Hamsterfelle des Europäischen Feldhamsters werden hauptsächlich zum Ausfüttern von textilen Mänteln oder Jacken benutzt. Der Feldhamster zählt zu den buntesten europäischen Pelztieren. Wildlebende Populationen sind mit Ausnahme des ungarischen Hamsters durch die Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie der Europäischen Union seit dem 31. März 1980 streng geschützt,Wissenschaftliches Informationssystem zum Internationalen Artenschutz (Wisia) des Bundesamtes für Naturschutz diese Felle dürfen nicht gehandelt werden. Zur Einfuhr aus Drittstaaten bedarf es einer Befreiung vom Besitz- und Vermarktungsverbot. mini|hochkant=1.5|Hamsterfell

Fell Die Felllänge beträgt etwa 24 bis 34 cm, der gering behaarte Schwanz ist 4 bis 6 cm lang. Das kurze und nicht sehr dichte Haar ist mittelfein, das Unterhaar ist in der Rückenpartie voller und länger als an den Fellseiten. Die Fellzeichnung ist auffällig bunt: Der Kopf ist rötlichgelb, der Rücken gelbbraun mit schwarzen Spitzen im Oberhaar, manchmal ist der Rücken auch ganz schwarz. Die Kehle ist weiß, die Wangenflecken sind gelb, weiße Abzeichen im Vorderfell. Das wellige Unterhaar ist blaugrau bis dunkelschiefergrau. Das Leder ist sehr dünn, das Fell entsprechend sehr leicht. Die lorbeerblattförmigen sogenannten „Rammelflecken“ am Rücken werden bei der Verarbeitung herausgeschnitten; die verarbeiteten Hamsterfelle weisen deshalb, zusammen mit den Stellen der herausgeschnittenen Ohren, vier charakteristische Nähte auf.Fritz Hempe: Handbuch für Kürschner. Verlag Kürschner-Zeitung Alexander Duncker, Leipzig 1932, S. 102–103 Es handelt sich bei den etwa 40 × 8 mm großen Flecken um Hautdrüsen, die Kahlstellen mit kurzen, steifen Borsten bilden.

mini|Hamsterfutter (Vierzeiler) mini|Hamsterfutter (seltenere schwärzliche Variante, „Moor“- oder „Schimmelhamster“) Die Länge der Grannen beträgt 20–21 mm. Sie haben an der Basis eine Dicke von 0,0125 bis 0,015 mm, im Schaftbereich von 0,075 mm und im Bereich der abgeplatteten Granne von 0,039 bis 0,0525 mm. Sie sind vom Schaft stumpf abgewinkelt.Heinrich Dathe, Paul Schöps et al.: Pelztieratlas, VEB Gustav Fischer Verlag, Jena 1986, S. 107–109

Der Haltbarkeitskoeffizient für Hamsterfelle wird mit 30–40 % angegeben.Die angegebenen vergleichenden Werte (Koeffizienten) sind das Ergebnis vergleichender Prüfung durch Kürschner und Rauchwarenhändler in Bezug auf den Grad der offenbaren Abnutzung. Die Zahlen sind nicht eindeutig, zu den subjektiven Beobachtungen der Haltbarkeit in der Praxis kommen in jedem Einzelfall Beeinflussungen durch die Pelzzurichtung und die Pelzveredlung sowie zahlreiche weitere Faktoren hinzu. Eine genauere Angabe könnte nur auf wissenschaftlicher Grundlage ermittelt werden.Die Einteilung erfolgte in Stufen von jeweils 10 Prozent. Die nach praktischer Erfahrung haltbarsten Fellarten wurden auf 100 Prozent gesetzt.Paul Schöps, H. Brauckhoff, K. Häse, Richard König, W. Straube-Daiber: Die Haltbarkeitskoeffizienten der Pelzfelle in Das Pelzgewerbe, Jahrgang XV, Neue Folge, 1964, Nr. 2, Hermelin Verlag Dr. Paul Schöps, Berlin, Frankfurt/Main, Leipzig, Wien, S. 56–58 Bei einer Einteilung der Pelztiere in die Feinheitsklassen seidig, fein, mittelfein, gröber und hart wird das Hamsterhaar als mittelfein eingestuft.Paul Schöps, Kurt Häse: Die Feinheit der Behaarung - Die Feinheits-Klassen. In: Das Pelzgewerbe Jg. VI / Neue Folge, 1955 Nr. 2, Hermelin-Verlag Dr. Paul Schöps, Leipzig, Berlin, Frankfurt am Main, S. 39–40

