Utphe [] ist ein Stadtteil von Hungen im mittelhessischen Landkreis Gießen.
Geografie Utphe liegt südlich von Hungen. Durch den Ort verläuft die Bundesstraße 489 und die Altstraße Kurze Hessen, die Frankfurt am Main mit Eisenach verbindet. Östlich liegt der Untere Knappensee, nördlich davon der Obere Knappensee, beides ehemalige Braunkohlentagebaue.
Gemarkungsgröße 1854: 1588 Morgen, davon 1084 Acker, 443 Wiesen 1961: 513 Hektar
Ortsgeschichte Vor- und Frühgeschichte 1958 wurde ein Mahlstein aus der La-Tène-Zeit gefunden, was auf eine vorchristliche Besiedlung schließen lässt. Mittelalter Ersterwähnung und Ortsname Erstmals urkundlich erwähnt wird der Ort 773 im Lorscher Codex: „... in pago Wettereiba in Odupher marca IIII iurnales ...“ (im Gau Wetterau in der Utpher Gemarkung 4 Morgen). Der Lorscher Codex ist ein Kopiar, das in der Zeit zwischen 1183 und 1195 angelegt wurde.Karl Glöckner: Codex Laureshamensis = Arbeiten der historischen Kommission für den Volksstaat Hessen 1. Darmstadt 1929. Band 3: Kopialbuch. 2. Die übrigen fränkischen und die schwäbischen Gaue, Güterlisten, späte Schenkungen und Zinslisten, Gesamtregister, Fotomechan. Nachdr. der Ausg. von 1936, Darmstadt : Hess. Hist. Kommission 1963. CL III Nr. 3019, S. 228. Die Schenkungen an das Kloster Lorsch bildeten in der Wetterau im Gebiet um Utphe, Bellersheim, Obbornhofen, Feldheim, Wohnbach und Cruftila, einer Wüstung bei Rockenberg, und anderen Orten einen Schwerpunkt.
Der Ortsname deutet auf ein Gewässer hin.A. Bach: Deutsche Namenskunde. 3 Bde. Heidelberg 1952–1953, Bd. 2, S. 154. Steen verweist auf die „Lage am Rande der wasserreichen und versumpften Horloffniederung.“Jürgen Steen: Königtum und Adel in der frühmittelalterlichen Siedlungs-, Sozial- und Agrargeschichte in der Wetterau. Studien zum Verhältnis von Landnahme und Kontinuität am Beispiel einer Randlandschaft des Merowingerreichs, Frankfurt 1979 = Schriften des Historischen Museums Frankfurt am Main XIV, S. 102 f. In der Ortsnamenforschung wird diese Deutung des Ortsnamens weitergehend als Bezeichnung eines Teilstreckennamens gedeutet,Lutz Reichardt: Die Siedlungsnamen der Kreise Gießen, Alsfeld und Lauterbach in Hessen. Namenbuch. Dissertation. Göppingen 1973. S. 374 f, S. 375. der auf die indogermanische Sprachwurzel „oudh“ = reich, reichhaltig zurückgeführt wird. Diese Sprachwurzel ist noch im Erstbeleg des Ortsnamens von 773: „Odupher marca“ klar zu erkennen.
Die Schreibweise des Ortsnamens änderte sich in den folgenden Jahrhunderten. Die Nennung des Ortes 1150: „... de Otfe ...“ erwies sich als Fälschung.Arthur Wyss: Urkundenbuch der Deutschordens-Ballei Hessen. Band 1–3. Leipzig 1879–1899. Band 3. Nr. 1336, S. 311–313. 1191 wird in villa Othife erwähnt.Peter Acht, Bearbeiter, Mainzer Urkundenbuch. Die Urkunden seit dem Tode Erzbischof Adalberts I. (1137) bis zum Tode Erzbischof Konrads (1200). Bd. 2, Darmstadt 1968, Nr. 554. 1282 heißt es „... bona nostra in Odephen sita“ (unser Gut in Utphe gelegen)Ludwig Baur: Urkundenbuch des Klosters Arnsburg in der Wetterau. (AUB) Darmstadt 1849–1851, Nr. 239. S. 176. Die Erwähnung von „Waltherus et Hildamus fratres dicti de Otpha“ (Walter und Hildamus, Brüder, genannt von Utphe) stammt aus dem Jahre 1284.Ludwig Baur: AUB. Nr. 1224. Eine Lageangabe von 1357: vff dem felde gein OdyfeArnsburger Urkundenbuch, Nr. 48.
