mini|hochkant=1.3|Grassau mit dem Egerndacher Filz im Hintergrund mini|Pfarrkirche in Grassau mini|Das Ortszentrum von Grassau Grassau ist ein Markt im Landkreis Traunstein in Oberbayern und staatlich anerkannter Luftkurort.

Geographie Die Gemeinde liegt in der Region Südostoberbayern im Chiemgau im Achental südlich des Chiemsees.

Gemeindegliederung

Es gibt 31 Gemeindeteile (in Klammern ist der Siedlungstyp angegeben):

Nachbargemeinden Die Nachbargemeinden sind (im Uhrzeigersinn im Norden beginnend) Übersee, Staudach-Egerndach, Marquartstein, Schleching, Aschau im Chiemgau und Bernau am Chiemsee.

Geschichte Bis zur Gemeindegründung, Markt Der seit mindestens 1259 existierende Ort Grassau gehörte zum Rentamt Burghausen und zum Landgericht Marquartstein des Herzogtums bzw. Kurfürstentums Bayern. Der heutige Gemeindeteil Mietenkam wurde bereits 1114 urkundlich als Muytenheim erwähnt. Im Zuge der Verwaltungsreformen in Bayern entstand mit dem Gemeindeedikt von 1818 die heutige Gemeinde. Im Jahr 1965 erfolgte die Markterhebung.

Etymologie Zwischen 1125 und 1147 tauchte der Ort als Grâzowo auf, 1144 als Grazzowe, ca. 1180 als Grazowe, zwischen 1180 und 1195 als Crassvowe, zwischen 1219 und 1234 als Grazzvowe, ca. 1259 als Grazav̂, kurz vor 1300 als Grazzawe, 1495 als Grassaw, 1514 als Grasaw, 1589 als Grassa und 1831 schließlich als Grassau. Der Ortsname bildet sich aus dem Grundwort -au und dem mittelhochdeutschen Bestimmungswort des ursprünglichen Flurnamens graz („junge Zweige von Nadelholz“).Wolf-Armin Frhr. von Reitzenstein: Lexikon bayerischer Ortsnamen. Herkunft und Bedeutung. 2., verbesserte und erweiterte Auflage. Verlag C. H. Beck, München 1991, ISBN 3-406-35330-4, S. 163.

Eingemeindungen Im Zuge der Gebietsreform in Bayern wurde am 1. Januar 1972 die Gemeinde Rottau eingegliedert.

Ausgliederungen Am 1. April 1938 wurden Gebietsteile an die neue Gemeinde Marquartstein abgetreten.

Einwohnerentwicklung Zwischen 1988 und 2018 wuchs der Markt von 5561 auf 6851 um 1290 Einwohner bzw. um 23,2 %.

Stichtag Einwohner 1. Dezember 1840 990 1. Dezember 1871 1047 1. Dezember 1900 1479 16. Juni 1925 2562 17. Mai 1939 2121 13. September 1950 3431 6. Juni 1961 3673 27. Mai 1970 4803 25. Mai 1987 5383 31. Dezember 1991 5923 31. Dezember 1993 6102 31. Dezember 1995 6195 Stichtag Einwohner 31. Dezember 2000 6177 31. Dezember 2004 6367 31. Dezember 2005 6305 31. Dezember 2006 6341 31. Dezember 2007 6400 31. Dezember 2008 6372 31. Dezember 2009 6388 31. Dezember 2010 6385 31. Dezember 2011 6332 31. Dezember 2012 6394 31. Dezember 2013 6462 31. Dezember 2014 6661 31. Dezember 2015 6743

Politik Marktgemeinderat Die Gemeinderatswahlen seit 2014 ergaben folgende Sitzverteilungen: Partei/Liste Sitze 2020 Sitze 2014 CSU 6 6 SPD 5 6 Freie Wähler 3 3 Allgemeine Einwohnerschaft Rottau 3 3 Unabhängige Grassauer Liste 2 2 Bayernpartei 1 – Gesamt 20 20

