Steinbach ist ein Ortsteil der Gemeinde Fernwald im mittelhessischen Landkreis Gießen. Nahegelegene Ortschaften sind die Ortsteile der Gemeinde Fernwald Albach und Annerod sowie Pohlheim-Garbenteich.
Ortsgeschichte mini|hochkant|Ortskern mit evangelischer Kirche
Mittelalter Die vermeintliche Ersterwähnung von Steinbach aus dem Jahre 1141 ist eine Fälschung des 13. Jahrhunderts.Arthur Wyss: Urkundenbuch der Deutschordens-Ballei Hessen. Band 1–3. Band 3. Leipzig 1879–1899. In Steinbach ist seit dem 13. Jahrhundert Besitz des Klosters Arnsburg belegt. Eine Urkunde aus dem Jahr 1248 spricht von „... super bonis in Steinbach“ (unter den Gütern in Steinbach)Ludwig Baur: Urkundenbuch des Klosters Arnsburg in der Wetterau. (AUB), Darmstadt 1851. Nr. 54, S. 38. sowie 1302 von „bona sita in Stenbach.“Ludwig Baur: AUB, Nr. 308, S. 227. Der Ortsname wird auf den Namen eines Baches, des Steinbachs, zurückgeführt.Lutz Reichardt: Die Siedlungsnamen der Kreise Gießen, Alsfeld und Lauterbach in Hessen. Namenbuch. Dissertation. Göppingen 1973. S. 358. Das Dorf hatte immer einen regen Kontakt zu Kloster Schiffenberg. Dorthin wurde bis 1809 noch der Zehnte gezahlt.
Neuzeit Die Statistisch-topographisch-historische Beschreibung des Großherzogthums Hessen berichtet 1830 über Steinbach:
Am 23. Oktober 1719 kam es in Steinbach zu einem großen Brand, bei dem rund 40 Gebäude (Häuser, Ställe, Scheunen) verbrannten.Fürstlich Solms-Hohensolms-Lich’sches Archiv im Staatsarchiv Darmstadt, F31, Nr. 253. Ein weiterer Großbrand im Jahr 1842 zerstörte dann fast den ganzen Ort, inklusive der alten Kirche. Daraufhin wurde von 1845 bis 1848 die evangelische Kirche Steinbach in ihrer heutigen Form neu erbaut.
Hessische Gebietsreform (1970–1977) Im Zuge der Gebietsreform in Hessen schloss sich die Gemeinde Steinbach am 31. Dezember 1971 freiwillig mit den Gemeinden Annerod und Albach zur Gemeinde Fernwald zusammen.K.-H. Gerstenmeier: Hessen. Gemeinden und Landkreise nach der Gebietsreform. Eine Dokumentation. Melsungen 1977, S. 292.
Verwaltungsgeschichte im Überblick Die folgende Liste zeigt die Staaten und deren Verwaltungseinheiten,Bis zur Trennung der Rechtsprechung von der Verwaltung waren die Ämter und frühen Gerichte sowohl Gericht als auch Verwaltungsorgan. denen Steinbach angehört(e):
vor 1567: Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Hessen, Amt GießenDie Zugehörigkeit des Amtes Gießen anhand von Karten aus dem Geschichtlicher Atlas von Hessen: , und ab 1567: Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Hessen-Marburg, Amt Gießen 1604–1648: Heiliges Römisches Reich, strittig zwischen Landgrafschaft Hessen-Darmstadt und Landgrafschaft Hessen-Kassel (Hessenkrieg) ab 1604: Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Hessen-Darmstadt, Oberfürstentum Hessen, Oberamt Gießen (ab 1789), Gericht Steinbach ab 1806: Großherzogtum Hessen,Infolge der Rheinbundakte. Fürstentum Ober-Hessen, Landamt Gießen ab 1815: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Landamt Gießen ab 1821: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Landratsbezirk GießenTrennung zwischen Justiz (Landgericht Gießen) und Verwaltung. ab 1832: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Grünberg ab 1837: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Gießen ab 1848: Großherzogtum Hessen, Regierungsbezirk Gießen ab 1852: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Gießen ab 1867: Norddeutscher Bund,Der Norddeutsche Bund war der erste deutsche Bundesstaat unter der Führung Preußens. Er war die geschichtliche Vorstufe des Deutschen Reichs. Infolge des Deutschen Krieges wurde die Provinz Oberhessen dort zwangsweise Mitglied. Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Gießen ab 1871: Deutsches Reich, Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Gießen ab 1918: Deutsches Reich (Weimarer Republik), Volksstaat Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Gießen ab 1938: Deutsches Reich, Volksstaat Hessen, Landkreis GießenIm Zuge der Gebietsreform 1938 wurde die Provinz Oberhessen aufgelöst. ab 1945: Deutsches Reich, Amerikanische Besatzungszone,Infolge des Zweiten Weltkriegs. Groß-Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Gießen ab 1946: Deutsches Reich, Amerikanische Besatzungszone, Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Gießen ab 1949: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Gießen ab 1972: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Gießen, Gemeinde Fernwald ab 1977: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Lahn-Dill-Kreis, Gemeinde Fernwald ab 1979: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Gießen, Gemeinde Fernwald ab 1981: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Gießen, Landkreis Gießen, Gemeinde Fernwald
Gerichte seit 1803 In der Landgrafschaft Hessen-Darmstadt wurde mit Ausführungsverordnung vom 9. Dezember 1803 das Gerichtswesen neu organisiert. Für die Provinz Oberhessen wurde das „Hofgericht Gießen“ eingerichtet. Es war für normale bürgerliche Streitsachen Gericht der zweiten Instanz, für standesherrliche Familienrechtssachen und Kriminalfälle die erste Instanz. Die Rechtsprechung der ersten Instanz wurde durch die Ämter bzw. Standesherren vorgenommen und somit war für Steinbach das „Landamt Gießen“ zuständig. Nach der Gründung des Großherzogtums Hessen 1806 wurden die Aufgaben der ersten Instanz 1821 im Rahmen der Trennung von Rechtsprechung und Verwaltung auf die neu geschaffenen Land- bzw. Stadtgerichte übertragen. „Landgericht Gießen“ war daher von 1821 bis 1879 die Bezeichnung für das erstinstanzliche Gericht, das für Steinbach zuständig war.