Im 11. Jahrhundert reorganisierten die Salier ihr Herrschaftsgebiet in der Wetterau und in Niederhessen. Von der Neuregelung der Grafschaftsverhältnisse profitierten die schwäbischen Grafen Werner mit der Grafschaft Maden. Auch in Utphe hatten sie beträchtlichen Besitz, und das von Werner IV. 1113 gegründete Kloster Breitenau bei Guxhagen bekam die Utpher Güter wohl als Erstausstattung.Wolf-Arno Kropat: Reich, Adel und Kirche in der Wetterau von der Karolinger- bis zur Stauferzeit. = Wetterauer Geschichtsblätter 13 (1964), S. 69 ff.
Während der Stauferzeit verwalteten die Reichsministerialen von Hagen-Münzenberg den Ort. Utphe fiel nach dem Aussterben der Münzenberger im Teilungsvertrag von 1271 an die Grafen von Falkenstein.
Besitz der Klöster Breitenau und Haina Der Mainzer Erzbischof Konrad I. verpachtete 1191 auf Lebenszeit die Güter des Klosters Breitenau zu Utphe, da die Güter aufgrund der großen Entfernung wenig Ertrag abwarfen. Das Kloster erhielt im Austausch Besitzungen des Erzstifts.Peter Acht: Mainzer Urkundenbuch. Diese Güter erwarb 1256 der Ritter Guntram von Ulfa, welcher der Familie der Schenck zu Schweinsberg angehörte, von den bisherigen erblichen Besitzern. Da die Rechte des Klosters Breitenau an den Gütern bestehen blieben, kam es zum Streit, der 1261 beendet wurde, indem das Kloster auf die strittigen Güter in Utphe und alle weiteren Forderungen verzichtete. Allerdings musste Guntram 1263 seine Güter samt einer dortigen Mühle an der Horloff wegen Verschuldung an das Kloster Haina verkaufen. Das Kloster Breitenau übereignete seine Güter zu Utphe 1282 ebenfalls an Haina. Das Kloster Haina verzichtete 1304 auf alle Ansprüche gegenüber Guntram III. von Ulfa († um 1306)Günther Stahnke: Ulfa. 15. bis 17. Jahrhundert. Aus der Zeit des 30-jährigen Krieges, der Zeit davor und danach. Geschichtsverein Ulfa, Nidda 2018, S. 8. wegen der Klostergüter in Utphe, die sie Guntram übereignet hatten. Allerdings wurden 1306 die Güter dem Kloster Haina erneut zugesprochen.Eckhart G. Franz: Klosterarchive. Kloster Haina. Regesten und Urkunden. Bd. 1, Bd. 2, 2 Teile. = Veröffentlichungen der Historischen Kommission für Hessen. 9, 5 und 9, 6. Bd. 1, Nr. 45, 84; ders., Nr. 260, 345, 394, 710 f.
