Freiberg am Neckar entstand am 1. Januar 1972 aus dem Zusammenschluss der drei Dörfer Beihingen am Neckar, Geisingen am Neckar und Heutingsheim.

Frühgeschichtliche Besiedlung Das heutige Stadtgebiet war schon in der Jungsteinzeit für damalige Verhältnisse dicht besiedelt. Die Bandkeramiker besiedelten ab etwa 4000 vor Christus die Lössflächen an Neckar, Murr und Bottwar sowie das Lange Feld und die westlich davon gelegenen Gäulandschaften. Um Monrepos, Heutingsheim und Geisingen existierten ab etwa 3500 vor Christus Siedlungen mit 100 bis 150 Häusern. Oscar Paret entdeckte 1908 in Beihingen in der Nähe des Bahnhofs ein jungsteinzeitliches Dorf mit Überresten von Tongefäßen und anderen Haushaltsgeräten sowie Knochen von Rindern, Schafen und Schweinen. Auch beim Bau des Rathauses 1973 wurden zahlreiche Keramiken einer jungsteinzeitlichen Siedlung ausgegraben.

Aus der keltischen Periode ab etwa 1300 vor Christus sind ein Gehöft westlich von Heutingsheim sowie Gräber in Beihingen und Geisingen nachgewiesen. Der keltische Fürstensitz befand sich ab circa 750 auf dem nahe gelegenen Hohenasperg.

Römische Zeit und Völkerwanderung mini|Votivplatte für die keltische Göttin Epona, am Fundort ausgestelltes Replikat, Original im Landesmuseum Stuttgart Im 1. Jahrhundert nach Christus drangen die Römer in den Neckarraum ein. Etwa 90 nach Christus wurde der Neckar-Odenwald-Limes errichtet. In unmittelbarer Nachbarschaft entstand das Kastell von Benningen. Eine römische Straße führte von Bietigheim über Geisingen und Pleidelsheim bis zur Mündung der Murr.

Ab 150 entstanden zahlreiche römische Gutshöfe, sogenannte Villa rustica, im heutigen Stadtgebiet. Sie wurden von ehemaligen Legionären bewirtschaftet. In Beihingen sind solche Güter in der heutigen Weinstraße sowie am Talrand zwischen Beihingen und Benningen nachgewiesen. In Geisingen sind zwei Güter an den Inneren Kirchäckern und an den Langen Wiesen nachgewiesen, in Heutingsheim an der Steig, an den Bettäckern, an den Kreuzwiesen und in der westlichen Siemensstraße.

Im 3. Jahrhundert verdrängten die Alemannen die Römer im Neckarland. Im Jahre 260 durchbrachen sie endgültig den Limes. Wenige Jahre später entstand Beihingen als alemannisches Haufendorf. Am Ort des alten Beihinger Schlosses wurde ein Herrenhof erbaut. Alemannische Gräber befinden sich an den heutigen Verbindungsstraßen zwischen Beihingen und Heutingsheim sowie zwischen Beihingen und Geisingen.

Eine umstrittene Deutung leitet die Ortsnamen Beihingen, Geisingen und Heutingsheim aus den vermuteten Namen alemannischer Sippenführer namens Biho, Giso und Huto her.Otto Majer, Beihingen, Geisingen, Heutingsheim, S. 18. Eine andere Deutung führt die Namen auf topographische Umstände zurück: bei oder mai bedeute Sumpf, gis bedeute sumpfiges Wasser.Otto Majer, Beihingen, Geisingen, Heutingsheim, S. 18.; vgl. Bearbeiterhinweis, laut Hans Bahlow: Deutschlands geographische Namenwelt. Etymologisches Lexikon der Fluß- und Ortsnamen alteuropäischer Herkunft. Suhrkamp 1985, ISBN 3-518-37721-3.

Nach dem Sieg der Franken über die Alemannen in der Schlacht von Zülpich kam die Gegend ab etwa 500 unter fränkische Oberhoheit. Beihingen wurde Bestandteil des Herrschaftsgebiets der Grafen von Ingersheim.

Frühes Mittelalter Mitte des 6. Jahrhunderts begann die Christianisierung des Gebiets. Um 650 herrschte in Geisingen christlicher Ortsadel. Ab etwa 700 wird eine erste Kirche in Beihingen vermutet. Durch eine Stiftung kamen große Teile des Gebiets 789 in den Besitz des Klosters Lorsch. 818 entstand als befestigte Wehrkirche die erste Steinkirche, Vorgängerin der heutigen Amanduskirche. Die Kirche war eine Stiftung von Adelold, Hofgeistlicher und Notar Ludwigs des Frommen. Dieser Adelold schenkte 836 und 944 dem Kloster Lorsch weitere Güter in Geisingen (Gisingheim) und Beihingen. Aus dem Jahr 836 datieren auch die ältesten bekannten urkundlichen Erwähnungen Geisingens und Beihingens (Villa Bibinga).

