mini|Oskar von Stobäus (1893)

Oskar Ritter von Stobäus (auch Oscar von Stobäus; * 23. Dezember 1830 in Nördlingen; † 22. Mai 1914 in München) war ein deutscher Kommunalbeamter und nationalliberaler Politiker im Königreich Bayern. Er war Bürgermeister von Lindau (1861–1868) und Regensburg (1868–1903).

Leben Stobäus war Sohn eines Landrichters. Von 1844 bis 1849 besuchte er das Gymnasium Christian-Ernestinum in Bayreuth. Seit 1849 studierte er an der Ludwig-Maximilians-Universität München, der Universität Jena und der Universität Leipzig Rechtswissenschaft. Seit 1850 war er Mitglied des Corps Franconia München.Kösener Corpslisten 1930, 108/155 Er war nach den Examen Rechtspraktikant am Landgericht Weiden in der Oberpfalz und absolvierte 1855 den Staatskonkurs (Assessorprüfung). 1855–1857 war er Assessor in Weiden, ab 1857 rechtskundiger Magistratsrat in Lindau, wo er 1861 zum rechtskundigen Bürgermeister gewählt wurde. Er hatte dieses Amt bis April 1868 inne und gehörte in dieser Funktion auch dem Landrat von Schwaben und Neuburg an, 1865 bis 1867 als dessen Präsident.

Im April 1868 wurde er in Regensburg als Nachfolger des pensionierten Bürgermeisters Friedrich Schubarth zunächst für drei Jahre und danach auf Lebenszeit einstimmig zum rechtskundigen Bürgermeister gewählt. Er bekleidete dieses Amt bis zum selbst gewählten Zeitpunkt seiner Pensionierung aus gesundheitlichen Gründen am 1. Dezember 1903. In seinen Regensburger Jahren gehörte Stobäus für die Nationalliberale Partei in den Wahlperioden 1875–1881, 1887–1893 und 1893–1899 der Kammer der Abgeordneten des Bayerischen Landtages an, jeweils gewählt im Wahlkreis Regensburg. Die kommunalpolitische Ära Stobäus war gekennzeichnet durch den staatsgouvernementalen, stark protestantisch ausgerichteten Nationalliberalismus des Bürgermeisters. Nach dem Ausscheiden aus dem Bürgermeisteramt zog sich Stobäus zunächst nach Ziegelhaus bei Lindau und 1910 dann nach München zurück, wo 1912 seine Frau verschied, zwei Jahre, bevor er 1914 dort selbst starb.

Obwohl Stobäus noch während seiner Amtszeit 1886 zum Ehrenbürger von Regensburg ernannt worden war, war seine Bindung an die Stadt eher schwach geblieben. Noch 1895 erinnerte er den Regierungspräsidenten in einem vertraulichen Schreiben daran, dass er nicht nach Regensburg verlangt habe, sondern dass man ihn von höchster Stelle lange geplagt hätte, seinen schönen Sitz in Lindau am Bodensee zu verlassen. In Regensburg war dann die Amtsführung von Stobäus in erster Linie darauf ausgerichtet, das protestantische, großbürgerliche und national-liberal eingestellte Besitzbürgertum zu fördern. Diese Amtsführung war während der letzten Amtsjahre – wohl auch wegen der sehr langen Amtszeit – auf viel Kritik gestoßen. Die Kritik kam sowohl von der oppositionellen kleinbürgerlich-katholischen wie auch von der linksliberalen Seite und sogar von Seiten der staatlichen Regierung. Auch die Sozialdemokraten machte er zu seinen Gegnern, als er im Juni 1892 die Gründung der bayerischen Sozialdemokratischen Partei in einem Saal auf dem Gebiet der Stadt zu verhindern wusste, so dass die Gründungsversammlung vor den Toren der Stadt im dörflichen Vorort Reinhausen stattfinden musste. Dass sein Amt zuletzt auch für ihn selbst eine Last war, das zeigen die von ihm selbst verfassten Titel der vier Bände seines Nachlasses: Lehr-Jahre 1849–1856, Gesellen-Jahre 1857–1860, Meister-Jahre 1861–1868, Fortsetzung in der Werkstätte zu Regensburg 1868–1903 Ende November. Finis leider erst 1903!

