Sylvia Townsend Warner (* 6. Dezember 1893 in Harrow on the Hill; † 1. Mai 1978 in Frome Vauchurch, Dorset) war eine britische Schriftstellerin und Musikwissenschaftlerin.
Leben Sylvia war das einzige Kind von George Townsend Warner, Geschichtslehrer und späterer Leiter des Fachbereichs Geschichte der Privatschule Harrow, und seiner Frau Nora. Sie wurde von ihren Eltern zu Hause unterrichtet. Nach dem Tod des Vaters zog sie nach London. Als begabte Musikerin plante sie, bei Schönberg in Wien zu studieren, was jedoch durch den Ausbruch des Krieges 1914 verhindert wurde. Ab 1917 gehörte sie zu den Herausgebern der zehnbändigen Tudor Church Music, die zwischen 1922 und 1929 bei Oxford University Press erschien. In dieser Zeit begann sie Gedichte zu schreiben und veröffentlichte ihre ersten Romane Lolly Willowes, or, The Loving Huntsman (1926) gefolgt von Mr. Fortune’s Maggot (1927).
Auf Veranlassung Stephen Tomlins, eines Schülers ihres Vaters ging sie 1922 nach Chaldon Herring, Dorset, wo sie den Schriftsteller Theodore Powys traf, einen Bruder von John Cowper Powys. Zusammen mit Tomlin und David Garnett gab sie die Romane und Erzählungen von T. Powys heraus.
Bei T. Powys lernte sie die Dichterin Valentine Ackland kennen. Sylvia erwarb 1930 ein Cottage in Chaldon Herring und lud Valentine ein, mit ihr zusammenzuleben. Gemeinsam veröffentlichten sie 1933 den Gedichtband Whether a Dove or Seagull. Die Liebesbeziehung der beiden dauerte bis 1969, als Valentine an Brustkrebs starb. Nach Acklands Tod gab Sylvia eine Anthologie ihrer Gedichte unter dem Titel The Nature of the Moment heraus.
1935 traten Ackland und Townsend Warner der Communist Party of Great Britain bei, sie nahmen an Versammlungen teil, sammelten Spenden und publizierten in linken Zeitungen. Die beiden besuchten zweimal Spanien und berichteten vom Spanischen Bürgerkrieg.
Im Jahre 1937 zog das Paar in ein Haus am Fluss in Frome Vauchurch in Dorset, dort entstand der größte Teil von Townsend Warners Werken. Sylvia war eine produktive Schriftstellerin; neben Gedichten schrieb sie zahlreiche Kurzgeschichten, die in 8 Bänden gesammelt wurden, darunter 140 für den New Yorker. Sie verfasste sieben Romane, eine Biographie von T. H. White und übersetzte Prousts Contre Saint Beauve. Sie schrieb bis zu ihrem Tod. In den letzten Lebensjahren begann sie eine Reihe von Erzählungen, die in einem imaginären Elfenreich spielen. Sylvia Townsend Warner starb am 1. Mai 1978. Ihre Asche ruht zusammen mit der ihrer Gefährtin Valentine Ackland auf dem Friedhof von East Chaldon.
1972 wurde sie als Ehrenmitglied in die American Academy of Arts and Letters gewählt.
Werke Romane Lolly Willowes; Or the Loving Huntsman. 1926 (dt. Lolly Willowes oder Der liebevolle Jägersmann). Deutsche Erstübersetzung bei Luchterhand, Darmstadt 1980, Neuaufl. bei Klett-Cotta, Stuttgart 1992, ISBN 3-608-95871-1. Neuaufl. bei Dörlemann, Zürich 2020, ISBN 978-3-03820-079-6 Mr Fortune’s Maggot. 1927 (dt. Mister Fortunes letztes Paradies. Union, Zürich 1986, Neuaufl. 2005, ISBN 3-293-20321-3). The True Heart. 1929 Summer Will Show, 1936 After The Death Of Don Juan. 1938 The Corner That Held Them. 1948 The Flint Anchor. 1954
Erzählungen The Salutation. 1932 More Joy In Heaven. 1935 A Garland Of Straw. 1943 The Museum Of Cheats. 1947 Winter In The Air. 1955 The Cat’s Cradle Book. 1960 A Spirit Rises. 1962 A Stranger With A Bag. 1966 The Innocent And The Guilty. 1971 Kingdoms Of Elfin. 1977 (dt. Die fünf schwarzen Schwäne und andere Elfengeschichten. Luchterhand, Darmstadt und Neuwied 1981, ISBN 3-472-86511-3.) Scenes of Childhood and Other Stories. 1981 One Thing Leading to Another and other stories. 1984 Selected Stories. 1988 The Music at Long Verney. 2001 Dorset Stories. 2006
Gedichte The Espalier. 1925 Time Importuned. 1928 Opus 7. 1931 Whether A Dove Or Seagull. (mit Valentine Ackland) 1934 Boxwood. 1957 Twelve Poems. 1980 Collected Poems. 1982 New Collected Poems. 2008 (dt. Auswahl-Übersetzung: Mit Tigern schweigend. Ausgewählte Gedichte. Übersetzt und mit einem Nachwort versehen von Jutta Heinz. Verlag der blaue reiter, Hannover 2024, ISBN 978-3933722935).
Weitere Werke Somerset. 1949 Jane austen. (Pamphlet) 1951 T.H. White, Biographie, 1967 Diaries of Sylvia Townsend Warner. 1994 Sylvia and David – The Townsend Warner/Garnett Letters. 1994 (Hrsg.: David Garnett) I'll Stand By You. Selected letters of Sylvia Townsend Warner and Valentine Ackland. 1998 The Element of Lavishness. Letters of Sylvia Townsend Warner and William Maxwell. 2001
Literatur Claire Harman: Sylvia Townsend Warner. A biography. Minerva Books, London 1991, ISBN 0-7493-9086-7. Wendy Mulford: This Narrow Place. Sylvia Townsend Warner and Valentine Ackland; life, letters and politics 1930–1951. Pandora Publ., London 1988, ISBN 0-86358-262-1. Jutta Heinz: Nachwort. In: Sylvia Townsend Warner: Mit Tigern schweigend. Ausgewählte Gedichte. Übersetzt und mit einem Nachwort versehen von Jutta. Heinz. Verlag der blaue reiter, Hannover 2024, ISBN 9783933722935.
Weblinks
Sylvia Townsend Warner Gesellschaft Christina Rauch: Die Romane Sylvia Townsend Warners.
Einzelnachweise
Kategorie:Autor Kategorie:Literatur (20. Jahrhundert) Kategorie:Literatur (Englisch) Kategorie:Literatur (Vereinigtes Königreich) Kategorie:Mitglied der American Academy of Arts and Letters Kategorie:Brite Kategorie:Geboren 1893 Kategorie:Gestorben 1978 Kategorie:Frau