mini|Ansicht von Zuffenhausen mit alter Johanneskirche, aus den Forstlager­büchern von Andreas Kieser 1682. Blick von Westen etwa halbe Höhe Unter­länder Straße. Die Anhöhe links ist heute von der Rotwegsiedlung bedeckt. Rechts sieht man die Höhen des Burg­holz­hofes und des Schoßbühls bis hin zum Schnarren­berg. Die Senke dazwischen ist der Haldenrain. Man erkennt die westliche und Teile der nordöstlichen Umgrenzung des Etters mit Zaun und Hecke. mini|Blick von Südosten (Gärten am unteren Hang des Burgholzhofes) über den Kernbereich des heutigen Stadt­bezirks Zuffenhausen mit den Türmen der Pauluskirche (links) und der Johannes­kirche im „Alten Flecken“ (rechts). Man sieht im Hintergrund den Stadtpark, der dann weiter südwestlich in die Anhöhe des Lemberges übergeht.

Zuffenhausen ist ein Stadtbezirk von Stuttgart. Er wurde 1931 eingemeindet und ist nach Bad Cannstatt und Vaihingen der nach der Einwohnerzahl drittgrößte der äußeren Stadtbezirke. International bekannt ist Zuffenhausen als Hauptsitz von Porsche.

Naturraum und Umwelt Geographie und Topografie Topographisch liegt Zuffenhausen im Grenzbereich zweier Naturräume in einem vom Feuerbach geschaffenen Tal bei 255 Meter (Mühle), das sich nach Zazenhausen weiter auf 252 Meter einsenkt. Nach Norden und Nordwesten erstreckt sich die weite Gäuplatte des Langen Feldes mit ihren flachen Wellen in einer Höhe von über 300 m (Neuwirtshaus 327 m), das hier den östlichen Teil des Strohgäus bestimmt. Es ist fruchtbares Ackerland und weitgehend baumfrei. Im Süden liegt das Gebiet der Stuttgarter Berge, im Osten das Neckartal und dahinter das Bergland des Schurwaldes.

Die Anlage der Siedlungen auf der Gemarkung war sowohl von der Qualität des Bodens und der Nähe der Gewässer wie auch von der Möglichkeit bestimmt, auf dem welligen und vom Feuerbach und seinen Nebenbächen her ansteigenden Land Siedlungen in relativ hochwassersicheren Bereichen anzulegen, ohne sich allzu weit vom Wasser zu entfernen, bei gleichzeitiger Nähe zu den großen, hier vorbeiführenden Handelswegen.Gühring/Kull, S. 19.

Geologie Die Geologie ist durch den Charakter einer Schichtstufenlandschaft bestimmt, bei der topografisch ein vielgestaltiges Bild vorherrscht und in der unterschiedliche Gesteinsschichten zutage treten, so wie sie jeweils in dem vor 240 bis 145 Millionen Jahren hier befindlichen flachen tropischen Meer abgelagert wurden. Dies gilt insbesondere für die unterste Schicht des Muschelkalkes, der hier vor allem in Steinbrüchen zutage tritt und zahlreiche Versteinerungen führt. Darüber liegen Letten- und Gipskeuper, die beide zeigen, dass das Gebiet damals auf Meereshöhe lag. Es folgt Schilfsandstein, der dem Delta eines alten Flusssystems entstammt und hier nur noch auf den höheren Flächen des Lembergs und Burgholzhofes erhalten ist. Darüber liegende Schichten sind im Zuffenhäuser Gebiet wegen der geringen Höhe nicht zu erwarten und treten daher nur eng begrenzt aufgrund lokaler Verwerfungen auf. Dabei sind höhere Schichten des Keupers und Stubensandstein erhalten. Quer durch Zuffenhausen verläuft dabei eine große Verwerfungslinie, die plattentektonisch vor etwa 65 Millionen Jahren während der Bildung der Alpen entstanden ist, die sog. Schwieberdinger-Zuffenhäuser-Cannstatter Verwerfung. Sie hat eine Sprunghöhe von ca. 110 Meter und führte dazu, dass durch ihren irregulären und durch Einbrüche stark gestörten Verlauf in Steinbrüchen auf etwa gleicher Höhe abwechselnd Muschelkalk oder Gipskeuper zutage trat, weiter westlich bei Neuwirtshaus sogar Kiesel- und Stubensandstein.Gühring/Kull, S. 19–28.