Der Ausbau der Hainaer Besitzungen in der Wetterau wurde durch die Herren von Falkenstein gefördert. Sie übertrugen 1270 Güter der Brüder Brandan und Wigand, die diese als Falkensteiner Lehen trugen, an das Kloster Haina. Die Ritter erhielten als Ausgleich Güter in Göns zu Lehen. 1282 und 1293 konnten Hartmud und Rupert von Karben ihre Güter zu Utphe dem Kloster Haina verkaufen; die Herren von Falkenstein als Lehnsherren derer von Karben bestätigten die Übertragungen. Die von Falkenstein, von Limburg und von Hanau stimmten 1297 dem Verkauf der Karbischen Güter zu Utphe zu.Eckhart G. Franz: Kloster Haina 1 Nr. 551, 713 f., 821, 823, 825, 865. Haina baute in einer weiteren Phase zwischen 1312 und 1332 erneut seinen Güterbesitz und seine Privilegien zu Utphe durch Ankäufe deutlich aus.Eckhart G. Franz: Klosterarchive 6 Nr. 93, 205–207, 359, 391, 412, 419, 420, 426, 440, 463. Das Kloster Marienborn verkaufte 1396 ebenfalls seinen Besitz in Utphe dem Kloster Haina.
Hartmann von Hoghenfels verkaufte 1423 dem Kloster Haina seinen Anteil am kleinen und großen Zehnt von Utphe. 1464 erwarb das Kloster weitere Anteile an dem Zehnten.Franz, Klosterarchive 6, Nr. 923, 1041.
Johann von Langenstein verkaufte dem Ritter Gerhard von Hüftersheim, Wüstung bei Ober-Mörlen, 1383 sein Gut zu Utphe. Von dieser Hufe überließ Ritter Henne Groppe von Bellersheim 1405 dem Kloster Arnsburg eine Gült.Friedrich Battenberg: Solmser Urkunden 1, Nr. 480, 677. Eine Freiung von 1434 durch die Grafen von Solms und von Eppstein betraf die Höfe und Landsiedel des Klosters Arnsburg in Birklar, Bellersheim, Utphe, Muschenheim und anderen Orten von allen Diensten, Steuern und Beden. Die herkömmlichen Dienste waren ausgenommen.Friedrich Battenberg: Solmser Urkunden 1, Nr. 1006.
1528 kaufte Graf Philipp von Solms-Lich für 2.000 fl. den Hof in Utphe samt Zinsen zu Ober-Bessingen, Ettingshausen, Gonterskirchen, Laubach und Trais-Horloff.Friedrich Battenberg: Solmser Urkunden. Regesten zu den Urkundenbeständen und Kopiaren der Grafen und Fürsten von Solms im Staatsarchiv Darmstadt (Abteilungen B 9 und F 24 B), im gräflichen Archiv zu Laubach und im fürstlichen Archiv zu Lich. 1131–1913. Bd. 1–5, Darmstadt 1981–1986. Solmser Urkunden 3, Nr. 2654, 2680.
Zehntverhältnisse Nach 1414 besaß Henne von Bellersheim als Mannlehen den Hof zu Obbornhofen mit Zubehör und einen Hof zu Utphe.Karl Ernst Demandt, Regesten der Landgrafen von Hessen. Bd. 2: Regesten der landgräflichen Kopiare. = Veröffentlichungen der Historischen Kommission für Hessen 6, 2, 1. Marburg 1990, Nr. 584.
Graf Otto von Solms verlieh 1461 Heilmann von Bellersheim einen Teil des Zehnten zu Bellersheim, Utphe, Graß und Geiß-Nidda zu einem münzenbergischen Mannlehen.Friedrich Battenberg, Solmser Urkunden 2, Nr. 1439.
Graf Hans-Georg von Solms erhielt 1569 vom Mainzer Domkapitel den Präsenz-Zehnten zu Utphe, Trais-Horloff, Inheiden und der Wüstung Feldheim auf neun Jahre verliehen. Die gleiche Leihe erfolgte 1610 auf zwölf Jahre.Friedrich Battenberg, Solmser Urkunden 3, Nr. 3584, Solmser Urkunden 4, Nr. 3720.
