Der Nationalpark Sierra de Guadarrama, auf Spanisch Parque Nacional de la Sierra de Guadarrama, schützt eine Fläche von 33.960 ha der Sierra de Guadarrama im Iberischen Scheidegebirge. Ein Anteil von 21.714 ha gehört zur Autonomen Gemeinschaft Madrid, weitere 12.246 ha liegen in Kastilien und León. Der Park ist der 15. Nationalpark Spaniens und der fünftgrößte seiner Art.

Bereits 1920 schlug die Sociedad de Alpinismo Peñalara vor, einen Nationalpark in der Sierra de Guadarrama einzurichten. Der Vorschlag hatte damals keinen Erfolg, erst Anfang der 2000er Jahre wurde er von der Autonomen Gemeinschaft Madrid (Comunidad de Madrid) wieder aufgenommen. Der Nationalpark wurde schließlich im Juni 2013 eingerichtet.

Herkunft des Namens Der Nationalpark erhält seinen Namen vom Río Guadarrama und der Gemeinde Guadarrama. Beide befinden sich im Innern der Sierra de Guadarrama. Das Wort Guadarrama kommt vom arabischen , was ‚Fluss mit Sandflächen‘ bedeutet und sich auf den Río Guadarrama bezieht. Das Wort Wād bedeutet ‚Fluss‘, der zweite Teil raml ‚Sand‘. Nach einer Volksetymologie verballhornten die Araber die zuvor existierende lateinische Bezeichnung Aquae dirrama (Wasserscheide) als guaderrama. Das Gebirge ist die Hauptwasserscheide zwischen den Einzugsgebieten des Tajo im Süden und des Duero im Norden.

Geschichte des Nationalparks mini|Laguna de los Pájaros dahinter der Risco de los Claveles

Aufgrund der Nähe zu Madrid war die Sierra de Guadarrama der Ort, an dem in Spanien das Interesse an der Natur erwachte. Die Institución Libre de Enseñanza, eine private hochschulähnliche Einrichtung, die die Ideen des Krausismo propagierte, hatte zu Beginn des 20. Jahrhunderts in dieser Hinsicht besonderen Einfluss. Sie regte zahlreiche Gesellschaften, Gruppen und Zeitschriften an, die die Natur und insbesondere das Gebirge priesen. Auf dem Höhepunkt dieser Naturbegeisterung begann die Diskussion um die Einrichtung eines Nationalparks Guadarrama. Das Projekt wurde wegen der politischen Umwälzungen der Zweiten Spanischen Republik aufgegeben und während der Zeit des Franquismo nicht wieder aufgenommen. Zu Beginn der ersten Dekade des 21. Jahrhunderts belebte die Regierung der Comunidad de Madrid unter Präsident Alberto Ruiz-Gallardón und mit Pedro Calvo als Umweltminister das alte Projekt neu. Danach waren die Verwaltungen der Autonomen Gemeinschaften Madrid und Kastilien und León damit befasst, Grenzen und Ausgestaltung des neuen Nationalparks festzulegen. Am 8. Februar 2006 stellte die Präsidentin der Comunidad de Madrid, Esperanza Aguirre, im Naturpark Peñalara den Stand des Projekts vor.El Mundo: Aguirre presenta el proyecto del futuro Parque Nacional de la Sierra de Guadarrama, 8. Februar 2006.

Am 7. November 2006 nahm die Asamblea de Madrid, das Parlament der Autonomen Gemeinschaft Madrid, mit den Stimmen der Volkspartei und gegen den Widerstand der Sozialistischen Arbeiterpartei und der Vereinigten Linken den mit PORN abgekürzten Plan zur Ordnung der Natürlichen Ressourcen in der Sierra de Guadarrama an (Plan de Ordenación de los Recursos Naturales de la Sierra de Guadarrama). Die Gegenstimmen wurden damit begründet, dass durch den Plan der bestehende Schutz des Gebiets als Naturpark nicht verbessert, sondern verringert würde. Beispielsweise könnten in Zukunft Dehesas und Weiden zu Bauland erklärt und weitere Skigebiete eingerichtet werden. Der Text sollte von der Zentralregierung abschließend bearbeitet werden.El País: El plan del parque de Guadarrama se aprueba sólo con los votos del PP, 8. November 2006.Ecologistas en Acción: Amenazas urbanísticas para el futuro Parque Nacional de Guadarrama, Pressemitteilung vom 21. Oktober 2004.

Die Einrichtung des Nationalparks Sierra de Guadarrama wurde am 13. Juni 2013 im Congreso de los Diputados mit den Stimmen der Volkspartei beschlossen, während sich die Oppositionsparteien enthielten oder dagegenstimmten.elmundo.es: La Sierra de Guadarrama se proclama como nuevo Parque Nacional, 13. Juni 2013.Europarc España: . Das Gesetz wurde am 26. Juni 2013 im Boletín Oficial del Estado veröffentlicht und trat am Folgetag in Kraft.ABC.es: La Sierra de Guadarrama será legalmente Parque Nacional a partir de mañana, 26. Juni 2013.

