Wissenschaftskommunikation umfasst alle Aspekte der Kommunikation wissenschaftlicher Arbeit und wissenschaftlicher Ergebnisse, sowohl innerhalb der Wissenschaft als auch bei der Kommunikation zwischen Wissenschaft und Öffentlichkeit. Im Tätigkeitsfeld der Öffentlichkeitsarbeit wird Wissenschaftskommunikation zum Teil eingeschränkt als Synonym zu Wissenschafts-PR verwendet. Die Akteure der Wissenschaftskommunikation sind die Wissenschaftler selbst, die wissenschaftlichen Institutionen und ihre Mitarbeiter im Bereich Öffentlichkeitsarbeit, die Wissenschaftsjournalisten sowie spezielle Institutionen wie etwa Science Centers, Planetarien oder Wissenschaftsmuseen.
Wissenschaftskommunikation nutzt klassische Medien in Text, Bild und Bewegtbild sowie Online-Medien. Ein Teil der Kommunikation findet im Bildungsbereich statt. Dies geschieht zum einen als Aspekt der Lehre etwa in Schulen oder an Hochschulen, zum anderen im Rahmen besonderer Formate wie Schülerwettbewerbe, Kinderuniversitäten oder im Tätigkeitsfeld von Schülerlaboren.
Begriffsklärung und Teilgebiete mini|Akteure der Wissenschaftskommunikation nach KönnekerDer Begriff Wissenschaftskommunikation wird in der Literatur in unterschiedlicher Weise verwendet. In der neueren Wissenschaftskommunikationsforschung umfasst der Begriff alle Arten der Kommunikation von wissenschaftlichen Inhalten und wissenschaftlicher Arbeit, inklusive Wissenschaftsjournalismus und Wissenschafts-PR sowie der direkten Kommunikation von Forschenden untereinander und mit der Öffentlichkeit.M. S. Schäfer, S. Kristiansen, H. Bonfadelli (Hrsg.): Wissenschaftskommunikation im Wandel. Herbert von Halem, Köln 2015, S. 13.
Einige Autoren im Bereich Public Relations fassen den Begriff enger, nämlich auf den Aspekt Public Relations eingeschränkt und als Synonym zur Wissenschafts-PR.Katja Scheidt, Christine Thieleke: Public Relations im dritten Jahrtausend. In: Klaus Merten (Hrsg.): Konstruktion von Kommunikation in der Mediengesellschaft. Festschrift für Joachim Westerbarkey. Wiesbaden 2009, S. 137. In dieser engeren Bedeutung ist Wissenschaftskommunikation das Management der öffentlichen Kommunikation in der Wissenschaft und als solches ein wichtiger Teil des Wissenschaftsmanagements bzw. des Wissenschaftsmarketings. Im Bereich der Angewandten Forschung sowie im Hinblick auf Technologietransfer bestehen außerdem Parallelen zur Innovationskommunikation.
Wo sich Wissenschaftskommunikation ausschließlich an Anspruchsgruppen innerhalb der wissenschaftlichen Fachöffentlichkeit richtet, wird sie als interne Wissenschaftskommunikation (englisch scholarly communication) bezeichnet. Zu diesem Bereich zählen wissenschaftliche Veröffentlichungen in Fachzeitschriften ebenso wie die direkte Kommunikation auf Konferenzen oder im direkten Austausch.Svenja Hagenhoff, Lutz Seidenfaden, Björn Ortelbach, Matthias Schumann: Neue Formen der Wissenschaftskommunikation. Eine Fallstudienuntersuchung. Göttingen 2007, S. 5f. (d-nb.info).J. Eric Davies, Helen Greenwood: Scholarly Communication Trends – Voices from the Vortex: A Summary of Specialist Opinion. In: Learned Publishing. Band 17, 2004, S. 157–167 (onlinelibrary.wiley.com).
Richtet sich Wissenschaftskommunikation an Zielgruppen außerhalb des Wissenschaftsbetriebs selbst, dann handelt es sich um externe Wissenschaftskommunikation (englisch science communication). Wissenschaftskommunikation als Teilgebiet von Public Relations heißt Wissenschafts-PR. Durch die wachsende wissenschaftliche Konkurrenz und Angewiesenheit auf Drittmittelförderung erfolgt im Rahmen der Wissenschafts-PR eine stärkere Fokussierung auf Kommunikationszielgruppen aus Politik (Politisierung) und Wirtschaft (Ökonomisierung) sowie auf Medien als Mittler (Medialisierung).Alexandra Sowka: Wissenschaftskommunikation zwischen Sozialforschung und Praxis. Eine handlungstheoretische Untersuchung am Beispielfall Rechtsextremismus. Wiesbaden 2015, S. 47.Beatrice Dernbach, Christian Kleinert, Herbert Münder (Hrsg.): Handbuch Wissenschaftskommunikation. Wiesbaden 2012.
