Geesthacht ist die größte Stadt im Kreis Herzogtum Lauenburg in Schleswig-Holstein. Sie ist Teil der Metropolregion Hamburg.
Geographie Geographische Lage Das Stadtgebiet von Geesthacht erstreckt sich östlich von Hamburg unmittelbar am nördlichen Ufer der Elbe am Landschaftsübergang der Naturräume Lauenburger Geest zu den Hamburger Vierlanden. Unterhalb des Geesthachter Wehrs beginnt die tidebeeinflusste Unterelbe.
Nachbargemeinden
Stadtgliederung Die Stadt besteht aus folgenden Ortsteilen: Altstadt, Besenhorst, Düneberg, Edmundstal-Siemerswalde, Grünhof, Hasenthal, Heinrichshof (früher auch HEW-Siedlung auf dem Geestrücken), Heinrich-Jebens-Siedlung, Krümmel, Oberstadt (auf dem Geestrücken), Tesperhude.
Geschichte Vor-, Frühgeschichte und Antike Aus der Bronzezeit stammt das 1932 entdeckte und 1933 ausgegrabene Totenhaus von Tesperhude bei Grünhof-Tesperhude.Ernst Probst: Die Lüneburger Gruppe in der Bronzezeit. In: Ernst Probst: Deutschland in der Bronzezeit. Bauern, Bronzegießer und Burgherren zwischen Nordsee und Alpen. Bertelsmann, München 1996/1999, S. 36. Ebenso aus der Bronzezeit stammen die Urnen und Steinsetzungen auf dem Päpersberg, die in den Jahren 1886 und 1893 freigelegt wurden.M. Prüß: Geesthachter Heimatbuch. Unter Mitarbeit von Lehrern des Ortes nach alten Quellen und neuzeitlichen Darstellungen, Geesthacht/Hamburg 1929, S. 90 f. Im Jahre 1928 wurde ein Urnenfriedhof am Worther Weg entdeckt, der in das 1. Jahrhundert vor Chr. datiert wird.M. Prüß: Geesthachter Heimatbuch. Unter Mitarbeit von Lehrern des Ortes nach alten Quellen und neuzeitlichen Darstellungen, Geesthacht/Hamburg 1929, S. 92–94. Als Beleg für eine Besiedlung während der Völkerwanderungszeit gelten die aus dieser Zeit stammenden Urnen in Steinpackung, auf die man im Jahre 1912 im Zuge der Straßenpflasterung am Ende der Mühlenstraße in Geesthacht gestoßen ist.M. Prüß: Geesthachter Heimatbuch. Unter Mitarbeit von Lehrern des Ortes nach alten Quellen und neuzeitlichen Darstellungen, Geesthacht/Hamburg 1929, S. 91.
Mittelalter Gründung und Name des Ortes Die Forschung geht davon aus, dass die erste Kirche in Geesthacht etwa 100 Jahre nach Ludwig dem Frommen, der im Jahr 822 die Grenze des Fränkischen Reiches nördlich der Elbe im Gebiet der Sadelbande zum Schutz vor den Slawen befestigen ließ, gegründet wurde.M. Prüß: Geesthachter Heimatbuch. Unter Mitarbeit von Lehrern des Ortes nach alten Quellen und neuzeitlichen Darstellungen. Geesthacht/Hamburg 1929, S. 99, 123 f. Der Ort Geesthacht wurde urkundlich erstmals im Jahre 1216 als „Hachede“ erwähnt.Hamburgisches Urkundenbuch. Hrsg. von Johann Martin Lappenberg. Band 1. Anastat. Reprod. der Ausg. vom Jahre 1842. Hamburg 1907 = 1842. Nr. 401. Siehe Internetseite der Universität Hamburg: abgerufen am 12. März 2016. In dieser Urkunde von 1216 gewährte Graf Albrecht von Orlamünde, der Statthalter des dänischen Königs Waldemar II., den Bürgern von Hamburg an einigen Zollstätten Befreiung vom Zoll, darunter auch