mini|Emil Steffann Emil Steffann, häufige Schreibweise: Emil Steffan, (* 30. Januar 1899 in Gadderbaum, heute Bielefeld; † 23. Juli 1968 in Bonn) war ein deutscher Architekt, der vor allem auf dem Gebiet Kirchen- und Klosterarchitektur wirkte. mini|Franziskanerkirche St. Marien, Köln mini|St. Laurentius, München mini|St. Elisabeth, Opladen mini|St. Bonifatius Krefeld (Stahldorf) mini|St. Bonifatius in Dortmund mini|St. Maria in den Benden, Düsseldorf-Wersten mini|St. Mariä Himmelfahrt in Oedekoven mini|St. Nikolaus in Velbert-Langenhorst mini|St. Remaclus, Cochem-Cond/Mosel

Leben Emil Steffann war der Sohn eines Arztes der v. Bodelschwinghschen Stiftungen Bethel. Seine Vorfahren waren Hugenotten. Er besuchte das Evangelisch Stiftische Gymnasium Gütersloh, wo er 1919 auch die Reifeprüfung ablegte.Friedrich Fliedner: 75 Jahre Gütersloher Gymnasium. Verlag F. Tigges, Gütersloh 1926. Dritte Seite: Festschrift zur Feier des 75jährigen Bestehens des Evangelisch-stift. Gymnasiums zu Gütersloh und der Grundsteinlegung zum Gymnasialneubau am 16., 17. und 18. August 1926. S. 82, Nr. 1379. Nach dem Kriegsdienst 1917/1918 im Ersten Weltkrieg als Luftauskundschafter besuchte er bis 1921 die Bildhauerklassen von Hans Perathoner an der Handwerker- und Kunstgewerbeschule Bielefeld und der Kunstgewerbeschule Berlin. 1921 baute er in Lübeck für seine Mutter und Geschwister sein erstes Wohnhaus, unternahm bis 1928 Reisen, vielseitige autodidaktische Studien in Architekturbüros und auf Baustellen, die er auf Anraten von Walter Gropius an der Baugewerkschule Lübeck (Prof. Münch) abschloss, und wurde Architekt.

1926 lebte Steffann in Italien, arbeitete in Assisi mit dem dänischen Bildhauer Chresten Skikkild zusammen, wurde, tief beeindruckt von Assisi und dem Heiligen Franz von Assisi, Katholik und wandte sich Fragen des Kirchenbaus zu. 1931, anlässlich seines Besuches der Fronleichnamskirche (Rudolf Schwarz mit Hans Schwippert) in Aachen, befreundete er sich mit Rudolf Schwarz und wurde Mitglied der katholischen Jugendbewegung Quickborn auf Burg Rothenfels um Romano Guardini und Heinrich Kahlefeld, die eine Erneuerung der Liturgie und des Kirchenbaus anstrebten. Rudolf Schwarz übertrug Steffann die Bauleitung seines für Guardini entworfenen Wohnhauses in Berlin und gemeinsam entwickelten sie einen Vorschlag zum Neubau der Pfarrkirche St. Anna in Berlin-Lichterfelde.

In Lübeck entwarf Steffann Untergrund- und Hauskirchen für vom Nationalsozialismus bedrängte Katholiken (u. a. in Schlutup) und beschäftigte sich mit kleinen Bauaufgaben in dieser katholischen Diaspora.

mini|St. Remaclus. Innenraum Von 1941 bis 1944 übernahmen Emil Steffann und Rudolf Schwarz Bau- und Planungsaufgaben im von den Deutschen besetzten Lothringen. Dort lernte Steffann Rudolf Steinbach kennen und befasste sich mit dem Wiederaufbau kriegszerstörter Dörfer. In Boust errichtete er aus Kriegstrümmern an der alten Römerstraße ein Landarbeiterhaus und schuf mit seiner Gemeinschaftsscheune eine neue Dorfmitte. Seine Bauauffassung fasste er 1950 in seinem Beitrag Wiederaufbau aus Trümmern in der Architekturzeitschrift Baumeister zusammen. Mit Hilfe der freitragenden Dachkonstruktion, die er patentieren ließ, errichtete Steffann eine stützenfreie Halle, die über ein großes Scheunentor erschlossen wurde, für ihn eine Kirche bedeutete und zum Leitbild wurde. Er entwickelte Gedanken über ein sinngerechtes Bauen, was für ihn ein material-, konstruktions- und ortsgerechtes Bauen voraussetzte, und verfasste die Baufibel für Lothringen. 1944 wurde Steffann mit Frau und Tochter in Frankreich zivilinterniert; 1946 kehrte er nach Lübeck zurück.

