mini|160px|Stammwappen La Tour Das Haus La Tour d'Auvergne war eine der angesehensten Adelsfamilien Frankreichs. Der bekannteste Angehörige der La Tour d’Auvergne ist der französische Generalmarschall Henri de La Tour d’Auvergne, vicomte de Turenne.

Außer der Vizegrafschaft Turenne gehörten der Familie die Grafschaften Auvergne und Boulogne, vor allem aber durch die 1591 erfolgte Verheiratung mit der Erbin Charlotte de La Marck (1574–1594) das Herzogtum Bouillon und das Fürstentum Sedan; aufgrund dieser beiden Besitzungen aus dem deutsch-französischen Grenzraum, die beide souveräne Staaten waren, hatten die La Tour d’Auvergne seit Henri de La Tour d’Auvergne, duc de Bouillon (1555–1623), den Status eines Prince étranger und rangierten damit in der Hierarchie des französischen Adels unter den ersten nach dem König.

Die Kinder der französischen Königin Caterina de’ Medici (1519–1589), darunter vier Könige und eine Königin von Frankreich, waren Enkelkinder von Madeleine de La Tour d’Auvergne, wodurch Königshaus und das Haus La Tour d’Auvergne zu jener Zeit relativ nah miteinander verwandt waren.

Herkunft Beim Haus La Tour d’Auvergne handelt es sich ursprünglich um die Familie der Herren von La Tour im heutigen Département Puy-de-Dôme in der Auvergne, die mit Bertrand I., Seigneur de la Tour, um 1206 erstmals auftritt. Dessen Urenkel Bertrand II. heiratete 1275 die Erbin der Herrschaft Olliergues, woraufhin die Familie sich in der nächsten Generation in zwei Linien teilte: eine ältere, die im Besitz von La Tour blieb, und eine jüngere, die den erheirateten Besitz erbte.

Die Grafen von Auvergne und Boulogne Wiederum durch eine Ehe (der Ehevertrag wurde 1389 geschlossen) gelangten die La Tour in den Besitz der Grafschaften Auvergne und Boulogne, die sie Anfang des 16. Jahrhunderts jedoch mangels männlicher Erben an die Medici verloren, als Madeleine, comtesse d’Auvergne, 1518 Lorenzo di Piero de’ Medici heiratete, im Kindbett starb, als sie die spätere Königin von Frankreich, Caterina de’ Medici, gebar.

Die Vizegrafen von Turenne Noch erfolgreicher als die ältere Linie war die jüngere. 1444 bekam Agne IV. de La Tour die Erlaubnis, Anne de Beaufort zu heiraten, die Erbtochter von Pierre, Comte de Beaufort-en-Anjou und Vicomte de Turenne (siehe Haus Rogier de Beaufort); mit deren Sohn François I. († nach 1493) beginnt die Linie der Vicomtes de Turenne aus dem Haus La Tour.

Henri de la Tour, Vicomte de Turenne (ein Enkel des Connétable Anne de Montmorency und selbst Marschall von Frankreich) heiratete 1591 Charlotte de La Marck, Tochter des Henri I. Robert de La Marck (1539–1574) aus dem Haus Mark, Herzog von Bouillon und Fürst von Sedan und der Françoise de Bourbon. Charlotte war seit 1588 souveräne Herzogin von Bouillon und Fürstin von Sedan, nach ihrem Tod im Kindbett nach der Geburt des ersten Kindes 1594 (ein Sohn, der noch am Tag der Geburt starb) gingen beide Titel auf ihren Mann über, die er dann an seine Nachkommen aus seiner zweiten Ehe (mit einer Tochter Wilhelms des Schweigers von Oranien) vererben konnte. Sein älterer Sohn aus dieser zweiten Ehe war Frédéric-Maurice de La Tour d’Auvergne (1605–1652), der jüngere der spätere Generalmarschall Henri de La Tour d’Auvergne, vicomte de Turenne (1611–1675). Die Nachkommen des Herzogs Frédéric Maurice hielten Bouillon und Sedan bis zur Französischen Revolution, sie starben 1802 mit Jacques Léopold de La Tour d’Auvergne aus. Die Titel Prince de La Tour d’Auvergne und Duc de Bouillon gingen danach auf eine von den Vizegrafen von Turenne abstammende Seitenlinie, die de La Tour d’Auvergne d’Apchier über, die 1896 ebenfalls ausstarben.