972 wurde erstmals die Grafschaft Ingersheim und gleichzeitig das dazugehörende Dorf Marbach als dazugehörender Fronhof urkundlich erwähnt. Beihingen und Heutingsheim werden als diesem Fronhof zugehörend genannt. Aus demselben Jahr stammt auch die erste urkundliche Erwähnung Heutingsheims als Hutingesheim.

Vom Hochmittelalter bis zur Renaissance Generelle Herrschaftsverhältnisse Im 11. Jahrhundert erbauten die Grafen von Ingersheim in Calw eine Burg. Fortan nannten sie sich Grafen von Calw. Ihr Besitz in Geisingen ging zwischen 1037 und 1050 allmählich in die Grundherrschaft der Markgrafen von Baden über.

mini|hochkant|Adelsnamen im heutigen Freiberger Straßenbild (Fotocollage) Die Geschicke der drei Orte Beihingen, Geisingen und Heutingsheim wurden von nun an bis zum Reichsdeputationshauptschluss durch den jeweiligen Ortsadel bestimmt, mit vielfältigen und teilweise verwirrenden Wechseln der Herrschaftsverhältnisse.

Beihingen mini|links|Haus im Kleinbottwarer Hof in Beihingen. Die Anfänge dieses ehemaligen großen Bauernhofs reichen zurück bis ins 13. Jahrhundert Um 1150 teilte sich die Herrschaft der Grafen von Calw in mehrere Linien. Infolge dieser Teilung kamen 1165 3/5 Beihingens an die Grafen von Calw-Löwenstein und 2/5 an die Pfalzgrafen von Tübingen-Asperg. In jener Zeit entstand auch der Nordteil des alten Beihinger Schlosses.

Unter wechselnden Herrschaften blieb diese Teilung bis 1810 bestehen. 1308 kam die Grafschaft Asperg und damit der kleinere Teil Beihingens an das Haus Württemberg. Die Lehens- und Herrschaftsverhältnisse bis zum Ende des 14. Jahrhunderts sind nicht restlos geklärt. Sicher ist, dass seit dem 14. Jahrhundert die Nothaft von Hohenberg Beziehungen nach Beihingen unterhielten. Einige Quellen gehen davon aus, dass 1344 die Ritter Hans und Straub Nothaft den größeren Ortsteil samt Schloss als Lehen erhielten. Möglicherweise ging der kleinere Ortsteil bereits 1338 als Lehen an die Nothaft. Fest steht jedenfalls, dass 1395 der kleinere Ortsteil als Lehen an die Familie von Stammheim ging, und dass im 15. Jahrhundert die Ritter von Nothaft die Herrschaft über das Schloss und den größeren Ortsteil innehatten.

mini|hochkant|Epitaph für Bernhard V. Nothaft, † 1467, in der Beihinger Amanduskirche In einer Bestandsaufnahme der Grafen von Württemberg ist festgehalten, dass der württembergische Teil Beihingens zu dieser Zeit aus 23 Häusern, 21 Hofstätten und zwei Großhöfen bestand. Alle württembergischen Einwohner Beihingens waren leibeigen.

mini|links|Das alte Schloss von Beihingen Zu Beginn des 15. Jahrhunderts waren die Nothaft eine einflussreiche Familie. Werner IV. Nothaft, ansässig im Beihinger Fronhof und Rat bei Eberhard IV., stiftete 1425 in der Stuttgarter Stiftskirche eine Pfründe und einen Altar. Die Nothaft widmeten sich im 15. Jahrhundert der Erneuerung und dem Ausbau der Dorfkirche, der Amanduskirche. Um 1440 wurde der massive Wehrturm der Amanduskirche und ihr Chor vollendet. Bis 1500, vermutlich schon früher, entstand das heutige Hauptschiff und eine Erweiterung um eine heute nicht mehr bestehende Kapelle. Wesentlich für die Erweiterung war eine Stiftung des Mainzer Domherren Peter Nothaft, möglicherweise waren auch schon Leistungen seines Vaters Bernhard V. Nothaft maßgeblich.Am Südschiff der Kirche findet sich eine lateinische Inschrift, die diesen Stiftungsakt festhält. Aus dieser geht allerdings nicht der Umfang der Erweiterungen hervor; die Inschrift stellt lediglich fest, dass Nothaft capellam fieri fecit (eine Kapelle errichten lässt) (Friedrich Winter: Amanduskirche Beihingen, S. 17)

1462 wurde die Grafschaft Ingersheim und mit ihr der größere Ortsteil Beihingens kurpfälzisch. Für das Jahr 1469 ist eine Verlängerung des Nothaftschen Lehens am größeren Ortsteil durch den Pfalzgrafen beurkundet. Um 1480 wurde vermutlich der Südflügel des alten Beihinger Schlosses erbaut. Diese Jahreszahl findet sich als älteste Jahreszahl am Gebäude.

