mini|Günther Lützow als Oberstleutnant 1942 Günther Lützow (* 4. September 1912 in Kiel; † 24. April 1945 im Landkreis Kelheim) war ein hochdekorierter Jagdflieger der deutschen Luftwaffe im Zweiten Weltkrieg. Als Fliegerass mit mehr als 300 Kampfeinsätzen u. a. während des Spanischen Bürgerkriegs, an der Westfront 1944/1945 und der Ostfront erreichte Lützow 108 Abschüsse.Ernst Obermeier: Die Ritterkreuzträger der Luftwaffe Jagdflieger 1939–1945. Verlag Dieter Hoffmann, Mainz 1966, ISBN 3-87341-065-6, S. 39.

Leben Günther Lützow wuchs in Kiel in der Reventlouallee an der Förde auf,Kurt Braatz: Gott oder ein Flugzeug. Moosburg 2005, S. 16. wo sein Vater Friedrich Lützow zunächst als Kapitänleutnant seine Ausbildung zum Admiralstabsoffizier absolvierte. Günther Lützow bestand sein Abitur an der Stiftischen Landesschule zur Pforta am 3. März 1931Braatz 2005, S. 25. und begann seine Ausbildung an der Verkehrsfliegerschule Schleißheim am 7. April 1931 zusammen mit späteren Luftwaffenoffizieren wie Wolfgang Falck, einem Pionier der deutschen Nachtjagd oder auch Bernd von Brauchitsch, Sohn des Generals der Artillerie Walther von Brauchitsch und später Chefadjutant des Oberbefehlshabers der Luftwaffe, Hermann Göring. Der Lehrgang endete am 19. Februar 1932Braatz 2005, S. 50. mit dem Erwerb der „Einfache(n) Erlaubnis Land B1“ und der Kunstflugberechtigung K1.

Nach diesem ersten Schritt ihrer Ausbildung wurden diejenigen Flugschüler, die Jagdflieger werden sollten, nach Lipezk am Woronesch kommandiert – unter ihnen auch Günther Lützow. Dort, in der Geheimen Fliegerschule und Erprobungsstätte der Reichswehr und abseits des Versailler Vertrages, bildete die deutsche Luftwaffe ihren Jagdfliegernachwuchs aus, nachdem man am 15. April 1925 ein auf dem Vertrag von Rapallo fußendes entsprechendes Abkommen geschlossen hatte.Braatz 2005, S. 53. Am 8. September 1932 wurde auch dieser Teil der Ausbildung abgeschlossen und die Flugschüler wurden, weil sie in der Reichswehr nicht aktiv fliegen durften, als Heeres-Offiziersanwärter eingestellt. Günther Lützow wurde dabei ins preußische Infanterieregiment Nr. 5 eingestellt. Vom 20. April bis 30. Juni 1933 durften die ausgebildeten Piloten ihr Können in Schleißheim noch einmal auffrischen, am 13. März 1934 legten sie dann ihre Fähnrichsprüfungen an der Offizierschule Dresden ab.Braatz 2005, S. 85–98. Am 20. September erhielten die Offizieranwärter um Günther Lützow ihre Offizierpatente und wurden zu den verschiedenen getarnten Luftfahrt-Verbänden im Reichsgebiet kommandiert.Braatz 2005, S. 102. Mit Enttarnung der Luftwaffe am 8. März 1935 wurde Günther Lützow Leutnant der Luftstreitkräfte des Deutschen Reiches.

Im Mai 1936 wurde Lützow Staffeloffizier der 4. Staffel des JG 132 „Richthofen“ in Jüterbog-Damm, seine letzte Verwendung vor seinem Einsatz in der Legion Condor.

Legion Condor und Vorkriegszeit Ab dem 26. Juli 1936 unterstützte das Deutsche Reich Franco-Spanien vor allem mit Teilen der Luftstreitkräfte, und Günther Lützow wurde am 4. November 1936 ebenfalls nach Spanien kommandiert.Braatz 2005, S. 137. Am 9. März 1937 übernahm Lützow von Siegfried Lehmann die 2./J88, die als erster Einsatzverband auf die Bf 109 umrüsten sollte. Da aber zunächst nur eine geringe Anzahl von neuen Messerschmitts zur Verfügung stand, entwickelte Lützow in der Folgezeit mit dem neuen Flugzeug eine neue Taktik, die von dem bisherigen Fliegen in einer Kette (d. h. drei Flugzeuge) auf die Rotte bzw. den Schwarm (zwei bzw. vier Flugzeuge) umstellte, und revolutionierte damit die Jagdfliegertaktik. Seine Grundlagen wurden später von Werner Mölders noch vollendet; die beiden sind damit die Väter der heute noch gültigen Grundsätze der Jagdfliegertaktik.Braatz 2005, S. 145–147, S. 155 ff. Am 15. September 1937 kehrte Günther Lützow nach Deutschland zurück.

Nach einer Verwendung im Reichsluftfahrtministerium und seiner Beförderung zum Hauptmann am 1. November 1937Braatz 2005, S. 169. wurde Lützow am selben Tag zum Staffelkapitän der sich im Aufbau befindlichen 3. Staffel an der Jagdfliegerschule Werneuchen ernannt. Vom 16. August 1938 bis zum 31. Oktober 1939 hatte er dort die Funktion des Lehrgangsleiters inne.Martin Kuban (Hrsg.): Chronik zur Geschichte des Fliegerhorsts Werneuchen. Zeitraum 1937 bis 1939. Jagdfliegerschule Werneuchen. Heimatkundliche Mitteilungen, Werneuchen 2021, ISBN 978-3-9814306-3-9, S. 140ff. In Werneuchen lernte er auch auf einem Faschingsball am 12. Februar 1938 Gisela von Priesdorff kennen. Die Verlobung fand am 19. Juli 1938, die Hochzeit am 11. März 1939 in Berlin statt.Braatz 2005, S. 174, 182, 188. Aus der Ehe gingen zwei Kinder hervor; Sohn Hans-Ulrich wurde am 29. Januar 1940 geboren, Tochter Carola am 31. August 1942.