Persönlichkeiten Emmanuel Théodose de La Tour d’Auvergne (1643–1715), Kardinal Henri Oswald de La Tour d’Auvergne (1671–1747), Erzbischof von Vienne und Kardinal Théophile Malo Corret de la Tour d’Auvergne (1743–1800), Hauptmann – seit 27. April 1800 „Erster Grenadier der Armee der Republik“ Madeleine de La Tour d’Auvergne (1495–1519), Ehefrau von Lorenzo di Piero de’ Medici und Mutter der französischen Königin Caterina de’ Medici Maria Henriette de La Tour d’Auvergne (1708–1728), seit 1710 Markgräfin von Bergen op Zoom, seit 1722 Ehefrau des Prinzen Johann Christian Joseph von Pfalz-Sulzbach (1700–1733), Mutter des Kurfürsten Karl Theodor von Pfalz und Bayern Marie Louise de La Tour d’Auvergne (1725–1781), französische Adelige Henri-Godefroy de La Tour d’Auvergne (1823–1871), französischer Politiker und Diplomat Marie de La Tour d’Auvergne (1601–1665), französische Adlige

Weitere Linien bzw. Familien Ein weiterer bedeutender Abkömmling der Familie ist Théophile Malo Corret de la Tour d’Auvergne (1743–1800), der Enkel eines unehelichen Sohnes des ersten Herzogs von Bouillon aus dem Haus La Tour, der im Pariser Panthéon bestattete „premier grénadier de France“. Sein Herz jedoch liegt im Invalidendom. Gestorben ist er während einer Schlacht 1800 bei Oberhausen in Bayern, wo heute das La Tour-Denkmal an dessen Tod erinnert. Die 289 Quadratmeter Fläche sind bis heute im Eigentum des französischen Staates.

Während 1802, nach dem Tod des letzten Herzogs von Bouillon, die Seitenlinie de La Tour d’Auvergne d’Apchier, den Titel Prince de La Tour d’Auvergne und Duc de Bouillon beanspruchte, die jedoch 1896 ausstarb, berühmte sich noch eine weitere Familie einer Abstammung von den Fürsten und Herzögen. Marcel Proust spielt hierauf mehrfach in seiner Recherche an, indem der die Figur der Marquise de Villeparisis als „de la célèbre famille de Bouillon“ kennzeichnet.Marcel Proust: Auf der Suche nach der verlorenen Zeit, 1. Band: In Swanns Welt, Kapitel Combray. Die fiktive Figur der Marquise de Villeparisis spielt im Roman eine Nebenrolle als Salonnière und Tante der Helden Charlus und Saint-Loup.

