Das Département Ain [] (offiziell Département de l’Ain) ist das französische Département mit der Ordnungsnummer 01. Es liegt im Osten des Landes in der Region Auvergne-Rhône-Alpes und wurde nach dem Fluss Ain benannt.
Geographie Das Département Ain liegt zwischen den Städten Genf und Lyon und ist von den Départements Jura und Saône-et-Loire (in der Region Bourgogne-Franche-Comté) sowie Rhône, Isère, Savoie und Haute-Savoie umgeben und grenzt an die Metropole Lyon sowie die Schweizer Kantone Genf und Waadt.
Ain ist ein Département der geographischen Kontraste: Im Nordwesten erstreckt sich die Bresse, eine leicht nach Nordosten ansteigende und von der Saône begrenzte Ebene, im Südwesten die Teich- und Seenlandschaft Dombes, die von über tausend Weihern bedeckt wird. Im Osten erheben sich die Berge des südlichen Jura brüsk über die bressanische Ebene und bilden den Bugey. In den Tälern der Bergketten des Jura verlaufen die vielbefahrenen Transportachsen nach Italien oder in die Schweiz. Die Gegend um Gex wird durch die letzte östliche Bergkette des Jura vom Rest des Départements getrennt. Sie erstreckt sich bis zum Genfersee und gehört geographisch zu dessen Becken. Die Saône stellt die westliche Grenze des Départements dar. Sie wird im Wesentlichen von drei Zuflüssen gespeist: von der Reyssouze (75 km), von der Veyle (67 km) und der Chalaronne (52 km). Hauptzuflüsse der das Département im Osten und Süden begrenzenden Rhône sind neben dem Séran (42 km) vor allem der Ain (190 km), der seinerseits von 118 Zuflüssen gespeist wird.
Wappen Beschreibung: Auf dem gevierten Wappen liegt ein weißes Kleeblattkreuz auf. Feld eins in Blau ein nach links stehender hermelingefärbter Löwe Feld zwei in Blau drei goldene Zahnschienen und weißem Schildhaupt mit einem roten wachsenden Löwen, Feld drei in Blau drei (2;1) goldene Lilien zwischen denen ein roter schräglinker Einbruch liegt Feld vier in Rot ein hermelingefärbter Löwe Symbolik: Löwe mit Hermelinmuster auf Blau = Gexroter Löwe und Mauern = Familie Joinville Fleur de Lys und Schrägbalken = Dombes Löwe mit Hermelinmuster auf Rot = Herren von Bugey silbernes Kreuz
Geschichte Die ersten Einwohner ließen sich im heutigen Ain im Jahre 15.000 v. Chr. nieder. Aus dieser Zeit stammt der Menhir von Simandre-sur-Suran. Im Jahre 58 v. Chr. markierte Cäsars militärisches Vorgehen gegen die nach Gallien vorrückenden Helveten auf dem Gebiet des heutigen Ain den Beginn der Gallischen Kriege.
Unter den Merowingern gehörte Ain zum Königreich Burgund. Zu Beginn des 6. Jh. entstand hier die Diözese Belley. Große Benediktinerabteien ließen sich in den Tälern nieder. Im Jahre 843 wurde Ain durch den Vertrag von Verdun dem Königreich Lothars I. zugeschlagen. Die ersten großen Lehen („Seigneuries“) entstanden um 895 bis 900 in Bâgé und Coligny. Zahlreiche feudale Schlösser und Hügelburgen wurden errichtet. Im 12. Jh. erlebte die romanische Baukunst ihre Blütezeit. mini|Klosterkirche Brou Bereits im 11. Jahrhundert ließen sich die Grafen von Savoyen in Valromey und der Region von Belley nieder. Anno 1272 erhielten sie die Bresse und – durch die Verträge von Paris von 1355 – die am rechten Ufer der Rhône gelegenen Gebiete der Dauphiné sowie die Region Gex. Zu Beginn des 15. Jahrhunderts war fast ganz Ain unter savoyischer Flagge vereint. In den Städten wurden neue Klöster gegründet, Kirchen wurden nach gotischer Bauweise errichtet oder umgestaltet. Anfang des 16. Jahrhunderts – das Herzogtum Savoyen war auf dem Höhepunkt seiner Macht – fiel Ain als Erbteil an Margarete von Österreich, die Witwe Philibert II. von Savoyen. Die Herrscherin errichtete eine spätgotische Kirche samt Kloster in Brou. Bourg-en-Bresse wurde Bischofssitz.
Nach Margaretes Tod beanspruchte der französische König Franz I., ein Neffe der Herzöge von Savoyen, das Herzogtum für sich und eroberte 1536 Savoyen. Das künftige Département Ain wurde zum ersten Mal französisch. Infolge eines anno 1559 geschlossenen Vertrags wurde Savoyen mitsamt dem Gebiet der Ain jedoch an den Herzog zurückgegeben, der sogleich mit der Befestigung seiner Hoheitsgebiete beginnt.
