Inheiden ist ein Stadtteil der Stadt Hungen im mittelhessischen Landkreis Gießen.
Geografische Lage Inheiden liegt südlich direkt an Hungen. Durch den Ort führt die Bundesstraße 489 und die Kurze Hessen, die Frankfurt am Main mit Eisenach verbindet. Am Ortsrand liegen mehrere Seen. Einer davon ist der Trais-Horloffer See, der im Volksmund auch Inheidener See genannt wird. Er gilt als der größte See Oberhessens.
Ortsgeschichte Mittelalter Besiedelt wurde die Gegend um das heutige Inheiden bereits zu römischer Zeit. Darauf weist der zwischen Hungen und Inheiden verlaufende Limes hin. Als „Kastell Inheiden“ wird ein ehemaliger römischer Kastellplatz an der nördlichen Wetteraustrecke des Obergermanisch-Rätischen Limes bezeichnet, der im Jahre 2005 den Status des UNESCO-Weltkulturerbes erlangte. Das Bodendenkmal befindet sich östlich von Inheiden, einem Stadtteil von Hungen.
Erstmals urkundlich erwähnt wurde der Ort im Jahre 1141: „predium in Inheiden“ (Besitz in Inheiden).Arthur Wyss: Urkundenbuch der Deutschordens – Ballei Hessen. Band I – III. Leipzig 1879 – 1899. Band III, Nr. 1332, S. 306. Ebenfalls wird zwischen 1145 und 1153 Deutschordensbesitz „predia in Gineheiden et Ouerenhouen“ (Besitz in Inheiden und Obbornhofen) angeführt.Arthur Wyss: Deutschorden III, Nr. 1332, S. 306. 1290 „in villa Inheyden“Ludwig Baur: Urkundenbuch des Klosters Arnsburg in der Wetterau. Darmstadt 1851. Nr. 230, S. 225. Im Jahr 1294 werden in einer Urkunde des Klosters Arnsburg „Happele de Steynheim, Ludwicus de Inheiden“ (Happel von Steinheim, Ludwig von Inheiden) genannt.Ludwig Baur: Arnsburger Urkundenbuch. Nr. 1335, S. 310. 1302 wird „Ludovicus de Ineheide“ und 1312 als „Ludovicus de Heneheydin“ erwähnt.Ludwig Baur: Arnsburger Urkundenbuch, Nr. 303, S. 225; Nr. 412, S. 282. „Zu Enheiden“ heißt es 1420 in einer Urkunde.Ludwig Baur: Hessische Urkunden aus dem Großherzoglich Hessischen Haus- und Staatsarchive. Band I – V. Darmstadt 1860 – 1873. Band IV. Nr. 77, S. 64. In der Ortsnamenforschung wird Inheiden als „Siedlung im Ödland“ gedeutet.Lutz Reichardt: Die Siedlungsnamen der Kreise Gießen, Alsfeld und Lauterbach. Namenbuch. Dissertation. Göppingen 1973. S. 198–200. Hier S. 199.
Neuzeit 1912 wurde durch die Regierung Oberhessens ein Wasserwerk gebaut, welches Teile der Stadt Frankfurt und auch andere Orte mit Trinkwasser versorgt. Weil die Gemeinde für den Bau der Wasserversorgung Grundstücke verkaufte, erhielt sie ein „Wasserprivileg“, welches ihr für alle Zeiten eine kostenlose Wasserversorgung sicherte. Diese begrenzt sich auf 120 Liter pro Kopf und Tag.Ulla Sommerlad: Kippt Inheidens Wasserprivileg? in: Wetterauer Zeitung Nr. 288. S. 28 vom 10. Dezember 2024.
Im Zuge der Gebietsreform in Hessen wurde am 1. Januar 1977 kraft Landesgesetz die bis dahin selbstständige Gemeinde Inheiden in die Kleinstadt Hungen eingegliedert. Für Inheiden wie für alle Stadtteile wurde ein Ortsbezirk eingerichtet.