Zweiter Weltkrieg Im Oktober 1939 wurde Günther Lützow Gruppenkommandeur der I./JG 3, die von Brandis bei Leipzig nach Zerbst verlegt wurde. Am 10. Januar 1940 wurde die Staffel nach Peppenhoven bei Rheinbach verlegt. Am 25. Juli 1940 war der Westfeldzug zu Ende, auf dem Günther Lützow bei 64 Einsatzflügen neun Luftsiege erzielte.Braatz 2005, S. 213. Für den Auftakt der Luftschlacht um England verlegte das JG 3 am 1. August nach Boulogne am Pas de Calais,Braatz 2005, S. 215. wo Lützow am 25. August auch Geschwaderkommodore und zum Major befördert wurde. Nach seinem 15. Luftsieg am 15. September wurde Lützow das Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes verliehen.Braatz 2005, S. 226. Nach dem Ende der Luftschlacht erhielt das Geschwader öfter Besuch höherer Kommandeure; am Heiligabend 1940 war Adolf Hitler zu Besuch bei Lützows Geschwader.Braatz 2005, S. 237–240.

Im Frühjahr 1941 verlegte das Geschwader zur Auffrischung nach Deutschland und wurde auf die Me 109 F umgeschult.Braatz 2005, S. 242. Ende April informierte Göring Lützow und Mölders unter dem Siegel tiefster Verschwiegenheit, dass bald das Unternehmen Barbarossa beginnen werde. Trotzdem werden zuvor noch Jagdgeschwader an den Ärmelkanal verlegt. Lützow und sein Geschwader verlegten am 8. Juni 1941 vom Pas-de-Calais nach Breslau (Fliegerhorst Breslau-Gandau) und später weiter nach Deblin im besetzten Polen. Dort operierte Lützows Geschwader als Teil des V. Fliegerkorps unter General Robert Ritter von Greim zusammen mit der Heeresgruppe Mitte; Lützow erhielt am 21. Juli 1941 das Eichenlaub zum Ritterkreuz.Braatz 2005, S. 251. Hitler überreichte es ihm Ende August 1941. Nach dem Suizid von Ernst Udet am 17. November verlieh Hermann Göring per Tagesbefehl am 1. Dezember 1941 dem JG 3 den Traditionsnamen „Udet“.Braatz 2005, S. 258. Bereits am 24. Oktober erzielte Lützow seinen 101. Luftsieg und bekam daraufhin die Schwerter zum Ritterkreuz verliehen.Er ist damit der zweite Jagdflieger in der Luftfahrtgeschichte (nach Werner Mölders), der mehr als 100 gegnerische Flugzeuge abschoss. Er wurde, wie damals üblich, noch am gleichen Tag unter 'Denkmalschutz' gestellt, d. h. er hatte Feindflugverbot. Die Luftwaffe wollte es nicht riskieren, so erfahrene (und prominente) Piloten zu verlieren (Quelle: Braatz 2005, S. 257). mini|Adolf Galland und Günther Lützow in Italien, 1943

Lützow, mittlerweile Oberstleutnant, wurde im Juni 1942 von einer kleinen Einsatzgruppe des Sicherheitsdiensts der SS gefragt, ob er für einen Nachmittag Personal abstellen könnte, um bei Erschießungen von Politkommissaren, Juden und anderen mitzuwirken. Lützow lehnte dies ab, ließ das gesamte Geschwader im großen Dienstanzug antreten, berichtete ihnen von dem Ansinnen der Einsatzgruppe und sprach ausdrücklich von verbrecherischen Handlungen. Er schwor seinem Geschwader, die Luftwaffe zu verlassen, wenn auch nur einer von ihnen freiwillig an Erschießungen mitwirken würde.Braatz 2005, S. 266. Um ihn daraufhin vor einem möglichen Kriegsgerichtsverfahren zu schützen, wurde Lützow von dem befreundeten General der Jagdflieger, Adolf Galland, in seinen Stab beordert.Adam Makos: Eine höhere Pflicht, S. 110 Er übergab am 11. August 1942 das Jagdgeschwader 3 an Wolf-Dietrich Wilcke.

Am 12. Juni 1943 wurde Lützow zum Oberst befördert und vom 13. Juni 1943 bis 10. August 1943 führte er als Jagdabschnittsführer Italien die Verbände der Luftwaffe auf Sizilien gegen die steigende Zahl der Angriffe von Bombern der USAAF. Am 10. Juli 1943 begannen westalliierte Truppen die Invasion Siziliens. Ab dem 20. November 1943 war Lützow Divisionskommandeur der 1. Jagddivision unter dem Kommando von Generalmajor Josef Schmid. Wegen Differenzen mit SchmidBraatz 2005, S. 308f., 316 ff. wurde er am 16. März 1944 seines Kommandos enthoben (Nachfolger: Hajo Herrmann) und erhielt erst am 1. August ein neues Truppenkommando; er wurde Kommandeur der 4. Fliegerschuldivision.

Offene Aussprache mit Göring („Meuterei der Jagdflieger“) und Verschwinden im Kampfeinsatz