Der Cadillac Series 75 war ein großes Pkw-Modell der zum US-amerikanischen General Motors gehörenden Luxus-Automarke Cadillac, das von 1936 bis 1976 angeboten wurde. In einigen Jahren verwendete Cadillac auch die Verkaufsbezeichnung Fleetwood. Die Autos der Series 75 stellten die Spitzenmodelle der Marke dar und waren als Repräsentationsfahrzeuge und Staatskarossen gedacht.
Vorkriegsmodelle
Im Oktober 1935 wurde das Cadillac-Modellprogramm neu geordnet und umfasste die Ausführungen Series 60 (Radstand 307 cm, 5,3-Liter-V8) als Einstiegsmodell, Series 70 und Series 75 (Radstand 333 cm (70) bzw. 350,5 cm (75), 5,7-Liter-V8, Gabelwinkel 90°), Series 80 und Series 85 (Radstand wie 70/75, aber 6,0-Liter-V12) und Series 90 als Spitzenmodell mit 7,4-Liter-V16 und einem Radstand von 391 cm.
Die Series 75 stellte also die Mitte des Modellprogramms dar und besaß neben einem im Vergleich zu den preiswerteren Modellen längerem Radstand auch den damals brandneuen Cadillac-Grauguss-V8 mit stehenden Ventilen; angeboten wurden mehrere verschiedene Limousinenmodelle mit fünf bis sieben Sitzplätzen und ein viertüriges Cabriolet, 1938 bis 1940 auch ein Coupé und ein zweitüriges Cabriolet; die Karosserien stammten von den Fisher- oder den Fleetwood-Werken. 1938/39 belief sich der Radstand der Series 75 auf 358 cm, 1940–1942 wurde er auf 345 cm reduziert. Der ursprünglich 135 PS starke V8 leistete ab 1938 140 und ab 1941 150 PS. Die Preise betrugen im Jahr 1940 2995 bis 5115 Dollar, während der preiswerteste Cadillac der Series 61 für 1695 Dollar zu haben war.
Anfang 1942 stellte Cadillac, wie die gesamte US-Autobranche, die zivile Produktion zugunsten der Herstellung von Rüstungsgütern ein.
Im Vergleich zu den Volumenmodellen Series 60 und Series 61 kam der 75 auf geringere Stückzahlen; 1935 bis 1942 wurden (inklusive Series 70) 18.047 Exemplare hergestellt.
+ Daten Cadillac Series 75 (1936–1942) Modelljahr Hubraum (cm³) Leistung (PS) Radstand (mm) Preis (US-$) Stückzahl 1936 5671 135 3505 2645–4445 5248 1937 2645–4545 4232 1938 140 3581 3075–5115 1911 1939 3100–5245 2069 1940 2995–5115 956 1941 150 3454 2995–4045 2104 1942 3152–4484 1527 Im Zeitraum von 1942 bis 1946 gab es aufgrund des Zweiten Weltkrieges nur eine eingeschränkte zivile Fahrzeugproduktion.
Nachkriegsmodelle bis 1976 Mit der Wiederaufnahme der Autoproduktion im Jahr 1946 vereinfachte Cadillac sein umfangreiches Modellangebot deutlich. Nachdem die Zwölf- und Sechzehnzylindermodelle bereits vor dem Krieg aus dem Programm gestrichen worden waren, war die Series 75 von nun an die Spitzenreihes, die über der Series 61, Series 62 und 60 Special rangierte, über einen längeren Radstand verfügte und nunmehr wieder ausschließlich als viertürige Limousinen mit sieben bis Sitzplätzen mit Fleetwood-Karosserien lieferbar waren. Offiziell zählten auch die Commercial Chassis-Versionen mit ihrem meist noch längeren Radstand zur Series 75.
Die Series 75 machte zwar zumeist die stilistischen Änderungen der Ausgangsmodelle mit, hinkten technisch in manchen Jahren aber hinterher. So erhielt der 75 im Modelljahr 1965 weder den neuen Kastenrahmen noch die verbesserte Automatik der übrigen Modelle. Im Allgemeinen stand der 75 aber auf der technischen Höhe der anderen Cadillac-Wagen, besaß aber neben seinem längeren Radstand stets ein höheres Dach, das für mehr Kopfraum sorgte. Das Modellangebot schrumpfte bald (ab Modelljahr 1952) auf zwei je nach Ausführung sieben- bis neunsitzige Modelle mit bzw. ohne Trennscheibe (sowie das Commercial Chassis) zusammen.
