Villingen ist ein Stadtteil von Hungen im mittelhessischen Landkreis Gießen.

Geographische Lage Villingen liegt nordöstlich der Kernstadt Hungen. Der Dorfkern ist auf einer Niederterrasse entstanden, die sich hier an das rechte westliche Ufer der Horloff heranschiebt. Westlich des Ortes liegt der Oberweidgraben. Die Gemarkungsfläche beträgt 1302 Hektar, davon sind, besonders in den Höhenlagen, 604 Hektar bewaldet (Stand: 1961). Die höchste Erhebung ist der Diethersberg () im Osten der Gemarkung. Der Borgelberg () erhebt sich jenseits der Horloff als bewaldete Kuppe über dem Ort.

Ortsgeschichte Mittelalter Der Ort erscheint in Urkunden des 14. Jahrhunderts als Wilden, Vildeln sowie Fildel. In einer Urkunde aus dem Jahre 1343 wird „... Conradus de Wilden ...“ erwähnt.Arthur Wyss: Urkundenbuch der Deutschordens-Ballei Hessen. Band 1–3. Leipzig 1879–1899. Band 2. Nr. 745, S. 521 f. Vermutlich derselbe Conrad erscheint 1353 als „... Conrad von Vildeln ...“.Ludwig Baur: Urkundenbuch des Klosters Arnsburg in der Wetterau. Darmstadt 1851. Nr. 803, S. 495. 1374 werden Villingen und die Teilwüstung Zell-Mühle in einer Urkunde genannt: „... de bonis quibusdam in Fildel et in Zoell... “Ludwig Baur: Hessische Urkunden aus dem Großherzoglich Hessischen Haus- und Staatsarchive. Band 1–5. Band 1. Darmstadt 1860–1873. Nr. 1077, S. 716. (über einige Güter in Villingen und in Zell.) In einem Text aus dem Jahre 1386 ist überliefert: „... Hungen cum filialibus suis videlicet Pessingen (Bessingen), Lünrode et Villiln ...“Stephan Alexander Würdtwein: Subsidia dipl. IV, S. 196. (Hungen mit seinen Filialen in Ober-Bessingen, Nieder-Bessingen, Lunrode). Hier erscheint der Ortsname mit einem Diminutivum: „-ilin“. Durch „... Angleichung an die Namen der benachbarten Orte Ober-, Nieder-Bessingen und Flensungen“ wird Villingen zu einem -ingen-Ort.Lutz Reichardt: Die Siedlungsnamen der Kreise Gießen, Alsfeld und Lauterbach in Hessen. Namenbuch. Dissertation. Göppingen 1973. S. 377 f. S. 378. Ursprünglich bedeutete der Ortsname „Siedlung inmitten kleiner Felder“.Lutz Reichardt: Siedlungsnamen. S. 375. Der auf -ingen endende Ortsname ist 1535 belegt.Archiv Solms-Lich, Kasten 33. In einem Salbuch von 1812 wird „Villingen“ genannt.StAD, Salbuch Oberhessen, Villingen, Nr. 178 a.

Um 1300 wurde die Kirche mit ihrem gotischen Chorturm gebaut. Ab 1423 waren die Grafen von Solms die Herren von Villingen.

Innerhalb der Gemarkung findet sich die Zellmühle, welche der Rest einer Teilwüstung darstellt.Lutz Reichardt: Siedlungsnamen. S. 409 f. Sie gehörte bei der Ersterwähnung 1290 zur Hersfelder Mark:„... in villis Mazvelde, Eppelrode, Celle et in Lunrode ...“ (in den Dörfern Maßfelden, Eppelrod und Lunrode)Archiv für Hessische Geschichte und Alterthumskunde 1 (1835/37), S. 289. Der Eintrag findet sich in einem Kopiar, das um 1800 erstellt wurde. Die Siedlung fiel im 14. Jahrhundert wüst.Lutz Reichardt: Siedlungsnamen. S. 410. Der Ortsname verweist darauf, dass es sich um eine Mönchssiedlung handelte.

Neuzeit Die Bewohner hatten es in diesem Gebiet besonders schwer und während des Dreißigjährigen Krieges (1618–1648) war der Ort zeitweise regelrecht entvölkert.

Im Jahre 1806 kam Villingen zum Großherzogtum Hessen.

Im Zuge der Gebietsreform in Hessen wurden zum 1. Januar 1977 kraft Landesgesetz die bis dahin selbständige Gemeinde Villingen und drei weitere Gemeinden in die Stadt Hungen eingegliedert. Für Villingen wurde wie für jeden Stadtteil von Hungen ein Ortsbezirk eingerichtet.