Verwaltungsgeschichte im Überblick Die folgende Liste zeigt die Staaten und deren Verwaltungseinheiten,Bis zur Trennung der Rechtsprechung von der Verwaltung waren die Ämter und frühen Gerichte sowohl Gericht als auch Verwaltungsorgan. denen Inheiden angehört(e):
vor 1806: Heiliges Römisches Reich, Grafschaft Solms-Laubach (Anteil an der Herrschaft Münzenberg), Amt Utphe ab 1806: Großherzogtum Hessen,Mediatisierung infolge der Rheinbundakte. Fürstentum Ober-Hessen, Amt Utphe (der Grafschaft Solms-Laubach) ab 1815: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Amt Utphe (der Grafschaft Solms-Laubach) ab 1820: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Amt UtphePatrimonialgericht: Standesherrliches Amt Utphe des Grafen Solms-Laubach. ab 1822: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Landratsbezirk HungenTrennung zwischen Justiz (Landgericht Laubach; 1822 gingen die Rechte des „standesherrlichen Amts Laubach“ an das Landgericht über, wo sie im Namen der Standesherren ausgeübt wurden) und Verwaltung. ab 1841: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Hungen ab 1848: Großherzogtum Hessen, Regierungsbezirk Friedberg ab 1852: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Grünberg ab 1867: Norddeutscher Bund,Der Norddeutsche Bund war der erste deutsche Bundesstaat unter der Führung Preußens. Er war die geschichtliche Vorstufe des Deutschen Reichs. Infolge des Deutschen Krieges wurde die Provinz Oberhessen dort zwangsweise Mitglied. Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Grünberg ab 1871: Deutsches Reich, Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Grünberg ab 1874: Deutsches Reich, Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Gießen ab 1918: Deutsches Reich (Weimarer Republik), Volksstaat Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Gießen ab 1938: Deutsches Reich, Volksstaat Hessen, Landkreis GießenIm Zuge der Gebietsreform 1938 wurde die Provinz Oberhessen aufgelöst. ab 1945: Deutsches Reich, Amerikanische Besatzungszone,Infolge des Zweiten Weltkriegs. Groß-Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Gießen ab 1946: Deutsches Reich, Amerikanische Besatzungszone, Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Gießen ab 1949: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Gießen ab 1977: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Lahn-Dill-Kreis, Stadt HungenAm 1. Januar 1977 als Ortsbezirk zur Stadt Hungen. ab 1979: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Gießen, Stadt Hungen ab 1981: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Gießen, Landkreis Gießen, Stadt Hungen
Gerichte seit 1803 In der Landgrafschaft Hessen-Darmstadt wurde mit Ausführungsverordnung vom 9. Dezember 1803 das Gerichtswesen neu organisiert. Für das Fürstentum Oberhessen (ab 1815 Provinz Oberhessen) wurde das „Hofgericht Gießen“ eingerichtet. Es war für normale bürgerliche Streitsachen Gericht der zweiten Instanz, für standesherrliche Familienrechtssachen und Kriminalfälle die erste Instanz. Übergeordnet war das Oberappellationsgericht Darmstadt. Die Rechtsprechung der ersten Instanz wurde durch die Ämter bzw. Standesherren vorgenommen und somit war für Inheiden ab 1806 das „Patrimonialgericht der Grafen Solms-Laubach“ in Utphe zuständig. Nach der Gründung des Großherzogtums Hessen 1806 wurden die Aufgaben der ersten Instanz 1821–1822 im Rahmen der Trennung von Rechtsprechung und Verwaltung auf die neu