Auf dem heimischen Markt konkurrierten die Series-75-Limousinen vor allem mit der Crown Imperial Limousine des Chrysler-Konzerns, die von 1955 bis 1970 ebenfalls werksseitig über die Marke Imperial angeboten wurde. Sie waren allerdings weit weniger erfolgreich als die Cadillacs. Lincoln ließ serienmäßige Limousinen bei selbständigen Karosseriebauunternehmen verlängern, unter anderem bei Lehman-Peterson.
1946 bis 1949
Im Oktober 1945 nahm Cadillac die Automobilproduktion wieder auf. Die neu hergestellten Autos wurden dem Modelljahr 1946 zugerechnet. Auch die Series 75 erschien wieder im Programm. Technisch und stilistisch war die erste Nachkriegsgeneration der Series 75 weitestgehend mit den Modellen des Jahrgangs 1942 identisch. Die Series-75-Reihe gab es mit verschiedenen geschlossenen Aufbauten mit fünf, sieben oder neun Sitzplätzen.
Diese Series-75-Generation blieb bis 1949 im Programm. Den Wechsel zu modern gestalteten Pontonkarosserien, den Cadillac bei den Standardmodellen der Reihen 60, 61 und 62 zum Modelljahr 1948 vollzog, machte die große Series-75-Limousine zunächst nicht mit. Die alte Baureihe mit ihrer auf die Vorkriegszeit zurückgehenden Karosserie blieb noch zwei Jahre lang neben den neuen kurzen Cadillacs im Programm. Allerdings erhielt die Series 75 zum Modelljahr 1949 einen neu konstruierten Achtzylinder-V-Motor mit OHV-Ventilsteuerung und einem Hubraum von 5424 cm³ und einer Höchstleistung von 160 SAE-PS, die auch in allen anderen Cadillacs in diesem Jahr zum Einsatz kam.
Die Modelle der Series 75 waren hochpreisige Autos. Mit Listenpreisen von mehr als 4100 US-$ (1946) waren sie fast doppelt so teuer wie die kleineren Standard-Cadillacs.
1950 bis 1953
Zum Modelljahr 1950 führte Cadillac die neue Series-75-Generation ein, die stilistisch auf die bereits 1948 eingeführten Pontonkarosserie der kleineren Modelle basierte. Mit der neuen Generation wurde der Radstand auf 3729 mm gestreckt. Der Series 75 war nur noch als acht- oder neunsitzige Stufenhecklimousine mit vier Türen erhältlich. Die hinteren Türen sind unmittelbar an der B-Säule angeschlagen und enden vor den hinteren Kotflügeln. Dieses Designkonzept setzte Cadillac bei allen weiteren Generationen der Series 75 fort.
Technisch entsprach das Auto den übrigen Cadillac-Modellen. 1952 wurde die Leistung des 5,4-Liter-Motors durch Verwendung eines Doppel-Registervergasers auf 190 SAE-PS erhöht, 1953 auf 210 SAE-PS.
1954 bis 1956
Die von 1954 bis 1956 gebaute dritte Nachkriegsgeneration der Series 75 war technisch und äußerlich eine verlängerte Version der regulären viertürigen Cadillac-Limousinen. Gegenüber der vorherigen 75-Generation wurde der Radstand deutlich verlängert; er beträgt nun 3804 mm. Stilistisch entsprach der Series 75 den kleineren Modellen vollständig. Wie sie, erhielt auch er eine vordere Panoramascheibe. Designdetails wie die Verkleidung der Kühlluftöffnung wurden jährlich überarbeitet. In den ersten beiden Modelljahren wurden die großen Limousinen von dem 5,4 Liter großen Achtzylinder-V-Motor angetrieben, der 230 SAE-PS (1954) bzw. 270 SAE-PS (1955) leistete. Im Modelljahr 1956 erhielt die Series-75-Limousine ebenso wie die kleineren Cadillacs eine auf 6,0 Liter vergrößerte Version des V8-Motors, die 285 SAE-PS leistete.
