mini|320px|Die Uferpromenade von Salerno Salerno ist eine Hafenstadt am Golf von Salerno in Süditalien. Die erste Besiedlung fand im neunten Jahrhundert v. Chr. statt. Der Name der Stadt geht auf die römische Kolonie und das Militärlager Salernum zurück. Salerno ist heute Hauptstadt der Provinz Salerno in Kampanien sowie seit 1970Neapel. Amalfiküste. Cilento. Dumont-Reisetaschenbuch, ISBN 978-3-7701-7241-2; S. 233 ff. Universitätsstadt. In den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg entwickelte sich Salerno zu einer Großstadt und hatte (Stand ) Einwohner.
Schon in der Antike wurde der Hafen über seine militärische Funktion hinaus ein bedeutender Handelsplatz. Im Mittelalter bestanden Handelsbeziehungen zu Sizilien und Nordafrika; Salerno war seit 983 Erzbischofssitz und die Ärzteschule der Stadt ist als erste Hochschule bzw. „Universität“ des europäischen MittelaltersBernhard D. Haage, Wolfgang Wegner: Salerno, Medizinschule von. In: Werner E. Gerabek, Bernhard D. Haage, Gundolf Keil, Wolfgang Wegner (Hrsg.): Enzyklopädie Medizingeschichte. De Gruyter, Berlin / New York 2005, ISBN 3-11-015714-4, S. 1281 f. berühmt. In der Neuzeit bewirkte die einsetzende Industrialisierung einen Aufschwung. Der weltweite Containerumschlag des Hafens ist weiterhin bedeutsam.
Herausragende Bauwerke sind das Castello di Arechi, das teilweise noch aus normannischer Zeit stammt, und der Dom mit seinem mächtigen Turm. Hier befindet sich die Grabstätte des Heiligen Gregor VII. und vielleicht auch die des Evangelisten Matthäus.
Geografie Lage Salerno ist eine Küstenstadt am Tyrrhenischen Meer. Von Salerno aus westsüdwestlich liegt die amalfitanische Küste, die Teil der Halbinsel von Sorrent ist; die nördliche Küste dieser Halbinsel begrenzt den Golf von Neapel von Süden. Südsüdöstlich von Salerno liegt die Tal- und Mündungsebene des Flusses Sele, der am Monte Paflagone entspringt und etwa 23 Kilometer südlich von Salerno ins Meer mündet. Südsüdöstlich dieser Ebene liegt das Gebiet Cilento. Dessen Küste, die Küste genannter Ebene sowie die amalfitanische Küste umschließen den Golf von Salerno; die Stadt liegt also an dessen nördlichem Ende.
Klima Die klimatischen Bedingungen Salernos entsprechen mediterranem Mittelmeerklima. Die sommerlichen Temperaturen können leicht 35 °C erreichen, wobei die kühlere Meeresluft des Golfs von Salerno im Allgemeinen für niedrigere Temperaturen und stürmisches Wetter sorgt. Die Winter in Salerno sind eher mild und tendieren um Temperaturen von durchschnittlich 10 °C.Christian Bonetto, Josephine Quintero: Lonely Planet – Naples & the Amalfi Coast, S. 251.
Stadtgliederung Es gibt vier Stadtgebiete: das Zentrum, den Osten, Rioni Collinari und Irno.http://www.comune.salerno.it/client/scheda.aspx?scheda=4899&stile=7&ti=60 Salerno ist eine typische „südeuropäische Stadt“: Ihr städtebauliches Areal mündet übergangslos in das ländliche.Burkhard Hofmeister: Stadtgeographie. Braunschweig. 2. Aufl. 1972, S. 152 ff.
Geschichte Antike Vorrömische Zeit Erste Siedlungen im Gebiet um Salerno sind für die Zeit zwischen dem 9. und dem 6. Jahrhundert v. Chr. belegt. In diese Zeit fällt auch die Gründung des oskisch-etruskischen Ortes Irna im heutigen Stadtteil Fratte. Diese Siedlung war ein wichtiger Ausgangspunkt für den etruskischen Handel mit den griechischen Kolonien von Posidonia und Elea. Als Folge der Schlacht von Cumae (474 v. Chr.), in deren Folge die Etrusker zurückgedrängt wurden, wurde der Ort Teil des syrakusanischen Einflussbereiches. Um 420 v. Chr. wurde Cumae von den Samniten erobert und auch Irna von den Siegern besetzt.