Verwaltungsgeschichte im Überblick Die folgende Liste zeigt die Staaten und deren Verwaltungseinheiten,Bis zur Trennung der Rechtsprechung von der Verwaltung waren die Ämter und frühen Gerichte sowohl Gericht als auch Verwaltungsorgan. denen Villingen angehört(e):

vor 1742: Heiliges Römisches Reich, Grafschaft Solms-Braunfels (Anteil an der Herrschaft Münzenberg), Amt Hungen ab 1742: Heiliges Römisches Reich, Fürstentum Solms-Braunfels (Anteil an der Herrschaft Münzenberg), Amt Hungen ab 1806: Großherzogtum Hessen,Mediatisierung infolge der Rheinbundakte. Fürstentum Ober-Hessen, Amt Hungen (des Fürsten Solms-Braunfels) ab 1815: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Amt Hungen (des Fürsten Solms-Braunfels) ab 1820: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Amt HungenPatrimonialgericht: Standesherrliches Amt Hungen des Fürsten Solms-Braunfels. ab 1822: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Landratsbezirk HungenTrennung zwischen Justiz (Landgericht Hungen; 1822 gingen die Rechte des „standesherrlichen Amts Hungen“ an das Landgericht über, wo sie im Namen der Standesherren ausgeübt wurden) und Verwaltung. ab 1841: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Hungen ab 1848: Großherzogtum Hessen, Regierungsbezirk Friedberg ab 1852: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Nidda ab 1867: Norddeutscher Bund,Der Norddeutsche Bund war der erste deutsche Bundesstaat unter der Führung Preußens. Er war die geschichtliche Vorstufe des Deutschen Reichs. Infolge des Deutschen Krieges wurde die Provinz Oberhessen dort zwangsweise Mitglied. Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Nidda ab 1871: Deutsches Reich, Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Nidda ab 1874: Deutsches Reich, Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Gießen ab 1918: Deutsches Reich (Weimarer Republik), Volksstaat Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Gießen ab 1938: Deutsches Reich, Volksstaat Hessen, Landkreis GießenIm Zuge der Gebietsreform 1938 wurde die Provinz Oberhessen aufgelöst. ab 1945: Deutsches Reich, Amerikanische Besatzungszone,Infolge des Zweiten Weltkriegs. Groß-Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Gießen ab 1946: Deutsches Reich, Amerikanische Besatzungszone, Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Gießen ab 1949: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Gießen ab 1977: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Lahn-Dill-Kreis, Stadt HungenAm 1. Januar 1977 als Ortsbezirk zur Stadt Hungen. ab 1979: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Gießen, Stadt Hungen ab 1981: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Gießen, Landkreis Gießen, Stadt Hungen

Gerichte seit 1803 In der Landgrafschaft Hessen-Darmstadt wurde mit Ausführungsverordnung vom 9. Dezember 1803 das Gerichtswesen neu organisiert. Für das Fürstentum Oberhessen (ab 1815 Provinz Oberhessen) wurde das „Hofgericht Gießen“ eingerichtet. Es war für normale bürgerliche Streitsachen Gericht der zweiten Instanz, für standesherrliche Familienrechtssachen und Kriminalfälle die erste Instanz. Übergeordnet war das Oberappellationsgericht Darmstadt. Die Rechtsprechung der ersten Instanz wurde durch die Ämter bzw. Standesherren vorgenommen und somit war für Villingen ab 1806 das „Patrimonialgericht der Fürsten Solms-Braunfels“ in Hungen zuständig. Nach der Gründung des Großherzogtums Hessen 1806 wurden die Aufgaben der ersten Instanz 1821–1822 im Rahmen der Trennung von Rechtsprechung und Verwaltung auf die neu geschaffenen Land- bzw. Stadtgerichte übertragen. Ab 1822 ließen die Fürsten Solms-Braunfels ihre Rechte am Gericht durch das Großherzogtum Hessen in ihrem Namen ausüben. „Landgericht Hungen“ war daher die Bezeichnung für das erstinstanzliche Gericht, das für Villingen zuständig war. Auch auf sein Recht auf die zweite Instanz, die durch die Justizkanzlei in Hungen ausgeübt wurde, verzichtete der Fürst 1823. Erst infolge der Märzrevolution 1848 wurden mit dem „Gesetz über die Verhältnisse der Standesherren und adeligen Gerichtsherren“ vom 15. April 1848 die standesherrlichen Sonderrechte endgültig aufgehoben.