1957 bis 1958
1959 bis 1960
1961 bis 1965
1966 bis 1969
1971 bis 1976
Übersicht
+ Stückzahlen Cadillac Series 75 (1946–1976) Modelljahr Limousine ohne Trennscheibe Limousine mit Trennscheibe Commercial Chassis (Fahrgestell) Preis ab US-$ 1946 613 1292 4153 1947 2410 2623 4195 1948 1260 2 4195 1949 1501 1862 4650 1950 1460 2052 4770 1951 2205 2960 5200 1952 1400 800 1694 5361 1953 1435 765 2005 5604 1954 889 611 1635 5875 1955 1075 841 1975 6187 1956 1095 955 2025 6558 1957 1010 890 2169 7348 1958 802 730 1915 8460 1959 710 690 2102 9533 1960 718 832 2160 9533 1961 699 926 2204 9533 1962 696 904 2280 9722 1963 680 795 2527 9724 1964 617 808 2527 9746 1965 455 795 2669 9746 1966 980 1037 2463 10.312 1967 835 965 2333 10.360 1968 805 995 2413 10.629 1969 880 1156 2550 10.841 1970 876 1240 2506 11.039 1971 752 848 2014 11.869 1972 995 960 2462 11.948 1973 1017 1043 2212 11.948 1974 895 1005 2265 13.120 1975 876 795 1328 14.218 1976 981 834 1509 14.889
Spätere Cadillac-Limousinen Fleetwood Limousine
mini|Cadillac Fleetwood Limousine (1977) Mit der Verkleinerung der neuen Cadillac-Modelle des Jahrgangs 1977 schrumpfte auch die Limousine auf einen Radstand von 367 und eine Länge von 620 cm (von zuletzt 385 bzw. 641 cm). Sie basierte nun auf dem Fleetwood Brougham. Das Leergewicht sank von 2602 auf 2146 kg. Zugleich entfiel die Bezeichnung Series 75; die gestreckten Cadillacs hießen nun als Achtsitzer Fleetwood Limousine und als Siebensitzer mit Trennwand Fleetwood Formal Limousine. Den Antrieb übernahm in den ersten Jahren ein Siebenliter-V8, der mit Doppel-Registervergaser auf 183 kam. Ab dem Modelljahr 1980 wurde der V8 auf sechs Liter Hubraum (152, später 142 PS) verkleinert und in den Modelljahren 1982/83 mit Zylinderabschaltung versehen (sogenannter V8-6-4-Motor). Bis 1984 entstanden 13.270 Fleetwood Limousinen. Außerdem gehörten nach wie vor – mit nochmals verlängertem Radstand – die Commercial Chassis zu dieser Baureihe, d. h. teilkarossierte Fahrgestelle, die von unabhängigen Herstellern zu Kranken- oder Bestattungsautos umgebaut wurden.
Fleetwood 75 mini|Cadillac Fleetwood 75 (1985–1986)
Ab Modelljahr 1985 basierten die Fleetwood Limousine-Modelle auf dem neuen Cadillac Fleetwood mit Frontantrieb und wurden erneut verkleinert. Der Radstand betrug nun 341 cm, die Länge 555 cm und das Leergewicht 1605 kg. Dem Antrieb diente ein quer eingebauter 4,1-Liter-V8 eigener Konstruktion mit elektronischer Einspritzung und einer Leistung von 127 PS. Nach Ende des Modelljahrs 1987 wurden die Limousine-Modelle ersatzlos aus dem Cadillac-Angebot gestrichen.
Literatur Georg Amtmann: Cadillac. Lechner Verlag, Genf 1990, ISBN 3-85049-071-8 Albert R. Bochroch: American Cars of the Seventies. Warne’s Transport Library, London 1982, ISBN 0-7232-2870-1. James M. Flammang, Ron Kowalke: Standard Catalog of American Cars 1976-1999, Krause Publishing, Iola (1999), ISBN 0-87341-755-0. Richard M. Langworth: Encyclopedia of American Cars 1930–1980, New York (Beekman House) 1984, ISBN 0-517-42462-2. Mary Sieber, Ken Buttolph: Standard Catalog of Cadillac 1903–1990. Krause Publications, Iola 1991, ISBN 0-87341-174-9.
Weblinks
Series 075 Kategorie:Fahrzeug der Oberklasse Kategorie:Limousine Kategorie:Pullman-Limousine Kategorie:Coupé Kategorie:Cabriolet