Bürgermeister in Regensburg mini|Ehemalige Porzellanfabrik am Singrün mini|Zanthaus Gesandtenstraße (Vordergrund Ingolstetterhaus)

Seit dem Anschluss von Regensburg an das Königreich Bayern im Jahr 1810 hatte es im Laufe von fast 60 Jahren trotz des ersten Bahnanschlusses im Jahr 1859 nur schwache wirtschaftliche Entwicklungen gegeben. In der Stadt hatten sich nur wenige Kleinbetriebe angesiedelt. Nur ein Betrieb hatte sich schon vor dem Amtsantritt von Stobäus eindrucksvoll entwickelt. Die 1821 gegründete Bleistiftmanufaktur Rehbach hatte sich 1834 stark erweitert und war 1864 bereits zum zweitgrößten Produzenten aufgestiegen. Seit 1805 gab es eine Porzellanmanufaktur, die ab 1829 unter Leitung von Johann Heinrich Schwerdtner am Singrün beim Herzogspark produzierte, aber bereits 1868 ihren Betrieb wieder einstellte.gegründet 1805 zur Produktion von sog. Türkenbechern, die über die Donau in die Türkei verschifft wurden. Danach mehrfacher Besitzerwechsel 1812 gründeten die Gebrüder Bernard im Zanthaus (Gesandtenstraße) eine Zweigniederlassung ihrer Schnupftabakfabrik, die sich erst 1898 auf das benachbarte Ingolstetterhaus ausweitete. 1833 erwarb der 1826 aus Passau zugezogene Verleger Friedrich Pustet in der Gesandtenstraße eine Liegenschaft, gründete eine Buchhandlung und legte mit dem Kauf einer Schnellpresse den Grundstein für das Pustet’sche Druckunternehmen.1836 baute das Pustet-Unternehmen außerhalb des Stadtgebietes von Regensburg eine Papierfabrik und begann die industrielle Fabrikation von Endlospapierbahnen. Erst nach dem Amtsantritt von Stobäus begann eine Phase der starken Expansion des Unternehmens. 1837 hatte an der Kumpfmühler Straße auf dem Areal des heutigen Justizgebäudes eine Runkelrüben-Zuckerfabrik des Fabrikanten Fikentscher ihren Betrieb aufgenommen. Die Fabrik musste 1888 ihren Betrieb wieder einstellen, weil die Reinigung der Zuckerlösung mit Knochenkohle unwirtschaftlich war.Der Bau einer neuen Zuckerfabrik mit zugehöriger Arbeitersiedlung Ostheim (Regensburg) erfolgte 1899 noch in der Amtszeit von Stobäus. Die Bautätigkeit in der Stadt kam nach 1810 fast zum Erliegen. Während der ersten Jahrzehnte des 19. Jahrhunderts war der Neubau der Marstallgebäude auf dem Gelände von Schloss St. Emmeram, der von 1827 bis 1832 ca. 200 Arbeiter beschäftigte, die einzige größere Baustelle in der Stadt. Erst 25 Jahre später und 12 Jahre vor Amtsantritt von Stobäus wurde die Neubaumaßnahme Königliche Villa abgeschlossen.

Infrastruktur der Stadt beim Amtsantritt 1868 Die Infrastruktur von Regensburg war noch ähnlich wie zur Zeit des Anschlusses der Stadt an das Königreich Bayern im Jahr 1810 beschaffen. Die Zerstörungen in der Südoststadt während der Schlacht bei Regensburg waren wegen knapper Finanzen nur notdürftig beseitigt worden und der restliche Baubestand repräsentierte noch die Zustände des späten Mittelalters. Zwar hatten in der Amtszeit von Bürgermeister Thon-Dittmer Erhaltungsmaßnahmen der Kanalisation begonnen, jedoch konnte mit diesen Maßnahmen wegen fehlender Einnahmen bei starken Teuerungen in der Zeit der Deutschen Revolution 1848/1849 nur das herkömmliche System der Ableitung von Niederschlags- und anderem Abwasser in die Donau im Stadtgebiet aufrechterhalten werden.

Außerdem waren Verbesserungen der Infrastruktur durch Baumaßnahmen im Stadtgebiet erst nach Abriss der Stadtbefestigungsanlagen möglich. Weil der König erst 1863 die Erlaubnis zum Abriss der landseitigen Stadtmauern erteilte und weil die beiden Vorgänger von Stobäus im Bürgermeisteramt, Georg Satzinger und Friedrich Schubarth, untätig geblieben waren, erfolgte ein Großteil der Abrissarbeiten erst nach dem Amtsantritt von Stobäus. Neben der Organisation der Abrissmaßarbeiten war Stobäus mit vielen Planungsaufgaben für die neue Infrastruktur belastet und wurde dabei ab 1880 vom Bauingenieur Adolf Schmetzer unterstützt, der 1897 zum Stadtbaumeister bestellt wurde. Beiden war klar, dass nur eine Modernisierung der Infrastruktur die Voraussetzungen für eine industrielle Entwicklung der Stadt und für verbesserte Lebensbedingungen einer anwachsenden Bevölkerung schaffen konnte.

