Königsberg ist ein Ortsteil der Gemeinde Biebertal im mittelhessischen Landkreis Gießen.

Geografische Lage Königsberg liegt im Gleiberger Land. Auf einem Diabasfelsen erbaut, ist es der höchstgelegene Ortsteil der Gemeinde. Nahe bei Königsberg entspringen zwei rechte Nebenflüsse der Lahn, der Bieber-Quellfluss Strupbach im Norden und der unmittelbare Zufluss Schwalbenbach im Süden.

Geschichte mini|Das auf den Grundmauern der ehem. Burg errichtete „Schloss“ und rechts davon die evangelische Kirche prägen das Ortsbild

Laut mündlicher Überlieferung ist Königsberg sehr alt. Demnach soll der fränkische König Childerich I. hier bereits um das Jahr 450 eine Grenzfestung gegen die Alemannen erbaut haben, doch ist dies durch nichts belegt. Bei Zufallsgrabungen auf der alten Mark, einem Bereich des Schlossbergs, wurden in den 1930er Jahren unter schweren Schieferplatten Tonscherben gefunden, deren Form auf Urnenreste hindeuteten, so dass dort alte Gräber vermutet werden, die vielleicht schon auf die Zeit der Urnenfelderkultur zurückgehen könnten.

Die älteste bekannte schriftliche Erwähnung des Orts erfolgte im Jahr 1257, als sich Graf Reimbold von Solms nach seiner Residenz von Cunigesberg nannte,In erhaltenen Urkunden späterer Jahre wurde der Ort unter den folgenden Ortsnamen erwähnt (in Klammern das Jahr der Erwähnung): Cunigesberg (1257), Kunegisberch (1260), Koningisberg (1301) und Kungesperg. doch schon vorher spielte das Gebiet um Königsberg eine wichtige Rolle in der Frühgeschichte des Hauses Solms. So war die Königsberger Gemarkung Teil der 788 erstmals erwähnten Mark Bensburg, die seit dem Frühmittelalter Allod des Hauses Solms war. In der gleichnamigen ausgegangenen Hofsiedlung Bensburg in einem Talgrund unterhalb Königsbergs wird ein Stammsitz des Hauses Solms vermutet. Im 13. Jahrhundert war Königsberg dann Sitz der Linie Solms-Königsberg, die auf der vermutlich um 1240 errichteten Burg Königsberg residierte.

Anhaltende Differenzen mit den verwandten Linien Solms-Braunfels und Solms-Burgsolms führten dazu, dass die Grafen von Solms-Königsberg sich den Landgrafen von Hessen annäherten, während die mit Hessen verfeindeten Grafen von Solms-Braunfels und Solms-Burgsolms in unmittelbarer Nähe von Königsberg eine neue Burg namens Hohensolms als Gegengewicht zu der unter hessischen Einfluss geratenen Burg Königsberg errichteten. 1350 verkaufte Graf Philipp von Solms-Königsberg die Herrschaft Königsberg dann ganz an Landgraf Heinrich II. von Hessen. Da Philipps Land aufgrund der solmsischen Hausgesetze jedoch gemeinsames Eigentum aller Solmser Linien war, führte dieser Verkauf zu neuen Konflikten zwischen Hessen einerseits sowie Solms-Braunfels und Solms-Burgsolms andererseits. Es kam zum Kampf. Der Landgraf siegte und die Solmser mussten den Landgrafen 1351 als Ganerben ihrer Grafschaft anerkennen.

Amt Königsberg

In den folgenden Jahrhunderten war das Gebiet ein von Hessen und Solms gemeinsam verwalteter Amtsbezirk, ein sogenanntes Kondominat, dessen zentrale Orte auf hessischer Seite Burg und Tal Königsberg und auf solmsischer Seite Burg und Tal Hohensolms waren. Königsberg war seitdem der Sitz hessischer Burgmänner und Beamter (Amtmänner, Rentmeister, Förster etc.), die von den Landgrafen zur Verwaltung des Gebiets eingesetzt wurden. Der erste Amtmann ist 1368 mit Volpert Hose nachweisbar. Im Burgbereich waren zeitweise die Familien von Buseck, genannt Mönch, begütert. Neben der Kirche befanden sich mehrere Hofstätten, die u. a. im Besitz der Familien von Riedesel und von Bellersheim waren.

Zum Kondominat Königsberg/Hohensolms gehörten neben den beiden Tälern Königsberg und Hohensolms die unter der Leibeigenschaft stehenden Amtsortschaften Ahrdt, Altenkirchen, Altenstädten, Bellersdorf, Bermoll, Bischoffen, Blasbach, Erda, Frankenbach, Mudersbach. Naunheim, Niederweidbach, Oberlemp, Oberweidbach, Roßbach, Waldgirmes und Wilsbach.

