Im Netz der Leidenschaften (Originaltitel: The Postman Always Rings Twice) ist ein US-amerikanischer Film-Noir von Tay Garnett aus dem Jahr 1946 und die dritte Verfilmung von James M. Cains Roman Wenn der Postmann zweimal klingelt. Der Film erzählt die Geschichte von Cora und Frank, die aus Leidenschaft füreinander Coras Ehemann umbringen. Die Hauptdarsteller Lana Turner als verführerische Femme fatale Cora und John Garfield als der ihr verfallene Vagabund Frank machen den Film durch ihr Spiel, in dem erotische Anziehung zur Triebfeder für ein Verbrechen wird, zu einem Vorreiter für das Genre des Erotikthrillers und zu einem der kassenträchtigsten Werke des Film noir. Ein Alternativtitel ist Die Rechnung ohne den Wirt.

Handlung Frank Chambers, ohne festen Wohnsitz, reist per Anhalter durch das kalifornische Hinterland und wird an einem Diner namens Twin Oaks abgesetzt. Frank sieht das Schild „MAN WANTED“ vor dem Diner und bewirbt sich beim Besitzer Nick Smith um einen Job. Nick stellt den jungen Mann ein. Bald trifft Frank auf Cora, Nicks Ehefrau. Er ist fasziniert von der attraktiven, ganz in Weiß gekleideten Blondine. Die beiden fühlen sich zueinander hingezogen, doch Cora spielt zunächst mit Frank, indem sie ihn mit Worten einerseits erotisch reizt, andererseits aber kühl auf Distanz hält. Nach einem gemeinschaftlichen nächtlichen Bad im Meer kommen die beiden sich schließlich näher. Cora erzählt, dass sie den wesentlich älteren, naiven Nick nicht aus Liebe geheiratet hat, sondern nur, um für Sicherheit in ihrem Leben zu sorgen.

Cora will Nick für Frank verlassen. Als Nick außer Haus ist, brechen Cora und Frank überstürzt auf, kehren aber wieder zurück, bevor Nick etwas merkt. Cora will auf ihre finanzielle Sicherheit doch nicht verzichten. Sie macht Frank den Vorschlag, ihren Ehemann gemeinsam zu ermorden, um füreinander frei zu sein. Ihr Plan ist, Nick umzubringen, während er ein Bad nimmt. Cora soll die Tat ausführen und dann das verschlossene Badezimmer durch das Fenster über eine Leiter verlassen, um einen Unfall vorzutäuschen. Während des Mordversuchs klettert jedoch eine Katze die Leiter empor und löst einen elektrischen Kurzschluss in der Dachbeleuchtung aus. Ein Polizist wird auf das Geschehen aufmerksam, Coras und Franks Plan ist damit gescheitert. Nick ist bewusstlos und wird ins Krankenhaus eingeliefert. Da er sich an den Tathergang nicht erinnern kann, können die beiden den Mordversuch als Unfall vertuschen. Nur der Bezirksstaatsanwalt Sackett, der Frank einst vor dem Twin Oaks absetzte, ist skeptisch.

Als Nick wieder aus dem Krankenhaus entlassen wird, verlässt Frank das Twin Oaks und geht wieder auf Wanderschaft. Doch er kann Cora nicht vergessen. Auf einem Markt in Los Angeles trifft er wenig später zufällig Nick, der ihn dazu drängt, doch zurückzukehren. Die Leidenschaft zwischen Cora und Frank flammt wieder auf. Als Nick berichtet, er wolle das Twin Oaks verkaufen und mit Cora ins nördliche Kanada ziehen, um seine gelähmte Schwester zu pflegen, fassen Cora und Frank erneut den Entschluss, Nick zu töten. Auf einer Autofahrt zu dritt sorgen sie dafür, dass Nick betrunken ist. Während Cora den Wagen steuert, erschlägt Frank ihren Ehemann vom Rücksitz aus mit einer Weinflasche. Als sie das Auto mit dem toten Nick eine Klippe hinunterstürzen, bleibt dieses zunächst stecken. Bezirksstaatsanwalt Sackett, der die Abfahrt des Trios beobachtet hat und dem Auto gefolgt ist, gelangt an den Tatort. Nachdem das Fahrzeug schließlich doch noch in die Tiefe stürzt und Frank dabei verletzt wird, konfrontiert Sackett Cora mit der Anschuldigung, sie sei die Mörderin ihres Mannes und präsentiert auch ein Motiv: Nick hat kürzlich eine Lebensversicherung über 10.000 Dollar abgeschlossen.