geschaffenen Land- bzw. Stadtgerichte übertragen. Ab 1822 ließen die Grafen Solms-Laubach ihre Rechte am Gericht durch das Großherzogtum Hessen in ihrem Namen ausüben. „Landgericht Laubach“ war daher die Bezeichnung für das erstinstanzliche Gericht, das für Inheiden zuständig war. Auch auf sein Recht auf die zweite Instanz, die durch die Justizkanzlei in Hungen ausgeübt wurde, verzichtete Graf Karl 1823. Erst infolge der Märzrevolution 1848 wurden mit dem „Gesetz über die Verhältnisse der Standesherren und adeligen Gerichtsherren“ vom 15. April 1848 die standesherrlichen Sonderrechte endgültig aufgehoben. Mit dem 1. November 1848 wurde Inheiden an das Landgericht Hungen abgegeben.Bekanntmachung, verschiedene Veränderungen in der Bezirkseintheilung der Landgerichte Laubach, Hungen, Lich und Butzbach betreffend vom 5. Oktober 1848 (Hess. Reg.Bl. S. 366)
Anlässlich der Einführung des Gerichtsverfassungsgesetzes mit Wirkung vom 1. Oktober 1879, infolge derer die bisherigen großherzoglichen Landgerichte durch Amtsgerichte an gleicher Stelle ersetzt wurden, während die neu geschaffenen Landgerichte nun als Obergerichte fungierten, kam es zur Umbenennung in „Amtsgericht Hungen“ und Zuteilung zum Bezirk des Landgerichts Gießen. Am 1. Juni 1934 wurde das Amtsgericht Hungen aufgelöst und Utphe dem Amtsgericht Lich zugeteilt. Am 1. Juni 1934 wurde das Amtsgericht Lich aufgelöst und Inheiden dem Amtsgericht Gießen zugeteilt.
Bevölkerung Einwohnerstruktur 2011 Nach den Erhebungen des Zensus 2011 lebten am Stichtag dem 9. Mai 2011 in Inheiden 1128 Einwohner. Darunter waren 15 (1,3 %) Ausländer. Nach dem Lebensalter waren 189 Einwohner unter 18 Jahren, 489 zwischen 18 und 49, 222 zwischen 50 und 64 und 225 Einwohner waren älter. Die Einwohner lebten in 480 Haushalten. Davon waren 126 Singlehaushalte, 150 Paare ohne Kinder und 156 Paare mit Kindern, sowie 36 Alleinerziehende und 9 Wohngemeinschaften. In 93 Haushalten lebten ausschließlich Senioren und in 321 Haushaltungen lebten keine Senioren.
Einwohnerentwicklung • 1631: 46 Untertanen
Historische Religionszugehörigkeit • 1830: 345 evangelische und 13 jüdische Einwohner • 1961: 556 evangelische, 100 katholische Einwohner
Historische Erwerbstätigkeit • 1961: Erwerbspersonen: 99 Land- und Forstwirtschaft, 202 Prod. Gewerbe, 52 Handel, Verkehr und Nachrichtenübermittlung, 31 Dienstleistung und Sonstiges
Politik Für den Stadtteil Inheiden besteht ein Ortsbezirk (Gebiete der ehemaligen Gemeinde Inheiden) mit Ortsbeirat und Ortsvorsteher nach der Hessischen Gemeindeordnung. Der Ortsbeirat besteht aus sieben Mitgliedern. Bei den Kommunalwahlen in Hessen 2021 betrug die Wahlbeteiligung zum Ortsbeirat 59,98 %. Dabei wurden gewählt: Je ein Mitglied der CDU, der SPD, des Bündnis 90/Die Grünen und der „Bürgerliste Pro Hungen“ (ProH), sowie drei Mitglieder der „Freien Wähler Hungen“. Der Ortsbeirat wählte Wendelin Weil (FW) zum Ortsvorsteher.
Infrastruktur Im Ort gibt es eine Grundschule und einen städtischen Kindergarten.
Verkehr Inheiden hatte einen Bahnhof an der Bahnstrecke Friedberg–Mücke der im Jahre 2003 stillgelegt wurde. Der Abschnitt Wölfersheim-Södel – Hungen der Bahnstrecke, an dem der Bahnhof liegt, soll reaktiviert werden. Die Betriebsaufnahme ist für den 12. Dezember 2027 geplant.
Anmerkungen und Einzelnachweise Anmerkungen
Einzelnachweise Einwohner mit Nebenwohnsitzen: 1999–2007; 1971–2015 2020
Weblinks
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