Massenmediale Wissenschaftskommunikation in Form von Wissenschaftsjournalismus richtet sich unter Nutzung diverser Medien an die allgemeine Öffentlichkeit. Der Wissenstransfer dagegen richtet sich an Institutionen außerhalb der Wissenschaft mit dem Ziel, wissenschaftliche Erkenntnisse in die Praxis zu übertragen. Wissenschaftskommunikation als Teil von Wissensmanagement ist ein Teilbereich der Wissenskommunikation.Aufschlüsselung der Wissenschaftskommunikation auf diese Teilbereiche siehe Lüthje, Corinna, Silje Kristiansen, Mathis Danelzik, Birte Fähnrich, Jutta Milde, Markus Rhomberg, Mike S. Schäfer, Jens Wolling: Selbstverständnispapier der Ad-hoc-Gruppe Wissenschaftskommunikation in der Deutschen Gesellschaft für Publizistik- und Kommunikationswissenschaft – DGPuK. 2012. (uzh.ch)
Akteure, Inhalte, Kommunikationsziele Die unterschiedlichen Akteure in der Wissenschaftskommunikation haben unterschiedliche Kommunikationsziele und vermitteln vor diesem Hintergrund unterschiedliche Inhalte. Bei den Inhalten kann man drei Ebenen der Wissenschaftskommunikation unterscheiden, die jeweils zu einer anderen Ausrichtung in Analyse, Strategie und Umsetzung führen: Makroebene: Kommunikation über das Gesamtsystem wissenschaftlicher Funktionen und Leistungen für die Gesellschaft, Mesoebene: Kommunikation wissenschaftlicher Einrichtungen zu eigenen Aufgaben und Leistungen, Mikroebene: Kommunikation einzelner Wissenschaftler zu Forschungsthemen sowie Projekten (Vorhaben und Ergebnissen).Beatrice Dernbach, Christian Kleinert, Herbert Münder: Einleitung: Die drei Ebenen der Wissenschaftskommunikation. In: Beatrice Dernbach, Christian Kleinert, Herbert Münder (Hrsg.): Handbuch Wissenschaftskommunikation. Wiesbaden 2012, S. 1–17. Auf diesen drei Ebenen können sämtliche Akteure der Wissenschaftskommunikation unterschiedliche Kommunikationsziele verfolgen: Kommunikation von Wissenschaft: zielgruppenorientierte Vermittlung wissenschaftlicher Inhalte, Kommunikation für Wissenschaft: interessengeleitete Wissenschaftskommunikation, wobei das konkrete Interesse jenseits der bloßen Wissensvermittlung liegt, Kommunikation über Wissenschaft: kritische Auseinandersetzung mit wissenschaftlichen Themen unter Bezugnahme auf andere gesellschaftliche Bereiche wie etwa Wirtschaft oder Politik.Carsten Könneker: Wissenschaftskommunikation in vernetzten Öffentlichkeiten. In: H. Bonfadelli, B. Fähnrich, C. Lühtje, J. Milde, M. Schäfer, M. Rhomberg (Hrsg.): Forschungsfeld Wissenschaftskommunikation. Wiesbaden 2016, S. 453–476.
Wissenschaftsjournalisten
Wissenschaftsjournalisten berichten in unterschiedlichen Medien über wissenschaftliche Inhalte und Institutionen. Verstanden sie sich ursprünglich vor allem als Übersetzer zwischen Wissenschaft und Öffentlichkeit, mit dem Ziel, Forschungsergebnisse und wissenschaftliche Inhalte in verständlicher Form allgemein bekannt zu machen, trat ab etwa den 1980er Jahren der Wandel hin zum heutigen Selbstbild vieler Wissenschaftsjournalisten ein, der den Journalismus in den Vordergrund rückt. Danach ist der Wissenschaftsjournalist nicht Teil des Wissenschaftssystems, sondern begleitet dessen Entwicklungen kritisch aus der Außenperspektive, analog zur Kontrollfunktion der Journalisten anderer Ressorts wie Politik oder Wirtschaft. Ebenso wie Journalisten allgemein verstehen sich auch Wissenschaftsjournalisten als neutral und nicht interessengeleitet.
