mini|hochkant=1.3|Lage Aserbaidschans
Die Geschichte Aserbaidschans umfasst die Entwicklungen auf dem Gebiet der Republik Aserbaidschan von der Urgeschichte bis zur Gegenwart.
Mit der Einbeziehung Aserbaidschans in das Seldschukenreich im 11. Jahrhundert begann die Einwanderung turksprachlicher Nomadengruppen, die sich mit der ortsansässigen Bevölkerung vermischten. Allmählich setzte sich in den folgenden Jahrhunderten in Aserbaidschan die türkische Sprache der Einwanderer gegen die bis dahin gebräuchliche Persisch durch.Swietochowski, Tadeusz (1985). Russian Azerbaijan, 1905–1920: The Shaping of a National Identity in a Muslim Community. Cambridge University Press. p. 1. Aserbeidschan bezeichnete in dieser Zeit vorwiegend die gleichnamige iranische Region, zu der das Gebiet der Republik Aserbeidschan unter dem Namen Arrān ein peripheres Gebiet war. Nach der Einbeziehung in das Mongolenreich dehnte sich die Landesbezeichnung Aserbeidschan auch in den östlichen Teil Transkaukasiens aus, ebenso setzte sich auch dort die türkische Sprache durch.
Zu Beginn des 11. Jahrhunderts wurde die Region allmählich von Wellen von Oghuz-Türken aus Zentralasien überfallen, die zu dieser Zeit einen turkmenischen ethnischen Namen annahmen. Die erste dieser türkischen Dynastien war das Seldschukenreich, das 1067 in Aserbaidschan eindrang.Swietochowski, Tadeusz (1985). Russian Azerbaijan, 1905–1920: The Shaping of a National Identity in a Muslim Community. Cambridge University Press. p. 1.Barthold, V.V. Sochineniya; p. 558: „Whatever the former significance of the Oghuz people in Eastern Asia, after the events of the 8th and 9th centuries, it focuses more and more on the West, on the border of the Pre-Asian cultural world, which was destined to be invaded by the Oghuz people in the 11th century, or, as they were called only in the west, by the Turkmen.“
Nach dem Tod von Timur entstanden in der Region zwei unabhängige und rivalisierende türkische Staaten: Qara Qoyunlu und Aq Qoyunlu. Aq Qoyunlu und Qara Qoyunlu bestanden hauptsächlich aus aserbaidschanischenM. Behrâmnejâd, « Karakoyunlular, Akkoyunlular : İran ve Anadolu’da Türkmen Hanedanları », (turc) sh. 14 : "En raison de la domination des Turkmènes Qaraqoyunlu et Aqqoyunlu dans la région, de nombreuses tribus turkmènes s’y sont installées, et les autres ont établi l’État safavide en Iran. Aujourd’hui, une partie de l’héritage important qu’ils nous ont donné est Gunchikhan Oghuz ou Turkman, qui est utilisé dans certaines régions de Gunchikhan Anatolie, principalement à Igdir et Kars, ainsi qu’en Iran et en Azerbaïdjan, qui sont maintenant appelés Azerbaïdjanais.M. Faruk Sümer, «Kara Koyunlular»,(Turc) s. VIII: Les Karakoyunlus ne sont pas seulement responsables de ces mouvements migratoires politiques de l’Anatolie vers l’Iran, mais aussi le premier agent d’un nouveau mouvement de colonisation qui assurera la reprise de la domination turkmène en Iran et, en lien avec celle-ci, la turquification absolue de l’Azerbaïdjan .. ils l’ont été. Comme on peut le comprendre à partir de ces mots, le turc qu’ils parlaient était, bien sûr, le dialecte oriental Oguz ou turkmène, qui s’appelle aujourd’hui le dialecte azéri. Aujourd’hui, il est clairement entendu que Cihan Shah, l’un des dirigeants de Karakoyunlu, était l’un des représentants de la littérature azerbaïdjanaise Turkstämmen und hatten eine konföderierte Zwei-Staaten-Struktur, was ihre lokalen Regierungen stärkte.
