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Das 1889 vom Ingenieur Fritz Puhl (* 1856) und dem Kaufmann August Wagner (1866–1948) in Verbindung mit dem Maler Wilhelm Wiegmann gegründete Unternehmen Puhl & Wagner mit Stammsitz in Berlin-Neukölln war der bedeutendste und größteBerlinische Galerie (Hrsg.): Wände aus farbigem Glas: das Archiv der Vereinigten Werkstätten für Mosaik und Glasmalerei Puhl & Wagner, Gottfried Heinersdorff. Berlinische Galerie, Berlin 1989, ISBN 3-927873-01-2, S. 5. deutsche Hersteller von Glasmosaiken und Glasmalereien. Die eigene Glashütte machte Puhl & Wagner unabhängig von der Lieferung von Mosaiksteinchen durch die italienischen Konkurrenten, und ein neues Setzverfahren erlaubte die kostengünstige Produktion von Mosaiken. Die zunächst auf 15 Jahre angelegte Fusion mit Gottfried Heinersdorffs Kunstanstalt für Glasmalerei, Bleiverglasungen und Glasmosaik im Frühjahr 1914 versprach eine künstlerische Erneuerung, da ihr Gründer der Reformbewegung Deutscher Werkbund nahestand. Die wirtschaftlich schwierige Lage während des Ersten Weltkriegs und der Nachkriegszeit brachten das stark von staatlichen und kirchlichen Aufträgen abhängige Unternehmen nahe an den Zusammenbruch, Exportaufträge sicherten das Überleben. Ein seit Mitte der 1920er Jahre schwelender Konflikt zwischen den beiden Gesellschaftern August Wagner und Gottfried Heinersdorff führte 1933 zum Ausscheiden Heinersdorffs, der – von den Nationalsozialisten zum Halbjuden erklärt – das Unternehmen verlassen musste. Damit endeten die Reformbemühungen. Das mittlerweile in August Wagner, vereinigte Werkstätten für Mosaik und Glasmalerei umbenannte Unternehmen, wegen der Lieferungen für die Bauten der Welthauptstadt Germania sogar zum „kriegswichtigen Betrieb“ erklärt, lieferte Ausstattungen für zahlreiche Bauten der Nationalsozialisten.

Reparaturarbeiten, aber auch Neuaufträge, ermöglichten in der Nachkriegszeit zunächst die Weiterführung des Betriebs in West-Berlin. Das geschwundene Auftragsvolumen führte 1969 zur Liquidation des Unternehmens, und das architektonisch bedeutende Fabrikgebäude des Architekten Franz Schwechten wurde 1972 zugunsten des Straßenbaus abgerissen.

Renaissance der Glasmosaiken im 19. Jahrhundert Die spätantike und mittelalterliche Mosaikkunst mit ihren beeindruckenden Leistungen in Rom, Ravenna, Venedig oder auf Sizilien war im 18. Jahrhundert endgültig erloschen. Mit dem erwachenden Interesse für historische Baustile im 19. Jahrhundert wuchs auch das Interesse an Mosaiken. In Preußen erwarb der kunstinteressierte König Friedrich Wilhelm IV. 1834 das Apsismosaik der abgebrochenen Kirche San Cipriano auf der Insel Murano bei Venedig und ließ es in der Potsdamer Friedenskirche einbauen. Der Baustil der frühchristlichen und byzantinischen Kirchen stand in den Augen des Königs für seine politisch-religiöse Überzeugung mit seinem unerschütterlichen Glauben an das Gottesgnadentum seiner Herrschaft. Viele von ihm in Auftrag gegebenen Kirchenbauten, wie St. Nikolai in Potsdam oder die Kapelle des Berliner Stadtschlosses, zeigen im Inneren byzantinische Stilelemente. An die Stelle der Goldmosaiken der Vorbilder traten aber als Ersatz Malereien auf Goldgrund, da die Technik der Mosaikherstellung verloren war.

In Venedig mit seiner bedeutenden Glastradition, wo sich die Mosaikkunst am längsten gehalten hatte, gelang Antonio Salviati Mitte des 19. Jahrhunderts die Wiederbelebung der Mosaiktechnik durch die Rationalisierung des zeit- und lohnintensiven Setzverfahrens. Die Rationalisierung machte Mosaiken billiger und erschwinglich und so wuchs der Bedarf an „dauerhafter Malerei und Dekoration“, mit denen die Mosaiken assoziiert wurden – zuerst für Kircheninnenräume aber auch schnell für neue Anwendungsgebiete wie Häuserfassaden.

