Opava (; deutsch: Troppau) ist eine Stadt im Okres Opava in Tschechien. Sie war seit Anfang des 14. Jahrhunderts Residenzstadt des böhmischen Herzogtums Troppau.

Geographische Lage Opava liegt in einer fruchtbaren Hügellandschaft im Leobschützer Lösshügelland () unweit des Zusammenflusses der Opava (Oppa) und der Moravice (Mohra). Nördlich der Stadt verläuft die Grenze zu Polen. Nachbarorte sind im Nordosten Oldřišov (Odersch), im Osten Velké Hoštice (Groß Hoschütz) und Kravaře ve Slezsku (Deutsch Krawarn), im Südosten Štítina (Stettin) und Hrabyně (Hrabin), im Süden Hradec nad Moravicí (Grätz) und im Nordosten Velké Heraltice (Groß Herrlitz) sowie Holasovice (Kreuzendorf).

Stadtgliederung Opava besteht aus den neun Stadtteilen Komárov, Malé Hoštice, Milostovice, Opava, Podvihov, Suché Lazce, Vávrovice, Vlaštovičky und Zlatníky.Městské části a obvody, uir.cz Die 15 Ortsteile sind Jaktař, Kateřinky, Komárov, Komárovské Chaloupky, Kylešovice, Malé Hoštice, Město, Milostovice, Podvihov, Předměstí, Pusté Jakartice, Suché Lazce, Vávrovice, Vlaštovičky und Zlatníky.uir.cz

Das Stadtgebiet gliedert sich in die 16 Katastralbezirke Držkovice, Jaktař, Jarkovice, Kateřinky u Opavy, Komárov u Opavy, Kylešovice, Malé Hoštice, Milostovice, Opava-Město, Opava-Předměstí, Palhanec, Podvihov, Suché Lazce, Vávrovice, Vlaštovičky und Zlatníky u Opavy.uir.cz

+ StadtteilePolitische und gerichtliche Organisation der im Reichsrathe vertretenen Länder von Oesterreich. Verlag der literarisch-artistischen Anstalt von C. Dittmarsch, Wien 1869, S. 186, (books.google.at)tschechischer Namedeutscher Namepolnischer NameDržkoviceDirschkowitz(1869: Diržkowitz, seit 1938: Dirschkenhof)Dzierżkowice (Dyrzkowice)JaktařJaktarJaktarz, JaktarJarkoviceJarkowitzJarkowiceKateřinkyKathareinKaterzynkiKomárovKomorau(1869: Komarau)KomarówKylešovice(1890: Kýlešovice)GilschwitzKileszowiceMalé HošticeKlein HoschützGoszczyce Małe(Małe Hoszyce)Milostovice(1869–1880: Milhostovice)MilostowitzMiłostowiceOpavaTroppauOpawa(1880: Tropawa)PalhanecPalhanetzPalhaniecPodvihovPodwihof(1869: Podwihaw)PodwihówPusté JakarticeWüst Jakartitz und KlingebeutelPuste JakarciceSuché LazceSucholasetz(1869: Sucholazec)Suche ŁazceVávroviceWawrowitzWawrowiceVlaštovičky(1869: Vlaštovički)WlastowitzWłasztowiczki (Włastowice)Zlatníky(1869: Zlatniky)Slatnik(1869: Zlatnik)Złotniki

Geschichte mini|Mariä-Himmelfahrt-Kirche mini|Oberring (Horní náměstí) mit Schlesischem Theater und Marienkirche

Nach Archäologischen Funden war das Gebiet bereits in der älteren Steinzeit besiedelt. Vermutlich im 12. Jahrhundert entstand entlang eines Handelsweges, der von Mähren über Grätz nach Polen führte, in der Nähe einer Furt eine Kaufmannsiedlung. Diese wurde erstmals 1195 unter der lateinischen Bezeichnung „Opavia“ erwähnt. 1215 erhielt Opavia das Stadtrecht, und 1224 erteilte der böhmische König Ottokar I. der Stadt das Magdeburger Stadtrecht. Zugleich erhob er sie zur Königsstadt.

