mini|hochkant=1.5|Blick auf das Hauptgebäude, 2016 mini|hochkant=1.5|Neue Turnhalle, 2016 Das Gymnasium Oberalster ist ein staatliches Gymnasium im Hamburger Stadtteil Sasel.

Schulgeschichte

Erste Gründung als „Langemarck-Schule“

Das Gymnasium Oberalster hat als Schule zwei Wurzeln: Die eine findet sich in den Zerstörungen durch die alliierten Bombenangriffe auf Hamburg, insbesondere in der Operation Gomorrha 1943. Die andere Wurzel ist eine Entscheidung der britischen Besatzungsmacht, die Schule neuzugründen und damit zu entnazifizieren.auch zum Folgenden

Sasel und Poppenbüttel hatten 1939 insgesamt nur etwas mehr als 10.000 Einwohner. Das änderte sich durch die Kriegszerstörungen Hamburgs erheblich: Viele Ausgebombte wurden in den ländlichen Randbezirken provisorisch untergebracht, nach 1945 kamen auch noch Vertriebene und Flüchtlinge aus den Ostgebieten des Deutschen Reiches hinzu. So hatte sich 1950 die Bevölkerungszahl mit über 25.000 Menschen mehr als verdoppelt. Da aufgrund der Bombenangriffe die Schüler aus den Innenstadtlagen unter anderem in die Außenbezirke evakuiert wurden, bestand bereits 1944 ein dringender Bedarf an einer weiteren Oberschule im Nordosten Hamburgs. Diese sollte zunächst in Jenfeld eingerichtet werden. Da aber auch hier die Kriegsbombardements immer stärker wurden, entschied man sich für das ländliche Alstertal in Poppenbüttel. Zwischen der Mellingburger und der Poppenbütteler Schleuse wurde eine bislang von einer Kindertagesstätte genutzte Baracke winterfest gemacht und mit einfachen Mitteln in zwei Klassenzimmer aufgeteilt. Die Ausstattung wurde von anderen Schulen zusammengetragen, die Schule zunächst als Außenstelle der „Oberschule in der Martinistraße“ geführt und aus dem Etat der durch die Bombenangriffe zerstörten „Wissenschaftlichen Oberschule Rothenburgsort“ finanziert (diese Finanzierung wurde auch nach der Neugründung des GOA 1945 zunächst beibehalten). Als Name wurde schließlich „Langemarck-Schule“ gewählt. Der Unterricht begann am 11. September 1944.

Der Standort am Alsterlauf war nur vorläufig: Für einen neuen großen Schulkomplex begannen Ausschachtungen weiter nördlich in Richtung der Alten Mühle – diese wurden nach Kriegsende 1945 jedoch nicht weitergeführt.

Der Name der neugegründeten Schule hatte eine Propagandafunktion: In Langemarck in Flandern waren im Herbst 1914 junge Kriegsfreiwillige in den Tod gestürmt – angeblich mit dem Singen des Deutschlandliedes (Mythos von Langemarck). Dieser Mythos der Aufopferung der Jugend für die Nation wurde von den Nationalsozialisten als Symbol für den totalen Einsatz der Jugend benutzt und entsprechend für die Schulneugründung verwendet. Auch die einzelnen Klassen enthielten ideologisch geprägte Namen. So wurde eine Mädchenklasse nach einer von Tieffliegern erschossenen BDM-Führerin benannt.

In der Gründung über die Einsatzschule Martinistraße, der Namensgebung und der Auswahl des ersten Schulleiters zeigte sich die starke ideologische Ausrichtung des der neuen Schule im Sinne der nationalsozialistischen Herrschaft. Schulleiter wurde – nur vier Jahre nach seinem Eintritt in den Hamburger Schuldienst – Wolfgang Jünemann, der als hoher HJ-Führer rasant Karriere gemacht hatte.Hans-Peter de Lorent: Täterprofile. Die Verantwortlichen im Hamburger Bildungswesen unterm Hakenkreuz und in der Zeit nach 1945. Band 2. Hamburg 2017 (Landeszentrale für politische Bildung), S. 600–616. Wolfgang Jünemann gelang erst nach einigen Jahren und gegen den Widerstand leitender Beamter der Schulbehörde die Wiedereinstellung in den Schuldienst und war dann bis zu seiner Pensionierung als normaler Lehrer tätig.

Neugründung als „Oberschule für Jungen und Mädchen“ in Poppenbüttel Nach der Kapitulation der Wehrmacht am 8. Mai 1945 schlossen die Briten alle Schulen in Hamburg, das in ihrer Besatzungszone lag.

