903.

In den ersten Jahren der Eisenbahn wurden die großen Städte in verschiedene Richtungen oft von unterschiedlichen Bahngesellschaften erschlossen, die jeweils eigene Bahnhöfe in der Stadt besaßen. Diese Stationen hießen üblicherweise nach den Gesellschaften oder Richtungen. Die Anbindung einer Stadt über mehrere Bahnhöfe hatte jedoch spürbare betriebliche Nachteile und war auch aus Fahrgastsicht nicht optimal. Dieser Nachteil wurde umso spürbarer, nachdem die meisten großen privaten Bahnen in das Eigentum der deutschen Staaten übergegangen waren. In vielen Städten wurden vor allem im letzten Viertel des 19. Jahrhunderts die alten Personenbahnhöfe durch einen großen, zentralen Bahnhof ersetzt. Für diesen war zunächst überwiegend die Bezeichnung Centralbahnhof gebräuchlich, bevor sich von den 1890er Jahren an der Begriff Hauptbahnhof durchsetzte. 1905 trugen fast alle früher Centralbahnhof (nach der Orthographischen Konferenz von 1901 mit „Z“ geschrieben) genannten Stationen in Deutschland den Zusatz HauptbahnhofReichs-Kursbuch 1905, Nachdruck bei Ritzau Verlag Zeit und Eisenbahn, 2005, ISBN 3-935101-08-2, nur der Zentralbahnhof im mecklenburgischen Rostock wurde erst 1910 in Rostock Hauptbahnhof umbenannt.Zeitung des Vereins deutscher Eisenbahnverwaltungen, Band 50 (1910), S. 261.

In den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts wurden in weiteren Städten die alten verteilten Bahnhöfe durch einen gemeinsamen Hauptbahnhof ersetzt, wie etwa Wiesbaden Hauptbahnhof (1904–1906), Darmstadt Hauptbahnhof (1907–1912) und Leipzig Hauptbahnhof (1909–1915).

Zwischen den Weltkriegen mini|Der Bahnhof im Dorf Blankensee hieß ab 1941 einige Jahre Blankensee (Meckl) Hbf.

Später erhielten auch eine Reihe von Stationen in kleineren Orten den Namenszusatz Hauptbahnhof, etwa Bottrop (1933), Döbeln (ebenfalls 1933) oder Deggendorf (1941). Auch in einigen Kleinstädten, die nur von privaten Bahngesellschaften erschlossen wurden, wurde seit Anfang der 1930er Jahre der zentrale Bahnhof Hauptbahnhof genannt. Dazu zählten etwa Neuruppin oder Ziesar.Amtliches Kursbuch für das Reich mit Fernverbindungen, Sommer 1934, Deutsche Reichsbahn-Gesellschaft, Oberbetriebsleitung Ost Berlin, Berlin 1934

In vielen Orten, die sowohl von staatlichen als auch von privaten Bahngesellschaften bedient wurden, trug seit den 1920er Jahren der Staatsbahnhof den Zusatz Rb für Reichsbahn (zuvor Stsbf, Staatsbahnhof) und der Bahnhof der Privatbahn meist einen auf diese Gesellschaft bezogenen Namen. Wenn die Privatbahn nach Verstaatlichung in die Reichsbahn überging, war diese Unterscheidung obsolet geworden. In mehreren Fällen erhielt dann der ursprüngliche Reichsbahnhof den Zusatz Hbf. Bereits 1941 wurde die Mecklenburgische Friedrich-Wilhelm-Eisenbahn-Gesellschaft verstaatlicht. Daraufhin erhielten die Bahnhöfe Neustrelitz Rb und Blankensee (Meckl) Rb die Namen Neustrelitz Hbf und Blankensee (Meckl) Hbf; die früheren Privatbahnstationen hießen dann Neustrelitz Süd und Blankensee Ost.Rudi Buchweitz, Mecklenburgische Friedrich Wilhelm Eisenbahn (MFWE), VBN Verlag B. Neddermeyer, Berlin 2005, ISBN 3-933254-41-8, S. 33. Ähnlich wurde nach 1945 in der Sowjetischen Besatzungszone verfahren, als die verbliebenen Privatbahnen in der Reichsbahn aufgingen. Aus Brandenburg Rb wurde Brandenburg Hbf, der zuvor separate benachbarte Privatbahnhof Brandenburg Neustadt wurde in den Hauptbahnhof einbezogen. Auch andere Stationen wie Lübben oder Thale erhielten den Hbf-Zusatz. Ein Teil der Hbf-Zusätze in kleineren Orten entfiel in den späteren Jahrzehnten wieder, nachdem andere Stationen im Stadtgebiet geschlossen wurden.