Die de La Tour d’Auvergne-Lauraguais Eine alte Familie des Languedoc, die sich auf Guillaume de La Tour, Seigneur de Lauzeville, zurückführt, der zwischen 1329 und 1363 mehrfach Capitoul (hoher Magistrat) in Toulouse war, erhielt 1778 von Ludwig XVI. eine Adelsanerkennung unter dem Namen de La Tour de La Roche, später de La Tour de Saint Paulet. In der Zeit des Konsulats Napoleons behauptete Melchior Philippe Bernard de La Tour de Saint-Paulet (1794-1849) eine Abstammung von den de La Tour d'Auvergne, als angeblich nächstverwandte Linie der Herzöge von Bouillon, die 1802 mit Jacques Léopold de La Tour d’Auvergne ausgestorben waren. Napoleon ernannte ihn zum Baron de l’Empire, später zum Marquis de Saint-Paulet. Am 3. August 1814, unter der soeben restaurierten Herrschaft von Ludwig XVIII., wandelte er seinen Namen zu de La Tour d'Auvergne. Am 21. Mai 1821 änderte er seinen Namen erneut in de La Tour d'Auvergne-Lauraguais, weil seine Familie einst den Namenszusatz du (nicht de) Lauragais geführt hatte. Sein Sohn Henri-Godefroy de La Tour d’Auvergne (1823–1871), seit dem Tode seines Vaters 1849 Baron de l’Empire, Marquis de Saint-Paulet, war Botschafter Frankreichs beim Heiligen Stuhl (1862), dann in London. Er erhielt 1859 von Papst Pius IX. den Titel eines Fürsten, mit französischer Anerkennung von 1869. Heutiger Chef dieses Hauses ist Alexandre Charles Prince de La Tour d’Auvergne-Lauraguais, Marquis de La Tour-Lauraguais, 7. princeps romanus (* Buenos Aires 1941).La Tour d’Auvergne-Lauraguais bei Heirs of Europe

Stammliste (Auszug) Die Herren von La Tour (13. Jahrhundert) NN Bertrand I., 1206/12 bezeugt, Seigneur de La Tour; ⚭ Judith de Mercoeur, † 1208 Bernard I., 1222 bezeugt, † 1253, Seigneur de La Tour, Ritter; ⚭ Jeanne Bernard II., 1253 bezeugt, † 1276; ⚭ Yolande, † vor 1276 Bertrand II., 1271 minderjährig, † 1296, 1282 Seigneur de Murat-le-Quaire et de Vendes; ⚭ 1275 Béatrix d’Olliergues, † nach 1298, Tochter von Agne d’Olliergues und Alix de Breuil Bernard III., † 1325, Seigneur de La Tour; ⚭ 1295 Béatrix de Rodez, Tochter von Henri II., Comte de Rodez (Haus Millau), und Mascaronne de Comminges (Haus Comminges) – Nachkommen: die Herren von La Tour (14. Jahrhundert), siehe unten Bertrand I., † 1329, Seigneur d’Olliergues, 1286 Seigneur de La Roche, de Ravel, de Chastres, de Saint-Donat et de Bagnols; ⚭ 1314 Marguerite Aycelin, † 1332, Tochter von Gilles Aycelin, Seigneur de Montagu-en-Auvergne, und Blanche de Chasteau – Nachkommen: die Herren von Olliergues, siehe unten Guillaume, testiert 1315, Domherr zu Reims, Clermont und Brioude Agne, † 1331, Prior zu Crépy-en-Valois Dauphine, testiert 1323; ⚭ 1298 Guigues, Seigneur de Roche-en-Régnier Gaillarde, 1271 bezeugt; ⚭ Pierre Maurice de Roche-Savine et de Saint-Bonnet Dauphine, 1271 bezeugt, testiert 1299; ⚭ (1) Raymond d’Aubusson; ⚭ (2) 1280 Aimery II., Sire de La Rochefoucauld, † 1297 (Haus La Rochefoucauld) Bertrand, testiert 1280, 1256 Kanoniker zu Brioude Dauphine, 1236/99 bezeugt; ⚭ Ebles VI., Vicomte de Ventadour, † 1275 (Haus Comborn) Gaillarde, 1270 bezeugt; ⚭ Pierre, Vicomte de Murat Marguerite, † vor 1270; ⚭ Gérard de Rochefort Bertrand, 1242 bezeugt, Ritter Guillaume, testiert März 1246, Domkantor und Propst zu Brioude