Bereits am 6. August 1945 begann jedoch in Volksschulen (heute: Grundschulen und Stadtteilschulen) der Unterricht wieder, am 2. Oktober wurden die höheren Schulen (heute: Gymnasien) wieder eröffnet. Der Zeitdruck verhinderte eine gründliche Entnazifizierung: Offensichtlich belastete Oberschulräte und Lehrkräfte wurden aus dem Schuldienst entlassen; alle anderen Fälle konnten nur oberflächlich oder zunächst gar nicht geprüft werden.

Am 2. Oktober 1945 wurde die Schule offiziell neugegründet, am selben Ort und mit den gleichen Schülern. Der neue Schulleiter, Dr. Eckmann, brachte zwei neue Lehrkräfte mit, zwei Lehrkräfte der bisher am gleichen Ort bestehenden „Langemarck-Schule“ unterrichteten zunächst ohne Unterrichtserlaubnis weiter und wurden im Oktober/November 1945 dann aus dem Beamtenverhältnis entlassen. Die drei verbleibenden Lehrkräfte waren für drei fünfte Klassen verantwortlich: eine Jungen-, eine Mädchenklasse und eine (zunächst wegen der Ausnahmesituation des Krieges eingerichtete) Koedukationsklasse. Die drei Klassen wurden im Schichtbetrieb in den beiden Klassenräumen der Baracke unterrichtet. Zwischen den beiden Klassenräumen befand sich das „Lehrerzimmer“ (eigentlich nur ein Durchgang), das gleichzeitig als Schulleiterzimmer diente. Einen Wasseranschluss gab es nicht, auf dem Hof stand eine Schwengelpumpe, vor der sich so manche Schlange bildete. Als sanitäre Anlagen standen für Jungen und Lehrer beziehungsweise Mädchen und Lehrerinnen nur je ein Plumpsklo außerhalb der Baracken zur Verfügung – mit Senkgruben ohne Sielanschluss, die von Zeit zu Zeit ausgepumpt wurden. So ist es nicht verwunderlich, dass sich in jeder Pause lange Schlangen an den beiden Toiletten bildeten und auch einmal der Unterricht ausfallen musste, weil ein Sturm das „Klo weggeweht“ hatte.

Diese sehr provisorischen Bedingungen mussten vor dem Hintergrund der Kriegszerstörungen, des Hungers und des Mangels der Nachkriegsjahre akzeptiert werden. In den folgenden Jahren änderte sich nur wenig: Es wurden weitere Baracken errichtet, der eigentliche Neubau der Schule begann 1952 mit der Grundsteinlegung am heutigen Standort. Erst 1959 konnte die Barackenschule endgültig aufgegeben und abgerissen werden.

Anfangsjahre (1945–1950) Die unmittelbare Nachkriegszeit mit den vielfältigen Mangelerscheinungen, den Improvisationen und den Herausforderungen nach dem Ende der nationalsozialistischen Diktatur endete für das Gymnasium Oberalster eigentlich erst mit dem Bezug des Neubaus 1958. Bis dahin erging es der Schule so wie vielen Neugründungen in Hamburg: Jedes Jahr kamen weitere Schüler und damit auch Lehrkräfte hinzu, es gab einen dauerhaften Mangel an Räumen und mit jedem aufwachsenden Jahrgang waren weitere Lehrpläne und Vorgaben der Schulbehörde umzusetzen. Zusätzlich machte sich – insbesondere nach der Währungsreform 1948 und der Gründung der Bundesrepublik Deutschland 1949 – die zunehmende wirtschaftliche und politische Stabilisierung bemerkbar. Das betraf Schülerschaft wie Lehrerkollegium gleichermaßen. Hinzu kommt: Nach der ideologischen Ausrichtung während der nationalsozialistischen Diktatur, die sich im Krieg massiv verstärkt hatte, gab es weder in der Schülerschaft noch im Lehrerkollegium ein Interesse an politischen Diskussionen und Kontroversen. Stattdessen galt die Devise: Die Schule sollte wieder zur Ruhe kommen, vieles, was während der Diktatur und den Kriegsjahren nicht unterrichtet werden konnte, wurde wieder vermittelt beziehungsweise „nachgeholt“. Dazu gehört auch die Wiedereinführung des 13. Schuljahres, mit der die Einführung des achtjährigen Gymnasiums durch die Nationalsozialisten rückgängig gemacht wurde.