Durch Handel und Handwerk, vor allem die Tuchmacherei, entwickelte sich der Ort schnell zum Zentrum der „Terra Opavia“ (Troppauer Land, auch Provinz Troppau). Neben der zahlenmäßig größten, deutschen Bevölkerungsgruppe lebten auch Tschechen und Juden in der Stadt. Der zu dieser Zeit hier ansässige Deutsche Orden errichtete damals die Stadtkirche Mariä Himmelfahrt, die für das Jahr 1237 als Pfarrkirche belegt ist und im dritten Viertel des 14. Jahrhunderts im Stil der Gotik umgebaut wurde. Neben dem Deutschen Orden ließen sich auch die Johanniter, Franziskaner, Dominikaner und Minoriten nieder.

1241 überfielen Mongolen die Stadt und richteten großen Schaden an. 1240 bis vor 1269 wurde das Minoritenkloster mit der Heilig-Geist-Kirche errichtet. 1269 wurde mit Nikolaus I. das Herzogtum Troppau gegründet. 1284 erhielt Troppau das Stapelrecht, mit dem die durchziehenden Händler gezwungen wurden, ihre Waren in der Stadt anzubieten. 1291 gründete Herzog Nikolaus I. das Dominikanerkloster, dessen St.-Wenzels-Kirche 1336 fertiggestellt war. 1318 wurde der Herzogshof von Schloss Grätz nach Troppau verlegt. 1325 wurde der Stadt die Blutgerichtsbarkeit verliehen. Herzog Přemysl I. errichtete um 1400 eine Burg, die zunächst als Festung diente, später zu einem Schloss umgebaut und nach dem Verfall Ende des 19. Jahrhunderts abgetragen wurde. Obwohl Herzog Přemysl I. (Přemek) die Vier Prager Artikel unterzeichnet hatte, erlitt Troppau 1431 in den Hussitenkriegen Schäden. Der seit 1458 amtierende böhmische König Georg von Podiebrad übertrug Troppau 1465 seinem Sohn Viktorin. Während der Ungarisch-böhmischen Kriege 1485 musste Viktorin Stadt und Herzogtum dem unehelichen Sohn des (Gegen)Königs Matthias Corvinus, Johann, abtreten. Nach Johanns Tod 1501 übertrug König Vladislav II. das heimgefallene Troppau als Lehen seinem Bruder, dem späteren polnischen König Sigismund I. Dieser gab es erst im Jahre 1511 an die Krone Böhmen zurück, die 1526 an die Habsburger gelangt war.

Während der Reformation bekannten sich nach 1550 die meisten Bewohner Troppaus zum Protestantismus. Als 1602 der Olmützer Bischof, Kardinal Franz Seraph von Dietrichstein, die Vertreibung der protestantischen Geistlichen und die Schließung ihrer Kirchen forderte, kam es zu einer Rebellion der Troppauer, die schließlich erst 1607 durch die Kaiserliche Armee niedergeschlagen wurde. Vermutlich deshalb übertrug Kaiser Matthias in seiner Eigenschaft als König von Böhmen das Herzogtum Troppau dem katholischen Fürsten Karl von Liechtenstein. 1625 wurde der Jesuitenorden nach Troppau berufen und fünf Jahre später das Jesuitengymnasium gegründet. Nach Auflösung des Jesuitenordens im Jahre 1773 fiel das Gebäude den Ständen zu und diente zunächst als Sitz des Schlesischen Landtags, heute beherbergt es das Troppauer Landesarchiv.

Als nach dem Ersten Schlesischen Krieg 1742 die piastischen Schlesischen Herzogtümer (einschließlich dem seit 1336 přemyslidischen Herzogtum Ratibor) an Preußen fielen, blieb das Herzogtum Troppau unverändert bei Böhmen und war Sitz der kaiserlichen Behörden von Österreichisch-Schlesien, das auch als Herzogtum Ober- und Niederschlesien bezeichnet wurde.

