mini|hochkant=1.5|Ottakringer Friedhof und Aufbahrungshalle 1 Der Ottakringer Friedhof ist ein Friedhof im 16. Wiener Gemeindebezirk Ottakring. Die 1885 als Friedhofskapelle erbaute Aufbahrungshalle 1 steht unter Denkmalschutz ().

Lage mini|Im Friedhof Der Ottakringer Friedhof liegt im Westen des Bezirks Ottakring am Gallitzinberg (Gallitzinstraße 5). Er befindet sich inmitten eines locker verbauten Wohngebiets zwischen Johann-Staud-Straße und Gallitzinstraße. Mit einer Fläche von 173.461 m² ist er Wiens sechstgrößter Friedhof, gemessen an rund 27.562 Grabstellen (2026) ist er allerdings der viertgrößte aller 46 Wiener Friedhöfe.

Geschichte Alte Ottakringer Friedhöfe mini|Denkmal für die Opfer der Teuerungsrevolte Erstmals wird ein Friedhof auf dem Gebiet Ottakrings im Jahr 1230 urkundlich erwähnt. Der Friedhof bestand bereits zur damaligen Zeit am heutigen Friedhofsstandort, wobei er sich in etwa auf dem Standort der heutigen Aufbahrungshalle 1 erstreckte, wo sich die Pfarrkirche St. Lambert befand. Im Mittelalter und der frühen Neuzeit wurden auch die Seuchenopfer auf dem Ottakringer Friedhof bestattet. Nachdem die Kapazitäten für Seuchenopfer jedoch 1713 erschöpft waren, wurde auf dem Gebiet zwischen den heutigen Straßenzügen Gaullachergasse/Friedmanngasse ein eigener Seuchenfriedhof angelegt. Der Friedhof wurde in der Folge der Gemeinde Neulerchenfeld abgetreten, die den Friedhof bis zur Kirchstetterngasse vergrößerte. Die Auflassung des ehemaligen Seuchenfriedhof wurde 1799 verfügt, wobei die endgültige Schließung des Friedhofes erst 1842 erfolgte. Als Ersatz erwarb die Gemeinde Neulerchenfeld 1832 ein Grundstück auf der Schmelz, das neben dem Schmelzer Friedhof lag. Der neue Friedhof wurde am 9. September 1832 vom Klosterneuburger Propst Jakob Rukenstock zum Neulerchenfelder Friedhof geweiht und blieb bis 1888 in Betrieb. Der Neulerchenfelder Friedhof wurde auf Grund der Vereinigung von Ottakring und Neulerchenfeld zu einem Wiener Gemeindebezirk geschlossen, in der Folge diente der Ottakringer Friedhof für den gesamten Bezirk als Begräbnisstätte.

Ottakringer Friedhof mini|Grabmal von Franz Schuhmeier Die Bestattungen erfolgte auf dem Ottakringer Friedhof lange Zeit kostenlos oder gegen eine geringe Grabgebühren. Auf Grund von Überbelegung und oftmaligen Erweiterungen wurden jedoch die Gebühren erhöht und die Bestattung von Ortsfremden 1874 untersagt. Auf Grund des starken Wachstums von Ottakring wurde der Ottakringer Friedhof ab 1835 fünfzehn Mal erweitert. Zudem waren laufende Investitionen in die Infrastruktur notwendig. 1863 erfolgte der Antrag auf ein Leichenhaus mit einer Wohnung für den Totengräber, 1879 bewilligte die Gemeinde die Einfriedung des bisher offenen Friedhofareals. 1885 erfolgte die Errichtung einer Kapelle, 1903 beschloss der Gemeinderat den Ankauf von Grundstücken für den Bau eines Verwaltungsgebäudes, einer Einsegnungshalle und einer Leichenkammer. Die Toranlage des heutigen Hauptportals stammt aus dem Jahr 1935. Die Aufbahrungshalle 2 wurde von 1969 bis 1985 durch den Architekten Erich Boltenstern umgebaut und für die Benutzung bei Erdbestattungen und Kremationsfeiern adaptiert. Gleichzeitig wurde der Zeremonienraum der Aufbahrungshalle 1 umgestaltet, das Altarkreuz schuf der Maler Hermann Bauch.