Sackett will Cora des Mordes überführen und redet Frank ein, Cora habe beide Männer töten wollen, um das Geld der Versicherung mit niemandem teilen zu müssen. Frank sei unschuldig, er sei schließlich ebenfalls betrunken gewesen. Frank stellt sich gegen Cora und will gegen sie aussagen. Bei ihrem Anwalt Arthur Keats reicht Cora ein Geständnis ein, das auch Frank mitbelastet. Vor dem Kammergericht handelt Keats mit Sackett ein Geschäft aus: da Sackett keine Zeugen oder eindeutigen Beweise vorweisen kann, um seine Mordanklage zu untermauern, plädiert Keats auf Totschlag. Sackett willigt schweren Herzens ein und Cora wird lediglich zu einer Strafe auf Bewährung verurteilt. Cora und Frank kehren ins Twin Oaks zurück, doch ihre Beziehung ist fortan von Misstrauen geprägt. Um ihr Zusammenleben zu legalisieren, heiraten sie. Als Cora verreist ist, um ihre kranke Mutter nach einem Herzinfarkt zu besuchen, beginnt Frank eine Beziehung mit einem Mädchen (Madge Gorland). Cora kehrt zurück, nachdem ihre Mutter gestorben ist. Frank und Cora müssen sich nun gegen einen Erpressungsversuch wehren: Der Bürogehilfe des Anwalts Keats droht, Coras schriftliches Geständnis der Staatsanwaltschaft zu übermitteln.

Frank und Cora sprechen sich schließlich aus. Frank bedauert sein Verhältnis mit Madge und gesteht Cora seine Liebe. Cora eröffnet ihm, sie sei schwanger. Die beiden fahren ans Meer, um bei einem Bad ihre Liebe zu erneuern. Cora wird dabei von Frank vor dem Ertrinken gerettet. Glücklich fahren die beiden nach Hause. Frank bittet Cora während der Fahrt um einen Kuss. Als sie sich leidenschaftlich küssen, kommt das Auto von der Fahrbahn ab – und Cora stirbt bei dem Unfall. Frank wird des Mordes an Cora angeklagt, für schuldig befunden und zum Tode verurteilt. In der Todeszelle erzählt er einem Priester seine Lebensgeschichte. Sackett überbringt Frank die Nachricht, dass der Gouverneur Franks Gnadengesuch abgelehnt hat. Frank bittet den Priester, für ihn und Cora zu beten. Er hofft auf ein Wiedersehen mit seiner Geliebten nach seinem Tod.

Entstehungsgeschichte Literarische Vorlage und Vorgeschichte mini|James M. Cain, Autor des Romans The Postman Always Rings Twice The Postman Always Rings Twice, veröffentlicht 1934, war Cains erster Roman und rückte ihn in der öffentlichen Rezeption unmittelbar in die Nähe von Hard-Boiled-Autoren wie Hammett oder Chandler; eine Einordnung, gegen die sich Cain stets wehrte. Kennzeichnend für den Roman sind der Realismus der lakonischen Schilderungen und eine Direktheit und Authentizität in der Sprache. Ungewöhnlich für einen Kriminalroman zur damaligen Zeit war es, dass der Täter und nicht ein Polizist oder Detektiv die Geschichte erzählte, sowie die enge Verknüpfung von Sexualität und Kriminalität.Eva Sattlegger: Film Noir und Hard-Boiled Fiction – Klassiker des Film Noir und ihre literarischen Vorgänger. VDM Verlag Dr. Müller, Saarbrücken 2008, ISBN 978-3-639-06127-7, S. 76.

MGM sicherte sich bereits 1935 die Filmrechte am Roman, doch das Breen-Büro machte sofort deutlich, dass eine Verfilmung unter den Zensurbedingungen des Hays-Codes nicht möglich sei. Der Roman wurde in Europa zweimal verfilmt: 1939 drehte Pierre Chenal eine französische Version unter dem Titel Le dernier tournant, und Luchino Visconti adaptierte das Buch 1943 für seinen Erstlingsfilm Ossessione, das erste Hauptwerk des Italienischen Neorealismus.Helmut Merker: Im Netz der Leidenschaften in: Grob: S. 115. MGM ging gegen diese nicht autorisierte Bearbeitung des Stoffes vor und erreichte ein Aufführverbot für Ossessione in den Vereinigten Staaten.Hare: S. 134. Tatsächlich durfte Viscontis Film erst 1977 erstmals in den USA gezeigt werden.

