mini|Manja Tzatschewa auf einer Fotografie von Suse Byk, 1922

Maria Trifonowa „Manja“ Tzatschewa (bulgarisch Маня Цачева; * in Lowetsch, Bulgarien; † 4. März 1960 in Nizza, Frankreich) war eine bulgarisch-deutsche Schauspielerin. Sie erlangte Bekanntheit als Darstellerin beim Stummfilm der Weimarer Republik.

Leben und Wirken Jugendzeit Manja Tzatschewa wurde in Lowetsch als ältestes von drei Kindern des Beamten Trifon Tzatscheff und seiner Frau Lala, geb. Kiwalowa, geboren. Bald darauf übersiedelte ihre Familie nach Peschtera und Sofia, wo ihr Vater die Forstverwaltung im bulgarischen Landwirtschaftsministerium leitete. Von 1909 bis 1911 war Manja Tzatschewa Gasthörerin an der juristischen Fakultät der Universität Genf, ehe sie sich in Paris Theater- und Literaturstudien widmete. Nach Beginn des Ersten Weltkriegs kehrte sie kurzzeitig nach Bulgarien zurück. Dort ging sie eine Liaison mit dem Lyriker Dimtscho Debeljanow ein,Plamen Totev: Димчо Дебелянов бил обречен да обича безнадеждно, а мъката му да ражда шедьоври. In: Българи. Heft 1/2012, S. 15–17 (PDF; 247 KB). der 1916 als Soldat bei Kampfhandlungen im heutigen Griechenland umkam. Noch während der Kriegsjahre ließ sich Manja Tzatschewa in Berlin nieder und besuchte die Schauspielschule des deutschen Theaters. 1918 soll sie bereits Königlich Bulgarische Hofschauspielerin gewesen sein.

Beim Stummfilm Nachdem sie in Berlin zunächst als Tänzerin in Erscheinung getreten war,Frauen im Film. In: Sport im Bild, Jahrgang 24, Heft 22, 31. Mai 1918, S. 278–280, hier: 279 (online bei ANNO). hatte sie 1917 ihr Filmdebüt in Rudolf Meinerts Die sterbenden Perlen. Danach spielte sie unter Lupu Pick, Richard Oswald und Ewald André Dupont. 1920/21 war Tzatschewa in mehreren Filmen von Manfred Noa zu sehen, mit dem sie zu dieser Zeit verheiratet gewesen sein soll.Die in zeitgenössischen Fachblättern vielfach kolportierte Ehe mit Manfred Noa konnte bislang weder nachgewiesen noch widerlegt werden. In den folgenden Jahren spielte sie in einigen kommerziell erfolgreichen Serienfilmen wie Georg Jacobys Der Mann ohne Namen. Daneben stand sie vielfach Modell für Society- und Modejournale. 1926 vertrat sie ihr Heimatland Bulgarien bei der Ersten Internationalen Schauspielerkonferenz in Berlin.Dortmunder Zeitung. 29. Juni 1926, S. 10 (online beim Zeitungsportal NRW). Im selben Jahr hatte Tzatschewa in Erich Eriksens Komödie Annemarie und ihr Ulan ihren letzten Filmauftritt.

Rückzug ins Privatleben und Emigration Am 12. Oktober 1926 heiratete Manja Tzatschewa den Juristen und Versicherungsmakler für Filmgesellschaften Carl Friedrich Schweitzer (1893–1961),Landesarchiv Berlin, Heiratsregister Standesamt Berlin-Charlottenburg III, Nr. 690/1926 (online bei Ancestry, kostenpflichtig). Spätestens ab diesem Zeitpunkt fälschte Manja Tzatschewa ihre persönlichen Dokumente dahingehend, dass sie ihr Geburtsjahr mit 1897 statt 1892 angab. mit dem sie 1911 in Genf studiert hatte. In den folgenden acht Jahren lebte das Ehepaar in einer Wohnung in der Fredericiastraße 29 in Berlin-Charlottenburg. Nach der NS-Machtergreifung war Carl F. Schweitzer wegen seines jüdischen Familienhintergrunds und seiner politischen Gesinnung von der Verhaftung durch die Gestapo bedroht und emigrierte im Herbst 1934 überstürzt nach Frankreich. Manja Tzatschewa folgte ihm gegen Ende des Jahres ins Exil, nachdem sie die luxuriöse Wohnungseinrichtung notgedrungen zu Schleuderpreisen verkauft hatte. Ihr Ehemann fand in Paris rasch wieder Anschluss an die Filmbranche, während Manja Tzatschewa Sprachunterricht erteilte und sich mit verschiedenen Gelegenheitsarbeiten einen kleinen Zusatzverdienst sichern konnte.