1629 wurde das bisher gemeinschaftlich verwaltete Amt Königsberg/Hohensolms zwischen Solms und Hessen aufgeteilt. Das nunmehr rein hessische Amt Königsberg umfasste seitdem nur noch die Orte Bischoffen, Frankenbach, Hermannstein, Königsberg, Naunheim, Niederweidbach, Oberweidbach, Roßbach, Waldgirmes und Wilsbach.

1821 erfolgte die Auflösung des Amtes Königsberg. Nach der Auflösung hatte eine Oberförsterei ihren Sitz auf dem Schloss. Als diese einige Jahre später nach Heuchelheim verlegt wurde, war kein weltlicher Beamter mehr im Ort. Dem politischen Bedeutungsverlust im 19. Jahrhundert folgte ein wirtschaftlicher Niedergang, der zu großer Armut führte.

Nach dem preußisch-österreichischen Krieg 1866 kam Königsberg an Preußen und wurde dem Kreis Biedenkopf zugeteilt. Dieser Zustand, der für die Bevölkerung wegen der weiten Entfernung zur Kreisstadt sehr unbefriedigend war, änderte sich erst 1932, als Königsberg zum Kreis Wetzlar kam. Gleichzeitig wurden Teile von Bieber und Hof Haina, die bis dahin zu Königsberg gehört hatten, nach Rodheim eingemeindet. 1970 wurde Königsberg dann Teil der Großgemeinde Biebertal. Es gehört heute zum Kreis Gießen.

Tal und Stadt Königsberg Vermutlich im Anschluss an die Burg entstand die Siedlung, die in den älteren Urkunden zumeist als Tal bezeichnet wird. Schon der Burgfrieden von 1353 bezog sich auf das Schloss und das Tal. Eine offizielle Verleihung der Stadtrechte ist nicht bekannt, doch bildete das Tal zunehmend einen städtischen Charakter heraus, so dass Königsberg etwa ab 1500 als Stadt angesehen wurde. Dies beinhaltete auch ein eigenes Gericht. 1569 bestand es aus acht Schöffen und einem Schultheißen. Seine Zuständigkeit erstreckte sich auf einfache Vergehen. Angehende Bürger mussten dem Landgrafen vor dem Gericht einen Bürgereid schwören und das Ortsbürgergeld entrichten. Letztlich jedoch erlangte Königsberg, das weder Münz- noch Marktrecht besaß, nie die Rolle eines städtischen Zentrums, sondern hatte für die ihm zugeordneten Amtsortschaften nur in verwaltungstechnischer Hinsicht eine zentrale Bedeutung. Die Stadtrechte bestanden offiziell noch bis 1929.

Das frühneuzeitliche Königsberg war von einer wehrhaften Mauer mit Türmen und zwei Toren umgeben. Der heute noch bestehende, rund zehn Meter hohe Altemarksturm sicherte das nordwestliche Tor im Obertal. Verschwunden ist hingegen der Bollwer-Turm (von Bollwerk), der einst das frühere Untertor im Untertal schützte und 1957 abgebrochen wurde.

Im Dreißigjährigen Krieg wurde Königsberg im Juni 1647 im Verlauf des Hessenkrieges von niederhessischen Truppen unter dem Befehl von Kaspar Kornelius Mortaigne de Potelles vom Altengraben aus mit Geschützen beschossen, erobert und zerstört. Dem Angriff, der in erster Linie der mittelalterlichen Burg gegolten hatte, fielen auch die Kirche, die Stadtmauer und ein großer Teil der Häuser zum Opfer. Der anschließende Wiederaufbau fand wohl vorrangig unter dem Gesichtspunkt der Zweckmäßigkeit statt. So bestand die aus Kalksandsteinen errichtete neue Schlossanlage, die fortan in erster Linie Verwaltungsfunktionen genügen musste, neben einem großen Amtshaus vor allem aus Scheunen, Schweineställen, einem Fruchtspeicher, Hof und Gärten sowie verschiedenen vom Vorgängerbau übriggebliebenen Mauer- und Turmresten.

Im Siebenjährigen Krieg hatte Königsberg wiederholt unter Einquartierungen zu leiden. Im November 1759 etwa quartierte sich ein Bataillon von 300 Mann alliierter Truppen ein, die in der Königsberger Chronik als Bergschotten bezeichnet werden, „so fast am Unterleib nackend gingen, außer daß sie schlechte Schuhe und kurze bunte Strümpfe anhatten. Sie blieben bis zum 11. November da und hatten ihr Wachthaus in der Schule auf dem Rathaus.“ Die Einwohner Königsbergs hatten im Siebenjährigen Krieg unter Plünderungen, Fouragelieferungen sowie eingeschleppten Krankheiten zu leiden. So starben 1759 in Königsberg 44 Personen an den Urschlichten oder Kinderblattern und der Roten Ruhr sowie im Jahr 1760 43 Personen am hitzigen Flussfieber. Zudem herrschte eine große Teuerung.

