Hrušovany nad Jevišovkou (deutsch Grusbach, selten an der Jaispitz) ist eine Stadt im südtschechischen Mähren. Sie liegt unmittelbar nördlich der Grenze nach Niederösterreich, 26 km östlich von Znojmo (Znaim) und gehört zum Bezirk Znaim.

Name Der deutsche Name „Grusbach“ geht auf den tschechischen zurück. Der Namensbestandteil „hrus“, abgeleitet aus dem Altslawischen „rusu-rusy“ für rötlichbraun, wurde wohl von einem Patronym abgeleitet. 1131 erscheint die Namensform Grusonaz, 1159 Grusonan, 1206 Gruszonane, 1339 und 1350 Gruspan, 1349 Grospan, 1353 Hrussowan, 1365 Ruspach, 1378 Kruschpan, 1381 Russowan, 1391 Gruspan.Emma Brandl: Mein Heimatort Grusbach, Würzburg 1952, S. 7. Hrušovany nad Jevišovkou befindet sich linksseitig der Jevišovka (Jaispitz) in der südmährischen Thaya-Schwarza-Talsenke, daher der Namensteil „nad Jevišovkou“, der die Lage oberhalb des Flusses bezeichnet.

Geographie mini|Die Jevišovka (Jaispitz) östlich von Hrušovany (Grusbach) Hrušovany nad Jevišovkou befindet sich linksseitig der Jevišovka (Jaispitz) in der südmährischen Thaya-Schwarza-Talsenke. Nordöstlich erhebt sich der 213 m hohe Hügel Bruska, der ehemalige Schleifenberg oder Galgenberg. Der höchste Punkt liegt beim Haidhof (218 m), der tiefste an der Ostgrenze, an der Thaya (176 m). Am Rathaus wurden 192 m gemessen.Emma Brandl: Mein Heimatort Grusbach, Würzburg 1952, S. 5. Das Gemeindegebiet umfasste 2.335,94 ha und hatte „die Gestalt eines unregelmäßigen Vierecks, in dessen Mitte der Markt“ lag.Emma Brandl: Mein Heimatort Grusbach, Würzburg 1952, S. 5.

Westlich der Stadt verläuft die Eisenbahnstrecke von Brno (Brünn) nach Hevlín (Höflein an der Thaya), südlich die zwischen Znojmo (Znaim) und Břeclav (Lundenburg). Zweieinhalb Kilometer südwestlich von Hrušovany, an der Kreuzung beider Bahnen, liegt der Bahnhof Hrušovany nad Jevišovkou. Der Ort war ursprünglich als ein Platzdorf angelegt.

Nachbarorte sind Litobratřice (Leipertitz) im Norden, Drnholec (Dürnholz) im Nordosten, Novosedly (Neusiedl am Sand) und Jevišovka (Fröllersdorf) im Osten, das bereits österreichische Wildendürnbach und Travní Dvůr im Südosten (mit gleichnamigem Naturreservat), Hrabětice (Grafendorf) und Šanov (Schönau) im Süden, Nový Dvůr (Neuhof) im Südwesten, die in den 1950er Jahren errichteten Ortschaften Velký Karlov und Kolonie u Dvora im Westen sowie Pravice (Probitz) im Nordwesten.

Geschichte

Jungsteinzeit bis Bronzezeit Durch archäologische Funde, insbesondere von Feuersteinwerkzeugen und Gefäßscherben, kann eine Besiedlung des Stadtgebietes seit der Jungsteinzeit belegt werden, also durch frühe Bauern. Zudem ließ sich eine ausgedehnte Siedlung auf dem Gemeindegebiet nachweisen.Archäologisches Institut der tschechoslowakischen Akademie der Wissenschaften (Hrsg.): Přehled výzkumů 1988, Brünn 1991, S. 76–78. Beim Ort erwiesen Luftaufnahmen eine Kreisgrabenanlage, einen dreifachen Graben, am Rand der alten Terrasse des Flusses Jevišovka.Ivan Čižmář, Alena Knechtová: Vývoj letecké archeologie na Moravě a v českém Slezsku. Shrnutí a perspektivy, Studia archaeologica Brunensia 26 (2021) 29–56, hier: S. 38 (online, PDF).