Wissenschaftskommunikation durch Wissenschaftsjournalisten deckt unterschiedliche Bereiche ab. Wissenschaftsjournalistische Berichterstattung orientiert sich an aktuellen Entwicklungen in den verschiedenen Forschungsbereiche und arbeitet diese beispielsweise für die Wissenschaftsseiten der Tageszeitungen oder für Wissenschafts-Magazinsendungen in Hörfunk und Fernsehen journalistisch auf. Eine weitere Form der Berichterstattung orientiert sich an gesellschaftlich akut relevanten Themen. Beispiele von aktuellen Themen, zu denen auch über Wissenschaftsthemen kommuniziert wird, sind die Nuklearkatastrophe von Fukushima, die Globale Erwärmung oder die COVID-19-Pandemie. Auch im Bereich Spaß und Unterhaltung gibt es Formate der Wissenschaftskommunikation, etwa die Fernsehshow Clever! oder, für jüngere Zuschauer, die Sendung mit der Maus. Als weiterer Bereich steht bei Ratgeberformaten etwa zu Gesundheit oder Psychologie der direkte Nutzen der wissenschaftlichen Erkenntnisse für die Rezipienten. Im Bereich des zielgruppenorientierten Wissenschaftsjournalismus wiederum wenden sich Special-Interest-Medien an Zielgruppen, die ein besonderes Interesse an der Wissenschaft im Allgemeinen oder an Teilen der Wissenschaft haben.
Institutionelle Akteure im Forschungsbetrieb Auch Institutionen des Forschungsbetriebs selbst beschäftigen Öffentlichkeitsarbeiter. Diese arbeiten in den Pressestellen oder an Instituten von Universitäten, in außeruniversitären Forschungseinrichtungen und deren Dachorganisationen oder in Firmen, die Forschung betreiben. Ein signifikanter Teil ihrer Arbeit besteht in der wissenschaftlichen Öffentlichkeitsarbeit für ihre Institutionen, also in Wissenschafts-PR.
Die Hauptziele der Wissenschafts-PR sind „Aufmerksamkeit, Legitimation, Anschlusskommunikation und vor allem (Anschluss-)Finanzierung“. Wie bei allen systematischen Kommunikationsaktivitäten geht es deshalb – wie immer bei jeder Form der Public Relations – auch hier um „Interessenkommunikation“. Da die zugrundeliegenden Ressourcen stets begrenzt sind, stehen die Akteure der Wissenschaftskommunikation im Sektor Wissenschafts-PR im Wettbewerb mit anderen gesellschaftlichen Akteuren.Beatrice Dernbach, Christian Kleinert, Herbert Münder: Einleitung: Die drei Ebenen der Wissenschaftskommunikation. In: Beatrice Dernbach, Christian Kleinert, Herbert Münder (Hrsg.): Handbuch Wissenschaftskommunikation. Wiesbaden 2012, S. 2.
Inhaltlich kommunizieren diese Akteure dementsprechend Forschungsergebnisse aus ihren Instituten sowie organisatorische Entwicklungen wie die Bewilligung von Forschungsgeldern oder Personalia, insbesondere die Verleihung von Preisen und sonstigen Ehrungen an Mitglieder der jeweiligen Institution. Bei Universitäten kommt der Anwerbung neuer Studenten und damit einer positiven Darstellung der Entwicklungen im Bereich der Lehre eine wichtige Rolle zu.
Bei vielen Instituten tritt zu dieser spezifischen Öffentlichkeitsarbeit eine breitere Form der Wissenschaftskommunikation, in der zum einen das allgemeine Forschungsfeld und zum anderen die Ansprache junger Menschen zum Zwecke der Nachwuchsförderung im Vordergrund steht.
Mitarbeiter in diesem Bereich kommen entweder aus dem Bereich Öffentlichkeitsarbeit oder dem Journalismus oder sind selbst Wissenschaftler.
Science Center, Museen, Planetarien
mini|Deutsches Museum München als Beispiel für ein Technikmuseum Institutionen, bei denen Wissenschaftskommunikation zu den definierenden Aufgaben gehört, wie Science Center, Museen mit wissenschaftlicher Ausrichtung oder Planetarien, kommunizieren wissenschaftliche Inhalte entsprechend dem Profil der jeweiligen Institution: Ein Botanischer Garten beispielsweise kommuniziert vor allem biologische Inhalte, ein Technikmuseum technikbezogene und ein Planetarium astronomische Inhalte. Der Begriff Science Center bezeichnet dabei vor allem Institutionen, deren Schwerpunkt auf modernen Inhalten und interaktiver Vermittlung liegt, während bei klassischen Museen die historischen oder naturhistorischen Aspekte im Vordergrund stehen.
Individuelle Wissenschaftler