Wachsende Schule (1950–1965) Die 1950er und frühen 1960er Jahre gelten in der gesellschaftlichen Wahrnehmung als eine Zeit des wirtschaftlichen Aufbruchs („Wirtschaftswunder“) – begleitet durch ein Wiederaufleben von konservativen Traditionen in fast allen gesellschaftlichen Bereichen. Im Schulbereich traten die konservativen Strömungen besonders deutlich hervor. Beispielsweise kehrten alle Bundesländer zum Abitur nach 13 Schuljahren zurück, und in Hamburg scheiterte der Versuch der SPD, die sechsjährige Grundschule einzuführen, in einer Wahlniederlage mit einem Regierungswechsel.

Für das Gymnasium Oberalster waren dies unruhige Jahre. Das lag zum einen an der Raumsituation, die sich so langsam verbesserte, dass erst am 15. September 1959 der endgültige Abschied von den Baracken gefeiert und damit auch der Umzug zum neuen Standort Alsterredder abgeschlossen wurde.

Am Anfang gab es nur die Baracke I mit den beiden Klassenräumen und dem Durchgang als Lehrer- und Schulleiterzimmer. Bis 1948 kamen eine Hausmeister- und eine Lehrerzimmerbaracke hinzu, in den folgenden Jahren wurden noch zwei weitere Unterrichtsbaracken errichtet. Seit 1946/47 gab es auch elektrische Beleuchtung, die sanitäre Situation verbesserte sich allerdings nicht.

Eine Rolle bei den Verzögerungen spielte die Freie und Hansestadt Hamburg, die mit ihrer Schulpolitik (Einführung der sechsjährigen Grundschule) den Raumbedarf am neuen Gymnasium unterschätzte und daher den Neubau der Schule nicht in einem Rutsch, sondern in drei aufwendigen und getrennten Bauabschnitten vollzog. Der Hauptgrund war jedoch das durchgängige Wachstum der Schule: Am 2. Oktober 1945 wurden drei weitere Klassen aufgenommen, sodass nunmehr circa 200 Schüler vorhanden waren. 1949 waren 309 Schüler erreicht, 1953 waren es 345 und 1954 sprangen die Schülerzahlen auf 473, dann 1955 auf 539. Das Gymnasium bekam jedes Jahr einen neuen Jahrgang nach oben, gleichzeitig nahm aber auch der Andrang in den Eingangsklassen immer mehr zu, da immer mehr Häuser und Wohnungen gebaut wurden und im näheren Umfeld kein weiteres Gymnasium zur Verfügung stand. Zudem gingen bereits in den 1950er Jahren immer mehr Schüler auf die Gymnasien über, eine Entwicklung, in der die Großstädte Vorreiter waren.

Von 1955 bis 1964 blieben die Schülerzahlen dann bei circa 550 stabil, bis mit den geburtenstarken Jahrgängen eine zweite Welle der Expansion begann: Bis 1966 stiegen die Zahlen auf 758 an und erneut wurden Baracken errichtet, natürlich nur als „Provisorium“ für eine kurze Zeit. Diese blieben dann jedoch bis Ende der 1970er Jahre in Benutzung.

Im Bereich der Koedukation war das Gymnasium Oberalster für die damalige Zeit ein Vorreiter, wie ein Blick in das Schularchiv zeigt. In der Festschrift von 1955 schreibt der damalige Schulleiter, dass man bereits seit 1945 so gute Erfahrungen mit der (durch die Umstände erzwungenen) Koedukation gesammelt habe (eine der drei Klassen war gemischt), dass man gleich dabei geblieben sei und die Schule durchgängig koedukativ führe.Festschrift zum zehnjährigen Bestehen der Schule. Hamburg 1955. (Schularchiv des Gymnasiums Oberalster) Das war in den 1950er und 1960er Jahren nicht selbstverständlich, in der Mehrzahl der Schulen wurde die Koedukation erst Ende der 1960er, Anfang der 1970er Jahre eingeführt.

Mit den schulischen Schwerpunkten in den neusprachlich-naturwissenschaftlichen Fächern sowie dem Theaterspielen und Musizieren zeigte sich die Schule als eine zeittypische Neugründung nach 1945. Zeittypisch waren auch die großen Schulfeste, bei denen u. a. der Schulleiter Dr. Kiendl besonders engagiert war. Nicht zeittypisch war das Fehlen der Aula, so dass beispielsweise die Abiturbälle im Randel, einem damals bekannten Café und Ausflugslokal in Wellingsbüttel, stattfanden.

Eine selbstgestaltete gymnasiale Oberstufe (1968–1973)