Römische Zeit Mit der römischen Expansion in Kampanien begann Irna seine Bedeutung zu verlieren und wurde von der römischen Kolonie Salernum (gegründet 194 v. Chr. mit Militärlager) verdrängt. Der neue Ort verlor allmählich seine militärische Funktion zugunsten seiner Rolle als Handelszentrum. Mit Rom wurde Salernum durch die Via Popilia verbunden. Das römische Salernum erreichte seine größte Ausdehnung in konstantinischer Zeit (ungefähr 8000 Einwohner auf einem Areal von 27 Hektar).Lexikon des Mittelalters. Bd. 7, Sp. 1293.
Spätantike Während der Zeit der Gotenkriege (532–552) wechselte die Herrschaft über Salerno mehrfach zwischen den Goten und den Oströmern. Gotische Familien lebten jedoch auch nach dem endgültigen Sieg der Byzantiner weiterhin in der Stadt, wie das Grab eines 566 verstorbenen gotischen Mädchens unter der Kirche San Pietro a Corte belegt.Giovanni Vitolo: Salerno. In: Lexikon des Mittelalters, Bd. 7, München/Zürich 1995, Sp. 1293.
Mittelalter Frühmittelalter Das genaue Datum der langobardischen Eroberung ist nicht bekannt. Im Zuge der Expansion der Langobarden nach Nord-, Mittel- und Süditalien errichtete der langobardische dux (Herzog) Zotto 571 das Herzogtum Benevent mit der Stadt Benevent als Hauptstadt.Paulus Diaconus: Historia Langobardorum III, 33. Salerno wurde Teil dieses Herzogtums.
mini|Ruinen des Castello di Arechi in Salerno In der Regierungszeit des Herzogs Arichis II. von Benevent (758–787) wurden viele bauliche Maßnahmen in Angriff genommen. Diese Bautätigkeiten stellten faktisch eine Neugründung Salernos dar und trugen zum Wiederaufstieg der Stadt bei. Unter anderem wurden die Stadtmauern ausgebaut und ein Fürstenpalast errichtet.Giovanni Vitolo: Salerno. In: Lexikon des Mittelalters, Bd. 7, München/Zürich 1995, Sp. 1294.
Durch das Vordringen der Franken in das Langobardenreich schien die Selbstständigkeit des Herzogtums von Benevent in Gefahr. Arichis suchte daher einen Fürstensitz, wo er der drohenden Gefahr durch die Franken weniger stark ausgesetzt war, und entschied sich für Salerno. Neben der geographisch weiteren und sichereren Distanz zum Frankenreich war wohl auch die direkte Lage am Golf von Salerno und der damit verbundene Zugang zum Mittelmeer für Arichis’ Entscheidung ausschlaggebend. Von der Nähe zum Meer versprach sich der beneventarische Fürst engere Verbindungen zum oströmischen Reich, da die byzantinischen Kaiser Verbündete im Kampf gegen die Franken darstellten. Die gute Infrastruktur zwischen Salerno und den relevantesten Städten des Herzogtums war ebenso ein Grund.
mini|Salerno, die Hauptstadt in Süditalien (1100) Nach der Eroberung des langobardischen Königreiches durch Karl den Großen im Jahr 774 erkannte Arichis II. die fränkische Oberherrschaft formell an, und das Fürstentum Benevent blieb autonom. Arichis nahm den Titel princeps an und regierte mit königlicher Macht.Ludo Moritz Hartmann: Geschichte Italiens im Mittelalter, Bd. II, Teil 2, Perthes, Gotha 1903, S. 285ff. Salerno wurde im Laufe der Zeit alleinige Hauptstadt des Fürstentums Benevent. Die Einwanderung von vielen Familien des langobardischen Adels und der Aristokratie ließ das Prestige der Stadt steigen. Durch den Prestigegewinn und die Etablierung Salernos als Hauptstadt fühlte sich die vorher mit politischer Macht und politischem Gewicht ausgestattete Aristokratie in Benevent benachteiligt und es kam zu einem unüberbrückbaren Konflikt zwischen den Adeligen Salernos und denen Benevents.
Dieser Konflikt führte am Ende zur Teilung des Fürstentums. 849 billigte Ludwig von Italien diese Teilung. Es entstanden die zwei voneinander unabhängigen Fürstentümer Salerno und Benevent. Das Fürstentum Salerno bekam die Gebiete Tarent, Südlukanien und die tyrrhenischen Gebiete von der Grenze des Herzogtums Spoleto bis Cosenza. Die Teilung und folglich die Eigenständigkeit war ein wichtiges Ereignis und eine grundlegende Veränderung für Salerno, das nun der Knotenpunkt eines weiträumigen Territoriums war. Dank des stetigen Zuzuges adeliger Familien, welche in der Stadt Häuser, Kirchen und Klöster bauten, wurde die Urbanisierung Salernos und der Umgebung vorangetrieben.
