mini|hochkant=1.5|Stadtkirche 2016 mit sanierter Fassade
Die Stadtkirche Neustrelitz ist die Hauptkirche von Neustrelitz am Marktplatz der Stadt. Sie erhielt im Verlauf mehrerer Bauabschnitte im 18. und 19. Jahrhundert und nach erheblichen Veränderungen der Ausstattung von 1968 ihre heutige Gestalt. Die Gemeinde gehört zur Propstei Neustrelitz im Kirchenkreis Mecklenburg der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Norddeutschland (Nordkirche).
Geschichte
Die Kirche wurde von 1768 bis 1778 nach Plänen des Hofarztes Johann Christian Verpoorten als rechteckiger Saalbau in Backstein mit umlaufenden Emporen errichtet. Die Innenmaße der Kirche betragen 20 × 37 Meter. Der Bau zeichnete sich durch eine Pilastergliederung, ein Walmdach und an den Schmalseiten übergiebelten Risaliten mit Treppenhäusern aus. Der Baubeginn datiert auf den 29. Juli 1768, am 4. November 1778 folgte die Weihe als Stadtkirche. Der Baumeister Friedrich Wilhelm Buttel fügte 1828 bis 1831 den massiven Turm und den Außenputz hinzu und prägte damit das heutige Aussehen der Kirche.
Von 2013 bis 2015 wurde die Fassade der Stadtkirche aufwendig saniert und neu verputzt. Dazu waren mehr als 1 Million Euro notwendig. Viele Einwohner und ehem. Neustrelitzer haben diese Baumaßnahme mit Spenden unterstützt, so dass 85.000 Euro an Eigenmitteln aufgebracht werden konnten.
Ausstattung Die Stadtkirche beherbergt einen Altar aus der Übergangszeit zwischen spätem Barock und Klassizismus. Ursprünglich war er ein Kanzelaltar; die Kanzel wurde jedoch in der Mitte des 19. Jahrhunderts aus dem Altar entfernt und eine neu gefertigte, dem bisherigen Stil angepasste seitlich davon aufgestellt. Das Mittelfeld des Altars schmückt seitdem eine Kopie des Gemäldes „Kreuztragung“ von Raffael, die Großherzogin Marie 1856 anfertigte und der Kirche stiftete. Im Januar 2009 wurde ein Altarkreuz aus dem Jahr 1968 durch ein älteres, von dem Hofgoldschmied von Behmen der Stadtkirche gestiftetes Kreuz ersetzt. Dieser ließ es 1899 für die Stadtkirche fertigen. Die zu besonderen Anlässen verwendeten wertvollen silbernen Altarleuchter sind Leihgaben der Neustrelitzer Schlosskirche und wurden von König Georg V. und Königin Marie von Hannover 1860 gestiftet. Den vor dem Altar liegenden Lutherteppich erhielt die Kirche zum 400. Geburtsjubiläum Martin Luthers am 10. November 1883. Der Taufständer ist eine Arbeit des hiesigen Hoftischlers Bengelstorff, der auch den Orgelprospekt schuf.
Orgel mini|Orgel Die dreimanualige, mit 45 Registern bei mechanischer Traktur ausgestattete Grüneberg-Orgel fertigte die Firma des Orgelbauers Barnim Grüneberg aus Stettin. Sie wurde am 28. Juni 1893 geweiht und ist nach gründlicher Instandsetzung so wiederhergestellt, wie sie von der Firma Grüneberg konzipiert worden war.Nähere Informationen zur Grüneberg-Orgel
I Oberwerk C–f3 1. Quintatön 16′ 2. Principal 8′ 3. Salicional 8′ 4. Concertflöte 8′ 5. Gedackt 8′ 6. Octave 4′ 7. Rohrflöte 4′ 8. Flauto dolce 4′ 9. Nasard ′ 10. Octave 2′ 11. Mixtur III 12. Clarinette 8′ Tremolo II Hauptwerk C–f3 13. Principal 16′ 14. Bordun 16′ 15. Principal 8′ 16. Hohlflöte 8′ 17. Gemshorn 8′ 18. Gambe 8′ 19. Rohrflöte 8′ 20. Octave 4′ 21. Flöte 4′ 22. Hohlflöte 4′ 23. Rauschquinte ′ 24. Cornett 2′ 25. Mixtur III 26. Trompete 8′ III Schwellwerk C–f3 27. Liebl. Gedackt 16′ 28. Geigenprincipal 8′ 29. Zartflöte 8′ 30. Flauto dolce 8′ 31. Aeoline 8′ 32. Liebl. Gedackt 8′ 33. Fugara 4′ 34. Flauto amabile 4′ 35. Oboe 8′ Pedal C–d1 36. Principal 16′ 37. Octavbass 8′ 38. Subbass 16′ 39. Stillgedackt 16′ 40. Quintbass ′ 41. Violon 16′ 42. Bassflöte 8′ 43. Cello 8′ 44. Octave 4′ 45. Posaune 16′ Koppeln: I/II, III/I, III/II, Koppelpedal Spielhilfen: Manualtutti für jedes Manual, Absteller, Crescendowalze.
