Insel der Seligen oder Inseln der Seligen ist eine Redewendung, mit der ausgedrückt wird, dass eine Gemeinschaft von Unbill verschont ist, welche im Umfeld aber verbreitet auftritt. Der Ausdruck wird besonders in Österreich In: WirtschaftsBlatt. 5. Mai 2009; abgerufen am 31. Mai 2009. oft in politischen Reden verwendet, ist aber auch sonst im deutschsprachigen RaumDeutschland ist eine Insel der Seligen. In: Welt Online. 31. Mai 2009. In: ideesuisse.ch, SRG SSG, abgerufen am 2. Juni 2009. gebräuchlich.
Herkunft Die „Inseln der Seligen“ (, ) sind in der griechischen Mythologie Orte im äußersten Westen des Erdkreises, an die ausgewählte Helden entrückt werden, um als Unsterbliche ein glückliches Leben zu führen.
Verwendung Der Ausdruck, Österreich sei eine , eine „glückliche Insel“, wird Papst Paul VI. anlässlich eines Vatikanbesuches von Bundespräsident Franz Jonas zugeschrieben. In den 1970er Jahren wurde er unter Bundeskanzler Bruno Kreisky auf die Insel der Seligen umformuliert. Damit wurde vor allem der Mythos des österreichischen Sozialstaates, die Österreichische Neutralität und der im Vergleich zur Zwischenkriegszeit hohe Grad an sozialem Frieden ausgedrückt. Bis heute wird dieser Ausdruck verwendet jeweils in der Blickrichtung, ob man bestimmte Zustände loben will oder ob man etwas mahnen will, wie „Österreich ist keine Insel der Seligen!“ Papst Benedikt XVI. hat in seiner Rede in der Wiener Hofburg beim Österreichbesuch im Herbst 2007 beispielsweise ausdrücklich betont, Österreich sei keine „isola felice“. Rede von Benedikt XVI. am 7. September 2007 vor dem Diplomatischen Corps in der Hofburg. In: ratzingerbenedettoxvi.com, abgerufen am 1. Juni 2009.
Insel der Seligen war aber auch schon 1913 Titel eines für die PAGU gedrehten Stummfilms Film von Max Reinhardt. In: webloc.de, abgerufen am 31. Mai 2009. von Max Reinhardt, mit dem am 3. Oktober 1913 das für ein gehobenes, bürgerliches Publikum erbaute Großkino Union Theater, „U.T. Kurfürstendamm“ 26 in Berlin eröffnet wurde.
Beispiele aus der Literatur Karl Kraus und andere Autoren verwendeten den Ausdruck mehrfach in der Fackel,Fundstellen in der Fackel (Autor: Karl Kraus): Heft 197 vom 28. Februar 1906, S. 18 (Bericht über den Konkordia-Ball; oeaw.ac.at). Heft 237 vom 2. Dezember 1907, S. 1 (oeaw.ac.at). Heft 601–607 vom November 1922, S. 98 (oeaw.ac.at). Heft 873–875 vom April 1932, S. 43 (oeaw.ac.at). so Bruno Wolfgang: „Mir ist, als befände ich mich auf einer Insel der Seligen, die vom Drange jeglicher Leidenschaft befreit, einer selbstgewählten Gottheit dienen.“Die Fackel. Heft 264–265, 18. November 1908, S. 40 (oeaw.ac.at).
Im achtzehnten Kapitel von Theodor Fontanes Roman Cécile findet sich folgende Stelle: „‚Insel der Seligen’, sagte Gordon vor sich hin […]“. Friedrich Nietzsche schrieb in Ecce Homo. Menschliches, Allzumenschliches: „Tribschen – eine ferne Insel der Glückseligen.“Friedrich Nietzsche: Ecce homo. Menschliches, Allzumenschliches . Kap. 2.Friedrich Nietzsche: Ecce Homo. Menschliches, Allzumenschliches. Kap. 2. In: nietzschesource.org, abgerufen am 12. Dezember 2025. und Kurt Tucholsky 1922 in Gallettiana: „Hier ist es schön still, in der Bibliothek. […] – eine Insel der Seligen.“
Literatur Anton Pelinka: Demokratie: Österreich 1900 – Österreich 2000. In: Reinhold Gärtner (Hrsg.): Blitzlichter. Studienverlag, Innsbruck / Wien 1999, ISBN 3-7065-1326-9, S. 9–26. Günter Lanczkowski: Die Inseln der Seligen und verwandte Vorstellungen (= Europäische Hochschulschriften. Reihe XXIII: Theologie. Band 261). Lang, Frankfurt am Main u. a. 1986, ISBN 3-8204-8253-9.
Weblinks In: demokratiezentrum.org, April 2013
Einzelnachweise
Kategorie:Redewendung Kategorie:Wirtschaftspolitik (Österreich) Kategorie:Sozialpolitik (Österreich)