19. Jahrhundert mini|Franz-Josef-Platz um 1900 Vom 20. Oktober bis 20. Dezember 1820 trafen sich in Troppau die Herrscher Österreichs, Preußens und Russlands zum Troppauer Fürstenkongress, der wegen des bürgerlichen Aufstandes von Neapel abgehalten wurde. Nach der Einführung der Märzverfassung von 1849 wurde Troppau Hauptstadt des österreichischen Kronlandes Schlesien. Nach dem Bau der 1845 eröffneten Kaiser-Ferdinand-Nordbahn Wien – Krakau fand Troppau durch die 1847 eröffnete Anschlussstrecke Schönbrunn (heute Ostrava-Svinov) – Troppau – Ziegenhals früh Anschluss an das Eisenbahnnetz.Um 1900 war die Fahrt nach Wien in fünf bis sieben Stunden zu bewältigen; es wurden direkte Kurswagen Wien – Troppau geführt. Durch den Bau weiterer Strecken von Troppau nach Bennisch und ins benachbarte Preußisch-Schlesien war Troppau ein Eisenbahnknotenpunkt. Dadurch wurde die industrielle Entwicklung gefördert, und es siedelten sich nun vermehrt u. a. Ziegeleien, Zuckerraffinerien und Textilfabriken an.

Um die Mitte des 19. Jahrhunderts entstanden im Rahmen der tschechischen Nationalbewegung auch in Troppau mehrere tschechische Vereine, u. a. 1877 die „Matice opavská“, die bis zum Februarumsturz 1948 bestand; 1883 wurde das tschechische Gymnasium eröffnet, 1861–1865 erschien der „Opavský besedník“, zu dessen Autoren u. a. Vincenc Prasek gehörte, und ab 1850 der „Opavský týdeník“.

Neben Landesregierung und Schlesischem Landtag, Finanzdirektion und Landesgericht beherbergte Troppau zum Ende des 19. Jahrhunderts Handels- und Gewerbekammer, deutsches und tschechisches Gymnasium, Lehrer- und Lehrerinnenbildungsanstalt, öffentliche Bibliothek, Landeskrankenhaus, Landesirrenanstalt und andere öffentliche Einrichtungen. 1890 lebten 22.867 Einwohner in Troppau.

20./21. Jahrhundert mini|Rathaus (2018) Nach dem Ersten Weltkrieg gelangte Troppau/Opava an die 1918 neu gegründete Tschechoslowakei. Der Anspruch Deutschösterreichs auf Österreichisch-Schlesien konnte nicht durchgesetzt werden. Als es am 18. Dezember 1918 zu einer Revolte gegen den Tschechoslowakischen Staat kam, besetzte die Tschechoslowakische Armee kampflos die Stadt. Bis 1928 blieb Troppau noch Hauptstadt des Landes Schlesien, danach wurde das Gebiet mit dem angrenzenden Mähren zum Land Mähren-Schlesien mit der Hauptstadt Brünn vereinigt.

Mit dem Münchner Abkommen musste Troppau im Oktober 1938 an das Deutsche Reich abgetreten werden und gehörte damit zum nationalsozialistischen Reichsgau Sudetenland. Schon einen Monat später wurde die von 1896 stammende Synagoge bei den Novemberpogromen in Brand gesteckt und völlig zerstört. Am 1. April 1939 wurde Troppau Sitz des Regierungsbezirks Troppau. Am 1. Mai 1939 wurden die benachbarten Gemeinden Gilschwitz, Jaktar und Katharein eingemeindet. Dadurch erhöhte sich Troppaus Einwohnerzahl auf 45.740.