Ihre wesentlich kleineren Vorgänger standen oberhalb des Altars auf der obersten Empore. Dort befinden sich heute vier allegorische Figuren (Glaube, Hoffnung, Liebe und Barmherzigkeit) vom Neustrelitzer Meister Simon Gehle. Die bleiverglasten Fenster rechts und links des Altarraumes stammen aus dem Jahr 1931 und stellen Geburt, Taufe, Kreuzigung und Auferstehung Jesu dar. Im hinteren Teil der Kirche gibt es ein Lutherfenster von Gerd Tolzien, eine Gabe des Käthe-Luther-Bunds von 1930.
Turm und Glocken Von den drei Glocken der Stadtkirche ist die mittlere aus Bronze. Sie wurde 1521 gegossen und stammt ursprünglich aus der Burg in Stargard (Mecklenburg). Die beiden größeren sind Hartgussglocken und wurden 1955 als Ersatz älterer Glocken, die für Rüstungszwecke eingeschmolzen wurden, von dem Neustrelitzer Ehepaar Wagner zum Andenken an ihre beiden im Zweiten Weltkrieg gefallenen Söhne gestiftet.
mini|Panoramablick vom Kirchturm Nach umfangreichen Arbeiten für einen Zugang in den 1930er Jahren und mehrfache Instandhaltungsmaßnahmen können Besucher den Turm als Aussichtsplattform nutzen und aus rund 45 m Höhe über die Straßen und die umliegenden Seen schauen.
Sanierung der Außenfassade In den Jahren 2013 bis 2015 wurde die Stadtkirche umfassend saniert. Die Sanierung erfolgte in zwei Bauabschnitten. Im ersten Abschnitt wurde die Nordseite der Kirche trockengelegt, der geschädigte Sockelputz entfernt, das Mauerwerk entsalzt, die Sockelplatten aus Sandstein erneuert sowie die Fensterscheiben und -rahmen saniert. Im zweiten Abschnitt wurde der Kirchturm vollständig eingerüstet und dabei die Außenfassade saniert. Es wurden Reparaturen des Außenputzes und der Backsteinflächen durchgeführt sowie ein neuer Fassadenanstrich aufgebracht. Die Sanierung hat insgesamt 1,25 Mio. Euro gekostet und wurde mit Mitteln der Nordkirche (etwa 43 %), Bundes- und Städtebaufördermitteln sowie einem Eigenanteil der Gemeinde von ca. 6 % finanziert. Am 18. Oktober 2015 wurde der erfolgreiche Abschluss der Sanierung mit einem festlichen Gottesdienst und einem Stadtkirchenfest gefeiert.
Pastoren 1756–1807: Gottlieb Masch, Superintendent 1789–1820: Johann Friedrich Zander 1790–1795: Carl Martin Retslag 1809–1837: Andreas Friedrich Gottlieb Glaser, Superintendent 1814–1822: Johann Heinrich Ludwig Fischer 1821–1841: Johan Christian Carl Visbeck 1831–1885: Hermann Leberecht Ohl, ab 1848 Superintendent 1838–1846: Andreas Heinrich Johann Carl Kaempffer, Superintendent 1851–1844: Johannes Alexander Bickel 1842–1844: Josef Martin Dautwitz 1844–1846: Carl August Rüdiger 1846–1865: Johann Heinrich August Ludwig Genzke 1848–1878: Rudolf Werner 1865–1876: Johannes August Rüdiger 1870–1877: Herman Naumann 1878–1917: Victor Praefcke 1880–1884: Ernst Ahlers (s. u.) 1885–1876: Ludwig Franz Gustav Horn 1917–1920: Ernst Ahlers 1886–1904: Gustav Langbein, Superintendent 1887–1892: Carl Runge 1892–1896: Max Schmidt 1896–1900: Nathanael Fischer 1897–1910: Hans Reinhold 1900–1941: Otto Rütz 1902–1916: Carl Horn, Superintendent 1925–1934: Georg Krüger-Haye 1906–1917: Ludwig Meyer 1907–1916: Albert Schmidt 1910–1937: Wilhelm Martins 1916–1925: Hugo Flemming 1916–1933: Gerhard Tolzien, Superintendent, 1921 Landesbischof 1926–1951: Ernst Michaelis 1933–1934: Johannes Heepe 1934–1936: Herbert Propp 1934–1937: Walter Zierke 1936–1945: Hans-Heinrich Fölsch 1937–1938: Werner Falke 1937–1941: Paul Brückner 1938–1938: Otto Detmer 1938–1948: Hans Lohse 1938–1940: Hans-Joachim Mützke 1941–1946: Siegfried Müller 1945–1945: Walter Sterke 1946–1958: Georg Steinbrecher 1950–1974: Gerhard Möwius 1950–1971: Fritz Cleve 1952–1956: Paul Lange 1956–1965: Hans Hermann Dziedo 1959–1968: Gerhard Bosinski 1965–1970: Hans-Ulrich Giebner 1966–1968: Waltraud Wedemeyer 1968–1978: Gotthard Stegen 1970–1976: Hartwig Bull 1972–1995: Arnold Zarft 1976–1995: Winfried Wegener 1978–1996: Kurt Winkelmann 1990–1998: Christiane Körner 1996–2011: Reinhard Scholl 1997–2004: Christoph Stier 2004–2016: Christiane Körner seit 2012: Christoph Feldkamp
Einzelnachweise
Weblinks
Foto der Neustrelitzer Stadtkirche (vor 1937, Ansicht von Nordosten). In: Deutsche Fotothek, abgerufen am 14. März 2018.
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