Verwaltung des Parks Das Gesetz 41/1997, mit dem 1997 das Gesetz 4/1989 teilweise geändert wurde, regelt die Verteilung der Aufgaben und Verantwortlichkeiten für die spanischen Nationalparks. Auf den Nationalpark Guadarrama ist dieses Gesetz ohne nennenswerte Anpassungen anzuwenden. Die Autonome Körperschaft der Nationalparks (Organismo Autónomo Parques Nacionales), die dem Umweltministerium untersteht, wird damit betraut werden, die wirtschaftlichen und funktionellen Angelegenheiten des Parks zu regeln. Die Autonomen Regionen Madrid und Kastilien-León stellen das Personal für den Betrieb des Schutzgebiets. Die Details des Nationalpark-Betriebs werden in den Cortes Generales diskutiert und beschlossen werden, nachdem die Regierung von Kastilien-León ihre Planungen abgeschlossen hat. Im Nationalparkgesetz von 2007 ist festgelegt, dass die Autonomen Gemeinschaften für den Betrieb und die Finanzierung der Nationalparks zuständig sind.

Geographie mini|Eigenwillig geformte Granitfelsen in La Pedriza mini|Nordwand der Cabezas de Hierro, des zweithöchsten Berges

Der gesamte Nationalpark Guadarrama liegt in der Sierra de Guadarrama, einem Teil des Iberischen Scheidegebirges. Dieses Gebirgssystem, das sich in West-Ost-Richtung über die gesamte Kastilische Hochebene erstreckt, wird auch als Cordillera Carpetana oder Carpetovetónica bezeichnet, nach den vor-römischen Völkern der Carpetaner und Vetonen. Die Sierra de Guadarrama ist etwa 80 km lang und erstreckt sich in südwestlich-nordöstlicher Richtung. Sie ist Teil der natürlichen Barriere zwischen den Hochebenen im Norden und Süden des Zentrums der Iberischen Halbinsel. Der Fuß dieser Berge liegt zwischen 900 und 1200 m über Meereshöhe, ihre höchsten Gipfel reichen 1000 m höher, der höchste Gipfel ist der Peñalara mit seinen 2428 m über Meereshöhe. Die Sierra de Guadarrama beginnt im Tal des Río Alberche, der sie von der Sierra de Gredos trennt und endet am Pass von Somosierra. Sie trennt die Einzugsgebiete des Tajo und Duero voneinander, gleichzeitig kommen wichtige Zuflüsse dieser Ströme aus den Bergen. In den Tajo fließen Jarama, Guadarrama und Manzanares, in den Duero Duratón, Cega und Eresma. Der Nationalpark Guadarrama wird im Südwesten vom Guadarrama-Pass und im Norden von dem Berg El Nevero begrenzt. Die „Vorpark-“ und Regionalpark-Zonen reichen bis zum Monte Abantos ganz im Süden und dem Somosierra-Pass im Norden.

Neben der Haupterstreckung erstreckt sich ein Teil dieses Gebirges in West-Ost-Richtung, bekannt als Cuerda Larga (Langes Seil). Sie gehört zur Comunidad de Madrid, beginnt am Pass von Navacerrada und ist 16 km lang. Sie bildet eine langgezogene Bergkette, die bis zum Pass von Morcuera über 2000 m liegt. Von dort an senkt sie sich bis zum Massiv von Patones oberhalb des Zusammenflusses von Río Lozoya und Río Jarama. Die höchsten Gipfel der Cuerda Larga sind die Cabezas de Hierro mit 2.383 Metern. Der nördliche Teil des Haupt-Gebirgszugs zwischen Peñalara und dem Pass von Somosierra wird Montes Carpetanos genannt.

Zwischen Cuerda Larga und dem Hauptzug der Sierra de Guadarrama erstreckt sich das Tal des Lozoya. Es ist eines der schönsten Bergtäler des Kastilischen Scheidegebirges und zieht im Sommer wie auch während der Wintersportsaison Touristen an. Von dem Hauptzug zweigt eine weitere Bergkette ab, die La Mujer Muerta (Tote Frau) genannt wird. Sie beginnt am Río Peces, verläuft in West-Ost-Richtung und liegt vollständig in der Provinz Segovia. An sie schließt sich die Sierra del Quintanar an. Die Mujer Muerta ist 11 km lang, mehrere Gipfel der Kette sind über 2.000 m hoch, darunter der Montón de Trigo.