Nur kurze Zeit später eroberte Heinrich IV. die Region erneut, doch die Zitadelle von Bourg blieb uneinnehmbar. Der Vertrag von Lyon vom 17. Januar 1601 beendete schließlich den Konflikt: Ain gehörte nun zur Provinz Burgund innerhalb des Königreichs Frankreich. Im 17. Jahrhundert erlebten Bildhauerei, Malerei und Literatur eine Blütezeit. Im 18. Jahrhundert entwickelten sich Straßen und die Kleinindustrie. Am 28. März 1762 trat der Graf von Eu, Sohn des Herzogs von Maine, die Region Dombes an Ludwig XV. ab. mini|Ain im Jahr 1790 Das Département Ain ist eines der 83 Départements, die am 4. März 1790 während der Französischen Revolution gebildet wurden. In Anwendung eines Gesetzes vom 22. Dezember 1789 wurden vier Gebiete Burgunds: die Bresse, der Bugey, das Fürstentum Dombes und das Pays de Gex, sowie ein Teil der Provinz Franc-Lyonnais zusammengefasst. Das Pays de Gex gehörte von 1798 bis 1814 zum Département Léman. Ain wurde in 9 Bezirke, mit 49 Kantonen und 501 Gemeinden unterteilt. Die Französische Revolution forderte im Département nicht viele Opfer, doch wurden zahlreiche außerordentlich wertvolle historische Monumente zerstört. Während des ersten Konsulats (1802) wurden die Bezirke gesetzlich abgeschafft. Der Wiener Kongress löste das Département Léman auf und schlug das Arrondissement Gex dem Département Ain zu.
Wurden während der Revolution und dem ersten Empire noch zahlreiche Gotteshäuser zerstört, wurde 1823 im Département die Diözese von Belley neu begründet. Der Pfarrer von Ars erlangte Berühmtheit. Während des zweiten Empire wurden zahlreiche Kirchen wiederaufgebaut, die Landwirtschaft erlebte einen tiefgreifenden Wandel, die Eisenbahn entwickelte sich. Diese wirtschaftlichen Entwicklungen setzten sich auch in der Dritten Republik fort.
Seine Entfernung von der Front verschonte das Département von den Zerstörungen des Ersten Weltkriegs 1914–1918. Jedoch konnte die Mehrzahl der Weinberge nicht mehr kultiviert werden und verschwanden. Die Industrialisierung des Départements begann in Oyonnax und Bellegarde-sur-Valserine. Der Staudamm von Genissiat wurde 1936 errichtet.
Der Zweite Weltkrieg 1939–1945 traf das Département Ain mit voller Wucht. Während der deutschen Besetzung Frankreichs war das Département von der für Menschen und Waren nur mit Genehmigung passierbaren Demarkationslinie zwischen der besetzten und der bis November 1942 unbesetzten Zone durchtrennt. bei civs.gouv.fr, abgerufen am 24. September 2021 Die seit Juni 1940 besetzten Bereiche des Départements um Gex waren zudem Teil der „Reservierten Zone“, einem für deutsche Besiedelung vorgesehenen Gebiet.L’occupation allemande bei memoire-deportation-ain.fr, abgerufen am 24. September 2021 Bei den Franzosen galt jene als „verbotene Zone“, da sie nur unter erheblichen Schwierigkeiten dorthin gelangen konnten. Der Tribut an den Krieg war hoch: 600 Personen wurden deportiert, die Hälfte von ihnen kehrte nicht zurück. Das Monument des Maquis in Cerdon, die Gedächtnisstätte der Kinder von Izieu und das Museum der Résistance und Deportation in Nantua erinnern an diese tragische Epoche.
In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts schritt die Industrialisierung im Département voran, begünstigt durch ein enges Straßen- und Schienennetz. Sechs Gemeinden aus dem Umland von Lyon wurden 1967 dem Département Rhône zugeschlagen.
Von 1960 bis 2015 war es Teil der Region Rhône-Alpes, die 2016 in der Region Auvergne-Rhône-Alpes aufging.
Bevölkerung + Die 20 größten Gemeinden im Département Ain(gem. INSEE, Stand 1. Januar 2017)NameEinwohnerFläche in km²Bourg-en-Bresse4152723,86Oyonnax2242736,18Valserhône1642362,54Ambérieu-en-Bugey1403524,60Gex1311832,02Saint-Genis-Pouilly125449,77Miribel996324,49Ferney-Voltaire97664,78Divonne-les-Bains964433,88Belley910322,42Prévessin-Moëns823312,07Meximieux774313,75Lagnieu714327,25Montluel696440,11Trévoux68455,71Viriat6418Péronnas6385Jassans-Riottier6339Thoiry6038Saint-Denis-lès-Bourg5747
Gemeinden Die nach der Einwohnerzahl größten Gemeinden sind Bourg-en-Bresse ( Einwohner), Oyonnax ( Einwohner), Ambérieu-en-Bugey ( Einwohner) und Valserhône ( Einwohner, Stand , INSEE).