Bürgermeister Folgende Personen waren seit 1818 Bürgermeister der Gemeinde Grassau: ZeitraumParteiNameAnmerkung1818–1824Johann Georg Mayer1825–1833Johann Genghammer1834–1836Johann Georg Mayer 1837–1843 Anton Gnadl 1844–1854 Joseph Sichler1855–1860Anton Krammer 1860–1863 Anton Gnadl 1863–1871 Wolfgang Scheck 1872–1881 Sebastian Moritz 1882–1893 Mathias Sichler1894–1899Johann Baptist Lüttich 1900–1919 Georg Seitz1919 – 30. April 1933Georg Bosch senior1. Mai 1933 – 6. Oktober 1933Peter Schießleder14. Oktober 1933 – 5. November 1937Karl Dasch5. November 1937 – 30. Oktober 1938Josef Klauser1938 – 11. Juli 1945Franz SchaafJuli 1945 – Mai 1948Josef Klauser; Georg Bosch sen.; Hans Dögerl1948–1958Jakob Häringer 1958–1974 Hans Steiner geehrt als Altbürgermeister1974–1986CSUKonrad Strehhubergeehrt als Altbürgermeister1986–2002SPDRaimund Schupfnergeehrt als Altbürgermeister2002–2020SPDRudi Jantkegeehrt als Altbürgermeisterseit 2020SPDStefan Kattari

Wappen und Fahne Der Marktgemeinde Grassau wurde am 12. November 1951 vom Bayerischen Staatsministerium des Innern das Recht verliehen, ein eigenes Gemeindewappen zu führen. Am 24. Juni 1954 wurde auch die Führung der Fahne in den Farben Blau–Silber–Grün genehmigt.

Partnergemeinden Tscherms, Südtirol, Italien Raschau, Erzgebirgskreis, Sachsen Rognonas, Provence, Frankreich, seit 1974

Finanzen Im Jahr 2013 betrugen die Gemeindesteuereinnahmen 4585 T€, davon waren 1081 T€ Gewerbesteuereinnahmen (netto).

Kultur und Sehenswürdigkeiten mini|Museum Salz und Moor Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt aus dem Ende des 15. Jahrhunderts Museum Salz & Moor im Brunnhaus Klaushäusl der Soleleitung Reichenhall–Rosenheim Bayerisches Moor- und Torfmuseum im Rottauer Torfbahnhof am Rande des Naturschutzgebietes Kendlmühlfilzn Doktorhaus – 2006 komplett renoviertes historisches Gebäude in der Ortsmitte Grassauer Almen – großes Almgebiet in den Chiemgauer Alpen

Bodendenkmäler

Sport Seit ihrem Aufstieg am Ende der Saison 2014 tritt die erste Männer-Mannschaft von Triathlon Grassau in der 1. Triathlon-Bundesliga an.Grassauer Triathleten ab 2015 erstklassig! in rosenheim24.de vom 8. Oktober 2014. Seit 2013 findet am Reifinger See jährlich der Grassauer Triathlon statt.Neuer Teilnehmerrekord beim Triathlon in Grassau In: Traunsteiner Tagblatt. 24. Juli 2015.

Die Grassauer Sportanlage wird regelmäßig von namhaften europäischen Fußballmannschaften und verschiedenen DFB-Auswahlmannschaften genutzt. Im Sommer 2015 fand dort die DFB-Schiedsrichterschulung statt.

Wirtschaft und Infrastruktur Wirtschaft Die im Jahr 1952 in Grassau angesiedelten Körting-Radio-Werke waren bis zur stufenweisen Auflösung des Betriebs Anfang der 1980er Jahre wichtigster Arbeitgeber am Ort. Fremdenverkehr spielte damals wie heute eine bedeutende Rolle.

Heute sind in dem Gewerbepark mehrere Firmen aus den unterschiedlichsten Gebieten tätig. Die größten sind die Firma Katek mit mehr als 600 Beschäftigten und die Firma Ruwel mit mehr als 200 Arbeitnehmern.

