mini|Kapelle Hamry (deutsch Hammern) ist eine Gemeinde in Tschechien. Sie liegt 21 Kilometer südwestlich von Klatovy und gehört zum Okres Klatovy.
Geographie Hamry befindet sich im nördlichen Teil des Böhmerwaldes im Künischen Gebirge am Oberlauf der Úhlava. Nördlich liegt die Trinkwassertalsperre Nýrsko und der Kravař (659 m). Im Osten erheben sich der Malý Prenet (Kleiner Brennetberg, 1006 m) und der Velký Prenet (Großer Brennetberg, 1071 m). Südlich liegen der Jezerní hora (Hohe Seewand, 1343 m) mit der Felswand Jezerní stěna (Seewand), dem Karsee Černé jezero (Schwarzer See), dem Wasserfall Bílá strž (Klammerloch) sowie das Zwercheck (1333 m) und der Velký Kokrháč (1229 m). Im Südwesten erhebt sich der Große Osser. Nordöstlich liegt der Wandergrenzübergang Zadní Chalupy/Helmhof nach Bayern.
Nachbarorte sind Stará Lhota im Norden, Zelená Lhota im Nordosten, Hojsova Stráž im Südosten, Gubrův Dvorec im Nordwesten sowie Lam und Lohberg im Westen.
Geschichte Hammern entstand wahrscheinlich zu Beginn des 13. Jahrhunderts im Zuge der Besiedlung des Künischen Gebirges unter Albrecht III. von Bogen. Nach dem Erlöschen des Geschlechts der Grafen von Bogen fiel das Dorf 1273 wieder an die böhmische Krone zurück.
Erstmals urkundlich erwähnt wurde Hammern im Jahre 1429. Das Dorf lag an der entlang der Úhlava von Böhmen nach Bayern führenden Eisenstraße und gehörte zum Gebiet der künischen Freibauern. In der Umgebung des Dorfes erfolgte der Abbau von Eisenerz und an der Úhlava wurden Eisenhämmer betrieben. Im Jahre 1617 war das zur Herrschaft Deschenitz gehörige Hammern eines der acht künischen Gerichtsdörfer. Zu dieser Zeit ist auch in der Hüttstatt die erste Glashütte nachweisbar, der bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts weitere folgten. Für den Bedarf der Glashütten an Flussmitteln entstanden in den Wäldern der Muckenhof und der Donnerwinkel als Ansiedlung von Aschenbrennern und Flusssiedern. 1731 entstand die Kirche zum Heiligen Kreuz in Kreutzwinkel. Ab dem Jahre 1773 wanderten einige Familien aus Hammern nach Nordamerika und Brasilien aus. 1830 schlossen sich mehrere Bauern zu einer Genossenschaft zusammen und erwarben 1833 den zur Gerlhütte gehörigen Gerlwald. Das gemeinschaftlich bewirtschaftete Forstgut war in 302 Anteile aufgeteilt und umfasste eine Gesamtfläche von 805 ha. Im Jahre 1837 erfolgte die Ausgliederung des Kreutzwinkels an den Kataster von Eisenstraß und dessen Zuordnung nach Hammern.
1850 lebten in der Gemeinde Hammern 1225 Menschen, die Katasterfläche betrug 3530 ha. Anton Ziegler errichtete 1852 eine Spiegelglasschleiferei. 1874 begann die k.k. privilegierte Eisenbahn Pilsen–Priesen mit dem Bau der Eisenbahn von Neuern nach Markt Eisenstein. Nach Vollendung des Spitzbergtunnels fuhr am 22. Oktober 1877 der erste Zug im Bahnhof Hammern-Eisenstraß ein. 1884 entstand mit der Pezoldschen Papierfabrik ein größeres holzverarbeitendes Unternehmen. Im Jahre 1890 stellte die letzte Glashütte den Betrieb ein. 1930 lebten in Hammern 1450 Personen. Nach dem Münchner Abkommen wurde Hammern 1938 an das Deutsche Reich angeschlossen und gehörte zwischen 1939 und 1945 zum Landkreis Markt Eisenstein. Im Jahre 1939 hatte die Gemeinde 1386 Einwohner. Am 3. Mai 1945 besetzen amerikanische Truppen von den Hinterhäusern kommend den Ort. Hamry kam zur Tschechoslowakei zurück. Nach der Ansiedlung von Tschechen im Ort begannen viele der deutschen Bewohner ihr Hab und Gut nach Bayern zu verbringen und blieben teils auch dort. Im Sommer 1946 erfolgte die Vertreibung des größten Teils der deutschen Bewohner über das Lager Železná Ruda nach Bayern. Etwa 400 Deutsche blieben in Hamry zurück und flohen größtenteils 1948 über die bayerische Grenze, nachdem sie ins Landesinnere umgesiedelt werden sollten. Im Zuge der Errichtung des Eisernen Vorhangs entstand 1948 in Zadní Hamry eine Kaserne. Die Gemeinde Zadní Chalupy wurde geräumt und dem Erdboden gleichgemacht, ihre Fluren wurden an Hamry angeschlossen. 1957 erfolgte die Sprengung der Häuser und der Kirche in Křížkov. Der Bahnhof Hamry-Hojsova Stráž erhielt den Namen Hojsova Stráž. Die Papierfabrik wurde in den 1960er Jahren stillgelegt. 1969 entstand die Trinkwassertalsperre Nýrsko. Am 1. Juli 1975 wurde Hamry nach Zelená Lhota eingemeindet und mit diesem zusammen mit Beginn des Jahres 1980 nach Nýrsko. Seit dem 1. Jänner 1992 besteht die Gemeinde Hamry wieder.