Auch die frühbronzezeitliche Aunjetitzer Kultur ist in der Gemeinde archäologisch repräsentiert.Jaromir Kovárník: Eine dreigliedrige Grabenumzäunung der Uněticer (Aunjetitzer) Kultur bei Hrušovany nad Jevišovkou, Bezirk Znojmo (Tschechische Republik), in: Terra Praehistorica. Festschrift für Klaus-Dieter Jäger zum 70. Geburtstag, Beiträge Ur- und Frühgeschichtte Mitteleuropa 48 (2007) 294–320. Erwähnenswert ist auch der 1925 gemachte Fund eines bronzezeitlichen Grabes im Gelände der Ziegelei. Bereits 1890 wurde von Funden aus einem Skelettgrab der Bronzezeit berichtet, die Graf Ed. Khuen-Belasi dem Naturhistorischen Museum Wien geschenkt hatte.Annalen des K.K. Naturhistorischen Hofmuseums 6 (1891), S. 35.

Hochmittelalter: Ersterwähnung (1131), Besitz der Johanniter (ab 1159), Luxemburger Die bis 1945 gesprochene „ui“-Mundart (bairisch-österreichisch) mit ihren speziellen bairischen Kennwörtern weist auf eine spätere Besiedlung durch entsprechende Stämme hin, wie sie nach 1050, aber vor allem im 12/13. Jahrhundert erfolgte.Leopold Kleindienst: Die Siedlungsformen, bäuerliche Bau- und Sachkultur Südmährens, 1989, S. 9.

Die erste urkundliche Erwähnung des Ortes erfolgte 1131, als die Kirche in Znaim drei Hufen Land in Grusovaz besaß. 1159 stiftete der König von Böhmen Vladislav II. einen Teil des Dorfes dem Johanniterorden in Prag,Gregor Wolny: Kirchliche Topographie von Maehren Teil 2, Band 2, S. 143. Nach Emma Brandl: Mein Heimatort Grusbach, Würzburg 1952, S. 11 war es so, dass 1159 ein „Dominus Konrad einen Teil von Grusbach einem gewissen Martin schenkte. Die Dotationsurkunde ist von Wladislw (Premyslide Wladislaw) unterfertigt.“ der später das gesamte Dorf kaufte. Nach dem österreichischen Einfall in Mähren besiegte Johann von Lichtenburg 1331 bei Grusbach die Eindringlinge und eroberte das Land zugunsten Johanns von Luxemburg zurück. Seit 1339 ist eine Pfarre und ebenfalls die Feste belegt.

Papst Innozenz III. bestätigte 1206 dem Hospitaliterorden die Schenkung der Kapelle in Grusbach. 1331 überfiel Johann von Lichtenburg einige der in Mähren eingefallenen Österreicher und zwang sie dadurch, das Land zu räumen, das den Luxemburgern zufiel. 1350 verschrieb Johann von Grusbach seiner Frau Margarete 100 Mark, 1353 verkaufte Babka von Dobronic sechs Lahn an ihren Bruder Stephan zu 60 Mark, Johann von Bukomina, ebenfalls 1353, drei Lahn nebst einem Hof an Smyl von Fröllersdorf gegen 25 Mark. Bedeutsamer für den Ort wurde, dass Smyl von Lasnic 1378 die Veste Grusbach mitsamt einem Freihof einem Geblin von Kučeran überließ. 1406–1412 wurden die Herren von Hrus genannt, nämlich die Brüder Laurenz, Geblin, Stephan und Johann.Znaimer Landlehrerverein (Hrsg.): Heimatskunde des politischen Bezirkes Znaim (Deutscher Antheil.), Kaiser-Jubiläums-Gedenkblatt 1898, Teil 1: Historischer Theil, Heft 4: Frischau, Grafendorf, Grusbach, Moskowitz, Probitz und die eingeschulten Gemeinden, Znaim 1899, S. 39.

