Die Gemeinde Cornberg am Oberlauf der Sontra liegt im Nordosten von Hessen im Landkreis Hersfeld-Rotenburg. Cornberg ist die nach Einwohnerzahl kleinste Gemeinde des Landkreises und die drittkleinste Gemeinde Hessens.
Geographie mini|250px|links|Blick über die Gemeinde Cornberg
Geographische Lage Die Gemeinde liegt zwischen den jeweils 27 km entfernten Städten Bad Hersfeld im Süden und Eschwege im Norden. Das Gemeindegebiet liegt zwischen dem Stölzinger Gebirge und dem Richelsdorfer Gebirge. Die Sontra fließt durch die Ortsteile Rockensüß und Königswald. Durch Cornberg selber fließt der Bach Cornberger Wasser, der bei Berneburg (Ortsteil von Sontra) in den Fluss Sontra fließt.
Der tiefste Punkt der Gemeinde liegt mit etwas unterhalb der Untermühle an der Sontra, zwischen Rockensüß und Berneburg. Der höchste Punkt in der Gemeindegemarkung ist der hohe Mosenberg. Über diesen Berg, etwa zwei Kilometer nordöstlich von Königswald, verläuft die Gemarkungsgrenze zur Nachbarstadt Rotenburg an der Fulda (Stadtteil Dankerode).
Nachbargemeinden Cornberg grenzt im Norden an die Stadt Waldkappel, im Osten an die Stadt Sontra (beide im Werra-Meißner-Kreis), im Südosten an die Gemeinde Nentershausen, im Süden an die Stadt Bebra und im Westen an die Stadt Rotenburg an der Fulda (alle drei im Landkreis Hersfeld-Rotenburg).
Gemeindegliederung Neben dem Verwaltungssitz Cornberg gibt es die beiden nordwestlich, im Tal der Sontra, gelegenen Ortsteile Rockensüß und Königswald.
Geschichte mini|Gotische Klosterkirche (nördlicher Flügel des Klostergevierts) mit dem angeschlossenen westlichen Flügel
Der Ortsteil Rockensüß wurde im Jahre 1274 und der Ortsteil Königswald im Jahre 1351 das erste Mal urkundlich erwähnt. Seit 1296 bestand hier das Kloster Cornberg, ein Benediktinerinnenkloster und Tochterkloster der Abtei Hersfeld, das zuvor als Kloster St. Nikolai in Bubenbach beheimatet gewesen war. Es wurde 1526 im Zuge der Reformation aufgehoben und zu einem landwirtschaftlichen Hofgut der hessischen Landgrafen umgewandelt. 1574 erhielt Philipp Wilhelm von Cornberg, ein nicht-ehelicher Sohn des Landgrafen Wilhelm IV. von Hessen-Kassel, das ehemalige Kloster und dessen Ländereien von seinem Vater als erbliches Mannlehen und benannte sich danach.Philipp Wilhelm erhielt am 29. März 1597 in Prag von Kaiser Rudolf II. den Reichsadelsbrief als „von Cornberg“. Philipp Wilhelm verkaufte es 1598 an seinen Halbbruder, Landgraf Moritz von Hessen-Kassel, der es im Jahre 1627 als Teil der Rotenburger Quart an die Söhne aus seiner zweiten Ehe übergab. Es wurde eine Vogtei, die bis zum Aussterben der Titular-Landgrafen von Hessen-Rotenburg im Jahre 1834 in deren Besitz war und dann an Kurhessen zurückfiel. Bis 1964 war das ehemalige Kloster eine Staatsdomäne, ab 1946 im Besitz des Landes Hessen. Die verfallenen Wirtschafts- und Wohngebäude um das Kloster wurden zwischen 1957 und 1973 abgerissen. Allein das gotische Klostergeviert ist erhalten; es wurde von 1990 bis 1994 wieder instand gesetzt. Die ehemalige zweischiffige Kirche (nördlicher Flügel des Klostergevierts) mit der noch erhaltenen Nonnenempore wird heute als Kulturbühne genutzt. In zwei weiteren Flügeln sind das Bürgerhaus und das Museum untergebracht. In dem östlichen Flügel befindet sich ein Gastronomiebetrieb.