Dort setzte er sich als Mitglied des Denkmalrates für den erhaltenden Wiederaufbau der kriegszerstörten Altstadt ein, die er auch durch einen angemessenen Verkehrsplan bewahren wollte. 1947 holte Rudolf Schwarz ihn nach Köln, wo Steffann bis 1949 das Siedlungswerk der Erzdiözese Köln leitete. 1949 bezog Steffann mit seiner Familie ein kleines Holzfertighaus (Architekt Alfons Leitl) in Mehlem. Dieses Haus wurde zu seiner Wohn- und Werkstatt bis zu seinem Tod 1968. In dieser Zeit baute er mit seinem Bauatelier zahlreiche Kirchen, Klöster und Sozialbauten. Wichtige Mitarbeiter wurden Siegfried Östreicher, Nikolaus Rosiny, Paul Georg Hopmann, Heinz Bienefeld und Gisberth Hülsmann.

Steffanns letztes Werk war die Pfarrkirche St. Remaclus in Cochem-Cond. Zwei Monate nach der Konsekrierung dieser Kirche starb er im Juli 1968 an den Folgen eines Autounfalls.

Ehrungen Für sein beispielgebendes Wirken im Kirchenbau wurden Steffann 1964 die Ehrendoktorwürde der Technischen Hochschule Darmstadt und der Große Kunstpreis des Landes Nordrhein-Westfalen und 1965 das Große Bundesverdienstkreuz verliehen.

Zitat „Die Möglichkeiten neuer Gestaltung innerhalb einer jahrhundertealten Tradition sind beschränkt. Sie sind in dem sehr langsamen Wachstum der Idee beschlossen. welche der Tradition zugrunde liegt. Künstlerische Eigenwilligkeiten finden deshalb auf die Dauer keinen Nährboden, soweit sie nicht die in der Idee selbst schlummernden Möglichkeiten ans Licht bringen.“

Rezeption (Auswahl) 1969 widmeten die Christlichen Kunstblätter Emil Steffann ein Heft 1979 erinnerte die Bauwelt an Emil Steffann 1980 zeigte die Kunsthalle Bielfeld in der Studiogalerie die Ausstellung Emil Steffann (kuratiert von Gisberth Hülsmann mit Manfred Sundermann in Zusammenarbeit mit Ulrich Weisner und Herbert Muck) 1981 eröffnete die Akademie der Architektenkammer NRW in der Kunstakademie Düsseldorf die von Manfred Sundermann kuratierte Wanderausstellung Zwei Rheinische Baumeister des XX. Jahrhunderts Rudolf Schwarz und Emil Steffann mit dem Symposium Über die Rückführung der Architektur auf die Philosophie. Die Archives d’architecture moderne, AMA Brüssel, stellten in der Nr. 21-1981, sein Werk vor. Die Architektur-Biennale Venedig 1992 Sakrale Architektur widmete sich dem Schaffen des Bauateliers Emil Steffann. Conradt Lienhardt veröffentlichte 1999 zur Ausstellung in der Universität für künstlerische und industrielle Gestaltung Linz und im Franz Hitze Haus Münster die Monografie Emil Steffann (1899–1968) Werk/Theorie/Wirkung. ISBN 3-7954-1227-7 1999 veröffentlichte Susanne Grexa ihre Doktorarbeit Der Architekt Emil Steffann 1899–1968. Der Verzicht auf Originalität als Programm. (Microfiche) 2009 veröffentlichte der italienische Architekt und Bauhistoriker Tino Grisi seinen Essay Handlung ist alles, Form ist nichts. Die Wandlung des Raumes: Romano Guardini und Emil Steffann zum 40. Todesjahre. (deutsch/italienisch) und 2014 seine Doktorarbeit „Können wir noch Kirchen bauen?“ Emil Steffann und sein Atelier. ISBN 978-3-7954-2872-3 2017 veranstaltete der Lehrstuhl für Architekturgeschichte der RWTH Aachen das Seminar „Gebaute Einfachheit – Zum Werk des Architekten Emil Steffann (1899–1968)“" zur Vorbereitung einer Ausstellung über Emil Steffann 2021 veröffentlichte Manfred Sundermann die erste chronologische Zusammenschau des Werkes von Emil Steffann unter dem Titel: „Das naheliegende Einfache – Emil Steffann und die Baukunst 1921–1968, Bericht und Dokumente“, Norderstedt 2021, ISBN 978-3-7526-8846-7

Charakteristische Merkmale seines Werkes ein abgeschlossenes Kirchengelände aus Mauern und Höfen, die vor dem Treiben und Lärm der Straße schützen einen Hof vor dem Gotteshaus zur Sammlung (frühchristlichen Kirchen vergleichbar) Seitliches, nicht zentrales Erschließen der Kirche über eine Raumfolge aus Höfen, Wegen und seitlichen, niedrigen Anbauten massive Mauern aus Trümmermaterial, Stein (Strebepfeiler und Rundbögen, Masse und Öffnung) offene Dachstühle altbewährte Mauer- und Zimmermannstechniken: rau belassene Mauern aus Bruch- oder Ziegelsteinen sichtbare Dachkonstruktionen einfache Baukörper, -weisen und -formen abgestuftes Licht.