Mitte des 9. Jahrhunderts kam es zu einem Entmachtungsprozess innerhalb des Fürstentums Salerno. Die Grafen von Capua strebten nach Macht und entmachteten schließlich den Princeps Guaimarius (Waimar). In der Regierungszeit Atenulfs (887–910) nahmen sie auch das Fürstentum Benevent in Besitz. Des Weiteren kam es in den nächsten Jahrzehnten zu Eroberungszügen der Sarazenen und Salerno verlor die Gebiete Tarent, Matera und Acerenza, die später unter byzantinischer Herrschaft standen. Gruppen von plündernden Sarazenen, die oft im Sold der verschiedenen regionalen kampanischen Fürsten standen, griffen seit Mitte des 9. Jahrhunderts mehrfach Salerno an.Giovanni Vitolo: Salerno. In: Lexikon des Mittelalters, Bd. 7, München/Zürich 1995, Sp. 1295.
Hochmittelalter Um die Jahrtausendwende blühte der zerstörte Handel wieder auf. Während im westlichen Genua und im adriatisch-östlichen Mittelmeer Venedig aufstiegen, entwickelten Amalfi und Salerno zu dem muslimischen Sizilien und zu Nordafrika bemerkenswerten Handel. In der Levante entstanden Handelszentren nach den Eroberungen der Kreuzfahrer.N. J. G. Pounds: Historische und Politische Geographie von Europa. Braunschweig 1950, S. 107 f. Die Ärzteschule von Salerno erlangte im 12. Jahrhundert ihre höchste BlütePaul Diepgen, Heinz Goerke: Aschoff/Diepgen/Goerke: Kurze Übersichtstabelle zur Geschichte der Medizin. 7., neubearbeitete Auflage. Springer, Berlin/Göttingen/Heidelberg 1960, S. 18–19. und brachte der Stadt zeitweise den Beinamen Civitas Hippocratica („Hippokratische Stadt“) ein.
Frühe Neuzeit Die Fürsten von Sanseverino und die Konflikte mit den spanischen Herrschern mini|200px|Wappen der Familie Sanseverino Als Teil des Königreichs Neapel war das Schicksal Salernos eng mit dem von Neapel verknüpft. So war die Stadt im 15. Jahrhundert Schauplatz des Konflikts der Häuser Anjou und Aragón. Nach dem Sieg der Aragonen und der Erhebung Alfons V. von Aragón zu Alfonso I. von Neapel im Jahr 1441 stand Salerno unter spanischer Herrschaft und fiel an Roberto Sanseverino, der die Spanier unterstützt hatte. Die Fürsten von Sanseverino vereinigten in der Folgezeit die politische und administrative Macht in Salerno und konnten einen wirtschaftlichen und kulturellen Aufschwung herbeiführen, der auch das Wiederaufleben der Medizinschule enthielt.Giovanni Vitolo: Art. Salerno, in: Sp. 1293–1300, hier: Sp. 1296; Ders.: Art. Sanseverino, in: Lexikon des Mittelalters, Bd. 7, München 1995, Sp. 1366f., hier: Sp. 1367. Dieser Aufschwung hielt allerdings nicht lange an, und der Sohn und Nachfolger Roberto Sanseverinos, Antonello, nahm an der sogenannten „Verschwörung der Barone“ gegen Ferdinand I. von Aragon teil, die sich gegen die zunehmenden Zentralisierungsbestrebungen des Königreichs Neapel und den damit verbundenen Bedeutungsverlust der Feudalherren wandte. Antonello Sanseverino musste nach Frankreich fliehen und kehrte 1495 mit den Truppen des französischen Königs Karl VIII. zurück nach Italien.Giovanni Vitolo: Art. Salerno, in: Sp. 1293–1300, hier: Sp. 1296; Ders.: Art. Sanseverino, in: Lexikon des Mittelalters, Bd. 7, München 199; „Antonello Sanseverino“ in Enciclopedie online Treccani.
Im 16. Jahrhundert setzte sich der Konflikt mit der spanischen Herrschaft fort und sollte sich für Salerno weiterhin nachteilig auswirken: Ferrante Sanseverino, der Enkelsohn Antonellos und letzter „principe di Salerno“, stellte sich gegen die spanische Inquisition. Dies führte zum Konflikt mit den spanischen Herrschern und 1552 schließlich zur Exilierung Sanseverinos, der bis zu seinem Tod in Frankreich lebte. Die Sanseverini wurden enteignet und ihr Besitz an andere Fürsten verschenkt oder verkauft.„Ferrante Sanseverino“ in Enciclopedie online Treccani. Der Konflikt blieb auch für Salerno nicht ohne Folgen und markierte den Beginn einer Phase des Niedergangs für die Stadt, der sich bis zum Ende der spanischen und französischen Herrschaft im 18. Jahrhundert fortsetzen sollte.