Gemeindegliederung Für die Gemeinde Hamry sind keine Ortsteile ausgewiesen. Grundsiedlungseinheiten sind Hamry (Hammern) und Zadní Chalupy (Hinterhäuser).http://www.uir.cz/zsj-obec/578240/Obec-Hamry Zu Hamry gehören außerdem die Einschichten Hamerský Dvůr (Hammerhof), Gubrův Dvorec (Guberhof), Kollerův Kostel (Kollerkirch), Knížecí Dvůr (Fürstengütl), Na Špirku (Spirker), Rodrovský Dvorec (Röderhof), U Mužíku, Veitlovský Dvorec II (Veitlhof), und Zadní Hamry (Hinterhammern). Auf den Fluren von Hamry liegt der aufgelassene Ort Křížkov (Kreuzwinkel).
Das Gemeindegebiet gliedert sich in die Katastralbezirke Hamry na Šumavě und Zadní Chalupy.http://www.uir.cz/katastralni-uzemi-obec/578240/Obec-Hamry
Hammern/Hamry als Gericht der künischen Freibauern Der Ort Hammern/Hamry war ein Gericht der künischen Freibauern des Böhmerwaldes und gehörte neben St. Katharina (Svatá Kateřina), Eisenstraß (Hojsova Stráž), Seewiesen (Javorná), Haidl am Ahornberg (Zhůří), Kochet (Kochánov), Stadeln (Stodůlky) und Stachau (Stachy) zu den 8 bis zur Aufhebung der Patrimonialrechte in der k. k. Monarchie im Jahre 1848 mit besonderen Rechten ausgestatteten Gemeinden des königlichen Waldhwozd. Die Gemeinden hatten weitgehend Selbstverwaltung, wählten einen eigenen Richter als Vorstand und waren zu einer gemeinsamen Interessenverwaltung mit einem Oberrichter zusammengeschlossen.Im Lande der künischen Freibauern – Heimatbuch für den mittleren Böhmerwald, Grafenau 1979
Ehemalige Glashütten im Hammer-Gericht Die Hüttstatt. Hier ist der Platz einer alten Glashütte, sie war aber 1600 schon Bauernhof. Auf dem Hof wohnten Söhne des Glasmeisters Georg Gerl aus St. Katharina. Gerl hatte hier noch 1617 einen Aschenwald, von dein er Zins zahlte. 1738 besaß die Hüttstatt der Glasmeister Christian Anton Eißner vom Muckenhof.
Die Hütte am Muckenhof, begründet 1731 von Christian Anton Eißner aus Seewiesen. 1753 war da sein Sohn Nikolaus Eißner, 1769 dessen Schwiegersohn Wenzel Schindler, 1773 ist sie eingegangen.
Die Zahnhütte (Sandhütte), 1797 von Josef Zahn errichtet. 1804 ist hier Johann Andreas Zahn mit Georg Heller, 1811 wurde sie stillgelegt.
Osserhütte: 1754 hatte hier Nikolaus Eißner vom Muckenhof schon eine Hütte begründet, sie ist aber nach Erschöpfung des Holzbestandes wieder eingegangen.
Die Lenkenhütte im Donnerwinkel, gegründet 1797 von Josef v. Lenk, nach 1810 eingegangen. Die Wälder der Hütte kamen zur Osserhütte.
Die Graßlhütte, 1801 von Alois Hafenbrädl gegründet. Sie wurde schon 1816 wieder stillgelegt und an den Bauern Matthias Graßl verkauft. Der ganze Besitz kam 1847 zur Osserhütte.