Vorproduktion Erst der Erfolg der Verfilmungen von Cains Nachfolgeromanen Double Indemnity durch Paramount 1944 (unter der Regie von Billy Wilder) und Mildred Pierce durch Warner 1945 (unter der Regie von Michael Curtiz) ermutigte MGM, das Projekt in Angriff zu nehmen. Diese Filme zeigten MGM den Weg, wie Erwachsenenthemen wie Sex und Gewalt unter den Bedingungen des Hays-Codes filmisch umgesetzt werden konnten.Andrew Spicer: Film Noir. Pearson Education Ltd., Harlow 2002, ISBN 0-582-43712-1, S. 38. Die Thematik von Im Netz der Leidenschaften galt als ungewöhnlich für einen MGM-Film. Das Studio hatte sich auf familientaugliche und kommerziell erfolgversprechende Musikfilme und Komödien spezialisiert und galt als konservativ und risikoscheu.Hare: S. 130.

Der Produzent Carey Wilson wollte Lana Turner als Hauptdarstellerin, da er es als Impuls für ihre Karriere ansah, ihr Image durch die Rolle der Cora als Femme fatale zu erweitern. Auch andere Abteilungen von MGM bereiteten zu diesem Zeitpunkt Filmprojekte vor, für die sie Turner als einen der großen weiblichen Stars des Studios gewinnen wollten. Ausschlaggebend war schließlich Tay Garnetts Gespräch mit Lana Turner, in dem er sie überzeugte, dass gegenüber den anderen Projekten die Rolle der Cora die größere schauspielerische Herausforderung bot.Morella/Epstein: S. 81.

Für die männliche Hauptrolle waren zunächst Joel McCrea und Cameron Mitchell im Gespräch, doch die Verantwortlichen entschieden sich schließlich für John Garfield, der zu dieser Zeit von Warner an MGM ausgeliehen war.Nott: S. 177. Garfield konnte gegen sein Image bei Warner, wo er überwiegend sorglose und amüsante Figuren verkörperte, anspielen und griff auf Erfahrungen zurück, die er zur Zeit der Großen Depression als mittelloser umherwandernder Jungschauspieler gesammelt hatte.Nott: S. 179.

Produktion Die Dreharbeiten begannen im Juni 1945 und zogen sich bis zum November 1945 hin. Garnett und Wilson entschieden sich, Turner nur in weißer Kleidung auftreten zu lassen, um sie weniger sinnlich und lasziv wirken zu lassen und um damit einen Kontrast zu der in der Figur angelegten Unmoral zu setzen.Morella/Epstein: S. 82. Die platinblonden Haare Turners in diesem Film war keine inszenatorische Idee des Regisseurs; Lana Turner trug diese Frisur bereits vor den Dreharbeiten. Auch stellte sich heraus, dass die Chemie zwischen den Hauptdarstellern stimmte und sie im Zusammenspiel die leidenschaftliche Beziehung der Filmfiguren sehr gut umsetzen konnten.Morella/Epstein: S. 82.Jeanine Basinger: Lana Turner. Pyramid Publications, New York 1976, ISBN 0-515-04194-7, S. 68.

Turner verhielt sich am Set absolut professionell und sah sich täglich selbstkritisch die Muster an. Garnett beschreibt ihren Charakter als warmherzig und hilfsbereit, ganz im Gegensatz zu ihrem Image als kühles Sex-Symbol.Garnett: S. 265. Die Dreharbeiten verliefen reibungslos bis zu dem Punkt, als die Szenen gedreht werden sollten, in der Frank und Cora ein nächtliches Bad im Meer nehmen. An dem vorgesehenen Drehort Laguna Beach herrschte mehrere Tage Nebel, sodass man nach San Clemente Beach umzog. Auch dort wurden die Dreharbeiten durch Nebel verzögert. Garnett stand unter Druck, und es kam zu einem alkoholbedingten Wutanfall, woraufhin Garnett vom Studio für eine Woche von den Dreharbeiten abgezogen wurde und die Produktion ruhte. Garnetts Biograph Nott kolportiert die Geschichte, dass in dieser Woche Turner und Garnett eine kurzfristige Affäre hatten.Nott: S. 180.

Synchronisation Die deutschsprachige Synchronfassung entstand 1954 im MGM-Synchronisations-Atelier Berlin. in der Synchrondatenbank von Arne Kaul; abgerufen am 16. September 2010. Dabei wurde Coras und Nicks Nachname Smith in den für deutsche Zungen leichter auszusprechenden Namen Mill abgeändert. Unter dem Titel Im Netz der Leidenschaften startete der Film dann am 20. August 1954 in den bundesdeutschen Kinos.

RolleDarstellerSynchronsprecherCora MillLana TurnerEleonore NoelleFrankJohn GarfieldHans QuestArthur KeatsHume CronynKurt MeiselNick MillCecil KellawayAlfred BalthoffKyle SackettLeon AmesSiegfried Schürenberg

Rezeption Veröffentlichung und zeitgenössische Kritik