Die Herren von La Tour (14. Jahrhundert) Bernard III., † 1325, Seigneur de La Tour; ⚭ 1295 Béatrix de Rodez, Tochter von Henri II., Comte de Rodez (Haus Millau), und Mascaronne de Comminges (Haus Comminges) – Vorfahren siehe oben Gaillarde, † vor 1351; ⚭ 1307 Guy Compteur, Seigneur d’Apchon Dauphine, * 1301; ⚭ 1315 Astorg d’Aurillac Bertrand III., * 1303, † nach 1368; ⚭ 1320 Isabelle de Lévis, † 1361, Tochter von Jean I., Seigneur de Mirepoix, und Constance de Foix (Haus Lévis) Guillaume, † 1343, Seigneur de La Tour; ⚭ 1342 Helix Roger de Beaufort, Tochter von Guillaume II. Roger de Beaufort (Haus Rogier de Beaufort) und Marie de Chambon, heiratete in zweiter Ehe Aymar V. de Poitiers, Comte de Valentinois (Haus Poitiers-Valentinois) Guy, † 1375, Seigneur de La Tour; ⚭ Marthe Roger de Beaufort, 1353/1435 bezeugt, Tochter von Guillaume II. Roger de Beaufort (Haus Rogier de Beaufort) und Marie de Chambon Bertrand IV., 1375 bezeugt, † 1423; ⚭ Marie de Montgascon, Comtesse d’Auvergne et de Boulogne, † 1437, Tochter von Godefroi d’Auvergne, genannt de Boulogne, Seigneur de Montgascon (Haus Auvergne) – Nachkommen: die Grafen von Auvergne, siehe unten Guyot, 1395 bezeugt, † 1411, Dompropst zu Clermont Louise, † 1403; ⚭ Ponce, Seigneur de Montlaur, † 1393 Tochter, † vor 1375 Henri, 1368 Kanoniker in Amiens Jean, † 1374, OSB, Prior zu Brou-en-Bresse, Abt von Saint-Benoît-sur-Loire, 1371 Kardinal, 1373 Domkantor von Lyon Bertrand, † 1382, 1353 Bischof von Toul, 1361 Bischof von Le Puy Bernard, † 1394, Benediktiner, Abt von Tournus, französischer Geheimrat, 1374 Bischof von Langres, Pair de France Henri, † 1415, Domherr zu Clermont, 1368/75 Archidiakon zu Paris, 1376/1415 Bischof von Clermont, 1392 Elekt von Le Puy Isabeau; ⚭ (1) 1354 Amé Dauphin d’Auvergne, Seigneur de Rochefort (Haus Auvergne); ⚭ (2) Guibaud de Mello, 1388 bezeugt Constance, † 1392; ⚭ (1) 1339 Louis de Brosse, Seigneur de Sainte-Sévère et de Boussac (Haus Brosse); ⚭ (2) Philibert de l’Espinasse, Seigneur de Clayette Marguerite, † vor 1384; ⚭ Guy IV. Dalmas, Baron de Cousan, † nach 1407 Mascaronne, * 1304, † nach 1328; ⚭ Gilles Aycelin, Seigneur de Montagu Bernard, 1321 bezeugt, † 1361 an der Pest, 1329 Kanoniker in Clermont und Beauvais, Kardinaldiakon

Die Grafen von Auvergne Bertrand IV., 1375 bezeugt, † 1423; ⚭ Marie de Montgascon, Comtesse d’Auvergne et de Boulogne, † 1437, Tochter von Godefroi d’Auvergne, genannt de Boulogne, Seigneur de Montgascon Bertrand V., † 1461, Seigneur de La Tour, Comte d’Auvergne et de Boulogne, Seigneur de Montgascon; ⚭ 1416 Jacquette du Peschin, † 1473, Erbtochter von Louis du Peschin und Ysoul de Sully Bertrand VI., † 1494, Sire de La Tour, Comte d’Auvergne et de Boulogne (bis 1477) bzw. Lauragais (ab 1477); ⚭ 1444 Louise de La Trémoille, Dame de Boussac et de Saint-Just, † 1474, Tochter von Georges de La Trémoille, Sire de Sully et de Craon (Haus La Trémoille)