Es kommen auch weiße, schwarze und gelbliche („Sandhamster“) sowie Scheckenhamster vor.Friedrich Lorenz: Rauchwarenkunde. Volk und Wissen, Berlin 1958, 4. durchgesehene Aufl., S. 48–49 In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts wurde bei den östlichen Provenienzen eine so auffallende Zunahme schwarzer Tiere beobachtet, dass über eine allmähliche völlige Verdrängung des bunten Hamsters spekuliert wurde. Schon um 1770 schrieb der Russlandforscher Peter Simon Pallas: „Unter den merkwürdigen Thieren der hiesigen Gegend muß besonders die ganz schwarze Ausartung der in allen südlichen Steppen Rußlands so gemeinen Hamster, welchen man hier den Namen Karbusch giebt, angeführt werden. In denen Steppen um Simbirsk werden die schwarzen Hamster fast häufiger, als die gemeinen buntfärbigen bemerkt, mit welchen jene nicht selten vermischen, so daß man auch unterweilen in einer Hecke bunte und schwarze antrifft. Etwas weiter südlich, wie z. B. um Samara, findet man diese Spielart nicht, und die Ursach davon ist schwer zu bestimmen, da das Klima in einem so kleinen Abstand wohl nicht beschuldigt werden kann“.Peter Simon Pallas: Reise durch die verschiedenen Provinzen des Russischen Reiches. Kaiserliche Akademie der Wissenschaften, St. Petersburg 1771–1776, Erster Band, Seite 128–129. Nachdruck der Akademischen Druck- und Verlagsanstalt, Graz, 1967.

In Deutschland waren Schwärzlinge immer eine Rarität, Belege für ihre Existenz sind im Museum der Natur in Gotha zu besichtigen. 1903/04 soll es einem Jagdpächter in der Gegend um Kölleda in Thüringen jedoch gelungen sein, so viele melanine Felle zusammenzubekommen, dass er daraus einen Pelz herstellen lassen konnte.Fritz Schmidt: Das Buch von den Pelztieren und Pelzen. F.C. Mayer Verlag, München 1970, S. 103–107Hans Petzsch: Plaudereien über den Hamster und sein Pelzwerk. In: Zeitschrift Hermelin, Leipzig - Berlin 1948, Nr. 4–6, S. 309 Zoologisch fragwürdig ist vermutlich, was Hans Werner 1914 in Die Kürschnerkunst schrieb:

Als Maihamster werden besonders große Felle bezeichnet, die keine sichtbaren dunklen Nachwuchsstellen im Leder haben. Herbsthamster sind deutlich geringer in der Haarqualität. Der Fang findet hauptsächlich im Mai und besonders im September (nach dem Abernten der Felder) statt. Grünledrige und blauledrige Felle werden auch als „blaue Hamster“ bezeichnet.

Über Fellqualität und Fang schrieb Gerhard Heinrich Buse 1801 in Das Ganze der Handlung:

mini|Tasche aus Hamsterfell, recycelt aus einem Innenfutter, 2011 Die besten Hamsterfelle kamen traditionell aus Deutschland, wobei vor allem Kürschner im Harz Spitzenqualitäten lieferten. Zu nennen sind auch andere Regionen in Mitteldeutschland, zum Beispiel Thüringen, mit Zentren in Gotha und Langensalza. Vor 1967 kam etwa 95 Prozent des Hamsteraufkommens der DDR aus den Bezirken Halle und Magdeburg.Horst Keil: Der Handel mit Pelzrohfellen in der DDR. Zentrale Leitstelle für Information und Dokumentation des Instituts für Erfassung und Aufkauf landwirtschaftlicher Erzeugnisse, Berlin 1967, S. 31.

Heinrich Hanicke schrieb 1895 in seinem Handbuch für Kürschner:

Eine Zeitlang war das kleine Weißenfels ein großer Konkurrent Russlands in der Verarbeitung kleiner Felle, wie Feh, Hamster und anderen. Zum Teil in Heimarbeit, aber auch in großen Werkstätten, entstanden hier rund gearbeitete Futter, Rotunden genannt, in höchster Perfektion.Francis Weiss: From Adam to Madam. Aus dem Originalmanuskript Teil 2 (von 2) (ca. 1980/1990er Jahre), im Manuskript S. 283. (englisch).

Hochwertige Felle kommen heute aus Ungarn, ähnliche Qualitäten gibt es in Rumänien. Die Felle aus Russland (europäischer Teil und Sibirien) sind rötlicher als die mittel- und westdeutschen.