Nach Ausbruch des Zweiten Weltkriegs wurde Carl F. Schweitzer 1939 als feindlicher Ausländer interniert, sodass Manja Tzatschewa in eine materielle Notlage geriet. Bald darauf erkrankte sie wieder an Nierentuberkulose, wegen der ihr bereits 1935 eine Niere entfernt worden war. Zunächst kam sie bei Freunden unter, ehe sie einige Jahre später nach Vence an der Côte d’Azur zu einer langwierigen Behandlung ins Sanatorium „Maison Blanche“ eingewiesen wurde. Ihr Mann konnte indessen nach der Kapitulation Frankreichs in den unbesetzten Süden flüchten und schloss sich der Résistance an. Ab Kriegsende wieder vereint, lebte das Ehepaar bis 1954 in der Villa „Sams’ Ufy“ in Beaulieu-sur-Mer bei Manjas Schwester Tzwetta Tzatschewa und deren Mann Guy Prioleau. Durch therapeutische Nebenwirkungen litt Manja Tzatschewa an verschiedenen Folgeerkrankungen ihrer Nierentuberkulose, sodass sie ab 1948 drei Jahre bettlägerig war und bis zu ihrem Tod pflegebedürftig blieb.LABO, Abteilung I – Entschädigungsbehörde des Landes Berlin, Entschädigungsakten Nr. 73 430 (Carl Friedrich Schweitzer) und Nr. 302 052 (Maria Schweitzer).

Späte Jahre und Tod Nach einem kurzen Intermezzo in Nizza remigrierte Manja Tzatschewa 1955 nach Deutschland, wo Carl F. Schweitzer in Arbeitsgemeinschaft mit Carl Heinz Járosy seinen früheren Beruf wiederaufnahm. Zunächst lebte das Ehepaar in Grünwald, später u. a. in der Münchner Pension von Erna Morena. Vom Entschädigungsamt Berlin wurde beiden eine Wiedergutmachung für das erlittene nationalsozialistische Unrecht zuerkannt.

Manja Tzatschewa starb 1960 während eines Aufenthalts in Nizza bei einer Operation im Krankenhaus Sainte-Croix.Mairie de Nice, Actes d’état civil, Registre de décès, Nr. 1020/1960. Ihr Grab befindet sich auf dem Russischen Friedhof in Nizza.

Familie Ihre Schwester Tzwetta Tzatschewa stand zwischen 1920 und 1927 ebenso in einigen Stummfilmproduktionen vor der Kamera. Ihr Bruder Iwan Tzatscheff war (zum Teil unter dem Künstlernamen Mario Parlo) als Tenor am Essener StadttheaterDeutsches Bühnen-Jahrbuch. Jahrgang 44, 1933, S. 369 (online auf Ancestry, kostenpflichtig). und an der Semperoper in DresdenMusical Notes from Abroad. In: The Musical Times, Jahrgang 75, 1934, S. 1035; (anmeldepflichtig). tätig und war zeitweise mit der Schauspielerin und Sängerin Lori Leux verheiratet.

Die „Tzatschewa-Diele“ Anfang der 1920er-Jahre wurde in Nürnberg die „Tzatschewa-Diele“ eröffnet, ein Tanzcafé mit Gemälden von Manja Tzatschewa, die der Nürnberger Kunstmaler Albert Maurer geschaffen hatte. Im Zweiten Weltkrieg wurde das Gebäude in der Luitpoldstraße durch Bombenangriffe zerstört.

Filmografie 1917: Die sterbenden Perlen 1918: Die seltsame Geschichte des Baron Torelli 1918: Mr. Wu 1918: Der lebende Leichnam 1918: Madame d’Ora 1918: Der Teufel 1918: Die Japanerin 1918: Mein Wille ist Gesetz 1919: Moderne Töchter 1919: Opfer der Schmach (Die rote Laterne) 1919: Liebe 1919: Verlorene Töchter, 3. Teil: Die Menschen, die nennen es Liebe 1919: Haß 1920: Die sieben Todsünden 1920: Frauenliebe. Mosaik, aus drei Steinbildern zusammengesetzt 1920: Berlin W 1920: Schieber 1920: SphinxFilm-Rundschau. In: Sport im Bild, Jahrgang 26, Heft 16, 23. April 1920, S. 401 (online bei ANNO). 1921: Opfer der Keuschheit 1921: Der Mann ohne Namen (6 Teile) 1921: Söhne der Nacht (2 Teile) 1921: Der Schatten der Gaby Leed (Gesühnte Schuld) 1921: Die Perle des Orients 1921: Der schwere Junge (Die Zirkusbraut) 1922: Die Fürstin der Ozeanwerft 1922: Man soll es nicht für möglich halten oder Maciste und die Javanerin 1924: Der Mönch von Santarem 1925: Briefe, die ihn nicht erreichten 1925: Der Rebell von Valencia 1926: Annemarie und ihr Ulan

Bildergalerie

Literatur Hans Richter (Hrsg.): Filmstern. Richters Handbuch der Schauspieler, Regisseure und Schriftsteller des Films (= Kinojahrbuch. Band 4). Hans Hermann Richter Verlag, Berlin-Wilmersdorf 1921/1922, , S. 104. Hans Böhm (Hrsg.): Unsere Flimmerköpfe. Ein Bilderwerk vom deutschen Film. Band 1. Theater und Film Verlagsgesellschaft Böhm & Co., Berlin 1928, , S. 244.

Weblinks

Anmerkungen und Einzelnachweise

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