Hussiten (bis 1428), im Besitz der Weitmühl (ab 1490), Marktrechte (1495), Verkäufe In den Hussitenkriegen wurde die Veste von den Aufständischen besetzt. Erst 1428 schlug Johann Kraiger von Kraigk die Hussiten und vertrieb sie aus dem Ort. 1490 erwarben die Brüder Benedikt und Ludwig von Weitmühl die Herrschaft. Nach 1458 kam das Dorf an Georg von Einsing-Haugsdorf. Dieser verkaufte es 1490 samt Pfarre und Hof an die Brüder Benedikt und Ludwig von Weitmühle, 1496 besaß es Wladislaw von Weitmühle. Am 28. April 1495 wurden Grusbach durch Vladislav II. Marktrechte verliehen. Diese wurden 1524, 1557 und 1622 bestätigt.

Sebastian von Weitmühl verkaufte den Besitz 1524 an Johann von Pernstein gegen 1000 Dukaten und 2500 Schock Groschen. Ihm folgte sein Sohn Vratislav, welcher Grusbach 1560 an Johann den Älteren von Zierotin verkaufte, dieser weiderum kurz darauf an Berchtold von Lipa. 1570 überließ Berchtold von Lipa das Gut an Peter Čertoregsky von Čertoreg, der sie 1572 testamentarisch seinen Söhnen hinterließ. Johann behielt Grusbach für sich, verschrieb seiner Frau Marianne von Haugwic 5000 fl. mähr. Er muss jedoch bald gestorben sein, denn sein Bruder Bernhard übernahm den Gesamtbesitz, auch das Städtchen Grusbach, und überließ diesen Besitz dem Znaimer „Rathsverwandten“ Melchior von Hernsperg gegen 21.000 fl. mähr.Znaimer Landlehrerverein (Hrsg.): Heimatskunde des politischen Bezirkes Znaim (Deutscher Antheil.), Kaiser-Jubiläums-Gedenkblatt 1898, Teil 1: Historischer Theil, Heft 4: Frischau, Grafendorf, Grusbach, Moskowitz, Probitz und die eingeschulten Gemeinden, Znaim 1899, S. 39 f.

Nach dessen Tod verkaufte die Stadt Znaim das Gut zugunsten seiner Witwe und ihrer Kinder an den älteren Jakob Wogsky von Boyduncovic auf Wessely und Kolicje um 26.000 fl. mähr.

Lutheraner, gewaltsame Rekatholisierung (1623), Breuner (ab 1623), Althann (ab 1668), Schloss (1669), Grusbachsche Linie 1588 erwarb der Lutheraner Melchior von Hernsberg das Gut. Erster Pfarrer war 1588 Jakob Walter, 1595 Balthasar Hulner, 1612 Johann Sculteti, 1614 Valentin Papenser, 1615 Johann Gärtner, 1617 schließlich Peter Sculteti.Gregor Wolny: Kirchliche Topographie von Mähren, meist nach Urkunden und Handschriften, 2. Abt., 2. Bd., Brünn 1858, S. 144; Emma Brandl: Mein Heimatort Grusbach, Würzburg 1952, S. 19. Dort, auf Seite 16 f., auch die Pfarrer seit 1674. mini|Schloss Grusbach, um 1900 mini|Schloss Grusbach im Jahr 2014 In der Zeit der Reformation wurde der Ort lutherisch. Erst nach dem Sieg der kaiserlichen Truppen im Jahr 1620 in der Schlacht am Weißen Berg und der einsetzenden Gegenreformation wurde Grusbach wieder katholisch.Gregor Wolny: Kirchliche Topographie von Maehren, Teil 2, Band 2, S. 144 Zwar existierte im Ort eine Gasse namens Judenbreite, doch ist unklar, wann die damit wohl gemeinten Bewohner dort lebten.Emma Brandl: Mein Heimatort Grusbach, Würzburg 1952, S. 10. Gregor Wolny gibt in seiner 1858 erschienenen Kirchlichen Topographie von Mähren an, im Ort hätten vier Juden gelebt.Gregor Wolny: Kirchliche Topographie von Mähren, meist nach Urkunden und Handschriften, 2. Abt., 2. Bd., Brünn 1858, S. 142.