Außer dem Hauptgebirgszug, der Cuerda Larga und der Mujer Muerta gibt es eine Reihe kleiner Berge und Hügel am Rand des Gebirges. Auf der Seite Segovias folgen von Norden aus gesehen der Cerro de las Cardosillas (1.635 m), der Cerro de Matabueyes (1.485 m), Cerro del Caloco (1.565 m) und die Sierra de Ojos Albos (1.662 m). Auf Madrider Seite folgen von Nord nach Süd Cerro de San Pedro (1.423 m), Sierra del Hoyo (1.404 m), Cerro Cañal (1.331 m) und Las Machotas (1.466 m).

Gipfel mini|Winterliche Ansicht des Peñalara, des höchsten Bergs im Nationalpark mini|La Maliciosa, ein weiterer bedeutender Gipfel Der Nationalpark Guadarrama liegt in einem Gebirge, in dem die Gipfel meist nicht schroff aufragen, sondern eine abgerundete Form haben. Die wichtigsten und eindrucksvollsten Gipfel des Parks sind:

Peñalara (2428 m), höchster Punkt des Nationalparks Guadarrama Risco de los Claveles (2387 m) Cabezas de Hierro (2383 m), höchster Gipfel in der Cuerda Larga Risco de los Pájaros (2334 m) Dos Hermanas (2285 m) Cerro de Valdemartín (2280 m) Bola del Mundo oder Alto de las Guarramillas (2265 m) La Maliciosa (2227 m) El Nevero (2209 m), an der Nordgrenze des Parks Montón de Trigo (2161 m), Teil der La Mujer Muerta Siete Picos (2138 m) La Najarra (2.108) La Peñota (1.945 m) Perdiguera (1862 m), gehört zur Sierra de la Morcuera Monte Abantos (1753 m), südlichster Berg des den Nationalpark umgebenden Regionalparks El Yelmo (1717 m), bedeutendster Gipfel in La Pedriza Cabeza Reina (1470 m)

Umliegende Gemeinden mini|Palacio Real (La Granja), Provinz Segovia Der Nationalpark ist von bevölkerungsreichen Gemeinden umgeben. Insbesondere in der Comunidad de Madrid wuchsen viele Ortschaften stark, was sich durch die Einrichtung des Parks möglicherweise ändern wird. In der Provinz Segovia liegt San Ildefonso an der nordwestlichen Seite des Peñalara-Massivs dem Park am nächsten. Der Ort ist wegen des Palacio Real de La Granja bekannt, einer ehemaligen Sommerresidenz der königlichen Familie.

In der Comunidad de Madrid ist die Gemeinde Guadarrama mit 13.032 Einwohnern der größte Ort in der Umgebung des Parks. Sie ist ein lebhaftes Touristenziel südlich von La Peñota und nahe dem Guadarrama-Pass. Nordöstlich liegt das kleinere Cercedilla, am Fuß der Siete Picos und des Valle de la Fuenfría. Von dort führt die Bahnstrecke Cercedilla–Cotos zu den Pässen Navacerrada und Cotos. Am Fuß der Südwand des La Maliciosa, im Valle de la Barranca liegt Navacerrada mit seinen zahlreichen Hotels. Weiter im Osten, am Südrand der La Pedriza liegt Manzanares el Real, ein mittelalterliches Dorf, das wegen seiner Burg berühmt ist. In dieser Gemeinde gibt es ebenfalls verschiedene Unterkunftsmöglichkeiten. Unter den an den Park grenzenden Orten sind Miraflores de la Sierra und Rascafría wegen ihrer schönen Lage hervorzuheben.

Nutzung mini|Grasende Pferde im valle de Valsaín (Provinz Segovia), im Hintergrund die Nordflanke der Siete Picos mini|Skigebiet Valdesquí, an der Nordseite der Bola del Mundo

Im Gebirge wird nur wenig Ackerbau betrieben. Wichtiger sind die Forstwirtschaft (einschließlich der forstwirtschaftlichen Versuchsstation am Monte Abantos), und die Viehzucht, die Fleisch und Kampfstiere liefert. Um die Produkte der dort betriebenen nachhaltigen Viehwirtschaft besser zu vermarkten, wurde die Herkunftsbezeichnung „Carne de la Sierra de Guadarrama“ geschaffen. Sie garantiert neben der Herkunft, dass das Fleisch von bestimmten Rinderrassen (Avileña-Negra ibérica, Charolais und Limousin) stammt, die extensiv gehalten und hauptsächlich mit dem Gras von Naturweiden gefüttert wurden.sierraguadarrama.info: .

Da die Dörfer am Rande und in der Sierra de Guadarrama früher klein und von der Hauptstadt aus schwer zu erreichen waren, ist nur wenig Industrie vorhanden. Nur in den größeren Orten, wie Guadarrama, El Escorial, Collado Villalba und Segovia gibt es nennenswerte industrielle Aktivitäten.