Bis in die 1890er Jahre musste in Berlin zur Ausführung von Glasmosaiken auf die italienischen Mosaikkünstler von Antonio Salviati zurückgegriffen werden. 1873 zum Beispiel fertigte Salviati das Mosaik im Sockel der Berliner Siegessäule nach dem Entwurf von Anton von Werner und 1886 das von Otto Lessing entworfene Deckenmosaik in der Eingangshalle des (im Zweiten Weltkrieg zerstörten) Museums für Völkerkunde. Selbst die Glasmosaiken mit den Allegorien der Kulturen und Künste an der Fassade des Berliner Kunstgewerbemuseums, das die Leistungsfähigkeit des deutschen Kunsthandwerks und Kunstgewerbes demonstrieren sollte, lieferte zwischen 1879 und 1881 Antonio Salviati.

Unternehmensgeschichte Vom Atelier für Dekorationsmalerei zur Deutschen Glasmosaik-Anstalt mini|hochkant|Werkstattgebäude an der Berliner Straße, um 1900

Bereits 1886 hatte der 20-jährige Kaufmann August Wagner mit dem an der Berliner Kunstakademie ausgebildeten 35-jährigen Kunstmaler Wilhelm Wiegmann ein Atelier für Dekorationsmalerei gegründet.Hubertus Lossow: August Wagner, vereinigte Werkstätten für Mosaik und Glasmalerei Berlin. In: Das Münster, Zeitschrift für christliche Kunst und Kunstwissenschaft, 15. Jahrgang 1962, S. 449–456.abweichendes Gründungsdatum 1884 in: Architekten-Verein zu Berlin und Vereinigung Berliner Architekten (Hrsg.): Berlin und seine Bauten. Wilhelm Ernst & Sohn, Berlin 1896, Band I, S. 595. Neben Dekorationen für Innenräume führten Puhl & Wagner auch Fassadenmalereien aus und machten schnell die Erfahrung mit ihrer geringen Beständigkeit. Auf ihrer Suche nach einer dauerhafteren Technik stießen sie auf die Glasmosaiken, deren Herstellung sie zu kopieren und damit das italienische Monopol zu brechen versuchten.

Das Setzverfahren war einfach zu kopieren. So konzentrierten sich die beiden zunächst auf den Glasherstellungsprozess – schließlich galt es, mit der jahrhundertealten Tradition Venedigs und den gut gehüteten Werkstattgeheimnissen seiner Glashütten in Konkurrenz zu treten. Wiegmanns Schwager, der Ingenieur Friedrich Puhl, brachte das notwendige technische Wissen ein. In einer alten Schmiedewerkstatt an der Ackerstraße im Berliner Norden und ab 1889 in Rixdorf, dem heutigen Berlin-Neukölln, unternahmen sie mit dem ungenutzten Ofen eines Messinggießers unzählige Schmelzversuche. Weitere Unterstützung fanden sie in Julius Lessing, dem ersten Direktor des Berliner Kunstgewerbemuseums, der die Versuche begleitete. Nach einem Jahr beherrschten sie das Herstellungsverfahren so weit, dass die ersten Probearbeiten angefertigt werden konnten. Mit dem Abschluss der Versuche verfügten die drei über ein witterungsbeständiges Glasmaterial mit einer standardisierten und reproduzierbaren Farbskala als Grundlage für die Aufnahme der regulären Produktion. Im Oktober 1889 schlossen sie sich zur Deutschen Glasmosaik-Anstalt von Wiegmann, Puhl und Wagner zusammen und ließen vom Glashütten-Ingenieur Robert Dralle auf dem gemieteten Fabrikgrundstück Berliner Straße 97/98 einen Hafenofen mit vier Häfen von je 50 bis 60 Kilogramm Fassungsvermögen errichten, der im Dauerbetrieb zur Hälfte mit Gas, zur Hälfte mit Kohle befeuert wurde. Nach einer Umnummerierung der Straße 1895 erhielt das Grundstück in der Nähe des Hermannplatzes die neue Hausnummer 7–9.

