Dieser Teil der Liste lateinischer Phrasen enthält mit dem Buchstaben Q beginnende Phrasen.

150px|ohne|rahmenlos|Initiale Q

Qua/Quaque Qua patet orbis „So weit die Erde reicht“

Die Wendung kommt als Wahlspruch auf dem Grabmal des Fürsten Johann Moritz von Nassau-Siegen (Sarkophag, gegossen 1663) vor.

In moderner Zeit ist sie der Wahlspruch des niederländischen Korps Mariniers (Marineinfanterie der niederländischen Streitkräfte).

Christoph Wilhelm Mitscherlich verwandte die Wendung, durch die Kommasetzung leicht abgewandelt, im Jahr 1812 in einer Elegie auf den Tod seines akademischen Lehrers Christian Gottlob Heyne. Darin heißt es:

Virtutis monumenta tuae testisque perennis Cultior, immensum qua patet, orbis erit Deiner Tüchtigkeit Denkmal und unvergänglicher Zeuge wird gebildeter der Erdkreis sein, so unermesslich weit er sich erstreckt.

Quaque die (qd) „jeden Tag“ – Anweisung auf ärztlichen Verschreibungen

Quaque hora (qh) „zu jeder Stunde“ – Anweisung auf ärztlichen Verschreibungen

Quae Quae Caesaris Caesari, quae Dei Deo. „Dem Kaiser, was des Kaisers, Gott, was Gottes [ist].“

Antwort Jesu auf die Fangfrage, ob es Juden erlaubt sei, dem römischen Kaiser Steuern zu zahlen. Zitiert nach dem Evangelium nach Markus, 12,17 (, ). Das griechische Original lautet: ()

Quae caret ora cruore nostro? „Welche Küste hat noch nicht unser Blut [getrunken]?“ – Horaz, Carmina 2,1,36, über den römischen Bürgerkrieg zwischen Cäsar und Pompeius.

Quae fuerant vitia, mores sunt. „Was Laster waren, sind Sitten.“ – Seneca, Epistulae morales 39,6.

Im Kontext heißt es:

„Tunc autem est consummata infelicitas, ubi turpia non solum delectant, sed etiam placent, et desinit esse remedio locus, ubi, quae fuerant vitia, mores sunt.“(„Dann aber ist der Gipfel des Unglücks erreicht, wenn die Unsittlichkeit nicht nur Vergnügen macht, sondern auch noch Beifall findet, und es gibt keine Aussicht auf Heilung mehr, wo das, was früher Laster waren, als das normale Verhalten gilt.“)

Quae medicamenta non sanant, ferrum sanat; quae ferrum non sanat, ignis sanat; quae vero ignis non sanat, insanabilia reputari oportet. „Was Medikamente nicht heilen, heilt das Messer; was das Messer nicht heilt, heilt das Feuer; was aber das Feuer nicht heilt, das muss als unheilbar betrachtet werden.“ – Aus den Aphorismen des antiken Arztes Hippokrates.

Dieser Spruch wurde, in gekürzter Form, von Friedrich Schiller als Motto für Die Räuber verwendet.Siehe Widmung der Erstausgabe von 1781 (Abbildung in Wikimedia Commons).

Quae nocent, docent. „Was schadet, lehrt.“

Entspricht dem deutschen Sprichwort „Durch Schaden wird man klug.“

Nach hippokratischer Tradition gibt es jedoch den Grundsatz primum non nocere („zuallererst nicht schaden“).

Quae vide (qq. v.) „siehe diese“ – Plural von quod vide

Quae volumus, ea credimus libenter. „Was wir wollen, das glauben wir auch gerne.“ – Caesar, De bello civili 2,27,2.

Quaecumque Quaecumque ab Aristotele dicta essent, commentita esse. „Was auch immer von Aristoteles gesagt worden sein mag, ist erlogen.“

Angeblich die Magisterthese des französischen Humanisten Petrus Ramus, der sich damit gegen die auf Aristoteles und Thomas von Aquin gestützte Scholastik wandte (vermutlich mit der mittellateinischen Schreibung „quecumque“, die Angabe in den Quellen ist nicht einheitlich).

Quaere/Quaerite Quaere et invenies. „Suche und du wirst finden.“

mini|hochkant|Quaerite prime regnum Dei, Wappen von Neufundland und Labrador Quaerite primum regnum Dei. „Sucht zuerst das Reich Gottes.“ – Nach dem Matthäusevangelium 6,33 (, ).

Diese Aufforderung ist mit einer geringfügigen Abweichung (prime statt primum) auch das Motto der kanadischen Provinz Neufundland und Labrador.

Quaestio Quaestio iuris „Rechtsfrage“ – Frage nach der Rechtfertigung, Begründung und Legitimität der Erkenntnis bei Immanuel Kant.

Quaestio facti „Tatfrage“ – Frage nach der Tatsachenerkenntnis.