Nach 1945 Der Bahnhof in Halle (Saale) erhielt 1951 den Zusatz Hbf, zuvor hieß er in Fahrplänen nur Halle (Saale), bahnintern Halle (Saale) Pbf (Personenbahnhof). In einigen Städten wurden in den 1950er und 1960er Jahren neue oder erheblich umgebaute Bahnhöfe Hauptbahnhof genannt, unter anderen der neue Bahnhof in Emden. Potsdam erhielt seinen Hauptbahnhof am Berliner Außenring, nachdem die direkte Verbindung nach Berlin durch die deutsche Teilung unterbrochen wurde. Nach dem Mauerfall verlor die Station an Bedeutung und dient als Bahnhof Potsdam Pirschheide nur noch regionalen Aufgaben.

In der Bundesrepublik erhielten einige Stationen wie etwa in Gevelsberg (1969) oder Mülheim (Ruhr) (1974) den entsprechenden Namenszusatz. Einige Hauptbahnhöfe wie Braunschweig Hauptbahnhof, Heidelberg Hauptbahnhof oder Kempten (Allgäu) Hauptbahnhof wurden aus städtebaulichen und betrieblichen Gründen an andere Orte verlegt.

In der DDR wurde 1987 der Berliner Ostbahnhof in Hauptbahnhof umbenannt, obwohl er im Vergleich zum Bahnhof Berlin-Lichtenberg weit weniger Aufgaben im überregionalen Personenverkehr erfüllte. Mit der Neugestaltung der Berliner Bahnanlagen seit der deutschen Wiedervereinigung ging im Jahr 2006 der neue Berliner Hauptbahnhof in zentraler Lage am Schnittpunkt der Fernstrecken in Ost-West- und Nord-Süd-Richtung in Betrieb.

Auch in den Folgejahren erhielten mehrere Bahnhöfe den Zusatz Hauptbahnhof. Die bisher letzten derartigen Benennungen waren: seit 10. Dezember 2016 die von Lutherstadt Wittenberg und Aalen, seit 10. Dezember 2018 die von Cottbus und Korbach, seit 9. Dezember 2019 die von Hamm, Bernburg, Merseburg, Stendal und Wernigerode. seit 15. Dezember 2024 die in Eisenach und Halberstadt.

Schreibweisen, Kurzschreibung Hbf mini|Bahnsteigschild in Halle (Saale) Hbf.

Mit der Vereinheitlichung der Bahnhofsnamen nach dem Ersten Weltkrieg wurde grundsätzlich sowohl in Stationsverzeichnissen, ebenfalls in Kursbüchern und internen Fahrplänen, als auch auf Bahnsteigschildern die Kurzschreibung Hbf verwendet.Amtliches Bahnhofsverzeichnis, Deutsche Reichsbahn, 1944, Digitalisat auf GenWiki Diese Praxis gilt auch in der Gegenwart sowohl für die Bezeichnung der Verkehrsstationen durch DB InfraGO (ehemals DB Station und Service)Stationspreisliste 2023, abgerufen am 3. September 2023. als auch für die netztechnische Betriebsstellenbezeichnung von DB InfraGO (ehemals DB Netz).Betriebsstellenverzeichnis (Stand 10/2021), abgerufen am 2. September 2023. Nur Berlin Hauptbahnhof wird offiziell in der ausgeschriebenen Variante benannt.

Heutige Situation Nach Angaben der Deutschen Bahn werden von 5.400 im Personenverkehr bedienten Stationen in Deutschland 134 als „Hauptbahnhof“ bezeichnet (Stand 2024). Da die Benennung nach der Gesamtbedeutung für den Personenverkehr erfolgt, liegt der Hauptbahnhof einer Stadt nicht zwangsweise in deren Zentrum. Existiert in einem solchen Fall ein weiterer Bahnhof im Stadtzentrum, so kann dessen zentrale Lage durch einen Namenszusatz wie „Mitte“, „Ort“, „Stadt“, oder „Stadtmitte“ betont werden, so beispielsweise in Ludwigshafen am Rhein.

Superlative Hamburg Hauptbahnhof ist laut der Deutschen Bahn mit täglich 550.000 Reisenden und Besuchern der meistfrequentierte Personenbahnhof in Deutschland. Der von der Gleisanzahl her größte Hauptbahnhof Deutschlands ist München Hauptbahnhof mit 32 oberirdischen Gleisen sowie unterirdisch 2 Gleisen für die S-Bahn.

Der von der Gleisanzahl her größte Durchgangsbahnhof Europas ist Nürnberg Hauptbahnhof mit 25 Gleisen (davon 21 mit Bahnsteigkanten).