Die Osserhütte oder Müllerhütte, um 1800 von Franz Zirkl errichtet, erzeugte zuerst Hohlglas. Sie kam 1830 an Johann Alexander Ziegler, der sie auf Tafelglas umstellte. Er erwarb auch die Gründe der Lenkenhütte und der Graßlhütte dazu. 1840 betrieb sie Wolfgang Ziegler und 1852 Johann Anton Ziegler. 1875 erwarb sie Franz Schrenk. Von dem wurde sie 1890 aufgelassen und nach Neustadt an der Waldnaab verlegt.
Die Schindlerhütte, Wenzel Schindler vom Muckenhof hat das Storngut im Frischwinkel gekauft und dort eine Hütte betrieben. In den 1770er Jahren soll der Glasmacher Schindler von der Storner Hütte am Gütl im Donnerwinkel eine Hütte geführt haben.Im Lande der künischen Freibauern, Heimatbuch für den mittleren Böhmerwald, Grafenau 1979, überarbeitete Auflage 2021 Bd. II, S. 79ff.
Industrie im Angeltal Die Schleifwerke
Die unteren Schleifen, die Milliker wurden 1852 von Anton Ziegler erbaut, sie gingen dann in den Besitz von Franz Schrenk und nachher an Bauer über. Zu ihnen gehörte auch das Haus Nr. 24 (Daxenwerk) unserer Gemeinde. In den 1880er Jahren und zu Anfang der 1890er wurden dann die oberen Schleifwerke, die Prager Werke der Firma Wolf und Stetka, flussaufwärts angebaut.
Die Schleifen waren Veredlungswerke für Spiegelglas. Die Glastafeln kamen mit der Bahn und wurden hier geschliffen und poliert. Das Schleifen geschah mittels Sand in verschieden feinen Körnungen, das Polieren mit feingeschlämmtem Eisen-rot (Potée) aus Bodenmais. Die Spiegeltafeln, die vom Schleifen her matt waren, wurden in der Poliere auf der Unterlage aufgegipst und durch darüberstreichende Filztafeln, die das Eisenrot hin- und herwischten, spiegelblank poliert. Das Eisenrot färbte die Werkstatt, den Polierer und die Wege rot. Den Silberbelag bekamen die Spiegel beim Beleger, der die Geheimnisse seines Handwerks sorgsam hütete.
Die Glasschleifen waren hier an der Angel gebaut worden, weil es da die billige Wasserkraft gab, die weite Anfahrt der Spiegeltafeln aus den Pilsner Glashütten nahm man darum in Kauf. 1930 lohnte sich der Transport nicht mehr und über die Firmen kamen kritische Zeiten. Zunächst schlossen sich beide Werke – untere und obere – zu einer Aktiengesellschaft zusammen. Da sich aber der Geschäftsgang nicht besserte, legte man 1936 die Betriebe still und verkaufte die Häuser einzeln.
Die Petzoldfabrik
Der Gründer dieses Unternehmens suchte vor allem den Rohstoff Holz, aber auch die billige Wasserkraft. Die Fabrik ist zwischen 1884 und 1886 gebaut worden. Durch ständige Um- und Zubauten erweitert, fanden da immer mehr Hammerer Verdienst. Die Waldbesitzer konnten jetzt ihr Holz (Schleifholz) günstiger verkaufen.
Sehenswürdigkeiten
barocke Wallfahrtskirche der Schmerzhaften Mutter Gottes (sog. Kollerkirche), das Bauwerk entstand zwischen 1773 und 1774 an Stelle der früheren Kollerhof-Kapelle und wurde 1787 zur Pfarrkirche erhoben. 2004 wurde der Marienweg geweiht. ehemalige Papierfabrik an der Straße nach Špičák Marienkapelle am Gubrův Dvorec, erbaut 1938 Kapelle am Knížecí Dvůr, 1993 an Stelle des verfallenen Vorgängerbaus neu errichtet Marienkapelle am Hinteren Veitlhof Kapelle am Fenzlhof Gedenkstein an der früheren Kirche zum Heiligen Kreuz in Křížkov, errichtet 1992. Seit 2006 laufen Planungen für die Errichtung eines Wallfahrtsortes Křížkov – Kreutzwinkel.
Persönlichkeiten Leo Hans Mally (1901–1987), Schriftsteller, wurde hier am 18. Juni 1901 geboren.
Literatur
Im Lande der künischen Freibauern – Heimatbuch für den mittleren Böhmerwald, Grafenau 1979
Galerie
Weblinks
Geschichte von Hamry
Einzelnachweise
Kategorie:Böhmerwald Kategorie:Ersterwähnung 1429