Qualis Qualis artifex pereo! „Welch ein Künstler stirbt mit mir!“ – Nach Sueton, Nero 49,1, soll Nero diese Worte vor seinem Selbstmord gesprochen haben. (Wörtlich: „Als was für ein Künstler gehe ich zugrunde!“)

Qualis rex, talis grex. „Wie der König, so seine Herde.“

Vergleiche Bairisch: „Wie der Herr, so’s G’scherr.“

Qualis sit animus, ipse animus nescit. „Wie beschaffen die Seele ist, weiß die Seele selbst nicht.“

Qualis vita, finis ita. „Wie das Leben, so das Ende.“

Quam Quam non est facilis virtus! Quam vero difficilis eius diuturna simulatio! „Wie ist doch die Tugend nicht leicht! Wie schwer aber ist erst ihr ständiges Vorheucheln!“ – Cicero, Epistulae ad Atticum 7,1,6.

Quamvis mini|Der Latonabrunnen im Park des Schlosses Versailles stellt den Moment der Verwandlung der lykischen Bauern dar. Quamvis sint sub aqua, sub aqua maledicere temptant. „Obwohl unter Wasser, versuchen sie doch weiter zu schimpfen.“ – Ovid, Metamorphosen 6, 376.

Die lykischen Bauern wurden von der Göttin Latona in Frösche verwandelt, weil sie ihr das Trinken aus einem See verweigerten. Die Pointe des Verses liegt in der Onomatopoesie: „[…] sub aqua, sub aqua […]“ ahmt lautmalerisch das Quaken der Frösche nach.

Quando/Quandoque Quando conveniunt Ancilla, Sibylla, Camilla,garrire incipiunt et ab hoc et ab hac et ab illa „Wenn Ancilla, Sibylla und Camilla zusammentreffen, geht es gleich mit dem Schnattern los über den, über die und über jene!“

Zwei Hexameter des Wittenberger Professors Friedrich Taubmann über geschwätzige Frauen.

Ein unbekannter Komponist komponierte über diesen lateinischen Text einen Kanon (aufgezeichnet 1860).

Quandoque bonus dormitat Homerus. „Manchmal schläft sogar der große Homer.“ – Horaz, Ars poetica 359.

Das vollständige Zitat lautet: „Indignor, quandoque bonus dormitat Homerus“ („Ich ärgere mich, wenn auch der vortreffliche Homer einmal schläft“).

Während Horaz über die Fehler und Versehen kleinerer Künstler und Dichter lachen kann, ärgert er sich, wenn er beim großen Homer eine Nachlässigkeit feststellt.

Quasi Quasi modo geniti infantes „wie die neugeborenen Kindlein“

Quasimodogeniti ist im evangelischen wie im katholischen Kirchenjahr der erste Sonntag nach Ostern, auch Weißer Sonntag (Dominica in albis) oder seit 2000 katholisch Barmherzigkeitssonntag genannt. Der Name kommt von der Antiphon zum Introitus, die aus dem 1. Petrusbrief stammt: „Quasi modo geniti infantes – alleluia – rationabile sine dolo lac concupiscite, alleluia alleluia alleluia.“ („Wie die neugeborenen Kindlein seid – Halleluja! – nach der geistigen, lauteren Milch begierig, halleluja, halleluja, halleluja!“)

In der Vulgata steht sicut für quasi: „Sicut modo geniti infantes, rationabile, sine dolo lac concupiscite.“ (1. Petrus ).

Bei Victor Hugo ist der Glöckner von Notre-Dame an diesem Tag gefunden worden und heißt daher „Quasimodo“.

Quater Quater in die (qid) „viermal am Tag“ – auf ärztlichen Verschreibungen

Quem Quem Deus vult perdere, prius dementat. „Wen Gott vernichten will, dem nimmt er vorher den Verstand.“

Nach Publilius Syrus, Sententiae S 29, dort heißt es: „Stultum facit Fortuna, quem vult perdere“. („Wen Fortuna vernichten will, dem nimmt sie vorher den Verstand.“)

Mit diesem Sprichwort wird der Untergang einer Person auf ihre Dummheit zurückgeführt.

Auch mit Plural quos überliefert: „Quos Deus perdere vult, dementat prius.“

mini|Füssli: Thetis beweint den toten Achilleus Quem di diligunt, adulescens moritur. „Wen die Götter lieben, der stirbt jung.“ – Plautus, Bacchides 816f.

Der Satz stammt ursprünglich aus dem Schauspiel Der zweifache Betrüger von Menander: ( – „Wen die Götter lieben, der stirbt jung.“)

Plautus verwendet diese Sentenz allerdings höchst sarkastisch:Plautus, Bacchides 818–821. Chrysalus (zu dem begriffsstutzigen Nicobulus): „Wen die Götter lieben, der stirbt jung, solang er noch wohlauf ist, denkt und bei Verstand ist. Wenn den da [sc. Nicobulus] irgendein Gott lieben würde: Seit mehr als zehn Jahren, mehr als zwanzig schon müsste der tot sein. Als Hass der Erde spaziert er jetzt herum, weiß nichts, denkt nichts, ist soviel wert wie ein modriger Pilz.“

Quem taurum metuis, vitulum mulcere solebas. „Wen du als Stier fürchtest, hast du als Kälbchen immer gestreichelt.“ – Ovid, Ars amatoria 2,1,341.