Es gab 2013 nach der amtlichen Statistik im Bereich der Land- und Forstwirtschaft zehn, im Produzierenden Gewerbe 711 und im Bereich Handel, Gastgewerbe und Verkehr 449 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte am Arbeitsort. Bei Unternehmensdienstleistern waren am Arbeitsort 163 und öffentlichen und privaten Dienstleistern 250 Personen sozialversicherungspflichtig beschäftigt. Sozialversicherungspflichtig Beschäftigte am Wohnort gab es insgesamt 2139. Im verarbeitenden Gewerbe gab es drei Betriebe, im Bauhauptgewerbe 14 Betriebe. Im Jahr 2010 bestanden zudem 47 landwirtschaftliche Betriebe mit einer landwirtschaftlich genutzten Fläche von insgesamt 897 ha. Davon waren 772 ha Dauergrünfläche.

Medien Im Hauptort ist der Digitalradiosender Radio BUH ansässig.

Verkehr Grassau liegt an der Bundesstraße 305 und damit an der Deutschen Alpenstraße. Eine regionale Verbindung stellt die Staatsstraße 2096 dar. Die nächstliegende Autobahn ist die Bundesautobahn 8 (München–Salzburg).

Der nächstliegende Bahnhof befindet sich heute in Übersee. Ab 1885 hatte Grassau einen Bahnhof an der Bahnstrecke Übersee–Marquartstein. Die Strecke wurde 1968 bzw. 1992 im Personenverkehr sowie im Güterverkehr stillgelegt.

Die Verkehrsbedienung im Öffentlichen Personennahverkehr erfolgt durch die folgenden Buslinien der DB-Tochter Regionalverkehr Oberbayern: BuslinieVerlaufReit im Winkl – Oberwössen – Unterwössen – Marquartstein – Grassau – Bernau – PrienReit im Winkl – Ettenhausen – Unterwössen – Marquartstein – Grassau – Übersee – Feldwies – Grabenstätt – TraunsteinOberwössen – Unterwössen – Schleching – Rottau – Grassau – Übersee

Rottau, Grassau und Reifing liegen am Bodensee-Königssee-Radweg, welcher in Lindau beginnt und zum Königssee bei Berchtesgaden führt.

Bildung mini|Montessorischule Grassau Es gibt folgende Einrichtungen (Stand 2014): Vier Kindergärten: 302 Kindergartenplätze mit 298 Kindern und 49 Erziehern Volksschulen: drei (darunter die private Montessorischule Chiemgau) mit insgesamt 44 Lehrern und 596 Schülern Musikschule seit 1. Oktober 1975 Gemeindebücherei

Persönlichkeiten Ernst A. Lehmann (1886–1937), Luftschiffkapitän, umgekommen bei der Luftschiffkatastrophe von Lakehurst 1937, begraben in Grassau Willy Reichert (1896–1973), Komiker, Schauspieler, Sänger; am alten Gemeindefriedhof Grassau begraben Fritz Rudolf Wüst (1912–1993), Althistoriker, verstorben in Grassau Wolfgang Sawallisch (1923–2013), Dirigent und Generalmusikdirektor, verstorben und begraben in Grassau Stefan Dettl (* 1981), Musiker, Frontmann der Gruppe LaBrassBanda, in Grassau aufgewachsen Ronja von Rönne (* 1992), Bloggerin, Journalistin und Schauspielerin, aufgewachsen in Grassau

Ehrenbürger Folgenden Personen wurde seit 1967 die Ehrenbürgerwürde verliehen: VerliehenNameAnmerkung29. September 1967Gerhard Böhme (†)Geschäftsführender Gesellschafter der Körting Radio Werke18. Oktober 1970Johann Michael Hausladen (†)Pfarrer in Grassau von 1943 bis 197025. April 1975Georg Bosch (†)Steinbruchbesitzer, 2. Bürgermeister14. Dezember 1984Franz Zech (†)Arzt in Grassau von 1945 bis 196728. April 1994Hans Hornberger (†)Bauunternehmer, 2. Bürgermeister25. Oktober 2003Wolfgang Sawallisch (†)Dirigent, Generalmusikdirektor

Literatur

Weblinks

Markt Grassau

Einzelnachweise

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