Anlässlich der Einführung des Gerichtsverfassungsgesetzes mit Wirkung vom 1. Oktober 1879, infolge derer die bisherigen großherzoglichen Landgerichte durch Amtsgerichte an gleicher Stelle ersetzt wurden, während die neu geschaffenen Landgerichte nun als Obergerichte fungierten, kam es zur Umbenennung in „Amtsgericht Hungen“ und Zuteilung zum Bezirk des Landgerichts Gießen. Mit Wirkung vom 1. Januar 1882 wurde Villingen dem Amtsgericht Laubach zugeteilt.Bekanntmachung, die Bildung der Amtsgerichtsbezirke Hungen, Lich, Laubach, Grünberg, Homberg, Alsfeld, Vilbel und Friedberg betreffend vom 24. Dezember 1881 (Hess. Reg.Bl. S. 203–204) Am 1. Juli 1968 erfolgte die Auflösung des „Amtsgerichts Laubach“, und Villingen wurde dem Sprengel des Amtsgerichts Gießen zugelegt.

Bevölkerung Einwohnerstruktur 2011 Nach den Erhebungen des Zensus 2011 lebten am Stichtag dem 9. Mai 2011 in Villingen 1371 Einwohner. Darunter waren 24 (1,7 %) Ausländer. Nach dem Lebensalter waren 231 Einwohner unter 18 Jahren, 523 zwischen 18 und 49, 312 zwischen 50 und 64 und 303 Einwohner waren älter. Die Einwohner lebten in 588 Haushalten. Davon waren 171 Singlehaushalte, 183 Paare ohne Kinder und 177 Paare mit Kindern, sowie 45 Alleinerziehende und 9 Wohngemeinschaften. In 144 Haushalten lebten ausschließlich Senioren und in 363 Haushaltungen lebten keine Senioren.

Einwohnerentwicklung

Historische Religionszugehörigkeit • 1830: 866 evangelische, ein katholischer und 17 jüdische Einwohner • 1961: 1272 evangelische, 886 katholische Einwohner

Historische Erwerbstätigkeit • 1961: Erwerbspersonen: 231 Land- und Forstwirtschaft, 326 Prod. Gewerbe, 82 Handel, Verkehr und Nachrichtenübermittlung, 77 Dienstleistung und Sonstiges.

Politik Ortsbeirat Für den Stadtteil Villingen besteht ein Ortsbezirk (Gebiete der ehemaligen Gemeinde Villingen) mit Ortsbeirat und Ortsvorsteher nach der Hessischen Gemeindeordnung. Der Ortsbeirat besteht aus sieben Mitgliedern. Bei den Kommunalwahlen in Hessen 2021 betrug die Wahlbeteiligung zum Ortsbeirat 52,47 %. Dabei wurden gewählt: Je zwei Mitglieder der SPD, der CDU und des Bündnis 90/Die Grünen und ein Mitglied der „Bürgerliste Pro Hungen“ (ProH). Der Ortsbeirat wählte Manfred Paul (CDU) zum Ortsvorsteher.

Wappen Am 14. März 1964 wurde der Gemeinde Villingen im Landkreis Gießen ein Wappen mit folgender Blasonierung verliehen: Unter rotem Schildhaupt in Gold ein rechtsgewendeter, rotbezungter und -bewehrter, geflügelter blauer Löwe mit silbernem Nimbus.

Kultur und Sehenswürdigkeiten

Verkehr und Infrastruktur Die Landesstraße 3137 führt von der Kernstadt Hungen durch den Ort und weiter nach Ruppertsburg und Laubach. In der Ortsmitte zweigt die Kreisstraße 147 nach Nonnenroth ab. Früher verlief hier die Bahnstrecke Friedberg–Mücke, von der in Villingen die Bahnstrecke Villingen–Friedrichshütte abzweigte. Inzwischen sind beide Bahnstrecken stillgelegt, auf ersterer führt nun ein Bahntrassenradweg von Hungen nach Laubach.

Im Ort gibt es eine Grundschule und einen städtischen Kindergarten sowie eine Metzgerei, einen Tegut-Supermarkt und eine 24h-Tankstelle, einen Friseur, einen Getränkemarkt, eine Hausarztpraxis und eine Zahnarztpraxis sowie ein reges Vereinsleben, besonders im Bereich Sport und Feuerwehr (siehe Bericht Hessischer Rundfunk).

Persönlichkeiten Daniela Alfinito (* 1971), Altenpflegerin und Schlagersängerin Schlagerduo „Die Amigos“ Willi Ziegler (* 13. März 1929 in Villingen, Hessen; † 8. August 2002), Paläontologe. Er war 1980 bis 1995 Direktor der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung und des Naturmuseums Senckenberg in Frankfurt am Main

Literatur

Weblinks

Anmerkungen

Einzelnachweise Einwohner mit Nebenwohnsitzen: 1999–2007; 1971–2015 2020

Kategorie:Ort im Landkreis Gießen Kategorie:Ehemalige Gemeinde (Landkreis Gießen) Kategorie:Gemeindeauflösung 1977 Kategorie:Geographie (Hungen)