in Hachede. Im Ratzeburger Zehntregister von 1230 lautet der Name des Kirchspielortes „Hagede“, wobei diese Schreibweise offenbar die ältere Lautform des Ortsnamens widerspiegelt. Die Herkunft des Ortsnamens Hacht bzw. Hagede oder Hachede (auch Haghede), wie der Ort in den Überlieferungen unterschiedlich genannt wird,M. Prüß: Geesthachter Heimatbuch. Unter Mitarbeit von Lehrern des Ortes nach alten Quellen und neuzeitlichen Darstellungen. Geesthacht/Hamburg 1929, S. 99 f. kann durch die Betrachtung der überlieferten ältesten Lautform Hagede und durch Vergleich analoger Bildungen, wie etwa „Mestethi“ (= Meschede), ermittelt werden, so dass für den Ortsnamen Hagede eine rekonstruierte Form *Hagithi oder *Hagithja anzusetzen ist.Nissen, T. (1956): Das Kirchspiel Hachede, in: Lauenburgische Heimat, Heft 10/1956, Abschrift in: Sonderheft Lauenburgische Heimat 31, 2017, S. 44. Der Ortsname *Hagithi ist wahrscheinlich eine Bildung aus der altsächsischen Flurbezeichnung *hag-: „Umzäunung, Gehege, Hecke, Weideplatz“G. Köbler: Altsächsisches Wörterbuch. 3. Auflage. 2000 ff., S. 497. und dem weitverbreiteten Ortsnamensuffix -ithi. -ithja (hag-ithi > hag-ede (hach-ede) > hach-t).G. Neumann: Namenstudien zum Altgermanischen; Reallexikon der Germanischen Altertumskunde. Ergänzungsbände, Band 59; Herausgeber: Heinrich Hettrich, Astrid Van Nahl. Verlag De Gruyter, 2008, S. 108. Aufgrund der Namensbildung kann auf eine erste Besiedlung spätestens im 9. Jh. geschlossen werden. Der Name Geesthacht (Kompositum aus Geest und Hacht) erscheint erstmals im Jahre 1402 in einer Urkunde.M. Prüß: Geesthachter Heimatbuch. Unter Mitarbeit von Lehrern des Ortes nach alten Quellen und neuzeitlichen Darstellungen. Geesthacht/Hamburg 1929, S. 101. Noch im 17. Jh. waren vereinzelt die altertümlichen Schreibweisen „Geisthachede“. „Gesthagt“ und „GeistHachd“ im Gebrauch.Vgl. Kirchenbücher von Gülzow (bei Lauenburg) und von Hohenhorn aus dem 17. Jahrhundert, KB Gülzow, Tf. 27. März 1649: „Baltzer Ahrens zu Geisthachede“, KB Gülzow, Tf. 4. März 1687: „Gesthagt.“ KB Hohenhorn, Tf. 12. April 1669: „Hein Uhrbrock Vogt zu GeestHachd“.
13. bis 15. Jahrhundert Eine Änderung des Flusslaufes zerschnitt den Ort in zwei Teile, wodurch das nördlich der Elbe gelegene ältere Hacht an der Geest (Geesthacht) und ein südlich der Elbe gelegenes jüngeres Hacht an der Marsch (Marschacht) entstanden. Es wird angenommen, dass die Änderung des Flusslaufes im 12. Jahrhundert geschah, da der heutige Elblauf bereits im Jahre 1162 bestand, als die Südgrenze des Bistums Ratzeburg bestimmt wurde. Die endgültige Trennung dieser beiden Orte soll sich spätestens in der Mitte des 13. Jahrhunderts vollzogen haben, als die gemeinsame Kirche zwischen 1230 und 1258 in der Elbe versank.W. Prange: Siedlungsgeschichte des Landes Lauenburg im Mittelalter, Quellen und Forschungen zur Geschichte Schleswig-Holsteins. Gesellschaft für Schleswig-Holsteinische Geschichte (Hrsg.), Band 41, Neumünster 1960, S. 22 u. 23.