Die Grafschaft Löwenstein und mit ihr die Oberhoheit über das Lehen am größeren Ortsteil Beihingens kam 1504 an das Haus Württemberg. Heimaran Nothaft verkaufte dieses Lehen 1534 an seinen Schwager Ludwig von Freyberg-Steußlingen, mit Ausnahme des Patronats über die Pfarrkirche. Letzteres veräußerte Nothaft in einem Tauschgeschäft 1551 an Herzog Christoph von Württemberg.

Geisingen mini|hochkant|Epitaph für Wolf von Stammheim, † 1541, in der Geisinger Nikolauskirche Mit der Grafschaft Asperg kam 1308 auch das Dorf Geisingen an Württemberg. Vom dort ging Geisingen als Lehen an die Ritter Sturmfeder. 1336 wurde die Nikolauskapelle erstmals urkundlich erwähnt, in einer Urkunde des Markgrafen von Baden an Friedrich Sturmfeder. 1361 verkaufte Friedrich Sturmfeder das Lehen Geisingen an Contz von Stammheim.

Ab 1474 ließ Hans von Stammheim die Geisinger Nikolauskirche erbauen. 1522 wurde schließlich der Kirchturm vollendet. Die Kirche blieb bis 1780 die Grablege der Geisinger Ortsherren. Ab 1486 erbaute Hans von Stammheim das Wasserschloss in Geisingen; die Familie verlegte 1495 ihren Wohnsitz dorthin. 1505 wurde Geisingen als Pfarrei selbstständig. Zuvor war es eine Filiale von Ingersheim.

Heutingsheim mini|links|Kreuzrippengewölbe im Chor der Kirche Simon und Judas Um 1100 entstand eine Holzburg namens Kasteneck bei Heutingsheim, Sitz der Kastner von Heutingsheim. Diese waren vermutlich Dienstmannen der Herren von der nahe gelegenen Burg Lichtenberg und hatten im 13. Jahrhundert Besitzrechte in Heutingsheim. Daneben oder zuvor gab es einen direkt im Ort ansässigen Ortsadel. 1231 und 1280 war jeweils ein Burkhard von Heutingsheim urkundlich erwähnt. 1305 verkaufte Albrecht Kastner von Heutingsheim die Vogtei über das Dorf an das Kloster Bebenhausen.

Mit der Herrschaft Lichtenberg fiel Heutingsheim vermutlich Mitte des 14. Jahrhunderts an Württemberg. Mitte des 14. Jahrhunderts wurde auch die Burg Kasteneck wieder zerstört. Auf ihre ehemalige Existenz deuten heute im Wesentlichen eine Reihe von Pfostenlöchern hin, sowie eine Verkaufsurkunde von 1428, in der der Verkauf des Burgstadels Kasteneck an die Herren von Stammheim festgehalten ist.

Die bereits in Geisingen ansässige Familie von Stammheim erweiterte ihr kleines Territorium, indem sie um 1360 und in den Jahren danach auch den größten Teil Heutingsheims (und den kleineren Teil von Beihingen, siehe oben) erwarb. Ab 1485 entstand, gestiftet von Hans von Stammheim und erbaut vom Baumeister Peter von Koblenz, die Heutingsheimer Kirche St. Simon und Judas.

Die Reformationszeit und die Zeit bis zum Dreißigjährigen Krieg Einführung des Protestantismus Erste evangelische Regungen in der Gegend wurden kurz nach 1520 offenkundig. Der Pfarrer in Besigheim wurde um diese Zeit abgesetzt. Ein Pfarrer in Großingersheim fiel durch herzoglich-württembergische und evangelische Gesinnung auf.

Wann genau der Protestantismus in den drei Gemeinden eingeführt wurde, ist ungeklärt. Der Übergang ging allmählich, mit Verzögerungen und Vorbehalten, vonstatten. Die Ortsherren warteten zunächst das Ergebnis des Schmalkaldischen Krieges und einige Jahre danach ab, ehe um 1550 herum der Protestantismus allgemein eingeführt wurde. Selbst die Herren von Stammheim-Geisingen, Lehensleute des protestantischen Herzogs von Württemberg, ließen sich diese Zeit.

Entwicklung in Beihingen mini|links|Restauriertes Wappen der Herren von Freyberg am Beihinger Rathaus mini|hochkant|Epitaph für Ludwig von Freyberg in der Beihinger Amanduskirche