Der flächenmäßig größte Hauptbahnhof Deutschlands in Bezug auf die Bahnsteighalle ist der Leipziger Hauptbahnhof mit einer überdachten Fläche von 83.640 Quadratmetern. Die kleinste Gemeinde in Deutschland mit einem Hauptbahnhof ist das in Bayern liegende Berchtesgaden. Bei den anderen Bundesländern handelt es sich um Bad Friedrichshall (Baden-Württemberg), Eberswalde (Brandenburg), Bremerhaven (Bremen), Korbach (Hessen), Neustrelitz (Mecklenburg-Vorpommern), Emden (Niedersachsen), Gevelsberg (Nordrhein-Westfalen), Boppard (Rheinland-Pfalz), Saarlouis (Saarland), Döbeln (Sachsen), Thale (Sachsen-Anhalt), Lübeck (Schleswig-Holstein) und Sonneberg (Thüringen). Gevelsberg Hauptbahnhof wird nur durch zwei stündliche S-Bahn-Linien bedient, Lörrach Hauptbahnhof durch zwei Linien der trinationalen S-Bahn Basel. Die von der Einwohnerzahl größte Stadt Deutschlands ohne Hbf ist Leverkusen, gefolgt von Göttingen. In Leverkusen heißt die wichtigste Station Leverkusen Mitte. Der Bahnhof Göttingen ist der einzige im Stadtgebiet und hat keine weiteren Namenszusätze. Größer als Göttingen ist die Stadt Herne. In der Kernstadt Herne gibt es keinen Hauptbahnhof, nur im 1975 eingemeindeten Stadtteil Wanne mit Wanne-Eickel Hauptbahnhof.

Besonderheiten Rheydt Hbf und (bis 13. Dezember 2025) Wanne-Eickel Hbf waren die einzigen beiden Hauptbahnhöfe Deutschlands, die den Namen von Orten tragen, die mittlerweile in eine andere Stadt eingemeindet wurden: Rheydt nach Mönchengladbach und Wanne-Eickel nach Herne. In Mönchengladbach gibt es außerdem Mönchengladbach Hbf, sodass in dieser Stadt zwei „Hauptbahnhof“ genannte Stationen existieren. Wanne-Eickel Hbf ist die einzige Hauptbahnhof genannte Station auf dem Gebiet der Stadt Herne; der Bahnhof in der Innenstadt heißt nur Herne. 2025 ist Wanne-Eickel Hbf in Herne-Wanne-Eickel Hauptbahnhof umbenannt worden.Umfangreiche Bahnhofsmodernisierung der SPNV-Station auf der Website des VRR, abgerufen am 30. August 2023"Herne-Wanne-Eickel Hauptbahnhof": Emotionale Reaktionen auf neuen Namen auf der Website des WDR, abgerufen am 30. August 2023. Die Stadt Barmen vereinigte sich 1929 mit Elberfeld und fünf kleineren Städten zur Stadt Wuppertal. Der zuvor Barmen Hbf genannte Bahnhof heißt seitdem Wuppertal-Barmen, ohne den Zusatz Hbf. Über 62 Jahre später, am 31. Mai 1992, wurde wiederum der Elberfelder Bahnhof in Wuppertal Hbf umbenannt. Berlin hatte fast 150 Jahre lang keinen Hauptbahnhof, sondern bis Ende des Zweiten Weltkriegs eine Reihe von Kopfbahnhöfen und die Fernbahnhöfe an der Stadtbahn. Die DDR benannte 1987 den Ostbahnhof in „Hauptbahnhof“ um, 1998 wurde er wieder in „Ostbahnhof“ zurückbenannt. Die Deutsche Bahn entschied sich, den 2006 eröffneten Neubau an der Stelle des ehemaligen Lehrter Bahnhofs als „Berlin Hauptbahnhof“ zu bezeichnen. In einzelnen größeren Städten wie z. B. Leverkusen oder Friedrichshafen gibt es keinen Hauptbahnhof; dort wird der wichtigste Bahnhof Mitte, Stadt oder ähnlich genannt. In mehreren Städten liegt der „Hauptbahnhof“ genannte Bahnhof außerhalb der zentralen Bebauung des Ortes: Bingen (Rhein) Hauptbahnhof befindet sich im Stadtteil Bingerbrück. Wittlich Hauptbahnhof liegt im Stadtteil Wengerohr. Der ehemalige Hauptbahnhof von Solingen wurde 2006 geschlossen und der (seit jeher bedeutendere) Bahnhof in Solingen-Ohligs zum neuen Hauptbahnhof erklärt. Dieser liegt allerdings einige Kilometer abseits des eigentlichen Stadtzentrums.