Hachede bzw. das Hacht an der Geest wurde nach der Überflutung im 13. Jahrhundert in einer Hufeisenform neu angelegt, die noch im Jahre 1830 klar erkennbar war. Ausgehend vom Markt mit der Kirche als Mittelstück des Hufeisens, waren die beiden Schenkel die Bergedorfer Straße bis zur Mühle und die Lauenburger Straße bis zum Runden Berg. Erst im 19. Jh. entwickelte sich Geesthacht zu einem echten Haufendorf.M. Prüß: Geesthachter Heimatbuch. Unter Mitarbeit von Lehrern des Ortes nach alten Quellen und neuzeitlichen Darstellungen. Geesthacht/Hamburg 1929, S. 54.
Die zweite Kirche in Geesthacht war die St.-Peter-Kirche, die nach der Überflutung und Zerstörung der alten Kirche auf einer Anhöhe des Geesthachter Pastorenwerders (wahrscheinlich im Jahre 1261) erbaut wurde.J. Klefeker: Extract aus einer geschriebenen Geesthachter Kirchen-Historie des ehemaligen dasigen Pastoris Webers, wegen der daselbst nacheinander zu erbauen gewesenen Kirchen. In: Sammlung der Hamburgischen Gesetze und Verfassungen in Bürger- und Kirchlichen, auch Cammer-Handlungs- und übrigen Policey-Angelegenheiten und Geschäften samt historischen Einleitungen. Band 11, Hamburg 1772, S. 299.M. Prüß: Geesthachter Heimatbuch. Unter Mitarbeit von Lehrern des Ortes nach alten Quellen und neuzeitlichen Darstellungen. Geesthacht/Hamburg 1929, S. 124. Zum Kirchspiel Geesthacht („Hagede“) gehörten nach den Angaben im Ratzeburger Zehntregister von 1230 die Dörfer Wiershop, Hamwarde, Hasenthal, Besenhorst, Fahrendorf, Hohenhorn und Worth. Hamwarde, Wiershop und Worth waren die ersten Dörfer, die von Geesthacht getrennt wurden.F. Voigt: Die Kirche zu Geesthacht am Ende des 16. Jahrhunderts. In: Mittheilungen des Vereins für Hamburgische Geschichte,. Band 3, Jg. 9, 1886, S. 23. In der Taxe der Kirchen des Bistums Ratzeburg von 1319 wird das Dorf Worth als eigenes Kirchspiel aufgeführt („Ecclesia in wort“).W. Prange: Siedlungsgeschichte des Landes Lauenburg im Mittelalter, Quellen und Forschungen zur Geschichte Schleswig-Holsteins. Herausgeber: Gesellschaft für Schleswig-Holsteinische Geschichte, Band 41, Neumünster 1960. Das Dorf Fahrendorf wurde bereits im 14. Jahrhundert wüst. Hohenhorn (Horn) war mit der Einrichtung der Nikolaipfarre zunächst vorübergehend im 15. Jahrhundert von Geesthacht abgetrennt, wurde aber wiederum mit Geesthacht vereinigt.
Im Jahre 1420 fiel Geesthacht, wie auch die Stadt Bergedorf und weitere Gebiete, im Frieden von Perleberg an die Hansestädte Hamburg und Lübeck. Fortan blieb Geesthacht unter gemeinschaftlicher Verwaltung der beiden Hansestädte im Amt Bergedorf.
Neuzeit 16. Jahrhundert Im Jahre 1598 wurden die bis dahin nach Geesthacht eingepfarrten Dörfer Hasenthal und Tesperhude nach Hamwarde eingepfarrt und mit der Errichtung des neuen Kirchspiels Hohenhorn die Dörfer Besenhorst und Hohenhorn von der Geesthachter Kirche abgetrennt.