Desgleichen in den Koalitionskriegen. Vermutlich 1796 rückten Franzosen unter dem Kommando von General François-Joseph Lefebvre von Altenkirchen heran. Der damalige Pfarrer und Inspektor Bähr entbot alle Angehörigen der Inspektion zu einem Bittgottesdienst nach Königsberg und ließ die Leute Ein feste Burg ist unser Gott singen. Alles blieb auf, um sich nötigenfalls zur Wehr zu setzen. Als Lefebvre ins Dorf ritt und fragte, warum die Leute noch wach seien, gebrauchte man einen Vorwand und er zog weiter. Als er später die Wahrheit erfuhr, wollte er Königsberg anzünden, was nur auf fußfälliges Bitten eines Bürgers namens Siebmann in Wetzlar unterblieb.

In den Befreiungskriegen hatte der Ort vor allem unter Einquartierungen zu leiden. So lagen 1813 immerhin 1800 Preußen und Russen in Königsberg.

Im Ersten Weltkrieg hatte der Ort 16, im Zweiten Weltkrieg 25 Tote und Vermisste zu beklagen. 1944 stürzte beim heutigen Wochenendgebiet ein britischer Bomber ab, wobei bis auf einen Flieger die gesamte Besatzung ums Leben kam.

Im Zuge der Gebietsreform in Hessen fusionierte die selbstständige Gemeinde Königsberg (Landkreis Wetzlar) am 1. Dezember 1970 freiwillig mit den Gemeinden Fellingshausen, Krumbach, Rodheim-Bieber und Vetzberg zur neuen Großgemeinde Biebertal. Für Königsberg wurde wie für alle ehemals eigenständigen Gemeinden ein Ortsbezirk mit Ortsbeirat und Ortsvorsteher eingerichtet. Der Sitz der Gemeindeverwaltung wurde Rodheim-Bieber.

Historisches Wappen mini|Wappen der früheren Stadt Königsberg in Hessen, 1724

Schon früh besaß Königsberg ein eigenes Wappen. Erstmals belegt ist es im Jahr 1577, als Landgraf Wilhelm IV. es zusammen mit den Wappen der übrigen hessischen Städte im Triumph- und Wappensaal seines Schlosses in Rotenburg an der Fulda anbringen ließ. Leider existiert der entsprechende Teil des Rotenburger Schlosses nicht mehr. Der erste bildliche Nachweis des Wappens stammt aus dem Hessischen Wappenbuch von Wilhelm Wessel aus dem Jahr 1621. Das Wappen zeigt einen goldenen Dreiberg mit goldener Krone auf blauem Grund. Während die Krone wohl auf den Namensbestandteil Königs und der Dreiberg auf die topographischen Verhältnisse vor Ort verweisen, greifen die Farben Blau und Gelb (= Gold) vermutlich die Farben des Hauses Solms auf, aus deren Besitz die Herrschaft Königsberg stammte.

Verwaltungsgeschichte im Überblick Die folgende Liste zeigt die Staaten und deren Verwaltungseinheiten,Bis zur Trennung der Rechtsprechung von der Verwaltung waren die Ämter und frühen Gerichte sowohl Gericht als auch Verwaltungsorgan. denen Königsberg angehört(e):

vor 1357: Heiliges Römisches Reich, Grafen von Solms ab 1357: Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Hessen und Hohensolms gemeinschaftlich, Amt Königsberg ab 1567: Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Hessen-Marburg und Hohensolms gemeinschaftlich, Amt KönigsbergDie Zugehörigkeit des Amtes Homberg an der Ohm anhand von Karten aus dem Geschichtlicher Atlas von Hessen: , und 1604–1648: Heiliges Römisches Reich, strittig zwischen Landgrafschaft Hessen-Darmstadt und Landgrafschaft Hessen-Kassel (Hessenkrieg) ab 1627: Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Hessen-Darmstadt und Hohensolms gemeinschaftlich, Amt Königsberg ab 1629: Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Hessen-Darmstadt, Amt Königsberg 1787: Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Hessen-Darmstadt, Oberfürstentum Hessen, Amt Königsberg ab 1806: Großherzogtum Hessen,Infolge der Rheinbundakte. Fürstentum Oberhessen, Amt Königsberg ab 1815: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Amt Königsberg ab 1821: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Landratsbezirk GießenTrennung zwischen Justiz (Stadtgericht Gießen) und Verwaltung. ab 1832: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Gießen ab 1848: Großherzogtum Hessen, Regierungsbezirk Gießen ab 1852: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Gießen