Die eigentliche Siedlung Cornberg wurde erst von 1938 bis 1941 für die Berg- und Hüttenarbeiter des Kupferschieferbergbaus im Richelsdorfer Gebirge angelegt und lag damals in der Gemarkung von Rockensüß. Es ist die einzige Neuansiedlung im Altkreis Rotenburg seit dem Dreißigjährigen Krieg. Zur Geschichte dieser Neuansiedlung heißt es auf der Webseite zur Geschichte der Unternehmensgruppe Nassauische Heimstätte Wohnstadt (NHW):
Für die Zwangsarbeiter entstand außerdem noch eine Barackensiedlung.Cornberg, Lager für Zwangsarbeiter, Mansfeld AG, in: Topographie des Nationalsozialismus in Hessen
Nach dem Einmarsch der US-Army zum Ende des Zweiten Weltkriegs mussten die Bewohner die Siedlung Cornberg verlassen. In der Siedlung, im einstigen Kloster und in den Baracken wurden von 1945 bis 1949 von der UNRRA Displaced Persons untergebracht. Bei ihnen handelte es sich hauptsächlich um ehemalige Zwangsarbeiter aus der Ukraine und aus Polen. Nach dem Verzeichnis der Arolsen Archives wurde das DP-Lager Cornberg am 24. Januar 1946 eröffnet und am 29. April 1949 geschlossen. Die Kapazität des Lagers lag am 31. Oktober 1947 bei 2.400 Personen.Cornberg im Verzeichnis der Arolsen Archives Ein Teil der Bewohner des Lagers war bereits 1948 in das von der IRO betreute Ukrainian Labor Camp in Gießen umgesiedelt worden,Nazarii Gutsul, Sebastian Müller: Ukrainische Displaced Persons in Deutschland, Bundeszentrale für politische Bildung, 30. Juni 2014 andere wanderten von hier nach Kanada oder in die USA aus.DP-Lager in CornbergDie Gemeinde Cornberg hat auf ihrer Webseite auch ein Kapitel zu ihrer Geschichte veröffentlicht. Zur Geschichte der Zwangsarbeit und der Displaced Persons in Cornberg erfährt man dort allerdings nichts. (Gemeinde Cornberg: Geschichte)
Am 1. April 1954 wurde aus dieser Siedlung Cornberg sowie Teilen der bisherigen Gemarkungen von Rockensüß, Mönchhosbach und Rautenhausen die neue Gemeinde Cornberg gebildet.
Hessische Gebietsreform (1970–1977)
Zum 1. Oktober 1971 fusionierten im Zuge der Gebietsreform in Hessen die Gemeinden Cornberg und Rockensüß freiwillig zur erweiterten Gemeinde Cornberg. Am 1. August 1972 wurde die Gemeinde Königswald durch Landesgesetz als Ortsteil nach Cornberg eingegliedert. Für die Ortsteile Cornberg, Rockensüß und Königswald wurde je ein Ortsbezirk mit Ortsbeirat und Ortsvorsteher nach der Hessischen Gemeindeordnung eingerichtet.
Bevölkerung Einwohnerstruktur 2011
Nach den Erhebungen des Zensus 2011 lebten am Stichtag dem 9. Mai 2011 in Cornberg 1474 Einwohner. Darunter waren 18 (1,1 %) Ausländer, von denen 8 aus dem EU-Ausland, 6 aus anderen europäischen Ländern und 4 aus anderen Staaten kamen. (Bis zum Jahr 2020 erhöhte sich die Ausländerquote auf 6,9 %.) Nach dem Lebensalter waren 237 Einwohner unter 18 Jahren, 585 waren zwischen 18 und 49, 330 zwischen 50 und 64 und 321 Einwohner waren älter. Die Einwohner lebten in 627 Haushalten. Davon waren 185 Singlehaushalte, 144 Paare ohne Kinder und 231 Paare mit Kindern, sowie 57 Alleinerziehende und 6 Wohngemeinschaften. In 126 Haushalten lebten ausschließlich Senioren und in 390 Haushaltungen lebten keine Senioren.