Dreißigjähriger Krieg 1618–1648 In der Zeit des Dreißigjährigen Krieges blieb auch die Dorfschaft Geesthacht nicht von Überfällen verschont. Im Jahre 1627 wurde das Dorf Geesthacht mehrere Male ausgeplündert von Wallensteins und Tillys Söldnern. Im Gegensatz zu den Vierlanden, die der Einquartierung von den Truppen Wallensteins und Tillys entgehen konnten gegen Leistung von Kontributionen, war Geesthacht als Exklave des Amtes Bergedorf den Überfällen der Söldner schutzlos ausgeliefert.J. Braden: Der Große Krieg und das kleine Dorf. Der Dreißigjährige Krieg und Geesthacht. Geesthacht 2012, S. 20–27. Im Jahre 1642 wurde Geesthacht von schwedischen Söldnern ausgeplündert. Im Sommer 1644 überfielen kaiserliche Truppen das Dorf. Dabei wurde der Küster zu Geesthacht getötet und es kam zu Plünderungen und Brandschatzungen.J. Braden: Der Große Krieg und das kleine Dorf. Der Dreißigjährige Krieg und Geesthacht. Geesthacht 2012, S. 32–38.J. Klefeker: Extract aus einer geschriebenen Geesthachter Kirchen-Historie des ehemaligen dasigen Pastoris Webers, wegen der daselbst nacheinander zu erbauen gewesenen Kirchen. In: Sammlung der Hamburgischen Gesetze und Verfassungen in Bürger- und Kirchlichen, auch Cammer-Handlungs- und übrigen Policey-Angelegenheiten und Geschäften samt historischen Einleitungen. Band 11, Hamburg 1772, S. 302.
Die Zeit nach dem Westfälischen Frieden bis 1679 Mit dem Westfälischen Frieden von 1648 war jedoch für das Amt Bergedorf noch kein Ende der Kriege und des Schreckens erreicht. 1658 überfielen die kaiserlichen und brandenburgischen Soldaten, die dem König von Dänemark im Kampf gegen die Schweden zu Hilfe zogen, das Dorf Geesthacht. Die Geesthachter wurden erneut ihrer Güter beraubt, die sie zuvor wie bereits 1644 zum Schutz in die Kirche gebracht hatten. Die geraubten Abendmahlsgeräte wurden jedoch von einem Reiter wieder der Kirche zurückgebracht.J. Klefeker: Extract aus einer geschriebenen Geesthachter Kirchen-Historie des ehemaligen dasigen Pastoris Webers, wegen der daselbst nacheinander zu erbauen gewesenen Kirchen. In: Sammlung der Hamburgischen Gesetze und Verfassungen in Bürger- und Kirchlichen, auch Cammer-Handlungs- und übrigen Policey-Angelegenheiten und Geschäften samt historischen Einleitungen. Band 11, Hamburg 1772, S. 304.M. Prüß: Geesthachter Heimatbuch. Unter Mitarbeit von Lehrern des Ortes nach alten Quellen und neuzeitlichen Darstellungen. Geesthacht/Hamburg 1929, S. 120 und S. 121. Im November des Jahres 1675 zog der dänische Oberst von Oertzen von Osten her in die Vierlande und wahrscheinlich auch in Geesthacht ein, tötete einige Bewohner und blieb bis zum 4. Juni 1676 im Lande. Um eine Einverleibung der Vierlande durch die Dänen zu verhindern, wurde von den Städten Hamburg und Lübeck die Einquartierung einer braunschweig-lüneburgischen Schutztruppe zugelassen, die von 1676 bis 1679 die Vierlande (auch Geesthacht ?) besetzte.M. Prüß: Geesthachter Heimatbuch. Unter Mitarbeit von Lehrern des Ortes nach alten Quellen und neuzeitlichen Darstellungen. Geesthacht/Hamburg 1929, S. 121.
1679 bis Ende des 18. Jahrhunderts