Die Gegenreformation wurde mit Hilfe von Jesuiten aus Znaim durchgesetzt, erst ab 1674 gab es wieder eigene Pfarrer. Dies geschah bald jedoch unter Anwendung massiver landesherrlicher Gewalt. Am 12. Juli 1619, im zweiten Jahr des Dreißigjährigen Krieges, wurde der Ort von kaiserlichen Truppen Graf Heinrich von Dampierres geplündert und gebrandschatzt. Die Bevölkerung wurde drangsaliert, die Felder in Brand gesetzt und sogar die Toten ausgegraben und enthauptet.

Da der letzte Besitzer auf der antikaiserlichen Seite stand, zog der Kaiser Grusbach ein und überließ seinem geheimen Rat Seyfried Christoph von Breuner am 28. April 1623 die Herrschaft Grusbach um 60.000 fl. mähr. Ab 1668 wurde Michael Adolf Graf von Althann Besitzer des Ortes (im Familienbesitz bis 1840). Dieser überließ es seiner Ehefrau Susanna, geborene Gräfin von Thurn. Susanna von Thurn verkaufte den gesamten Besitz 1655 an Seifried Franz und dieser dem Seifried Leonard von Breuner († 1668). Erben des Gutes Grusbach wurden seine Söhne Ernst Friedrich, Philipp Christoph und Franz Anton. All dies, also Schloss und Markt Grusbach, die Dörfer Höflein, Rostic, Grafendorf und Ödungen, verkauften sie für 68.000 fl. rhn. an Michael Graf von Althan (2. März 1668).

Dieser wurde der Begründer einer eigenen Linie seines Hauses, der Grusbachschen. Sitz der Herrschaft war das dreiflügelige Schloss Grusbach aus dem Jahr 1669. Der Begründer der Herrschaftslinie starb 1693. Zwei seiner drei Söhne, die er in seinem Testament versorgt hatte, nämlich Michael Ferdinand und Michael Adolf, verkauften ihre Anteile an den Bruder Michael Ehrenreich. Dieser erwarb somit am 15. Dezember 1696 um 61.000 fl. rhn. und 100 Dukaten Schlüsselgeld, bzw. am 3. Januar 1698 um 35.000 fl. rhn., das Gesamterbe. Als Michael Ehrenreich 1714 starb, hinterließ er seinen unmündigen Söhnen seinen Besitz. Am 30. Dezember 1724 einigten sich die beiden, inzwischen volljährig, darauf, dass der ältere Sohn Michael Anton den jüngeren Sohn Michael Hermann mittels 90.000 fl. auszahlte.

Kirchenbücheer (ab 1676), Schule (vor 1678), Übergang an andere Linie Althan (1784), Stadtbrände Organisatorisch entwickelte sich Grusbach in dieser Zeit nur langsam, lokale Aufzeichnungen gestatten nun Einblicke in die soziale Entwicklung Grusbachs. Die Matriken wurden ab 1670 geführt. Dabei handelt es sich um Kirchenbücher. Der Pfarrer unterstand dem Patronat des jeweiligen Besitzers der Herrschaft Grusbach, die Pfarrei gehörte zum Dekanat Erdberg, dieses zum Bistum Brünn. Die Pfarrkirche stand dementsprechend nordöstlich im Ort, nahe am Schloss.