Geschichte Schon im Mittelalter wurde das auffällige Hamsterfell gern zu Schmuck und Putz genutzt schrieb die Neueröffnete Jägerpraktik Heinrich Wilhelm Döbels, Wien 1746, doch galt es „sowohl unter Manneskleider und Schlafröcke [sic] und auch für Frauenszimmer unter Contouchen, Pelze und dergleichen zu Unterfuttern, sehr dienlich und nützlich“. Die frühe Verwendung bestätigt eine schlesische Anordnung aus dem Jahr 1505 zur Bekämpfung des Kleiderluxus: „auch soll fortan keine frau noch jungfrau eine grotschene kursche teurer denn um zwölf gulden kaufen“.Bruno Schwier: Die Namen des Kürschners, Technologisches Fachwörterbuch. Hermelin-Verlag Dr. Paul Schöps, Leipzig / Berlin, S. 21–22. Dort zitiert aus Scriptores rerum Silesiacarum, Breslau 1835 ff.,III 201. Die grotschene kursche ist ein hamsterner Pelzrock (mittelhochdeutsch grutsch „Hamster“); an dem Wort Kursche kann man nebenbei unschwer die sprachliche Verwandtschaft mit dem Wort Kürschner erkennen. Den Hamsterkürschner nannte man in dieser Zeit Grutschner (Unger-Khull 310a).Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm, 16 Bde. [in 32 Teilbänden]. Leipzig: S. Hirzel 1854–1960. -- Quellenverzeichnis 1971. Der aus Treuenbrietzen stammende Theologe und Reformator Martin Chemnitz, gestorben 1586, ist auf einem Gemälde eines unbekannten Künstlers mit einem Hamsterfutter abgebildet (s. Abb.). Sein Lebensbereich lag mit dem Harzvorland in einem typischen Hamsterfanggebiet, gestorben ist er in Braunschweig.

Um 1820 vermerkt ein Naturkundebuch, das Fell dient als schlechtes Pelzwerk.Strack: Naturgeschichte in Bilden mit erläuterndem Text. Verlag der lithographischen Anstalt bey Arnz & Comp., Düsseldorf. Tafel 17. Ca. 1820–1826 1841 schrieb Brockhaus, dass Hamsterfelle eine wenig gesuchte Ware waren und die schwarzen Hamster am meisten geschätzt wurden. Sie kamen vom russischen Simbirsk und Ufa, „auch, wiewohl in geringer Anzahl, aus Thüringen“. Das schwarze Bauchfell wurde zu der Zeit abgeschnitten und kam nicht mit in den Handel.F. A. Brockhaus: Allgemeine Enzyklopädie der Wissenschaften und Künste. Herausgegeben von J. S. Ersch und I. G. Gruber, Leipzig 1841. Dritte Section O-Z, Stichwort „Pelze“ Ein Kürschnerfachbuch aus dem 1844 bestätigte die zu der Zeit geringe Wertschätzung und nennt als Grund, dass das Fell weder warm noch weich sei.Christian Heinrich Schmidt: Die Kürschnerkunst. Verlag B. F. Voigt, Weimar 1844, S. 18. Johann Matthäus Bechstein sieht um die Wende zum 19. Jahrhundert das Fell schon positiver, meint er doch, dass der Balg des Hamsters lange nicht so benutzt wird wie er es verdient, vielleicht bloß deshalb, weil er für uns zu gemein und nicht theur genug ist. Das Fell kostete damals im „Gothaischen“ nur 3 bis 6 Pfennige, allerdings wurden im Jahr 1817 allein in der Stadtflur von Gotha 111.187 Hamster gefangen 1939 waren es in Wanzleben noch 10.000 Stück, die den Sommer über gefangen wurden. Wie es in einem Bericht hieß, war trotz der Fangprämien kein Abnehmen der Bestände zu beobachten.

Vor allem die Harzer Kürschner mit ihren schön gearbeiteten Maihamsterfuttern machten den Artikel wieder populär. Hinzu kam die „Subventionierung“ des Preises in einigen Ländern durch Fangprämien, wurde doch der Hamster von den Bauern als zeitweilig katastrophaler Getreideschädling heftig verfolgt. In der Chronik von Schornsheim Rheinhessen, 19. Jahrhundert steht in einer späteren Anmerkung: Noch 1950–1960 wurden die Hamster gefangen und pro Stück gab es 1,80 DM.

mini|Plaid aus Hamsterfellen, 1909 Die Felle werden, bevor sie in den Großhandel kommen, zu sogenannten „Futtern“ zusammengesetzt.