Anlässlich der Einführung des Gerichtsverfassungsgesetzes am 1. Oktober 1879 wurden die bisherigen Land- und Stadtgerichte im Großherzogtum Hessen aufgehoben und durch Amtsgerichte an gleicher Stelle ersetzt, ebenso verfuhr man mit den als Obergerichten fungierenden Hofgerichten, deren Funktion nun die neu errichteten Landgerichte übernahmen. Die Bezirke des Stadt- und des Landgerichts Gießen wurden zusammengelegt und bildeten nun zusammen mit den vorher zum Landgericht Grünberg gehörigen Orten Allertshausen und Climbach den Bezirk des neu geschaffenen Amtsgerichts Gießen, welches seitdem zum Bezirk des als Obergericht neu errichteten Landgerichts Gießen gehört. Zwischen dem 1. Januar 1977 und 1. August 1979 trug das Gericht den Namen „Amtsgericht Lahn-Gießen“ der mit der Auflösung der Stadt Lahn wieder in „Amtsgericht Gießen“ umbenannt wurde.
Bevölkerung Einwohnerstruktur 2011 Nach den Erhebungen des Zensus 2011 lebten am Stichtag dem 9. Mai 2011 in Steinbach 2811 Einwohner. Darunter waren 102 (3,6 %) Ausländer. Nach dem Lebensalter waren 417 Einwohner unter 18 Jahren, 1242 zwischen 18 und 49, 597 zwischen 50 und 64 und 555 Einwohner waren älter. Die Einwohner lebten in 1257 Haushalten. Davon waren 363 Singlehaushalte, 411 Paare ohne Kinder und 360 Paare mit Kindern, sowie 90 Alleinerziehende und 33 Wohngemeinschaften. In 234 Haushalten lebten ausschließlich Senioren und in 873n Haushaltungen lebten keine Senioren.
Einwohnerentwicklung • 1502: 18 Männer • 1577: 73 Hausgesesse • 1630: 2 dreispännige, 8 zweispännige, 21 einspännige Ackerleute, 16 Einläuftige, 8 Witwen, 4 Vormundschaften • 1669: 276 Seelen • 1742: 3 Geistliche/Beamte, 115 Untertanen, 43 Junge Mannschaften, 5 Beisassen/Juden • 1791: 523 Einwohner • 1800: 545 Einwohner • 1806: 656 Einwohner, 110 Häuser • 1829: 736 Einwohner, 122 Häuser • 1867: 1009 Einwohner, 158 Häuser
Historische Religionszugehörigkeit • 1830: 692 evangelische (= 94,0 %), 8 katholische (= 1,1 %), 36 jüdische (=?$,9 %) Einwohner • 1961: 1491 evangelische (= 79,5 %), 360 römisch-katholische (= 19,2 %) Einwohner
Historische Erwerbstätigkeit • 1961: Erwerbspersonen: 265 Land- und Forstwirtschaft, 450 Produzierendes Gewerbe, 14 Handel, Verkehr und Nachrichtenübermittlung, 172 Dienstleistungen und Sonstige.
Wappen Beschreibung: „In Rot auf ein goldenes Schrägkreuz aufgelegt ein silbernes, mit einem durchgehenden schwarzen Kreuz belegtes Herzschild.“
Der Deutschordensschild und das Gleiberger (Merenberger) Schrägkreuz stehen für deren Besitzrechte in Steinbach.Gemeinde auf der Website der Gemeinde Fernwald
Wirtschaft Die Firma Rinn Beton- und Naturstein betreibt in Steinbach ein Werk zur Produktion von Betonwerksteinen.
Verkehr Steinbach liegt westlich der Bundesautobahn 5 direkt an der Anschlussstelle Fernwald. Durch Steinbach führt die Landesstraße 3129. Die Bundesstraße 457 führte bis 1981 ebenfalls durch den Ort, wurde dann aber auf eine Umgehungsstraße südwestlich des Ortes verlegt.
Persönlichkeiten, Töchter und Söhne Carl Roth (1884–1967), Politiker (SPD) Peter Cramer (1932–2009), Rechtswissenschaftler, Lehrstuhlinhaber in Bochum und Gießen, wohnte in Steinbach Axel Redmer (* 1951), Politiker (SPD)
Fußnoten Anmerkungen
Einzelnachweise
Weblinks
Aus der Geschichte der Gemeinde Fernwald. In: Webauftritt der Gemeinde Fernwald.
Kategorie:Ort im Landkreis Gießen Kategorie:Geographie (Fernwald) Kategorie:Ehemalige Gemeinde (Landkreis Gießen) Kategorie:Ersterwähnung 1141 Kategorie:Gemeindeauflösung 1971