Quem fors dierum cumque dabit, lucro adpone! „Einen jeden Tag, den das Schicksal dir schenkt, verbuche als Gewinn!“ – Horaz, Carmina 1,9,14f.

Direkte Fortsetzung von Quid sit futurum cras, fuge quaerere!

Vergleiche Carpe diem.

Qui Qui amant, ipsi sibi somnia fingunt. „Die, die lieben, schaffen sich selbst Träume.“ – Vergil, Bucolica 8,108; dort eigentlich als Frage formuliert.

Qui amat periculum, peribit in eo. „Wer die Gefahr liebt, wird in ihr untergehen.“ – Aus der Bibel, Jesus Sirach 3,27 ().

Qui asinum non potest, stratum caedit. „Wer den Esel nicht schlagen kann, schlägt die Reitdecke.“

Dieses Petronius-Zitat ist vergleichbar mit der deutschen Redewendung: „Den Sack schlagen, aber den Esel meinen.“

Qui commodum habet, etiam incommodum ferre debet. „Wer den Nutzen hat, muss auch den Schaden tragen.“

Qui desiderat pacem, praeparet bellum. „Wer den Frieden will, bereite sich auf den Krieg vor.“ – Flavius Vegetius Renatus, Epitoma rei militaris 3, praefatio.

Siehe auch Si vis pacem para bellum.

Qui diligit filium suum, adsiduat illi flagella. „Wer seinen Sohn liebt, hält den Stock für ihn bereit.“ – Aus den Erziehungsanweisungen des Alten Testaments (Jesus Sirach , ).

Qui dormit, non peccat. „Wer schläft, sündigt nicht.“

Qui fert malis auxilium, post tempus dolet. „Wer Schurken Hilfe bringt, muss später dafür büßen.“ – Phädrus, Fabulae 4,20,1 (Serpens. Misericordia nociva – „Schlange. Schädliches Mitleid“).

Qui fodit foveam, incidet in eam. „Wer eine Grube gräbt, wird in sie hineinfallen.“ – Bibelzitat, Buch der Sprichwörter 26,27 (, ).

Qui melius probat, melius habet. „Wer die besseren Beweise vorbringt, steht besser da.“ – Satz des römischen Rechts.

Qui nescit dissimulare, nescit regnare. „Wer sich nicht verstellen kann, kann auch nicht herrschen.“

Von dem französischen König Ludwig XI. wird erzählt, er habe von seinem Sohn, dem künftigen König Karl VIII., verlangt, dass er nur diese fünf lateinischen Wörter können müsse.

Qui nimium probat, nihil probat. „Wer zu viel beweist, beweist nichts.“

Qui non aemulatur, non amat. „Wer nicht eifersüchtig ist, der liebt nicht.“ – Zitat aus den Werken des Kirchenlehrers Augustinus.

Vergleiche: Qui non zelat, non amat. „Wer nicht eifert, liebt nicht.“

Qui peccat ebrius, luat sobrius. „Wer betrunken sündigt, büße es nüchtern.“

Qui potest capere, capiat. „Wer es begreifen kann, der begreife es.“ – Matthäus 19,12 (, ).

Qui potest mori, non potest cogi. „Wer sterben kann, kann nicht gezwungen werden.“

Freiere Deutung: „Wer bereit ist zu sterben, kann zu nichts gezwungen werden.“

Seneca zugeschriebene, aber so in seinen Schriften nicht nachweisbare Sentenz; der Sinngehalt entspricht jedoch seiner philosophischen Auffassung (Stoizismus) und er hat diesen Gedanken mehrfach ähnlich formuliert. Am ähnlichsten ist:Seneca, Hercules furens 426. „Cogi qui potest nescit mori.“ („Wer [zu etwas] gezwungen werden kann, weiß nicht zu sterben.“)

Niklas Luhmann schrieb dazu:

mini|Siegel des US-amerikanischen Justizministeriums Qui pro domina justitia sequitur. „Der für die Herrin Gerechtigkeit verfolgt.“

Motto des Justizministeriums der Vereinigten Staaten, zurückgehend auf die frühere Formel „qui pro domina regina sequitur“ („der für die Herrin [und] Königin verfolgt“) aus Kolonialzeiten, als der Vorgänger des Justizministeriums, der Attorney General, im Auftrag der Königin beziehungsweise des Königs für die Strafverfolgung zuständig war.

Qui pro quo? „Wer für wen?“

Quiproquo bedeutet Verwechslung von Personen in Lustspielen.

Davon zu unterschieden: Quid pro quo.

Qui se excusat, se accusat. „Wer sich entschuldigt, klagt sich an.“