Einwohnerentwicklung 1585: 6 Hausgesesse 1747: 2 Haushaltungen
Historische Religionszugehörigkeit • 1961: 931 evangelische (= 69,57 %), 372 katholische (= 27,95 %) Einwohner • 1987: 1420 evangelische (= 78,63 %), 308 katholische (= 17,05 %), 78 sonstige (= 4,32 %) Einwohner • 2011: 1121 evangelische (= 76,05 %), 175 katholische (= 11,87 %), 176 sonstige (= 12,08 %) Einwohner
Politik Gemeindevertretung Für die Gemeindevertretung der Gemeinde Cornberg erbrachte die Kommunalwahl am 15. März 2026 folgendes amtliche Endergebnis,Votemanager: Amtliches Endergebnis der Gemeindewahl am 15. März 2026 in Vergleich gesetzt zu früheren Kommunalwahlen:
Wahlvorschläge%2026Sitze2026%2021Sitze2021%2016Sitze2016%2011Sitze2011%2006Sitze2006%2001Sitze2001 CBL Cornberger Bürger Liste50,7630,3333,4420,5324,0439,56 49,3550,4651,8664,51061,0945,07 F.d.B. Freunde des Bieres——10,01———————— ——9,3114,7114,9215,0215,52 Gesamt 100,0 11 100,0 11 100,0 11 100,0 15 100,0 15 100,0 15 Wahlbeteiligung in % 62,6 54,2 50,6 52,0 50,7 63,4
Bürgermeister Nach der hessischen Kommunalverfassung wird der Bürgermeister für eine sechsjährige Amtszeit gewählt, seit dem Jahr 1993 in einer Direktwahl, und ist Vorsitzender des Gemeindevorstands, dem in der Gemeinde Cornberg neben dem Bürgermeister ehrenamtlich ein Erster Beigeordneter und drei weitere Beigeordnete angehören.Gemeindegremien Bürgermeisterin ist seit dem 1. Dezember 2020 die parteiunabhängige Katja Gonzalez Contreras. Sie wurde als Nachfolgerin von Achim Großkurth (SPD), der nach drei Amtszeiten nicht mehr angetreten war, am 1. November 2020 im ersten Wahlgang bei 72,74 Prozent Wahlbeteiligung mit 65,14 Prozent der Stimmen gewählt. Es folgte eine Wiederwahl ohne Gegenkandidaten im März 2026.hessenschau: Bürgermeisterwahl am 15. März 2026 in Cornberg
Amtszeiten der Bürgermeister; Hinweis: für die Ansicht der archivierten Einzelergebnisse ggf. die Endung index.html aus der Webadresse löschen und diese dann neu laden - Votemanager: Wahltermine Gemeinde Cornberg, seit 2002; Hinweis: Bürgermeisterwahlen vor 2020 sind nicht aufbereitet 2020–2032 Katja Gonzalez ContrerasOsthessen News, 6. November 2020: Erste Bürgermeisterin im Landkreis Hersfeld-Rotenburg: Katja Gonzalez Contreras 2002–2020 Achim Großkurth (SPD)HNA, 31. Oktober 2014: Cornbergs Bürgermeister Achim Großkurth vereidigt. „Am 1. Dezember startet die neue Amtszeit.“ 1998–2002 Frank-Peter Giesecke (RBG), abgewählt zum 12. März 2002Osthessen News, 10. März 2002: Bürgermeister Giesecke mit 56,1 Prozent abgewählt
Wappen
Kultur und Sehenswürdigkeiten
Museen Heimatkundliches Museum und Sandsteinmuseum Kloster Cornberg Quarzitsandsteinbruch mit Mineralien-Schaudepot; Fundstellen prähistorischer Fährtenfunden von Kleinsauriern aus der Zechsteinzeit bzw. dem Perm mit der Cornberger Fährtenplatte.
Bauwerke Kloster Cornberg (erbaut 1292–1296) Schloss Rittershain
Verkehr Durch den Ortsteil Cornberg führt die B 27 und die Bahnstrecke Bebra–Göttingen. Cornberg besaß südlich des Ortes einen Personenbahnhof, der inzwischen vollständig zurückgebaut wurde. Das Bahnhofsgebäude von 1875 wurde bereits nach Elektrifizierung der Strecke 1961 abgerissen. Von Cornberg führt die Kreisstraße K 52 nach Rockensüß, von dort die K 57 nach Königswald.
Söhne und Töchter des Ortes Klaus-Dieter Barbknecht (* 1958), Rektor der TU Bergakademie Freiberg
Weblinks
Einzelnachweise und Anmerkungen
Kategorie:Ort im Landkreis Hersfeld-Rotenburg Kategorie:Gemeindegründung 1954