Einflussreiche Förderer, Erfolg und Wachstum mini|Mosaik in der Vorhalle der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche Das junge Unternehmen fand einflussreiche Förderer. Der Vizepräsident des Preußischen Abgeordnetenhauses, Clemens August Freiherr Heereman von Zuydwyck, regte in der Sitzung vom 24. Februar 1893 an, dass bei Staatsbauten, wo ein Schmuck nothwendig ist, auch seitens der Regierung auf die Anwendung von Mosaik Bedacht genommen werde. Aber auch der ganzen Oeffentlichkeit empfahl er, ihr Augenmerk und ihr Wohlwollen auf den Schmuck von Mosaik zu richten, man müsse sich nicht mehr nach Venedig wenden, um solche Arbeiten zu bekommen, sondern habe nun die Gelegenheit, diesen Zweig des Kunstgewerbes im Inland zu fördern.Christoph Josef Cremer (Hrsg.): Das gewerbliche Leben im Kreise Teltow: aus Veranlassung der 'Berliner Gewerbe-Ausstellung 1896' im Auftrag des Kreis-Ausschusses. Heymann, Berlin 1900, zitiert in der Firmenschrift Deutsche Glasmosaik-Gesellschaft Puhl & Wagner – Rixdorf, Berlin. Den größten Förderer aber fand Puhl & Wagner in Kaiser Wilhelm II., der das Rixdorfer Unternehmen bei zahllosen Staatsaufträgen hinzuzog, unter anderem für die 2740 m² Mosaikfläche in der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche. Im Dienste der Außenpolitik erhielt Puhl & Wagner Aufträge wie für den Deutschen Brunnen auf dem Hippodrom in Istanbul, ein Geschenk Kaiser Wilhelms II. an den Sultan Abdülhamid II., oder für die Himmelfahrtkirche in Jerusalem. Im Jahr 1901 verlieh der Kaiser dem Unternehmen als Zeichen seiner Wertschätzung den Titel Hoflieferant Seiner Majestät Des Kaisers Und Königs.

Die Zahl der Arbeiter wuchs bis 1896 auf 30–40 Mosaikarbeiter, die Verwaltung warb sogar italienische Arbeiter an, um rascher genügend weitere Arbeiter auszubilden.Architektenverein zu Berlin und Vereinigung Berliner Architekten (Hrsg.): Berlin und seine Bauten, I. Band, Verlag Wilhelm Ernst & Sohn, Berlin 1896, S. 595. Trotzdem versuchte sich Puhl & Wagner neben den Glasmosaiken in anderen Geschäftszweigen – das Berliner Adressbuch 1895 verzeichnet neben der Glasmosaikabteilung auch eine zweite Abteilung für Kunstmarmor und Terrazzo.

Nach einer Studienreise nach Italien und Sizilien 1896 eröffnete Wilhelm Wiegmann ein eigenes Unternehmen in den Stadtbahnbögen 483–487 beim Bahnhof Tiergarten, das Mosaik-Atelier Wilhelm Wiegmann. Bereits im Folgejahr firmierte es in Deutsche Glasmosaik-Anstalt Wilhelm Wiegmann um. Auch das Rixdorfer Unternehmen änderte den Firmennamen in Deutsche Glasmosaik-Gesellschaft Puhl & Wagner. Mit dem Namenswechsel war ein Wechsel der Besitzverhältnisse verbunden, denn das Berliner Adressbuch 1897 nennt nun nur noch Friedrich Puhl und August Wagner als Inhaber.

Von den verbliebenen Partnern übernahm August Wagner die kaufmännische Leitung und die Akquisition neuer Aufträge, während Friedrich Puhl als technischer Leiter die Herstellung der Glasmassen und Mosaiken überwachte. In seinen Aufgabenbereich fiel auch die Forschung und Entwicklung neuer Produkte, etwa neuer Farbnuancen der Gläser oder verbesserter Zementmassen zur Befestigung der Mosaiken.[ohne Verfasser]: Deutsche Glasmosaik-Gesellschaft Puhl & Wagner – Rixdorf, Berlin. Ernst Wasmuth 1897, S. 7.

Neubau des Fabrikgebäudes in Rixdorf mini|Entwurf Franz Schwechtens für den Neubau der Kunstwerkstatt der „Deutschen Glasmosaik Anstalt“ Puhl & Wagner; im Hof der Schornstein des Glasschmelzofens mini|hochkant|Grundriss der Werkstätten

Um die Wende um 20. Jahrhundert hatte die städtische Bebauung der stetig wachsenden Großstadt Berlin den Hermannplatz erreicht. Eine Erweiterung am bisherigen Standort war daher nicht möglich; zudem erlaubte der wirtschaftliche Erfolg des Unternehmens den Erwerb eines eigenen Grundstücks für den Neubau. Dieses fand sich an der Kiefholzstraße 72–75 wiederum in Rixdorf, nahe der Ringbahn und an der Grenze zu Treptow. Der renommierte Architekt Franz Schwechten erhielt 1903 den Auftrag zum Neubau der Werkstätten. Der vom Kaiser hochgeschätzte Schwechten hatte bereits bekannte Bauten wie den Anhalter Bahnhof oder die Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche mit den einrahmenden romanischen Häusern am Auguste-Viktoria-Platz, dem heutigen Breitscheidplatz, entworfen. Schwechte wählte auchn hier neuromanische Formen und plante auf der Parzelle in großzügiger und lockerer Bebauung im hinteren Teil die eigentliche Fabrik und vorgelagert an der Kiefholzstraße ein Verwaltungs- und Wohngebäude. Eine ausgedehnte Gartenanlage sollte die Gebäude umfassen. Vom Gesamtentwurf kam im Jahr 1904 lediglich der Fabrikbau zur Ausführung.