Neuzeit Mit der Zugehörigkeit zu Solms-Laubach bekam der Ort eine gewisse Mittelpunktfunktion. Seit dem 17. Jahrhundert gehörten zum Unteramt Utphe die Rieddörfer Inheiden, Trais-Horloff und die Feldmark der Wüstung Feldheim. Zu Beginn des 18. Jahrhunderts wurde auch Wohnbach in das Unteramt Utphe aufgenommen, das als Pfandschaft in den Besitz von Solms-Laubach gekommen war. Es bildete sich sogar für eine kurze Zeit eine eigene Linie der Grafschaft Solms-Laubach mit Solms-Laubach-Utphe heraus. Die Brüder Friedrich Ernst (1671–1723) und Carl Otto (1673–1743) von Solms-Laubach vereinbarten, dass Carl Otto das Unteramt Utphe übernahm. Dessen Sohn Carl Ludwig (1704–1762) starb unverheiratet und kinderlos. Damit fiel das Unteramt an Laubach zurück. Im Januar 1707 wurde durch den Amtmann Böhler eine „Specification der sämbtlichen Hofreithen zu Utphe“ angefertigt. Danach besaß „Herr Buicker“ ein „Brauhauß“.Gerhard Steinl: Hofreiten und Einwohner des Amtes Utphe 1707, S. 191–194. in: Udo Schwab, Gerhard Steinl, Hrsg.: Historisches aus dem Hungener Land. Zum 650. Jahrestag der Stadterhebung am 20. April 2011, Rockenberg 2011, S. 191.
Nach 1945 entstanden am südlichen Ortsrand in Richtung Berstadt links und rechts der Bundesstraße B 489 Neubaugebiete.
Verwaltungsgeschichte von 1806 bis heute Im Rahmen der Mediatisierung verloren die alten Standesherrschaften ihre Stellung. Mit der Rheinbundakte 1806 kam Utphe mit der Grafschaft Solms-Laubach zum neu gebildeten Großherzogtum Hessen (Hessen-Darmstadt), Provinz Oberhessen. 1820/21 wurden im Großherzogtum Hessen die Ämter der beiden Provinzen Oberhessen und Starkenburg aufgelöst. Rechtsprechung und Verwaltung wurden getrennt. Die Landratsbezirke wurden die neue Organisationsform der Gemeinden, in denen aber teilweise Rechte des alten Standesherrschaften erhalten blieben. 1822 kam Utphe zum Landratsbezirk Hungen, der 1841 im Kreis Hungen aufging.
Aufgrund der Erfahrungen der Märzrevolution 1848 wurden die großherzoglichen Kreise aufgelöst und in elf Regierungsbezirke umgewandelt, die aber nicht den heutigen entsprachen. Utphe kam nun zum Regierungsbezirk Friedberg. Im Mai 1852 wurden diese Regierungsbezirke aufgelöst und Utphe in den Kreis Nidda integriert, der bis 1874 bestand.
In diesem Jahr gelangte das Dorf in den Landkreis Gießen. Zum 1. Januar 1977 wurde im Zusammenhang mit der Gebietsreform in Hessen der alte Kreis Gießen aufgelöst und in den Lahn-Dill-Kreis eingebunden. Diese Gebietsreform, die von der Hessischen Landesregierung unter dem Ministerpräsidenten Albert Osswald initiiert war, scheiterte aber am Widerstand der Bevölkerung und brachte auch Utphe 1979 in den Landkreis Gießen zurück.
Hessische Gebietsreform (1970–1977) Zum 31. Dezember 1970 erfolgte im Zuge der Gebietsreform in Hessen die freiwillige Eingliederung in die nahegelegene Kleinstadt Hungen. Für Utphe wurde wie für alle Stadtteile von Hungen ein Ortsbezirk eingerichtet.
Verwaltungsgeschichte im Überblick Die folgende Liste zeigt die Staaten und deren Verwaltungseinheiten,Bis zur Trennung der Rechtsprechung von der Verwaltung waren die Ämter und frühen Gerichte sowohl Gericht als auch Verwaltungsorgan. denen Utphe angehört(e):