Werk (Auswahl) 1932: Gestaltung der Fronleichnamsprozession in Lübeck 1937: Entwurf für eine unterirdische Luftschutzkirche 1941–1944: Wiederaufbau des Dorfes Boust in Ostlothringen im Planungsstab Rudolf Schwarz 1950–1952: Franziskanerkloster und Kirche Zum unbefleckten Herzen Mariens in Köln, Ulrichgasse 1952: St. Bonifatius in Lübeck 1953: St. Konrad in Duisburg-Fahrn 1953-1954: St. Nikolaus in Velbert-Langenhorst 1953–1954: Wiederaufbau St. Bonifatius (Dortmund) 1955: St. Laurentius in München 1955-1956: St. Paulus-Dom Münster, Wiederaufbau und liturgische Neuordnung 1955–1956: St. Mariä Himmelfahrt in Alfter-Oedekoven 1956: St. Konrad in Marl (heute als Kolumbarium genutzt)kirchensite (Bistum Münster) 1957: St. Elisabeth in Leverkusen-Opladen 1957–1963: Heilig-Geist-Krankenhaus in Köln-Longerich (in Kooperation mit Nikolaus Rosiny) 1957–1959: St. Maria in den Benden in Düsseldorf-Wersten (in Kooperation mit Nikolaus Rosiny) 1958: Herz-Jesu-Kirche in Essen-AltenessenListe Essener Sakralbauten 1958–1959: St. Bonifatius in Krefeld-Stahldorf 1959–1963: Pfarrzentrum St. Hedwig in Bayreuthhttps://geodaten.bayern.de/denkmal_static_data/externe_denkmalliste/pdf/denkmalliste_merge_462000.pdf 1959: Wiederaufbau der Kirche St. Elisabeth in Essen (in Kooperation mit Nikolaus Rosiny) 1960: St. Helena in Bonn (heute Dialograum Kreuzung an St. Helena; in Kooperation mit Nikolaus Rosiny) 1960: St. Augustinus in Düsseldorf-Eller (in Kooperation mit Nikolaus Rosiny) 1960: St. Johannes in Dorsten 1960–1961: St. Bonifatius in Essen-Huttrop 1960–1961: kath. Kirche St. Klemens in Duisburg-Kaßlerfeld 1961: St. Laurentius in Köln-Lindenthal (verändert)Der Baumeister, Jahrgang 1963, Heft 8 1961–1962: St. Johannes Baptist in Herzogenrath-Merkstein 1961–1963: St. Hildegard in Bad Godesberg-Rüngsdorf (mit Sakristei, Pächterwohnung und Pfarrhaus; unter Denkmalschutz) 1961–1964: Kartause Marienau (mit Gisberth M. Hülsmann) 1964–1967: St. Remaclus in Cochem (mit Heinz Bienefeld) 1965–1967: Kirche St. Matthias und Franziskanerkloster in Euskirchen (mit Heinz Bienefeld und Gisberth M. Hülsmann) 1965–1967: St. Walburga in Porta WestfalicaGemeinde St. Walburga, Porta Westfalica 1966–1967: St. Hedwig in Köln-Höhenhaus (mit Gisberth M. Hülsmann) 1967–1969: Umgestaltung der Stadtpfarrkirche St. Martin in Dornbirn, auf lexikon.dornbirn.at vor 1968: St. Ursula in Dorsten Mehrere von Emil Steffann entworfene Kirchen wurden inzwischen abgerissen oder profaniert und umgewidmet.Wolfgang Pehnt: Kirchensterben. Deutschland schleift seine Gotteshäuser, in: Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 30. August 2005, S. 35, abgerufen am 19. März 2023.

Weblinks

Artikel Emil Steffann 1899–1968 aus Werk, Bauen + Wohnen, Heft 10, 1981 Emil Steffann auf der Homepage der Architektenkammer Nordrhein-Westfalens Werke von Emil Steffann längs der Straße der Moderne https://www.bildindex.de/ete?action=queryupdate&desc=emil%20steffann&index=obj-all

Einzelnachweise

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