Demographie Das Département Ain besitzt keine große Stadt, aber ein dichtes Netz von Gemeinden und Ortschaften. Die Zahl der Einwohner sank nach der Mitte des 19. Jahrhunderts aufgrund von Landflucht ein wenig, wesentlich stärker dann während des Ersten Weltkriegs. Nach dem Zweiten Weltkrieg stieg die Zahl der Einwohner wieder an. Durch die Nähe zu Lyon, dessen Vororte den Südwesten des Départements berühren, und Genf, dessen Umland sich bis in das Pays de Gex hinein erstreckt, hat das Département ein starkes Anwachsen seiner Bevölkerung erfahren: von 339.262 Einwohnern (1968) auf 471.019 Einwohner (1990) und 638.425 Einwohner (2016). Der jährliche Bevölkerungszuwachs lag zwischen 1999 und 2006 laut französischem Statistikamt INSEE bei 1,35 % (gegenüber 0,9 % in der Region Rhône-Alpes und 0,7 % in Frankreich). Diese Steigerung ging in erster Linie auf einen positiven Migrationssaldo zurück.
Als eine Besonderheit hat das Département im Französischen keine Herkunftsbezeichnung für seine Bewohner, stattdessen wird auf die historischen Provinzen zurückgegriffen und je nach Herkunft Bressans, Bugistes, Dombistes oder Gessiens verwendet.
Politik Verwaltungsaufbau mini|hochkant=1.4|Arrondissements im Département Ain mini|hochkant=1.4|Präfektur Das Département Ain besteht aus 4 Arrondissements und 391 Gemeinden. Seit 2016 werden die Arrondissements Gex und Nantua nur noch von einer Unterpräfektur geführt.
Siehe auch Liste der Gemeinden im Département Ain Liste der Kantone im Département Ain Liste der Gemeindeverbände im Département Ain
Präfektencorps Name Amt Amtsantritt Arnaud Cochet Präfekt August 2016 Philippe Beuzelin Generalsekretär, Unterpräfekt des Arrondissement Bourg-en-Bresse April 2017 Julien Kerdoncuf Kabinettschef und Unterpräfekt Juli 2006 Pascale Preveirault Unterpräfekt des Arrondissement Belley September 2015 Benoît Huber Unterpräfekt des Arrondissement Gex September 2015 Benoît Huber Unterpräfekt des Arrondissement Nantua September 2016
Bürgermeister der größten Städte und der Hauptorte der Arrondissements Stadt Bürgermeister Partei Bourg-en-Bresse Jean-François Debat PS Oyonnax Michel Perraud DVD Ambérieu-en-Bugey Daniel Fabre DVD Valserhône Régis Petit UMP Belley Pierre Berthet DVD Gex Patrice Dunand DVD Nantua Jean-Pierre Carminati DVD
Conseil départemental (Departementsrat) Der Conseil départemental ist das gewählte Parlament eines französischen Départements und teilt sich wichtige Kompetenzen mit dem von der Zentralregierung entsandten Präfekten.
Obwohl das Departement strukturell konservativ ist, war es der Mitte-Links-Politiker Jean Saint-Cyr, der nach dem Zweiten Weltkrieg fast zwei Jahrzehnte lang dem Conseil départemental vorstand. 1976 gelang der Rechten der Machtwechsel. Ihre Hegemonie hielt an, bis die PS unter Rachel Mazuir 2008 das Département zurückerobern konnte.
Bei den Kantonswahlen im März 2011 konnten die Linken ihre Mehrheit auf 27 Sitze ausbauen (19 divers gauche, 7 PS, 1 PRG) gegenüber 18 der konservativen Opposition (8 UMP, 4 Groupe indépendants et démocrates, 4 divers droite).
Bei den Wahlen im November 2015 kam es zu politischen Machtverschiebungen wie auch zu einer neuen Benennung der lokalen Institutionen. Wie in ganz Frankreich hieß das wichtigste Gremium des Departements nun conseil départemental statt conseil géneral; die Wahlen, in denen diese Gremien bestimmt wurden, élections départementales statt élections cantonales. Die konservativen Listen (Union de la Droite et du Centre) gewannen 42 der 46 Sitze (24 UMP, 11 divers droite, 7 UDI), der linken Opposition blieben lediglich 4 (2 PS, 2 divers gauche). Aktueller Präsident des Generalrates ist Jean Deguerry (LR).