Die Beerdigung des populären Arbeiterführers Franz Schuhmeier am Ottakringer Friedhof vom 16. Februar 1913 war Wiens bis dahin größte Demonstration. Es nahmen – die Angaben schwanken – bis zu einer halben Million Trauergäste teil.Wolfgang Maderthaner, Lutz Musner: Die Anarchie der Vorstadt. Das andere Wien um 1900. Campus-Verlag, Frankfurt am Main 1999, ISBN 3-593-36334-8, S. 176–178. Hier befinden sich auch die Gräber vieler Opfer der Februarkämpfe des Jahres 1934. Der Friedhof ist geprägt von langen Alleen mit dunklen hohen Stelen der reichen Gewerbetreibenden aus Alt-Ottakring.

Grabstätten bedeutender Persönlichkeiten Ehrenhalber gewidmete Gräber mini|Grabmal für die Opfer der Zelluloidkatastrophe 1908 mini|Grabmal für Albert Sever mini|Grabmal für Karl Volkert mini|Grabmal für Franz Siegel Der Ottakringer Friedhof weist 44 ehrenhalber gewidmete Gräber auf. Dazu zählen auch die Gräber von 15 Opfern einer Zelluloidexplosion in der Fabrik Sailer am 6. Juni 1908.

NameLebensdatenTätigkeit Ferdinand Blatt –1934 Februaropfer 1934 Karl Bohuslawek 1836–1886 Sekretär des Kronprinzen Rudolf Otto Brötzenberger –1911 Opfer der Teuerungsrevolte 1911 Christine Busta 1915–1987 Lyrikerin Georg Dänzer 1848–1893 Schrammelmusiker Anton David 1849–1924 Politiker Franz Edelbauer 1854–1911 Wohltäter und Pfarrer Johann Frankovsky 1888–1945 Komponist und Textdichter Johann Gasser 1846–1896 Industrieller Rudolf Gmeiner 1880–1924 Konzertsänger Kurt Girk 1932–2019 Sänger Franz Höbling 1886–1965 Hofschauspieler und Opernsänger Josef Hornig 1861–1911 Volkssänger und Schriftsteller Robert Joachimovitz 1892–1970 Universitätsprofessor Franz Joachimsthaler –1911 Opfer der Teuerungsrevolte Josef Kaderka 1910–1993 Textautor, Komponist, Musiker, Maler Karl Kantner 1855–1925 Verbandsobmann der Freiwilligen Feuerwehren Gerhard Kofler 1949–2005 Schriftsteller Adam Latschka 1872–1905 Pfarrer Johann Friedrich Laux –1911 Pfarrer Walter Nausch 1907–1957 Bundeskapitän des ÖFB Josef Raitmann 1876–1912 Hornist und Feuerwehrmann Grete Rehor 1910–1987 Bundesministerin Hansl Schmid 1897–1987 Wienerliedersänger Heinrich Schoof 1865–1939 Komponist und Chormeister Franz Schuhmeier 1864–1913 Politiker Albert Sever 1867–1942 Politiker Franz Siegel 1876–1927 Politiker Franz Ullreich –1958 Politiker Karl Volkert 1868–1929 Politiker Franz Wögerbauer –1911 Opfer der Teuerungsrevolte

Gräber weiterer Persönlichkeiten

Weitere bedeutende Persönlichkeiten, die am Ottakringer Friedhof begraben sind:

NameLebensdatenTätigkeit Paul Badura-Skoda 1927–2019 Pianist Eva Badura-Skoda 1929–2021 Musikwissenschaftlerin Alfred Baldia 1913–1997 Brieftaubenzüchter und Unternehmer Ferdinand Baldia 1860–1936 Architekt und Stadtbaumeister in Ottakring Ferdinand Mathias Baldia 1818–1869 Baumeister und Gemeinderatsmitglied von Ottakring Josef Baldia 1845–1912 Architekt Eduard Bauer 1894–1948 Fußballspieler Otto F. Beer 1910–2002 Journalist und Schriftsteller Gerald Bisinger 1936–1999 Lyriker Jaromír Borek 1928–1997 Schauspieler Oskar Bottoli 1921–1995 Bildhauer Gerhart Bruckmann 1932–2024 Wissenschaftler Kurt Buchinger 1935–2019 Politiker Theodor Charlemont 1859–1938 Bildhauer Richard Czapek 1913–1997 Komponist und Wienerliedersänger Adolf Czettel 1924–1988 Politiker Wilfried Daim 1923–2016 Psychologe und Autor Gustav Deutsch 1952–2019 Filmkünstler Walter Deutsch 1923–2025 Musikwissenschaftler Vinzenz Dittrich 1893–1965 Fußballspieler Anton Duhan 1882–1958 Richter und Reichsanwalt Eduard Frühwirth 1908–1973 Fußballspieler Martha Frühwirt 1924–1998 Selbsthilfegruppe-Gründerin Adolf Czettel 1924–1988 Politiker Johann Goldschmid 1919–1981 Radrennfahrer Heinz Grill 1909–1983 Historiker Hans Grötzer 1928–2019 Geiger Viktor Hammer 1913–1986 Bildhauer Walter Haummer 1928–2008 Fußballspieler Kurt Heller 1919–1990 Politiker Adolf Heinrich Hobel 1910–1995 Botschafter Rudolf Hoke 1929–2025 Rechtshistoriker Edmund Holzfeind 1897–1974 Politiker Adrian Hoven 1922–1981 Schauspieler, Regisseur und Filmproduzent Karl Hodina 1935–2017 Musiker und Maler Wilhelm Kaufmann 1895–1975 Maler Ernst Kein 1928–1985 Autor, Mundartdichter Peter Heinz Kersten 1929–2004 Zauberkünstler, Wienerliedinterpret Herbert Klauser 1916–2009 Schriftsteller Erwin Klein 1924–1983 Unternehmer Richard Kurfürst 1909–1991 Journalist Maximilian Kreuzer 1960–2010 Physiker Alfred Lehr 1924–2011 Bankkaufmann Hermann Lein 1920–2006 Autor und Widerstandskämpfer Elisabeth Lichtenberger 1925–2017 Geografin Herbert Link 1944–2018 Filmemacher Anestis Logothetis 1921–1994 Komponist Karl Lugmayer 1892–1972 Volksbildner Bob Martin 1922–1998 Sänger Alfred Migsch 1901–1975 Politiker Wilhelmine Moik 1894–1970 Politikerin Hans Müller 1873–1937 Bildhauer Heinz Ockermüller 1921–1994 Filmarchitekt Herta Pammer 1905–1995 Vorsitzende der Katholischen Frauenbewegung Erich Wolfgang Partsch 1959–2014 Musikwissenschaftler Josef Pecanka 1925–2015 Eishockeyspieler Günter Pernhaupt 1936–1999 Mediziner und Psychotherapeut Franz Pfaudler 1893–1956 Schauspieler Hubert Pfoch 1920–2008 Vizebürgermeister Wiens Karl Prachar 1925–1994 Mathematiker Robert Reinagl1968–2025 Schauspieler Hubert Reitterer 1944–2025 Historiker Ernst Robetschek 1912–1972 Jurist und Politiker Wolfgang Schiesterl 1983–2011 Volleyballspieler Max Schipper 1900–1951 Schauspieler und Regisseur Karl Schmalhofer 1871–1960 Architekt Kurt Schmied 1926–2007 Fußballspieler Emmy Schörg 1930–2020 SchauspielerinOttilie Schörg1914–2000Schneiderin und Widerstandskämpferin Anton Schwaiger 1911–1975 Politiker Franz Senghofer 1904–1998 Erwachsenenbildner Johann Staud 1882–1939 Politiker Jörg Christian Steiner 1965–2025 Publizist Herbert Tieber 1942–1990 Politiker Johannes B. Torelló 1920–2011 Geistlicher Josef Uridil 1895–1962 Fußballspieler Hermann Vetters 1915–1993 Archäologe Franz Weselik 1903–1962 Fußballspieler Rudolf Wiszkoczil 1870–1925 Architekt

Literatur Werner T. Bauer, Katharina Gossow (Fotos): Wiener Friedhofsführer. Genaue Beschreibung sämtlicher Begräbnisstätten nebst einer Geschichte des Wiener Bestattungswesens. Falter Verlag, Wien 2004, ISBN 3-85439-335-0.

Weblinks

Einzelnachweise

Kategorie:Friedhof in Wien Kategorie:Ottakring