Allgemeine Bauplanungen mini|Wiesmeierweg 9, im Garten Reste Zwingermauer mini|Dr. Johann-Maier-Str. 3 Nach Öffnung der Stadt durch Abriss der Stadtmauern und nach Auffüllung des Stadtgrabens war nicht nur Neu- und Ausbau von Straßen und Kanalisation möglich, sondern auch die Erbauung komplett neuer stadtnaher Wohngebiete. Für den Bau von städtischen Gebäuden wie z. B. Schulen waren Raum und neue Grundstücke in Stadtnähe verfügbar. Mit dem Verkauf von Grundstücken an private Bauherren im Bereich des Inneren WestensPrüfenigerstr. Dr. Johann Maier-Str., Stahlzwingerweg, Prebrunnstraße. des Stadtsüdens und StadtostensWiesmeierweg, Wittelsbacher Str., Petersweg, Fuchsengang, Kumpfmühler Str., Augustenstr.,Von der Tann Str., D. Martin-Luther-Str. konnten Einnahmen erzielt und die Stadtkasse entlastet werden. Dadurch wurden auch städtische Neubaumaßnahmen möglich, denn die 1802 in Bayern unter Innenminister Montgelas beschlossene Schulpflicht erforderte den bisher versäumten Bau von neuen Schulen.

Innerstädtische Straßenneubauten Innerstädtische Straßenneubauten waren überall dort erforderlich, wo vorher Mauern verliefen, wie z. B. am Petersweg, der sogar erst 1902 am Ende der Amtszeit von Stobäus auf Kosten der fürstlichen Parkanlagen seine heutige Breite erhielt, oder dort, wo Türme gestanden hatten bzw. erhalten geblieben waren, wie teilweise am Jakobstor und am Ostentor. Wichtig war auch die Straßenanbindung des 1859 entstandenen Bahnhofs. Dafür musste das Keplerdenkmal versetzt und eine Verlängerung der im Süden mit dem Maxtor endenden Maximilianstraße geschaffen werden. Die Verlängerungsstraße, die bis 1903 den Namen Bahnhofstraße trug, nutzte die Fürst-Anselm-Allee, beeinträchtigte aber die in der Bevölkerung beliebte Allee zunächst nicht massiv. Die Situation änderte sich aber, als 1886/91 der nur 30 Jahre alte Bahnhof durch einen viel größeren, Neubau ersetzt werden musste, der deutlich näher an die Stadt heranrückte.Der Neubau des Bahnhofs wurde erforderlich, nachdem neu geplante Bahnstrecken eine stark veränderte Gleisführung erforderten. Nach dem Abriss der südlichen Stadtmauer konnte der neue Bahnhof durch Verlängerung der Straße Klarenanger mit einer neuen Straße an die Stadt angebunden werden. Die alte Bahnhofstraße blieb jedoch erhalten, gewann im Laufe der Jahre als Verlängerung der immer stärker genutzten Maximilianstraße an Bedeutung und übernahm schließlich den Namen Maximilianstraße und auch den zunehmenden Verkehr.Die Umbenennung erfolgte, nachdem 1899 das Parkhotel am südlichen Ende der Maximilianstraße erbaut worden war. Beim Neubau des Hotels ging das westliche Maxtor verloren. Das östliche Maxtor verschwand erst 1955 beim Nachkriegsneubau eines Hochhauses. Auch der Regensburger Hafen musste durch neue Straßen angebunden werden.Bruderwöhrdstr. Adolf Schmetzerstr. Der Hafen war ab 1865 am Donauufer an der östlichen Donaulände entstanden und hatte über die Hafenbahn Anschluss an die Bayerische Ostbahn, was einen direkten Umschlag der Waren möglich machte.

Neue Wohngebiete Das Neubaugebiet Ensemble Reichsstraße konnte im östlichen Vorland der durch den Abriss der Mauern geöffneten Stadt geplant werden, mit den zugehörigen Straßen und Plätzen, um das Gebiet zu erschließen.z. B. Luitpoldstr. Reichsstr. Weißenburgstr., Hemauerstr., Wittelsbacherstr., Stobäusplatz. Im westlichen Vorland konnte wegen des vorhandenen Stadtparks kein Neubaugebiet geschaffen werden. Dort mussten Planungen zur Randbebauung bestehender oder neu zu schaffender Verbindungs- und Ausfallstraßen erfolgen.z. B. Wittelbacherstr., Dechbettenerstr., Dr. Johann-Maier-Str., Prebrunnstr., Prüfeningerstr. Stobäusplatz

Ausfallstraßen Ausfallstraßen aus der Innenstadt mussten geplant werden, um bestehende Vororte und benachbarte Dörfer anzubinden, z. B. Kumpfmühl, Prüfening, Burgweinting und Neutraubling.Kumpfmühlerstr., Prüfeneningerstr. Galgenbergstr., Landshuterstr., Adolf-Schmetzer-Str.

Schulbau während der Amtszeit mini|Ehemalige Klarenangerschule (heute Geschäftshaus) mini|Kreuzschule mini|Albrecht-Altdorfer-Gymnasium