Landschaft, Tier- und Pflanzenwelt, Umwelt Bis weit in die Neuzeit hinein gab es wenn auch lockerere Wälder, etwa am Burgholzhof lockere Eichenwälder, die für die Schweinehaltung genutzt wurden und offenbar bis ins 18. Jahrhundert bestanden, worauf auch einstige Flurnamen wie Wannenwald, Kögelwald und Lorcher Mönchswald hinweisen.Gühring/Friedrich/Kull, S. 64. Heute gibt es wie bereits ausweislich der Bebenhäuser Forstlagerbücher im Mittelalter eigentlich nur noch ein größeres zusammenhängendes Waldgebiet in Zuffenhausen, und zwar am Lemberg, einen von Ost nach West ansteigenden Höhenzug mit den Feuerbacher Weinbergen auf der Südseite und dem bewaldeten Nordhang auf der nördlichen Zuffenhäuser Seite. Es sind dies der Zazenhäuser Müllerwald, der kleine und große Bebenhäuser Wald sowie der Bebenhäuser Fuchswald, alles einstige Klosterwälder, der Kornwestheimer Pfaffenwald sowie zwei einstige Adelswälder: der Stammheimer Kleinlemberg und das Edelmannswäldle. All diese Waldteile haben eine Fläche von gut 58 Hektar, werden nach dem einstigen Besitzer, der sie nach der Säkularisation übernahm, auch Hofkammerwald genannt und sind seit 1968 Stuttgarter Gemeindewald. Der östlichste Teil ist der heutige Stadtpark von Zuffenhausen mit dem Flurnamen Schelmenwasen. Der nördliche bis hin nach Neuwirtshaus heißt inzwischen Schützenwiesenwald, ebenfalls ein alter Flurname, der westlichste Teil hin nach Weilimdorf heißt nun Maierwald.Gühring/Rees/Schweikart, S. 181–193.

Es entstanden im Holozän zudem auch die heutigen Bachläufe und Talauen, die stets vor allem wegen des nacheiszeitlich von den Hängen gespülten Gerölls und Feinmaterials bei Hochwasser überschwemmt wurden und so etwa im Feuerbachtal, an dessen mittleren Lauf später das alte Zuffenhäuser Dorf lag und noch liegt (heute der sogenannte „Alte Flecken“), Auenablagerungen von bis zu 8 Meter Dicke aufhäuften. Das gesamte Gewässernetz ist dabei auf den Neckar ausgerichtet, und in den Feuerbach münden mehrere heute eingedolte Nebenbäche von Westen her, doch kaum einer von Osten. Der alte Ortskern liegt dabei auf einer von Hochwässern kaum beeinträchtigten, da nach Westen ansteigenden Fläche zwischen dem Schmerbach, der einst zwischen Böhringer und Colmarer Straße floss und einem Bach, der im Bereich Hördtstraße/Bönnigheimer und Beilsteiner Straße verlief. Dabei weist das Gewässernetz in Abhängigkeit vom Gesteinsuntergrund eine unterschiedliche Dichte auf, denn Muschelkalk lässt wie im Gäu durch seine zahlreichen Spalten eine Versickerung zu, die Ton- und Mergelschichten des Keupers hingegen kaum, so dass hier oberflächliche Abflüsse vorherrschen. mini|Felswand im Friedhof Seit dem 19. Jahrhundert veränderte auch der Mensch zunehmend die Landschaftsgestalt, etwa durch den Bau von Bahnlinien und Straßen, wobei der Bauaushub zur Auffüllung von Senken und Trockenlegung lokaler Teiche wie des Spitalwaldsees verwendet wurde. Bis weit in die Neuzeit hinein beschränkte sich die Siedlung Zuffenhausen auf die lokale Talsenke des Feuerbachs. Durch die massive Ausweitung der Besiedelung über das Feuerbachtal hinaus, vor allem ab der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts in Richtung Westen, dann nach 1945 auch in Richtung Osten (Rotwegsiedlung), veränderte sich die Landschaftsgestalt nicht zuletzt durch die zunehmende Bodenversiegelung und Eindolung der meisten Bachläufe in einem bisher nie dagewesenen Ausmaß. Nochmals starke Veränderungen erfuhr die Landschaft nach dem Zweiten Weltkrieg durch die Auffüllung größerer Bereiche und hier vor allem der Gehrenäcker und des Flurs Grund durch Trümmer und Müll. Dort ist über einem alten, von Stammheimer Hummelgraben kommenden und einst einen kleinen Bach führenden Seitental des Feuerbachs nun eine Hochfläche entstanden, auf der sich der nach und nach erweiterte Friedhof Zuffenhausens erstreckt. Auch mehrere alte Steinbrüche und Tongruben zum Beispiel entlang des Feuerbachtales wurden derart aufgefüllt.