Im Zweiten Weltkrieg wurde Troppau im Zuge der Mährisch-Ostrauer Operation durch die Rote Armee am 22. April 1945 erobert. Nach Kriegsende wurde Troppau/Opava wieder in die Tschechoslowakei eingegliedert. Die deutschen Bewohner wurden, soweit sie nicht vorher geflohen waren, aufgrund der Beneš-Dekrete zum größten Teil vertrieben; ein Teil von ihnen gelangte nach Bamberg.

Nach der Samtenen Revolution 1989 wurde 1991 die Schlesische Universität gegründet.

Bevölkerung Bevölkerungsentwicklung bis 1945

Jahr Einwohner Anmerkungen 1834 9.462 Einwohner sind Deutsche, die überwiegend die deutsche Schriftsprache sprechenFaustin Ens: Beschreibung des Oppalandes und seiner Bewohner im Allgemeinen. Wien 1836, S. 165 ff. (books.google.de). 1857 13.861 am 31. OktoberStatistische Übersichten über die Bevölkerung und den Viehstand in Österreich. Wien 1859, S. 52, linke Spalte (books.google.de).Carl Kořistka: Die Markgrafschaft Mähren und das Herzogthum Schlesien in ihren geographischen Verhältnissen. Wien und Olmüz 1861, S. 268–269 (books.google.de). 1900 26.748 mit dem Militär (2143 Mann), meist Deutsche (2604 Tschechen, 598 Polen)Meyers Großes Konversations-Lexikon. 6. Auflage, Band 19, Leipzig und Wien 1909, S. 750–751 (zeno.org). 1930 36.030 davon 21.987 Deutsche, 11.627 Tschechen und 1484 Ausländer 1933 48.190 Gemeindegrenzen von 1939 1939 45.740 davon 2845 Evangelische, 41.747 Katholiken, 378 sonstige Christen und 62 Juden

Bevölkerungsentwicklung nach Ende des Zweiten Weltkriegs

(Stand: 31.12. des jeweiligen Jahres)

Jahr Einwohner 1947 30.273 1950 36.216 1960 44.548 1970 49.999 1980 59.741 1990 63.531 2000 60.610 2010 58.274 2020 55.996 2022 55.512

Bürgermeister

Städtepartnerschaften 25px|klasse=noviewer Stadt Roth bei Nürnberg, Deutschland 25px|klasse=noviewer Stadt Racibórz, Polen, seit 1991 25px|klasse=noviewer Stadt Liptovský Mikuláš, Slowakei

Patenschaft für Heimatvertriebene Die Patenschaft für die Heimatvertriebenen aus Troppau übernahm am 22. Juni 1958 die Stadt Bamberg. Die dortige „Troppauer Heimatstube“ wird von der „Heimatkreisgemeinschaft Troppau e. V.“ betreut.

Sehenswürdigkeiten mini|Heilig-Geist-Kirche mini|Heilig-Geist-Kirche – Innenansicht mini|St.-Adalbert-Kirche und Jesuitenkolleg (heute Archiv)

Mariä-Himmelfahrt-Kirche: Gotische Kirche aus dem 14. Jahrhundert, innen barockisiert (Nationales Kulturdenkmal), seit 1996 Konkathedrale des Bistums Ostrau-Troppau St.-Adalbert-Kirche, errichtet 1675–1680 durch die Jesuiten. Der einschiffige frühbarocke Hallenbau mit Tonnengewölbe, mit Fresken von Franz Xaver Steiner (1731). Die Kirche wurde im März 1945 fast völlig zerstört, konnte jedoch bis 1947 wiederaufgebaut werden. Barockpalais: In der Stadt sind mehrere Barockpalais zu sehen, u. a. das Palais Blücher-Wahlstadt. Hedwigskirche: erbaut nach Entwurf des Architekten Leopold Bauer Heilig-Geist-Kirche aus dem 15. Jahrhundert, spätgotisch Evangelische Kirche (jetzt Kreisarchiv) Kaufmannshaus (bis 1580 Rathaus) mit 72 m hohem Turm