Entsprechend vielfältig sind Pflanzen- und TierweltGühring/Kull, S. 32–36. wenn auch aufgrund der ausgeprägten Durchsiedelung und Bodenversiegelung stark rückläufig, was die Tierwelt angeht, wobei der Rückgang jedoch durch die großen Hausgartenanlagen und die Wälder im Westen zumindest bei Vögeln eher begrenzt ist. Neben den inzwischen nur noch marginalen Ackerflächen und nun völlig fehlenden Weiden, einst ein zentraler Wirtschaftsfaktor des Dorfes, aus dem die junge Stadt 1907 sogar ihr Wappen mit dem „Zuffenhäuser Hirt“ bezog, finden sich vor allem im Westen größere Waldflächen, dazu Wiesen und Streuobstwiesen sowie Halbtrockenrasen und bedingt durch die zahlreichen Verkehrsanlagen sog. Ruderalflächen. Einige Natur- und Landschaftsschutzgebiete sind ausgewiesen, ein Biotopverbund ist seit 2003 entstanden. Die Weinbauflächen an den heute zur Feuerbacher Gemarkung gehörenden Westhängen des Burgholzhofes sind hingegen immer noch und nach einer umfangreichen Rebflurbereinigung zwischen 1976 und 1979 voll in Betrieb.

Der Umweltschutz ist vor allem wegen der starken Verkehrsbelastung ein Dauerproblem, da diese für hohe Emissionen insbesondere von Stickoxiden und Feinstaub verantwortlich ist. Waldschäden wurden daher auch in den Zuffenhäuser Waldgebieten beobachtet. Die Grundwasserneubildung ist weitgehend zum Erliegen gekommen. Die Lärmbelastung ist wegen der nahen Autobahn 81 und der Bundesstraßen 10, 27 und 27a, der S- und Stadtbahn sowie der durch die Gemarkung führenden IC-Eisenbahnhauptstrecke und dreier Nebenstrecken mit teils starkem Güterverkehr erheblich und mit die höchste in ganz Stuttgart. Inzwischen sind durch die Renaturierung des Feuerbaches, einen Biotopverbund und einen Grünordnungsplan Maßnahmen zur Verbesserung dieser Situation eingeleitet worden.Gühring/Kull, S. 36 f.

Geschichte Zum Stadtbezirk gehören heute außer Zuffenhausen noch die Siedlung Neuwirtshaus, das Dorf Zazenhausen und der nach 1945 vor allem für Flüchtlinge und Vertriebene aus dem Osten errichtete Stadtteil Rot.

Übersicht mini|Feuersteinschaber des Moustérien der Neandertaler-Kultur, wie sie so ähnlich auch auf Zuffenhäuser Gelände bei der Hofackerschen Ziegelei zusammen mit Mammutknochen gefunden wurden, also wohl ein alter Schlachtplatz (diese Exemplare stammen aus der Grotte du Noisetier im französischen Département Hautes-Pyrénées)

Die Gemarkung von Zuffenhausen ist schon seit mindestens 7000 Jahren von Menschen besiedelt, und noch sehr viel länger, nämlich bis zu 40.000 Jahre, ist ihre regelmäßige Anwesenheit als Jäger und Sammler dort nachweisbar, die das wohl wegen der zahlreichen Gewässer sehr wildreiche Gebiet mindestens seit über 35.000 Jahren im Jungpaläolithikum durchstreiften, darunter wohl auch Neandertaler, wie einschlägige Funde (Werkzeuge, Mammutknochen) ausweisen. Allerdings zeigen zahlreiche Funde aus angrenzenden Bereichen, vor allem in Cannstatt (Travertinsteinbruch) und im Landkreis Ludwigsburg, dass Verwandte des Homo sapiens wie Homo erectus und der aus ihm hervorgegangene Neandertaler schon vor 300.000 Jahren als Zeitgenossen etwa des Homo steinheimensis hier lebten, sammelten und jagten.

Der im Mittelalter als Ottenhusen oder Offenhausen dokumentierte Ortsname wurde später zu Zuffenhausen. Ursprünglich zum Oberamt Cannstatt, ab 1718 zum Oberamt Ludwigsburg gehörig, wurde das Dorf 1907 zur Stadt erhoben und am 31. März 1931 nach Stuttgart eingemeindet. Ein wichtiger Meilenstein auf dem Weg zur Industriestadt war der bereits am 15. Oktober 1846 von den Württembergischen Staatsbahnen in Betrieb genommene Bahnhof Zuffenhausen, der an der Zentralbahn lag. In der Zeit der Industriellen Revolution veränderte sich der vormals rein dörfliche Charakter des Ortes völlig, als er über die der alten Dorfgrenzen hinaus nach Westen jenseits der Ludwigsburger Straße enorm expandierte und dabei nun eine strikt schachbrettartige Anlage in den damals neuen Bebauungsgebieten zeigt, die jetzt keinerlei Ähnlichkeit mehr mit der gewundenen Dorfstruktur zeigen, die mit der Marbacher Straße dem Bogen des Bachlaufs folgte, wobei von ihr rechtwinklig Gassen zum Bach hinunter und nach Westen zur heutigen Ludwigsburger Straße hinauf führten, die allerdings erst mit dem Bau von Ludwigsburg im 18. Jahrhundert in ihrer heutigen Bedeutung entstand und vorher wohl vor allem ein lokaler Weg gewesen sein dürfte.