Nach dem Zerfall des Reiches der Afscharen unter Nader Schah im Jahr 1747 entstanden auf dem Gebiet der heutigen Republik Aserbaidschan und im iranischen Aserbaidschan KhanateAlexander Murinson. Turkey’s Entente with Israel and Azerbaijan. Routledge, 2009. P. 2.The core territory of modern-day Azerbaijan, i.e. Shirvan, Quba and other Azeri Khanates in the Caucasus, served historically as place of refuge for Persian and later Russian Jews. aserbaidschanischer Herkunft.
Die Zeit der Khanate gilt als die Zeit der feudalen Zersplitterung Aserbaidschans. Damit begann das halbe Jahrhundert der Unabhängigkeit Aserbaidschans, wenn auch unter Bedingungen tiefgreifender politischer Zersetzung und Bürgerkriegen.Tadeusz Swietochowski. Russian Azerbaijan, 1905–1920: The Shaping of National Identity in a Muslim Community. Cambridge, UK, Cambridge University Press, 2004. ISBN 0-521-52245-5: Thus began a half-century-long period of Azerbaijani independence, albeit in a condition of deep political fragmentation and internal warfare. Most of the principalities were organized as khanates, small replicas of the Persian monarchy, including Karabagh, Sheki, Ganja, Baku, Derbent, Kuba, Nakhichevan, Talysh, and Erivan in northern Azerbaijan and Tabriz, Urmi, Ardabil, Khoi, Maku, Maragin, and Karadagh in its southern part. Many of the khanates were subdivided into mahals (regions), territorial units inhabited by members of the same tribe, reflecting the fact that residue of tribalism was still strong.
Nach den russisch-persischen Kriegen von 1804–1813 und 1826–1828 wurden die in Iran herrschenden Kadscharen gezwungen, ihre kaukasischen Gebiete an das Russische Reich abzutreten. Die Verträge von Gulistan 1813 und Turkmenchay 1828 legten die Grenze zwischen dem zaristischen Russland und dem kadscharischen Iran fest.Harcave, Sidney (1968). Russia: A History: Sixth Edition. Lippincott. p. 267.
Aserbaidschan hat ein reiches kulturelles Erbe. Es hat die Auszeichnung, das erste Land zu sein, das darstellende Künste wie Oper und Theater unter den Ländern beherbergt, in denen Muslime die Mehrheit sind.E. Cornell, Svante (2006). The Politicization of Islam in Azerbaijan. Silk Road Paper. ss. 124, 222, 229, 269–270
Nach mehr als 80 Jahren Zugehörigkeit zum Russischen Reich im Kaukasus wurde 1918 die Demokratische Republik Aserbaidschan gegründet. 1920 wurde Aserbaidschan von sowjetischen Streitkräften besetzt, was zur Gründung der SSR Aserbaidschan führte. Zu Beginn der Sowjetzeit wurde die nationale Identität Aserbaidschans endgültig geschmiedet. Aserbaidschan blieb bis zum Zusammenbruch der Sowjetunion 1991 unter sowjetischer Herrschaft, danach wurde die unabhängige Republik Aserbaidschan ausgerufen. Feindselige Beziehungen zum Nachbarland Armenien und der Bergkarabachkonflikt stehen seit der Unabhängigkeit im Zentrum der aserbaidschanischen Politik.Gasimov, Zaur (2022). „Observing Iran from Baku: Iranian Studies in Soviet and Post-Soviet Azerbaijan“. Iranian Studies. 55 (1): 37.
Neolithikum Das Neolithikum, der Übergang zur produzierenden Lebensweise, setzte in Aserbaidschan zu Anfang des 6. Jahrtausends v. Chr. ein, wie Ausgrabungen in Göytepe und Hacı Elamxanlı Tepe, den ältesten Bauerndörfern im Westen des Landes, erwiesen.Yoshihiro Nishiaki, Farhad Guliyev, Seiji Kadowaki: Chronological Contexts of the Earliest Pottery Neolithic in the South Caucasus: Radiocarbon Dates for Göytepe and Hacı Elamxanlı Tepe, Azerbaijan, in: American Journal of Archaeology 119,3 (2015) 279–294.
Antike
mini|Karte des Kaukasus (290 v. Chr.)
Aserbaidschan war im 1. Jahrtausend v. Chr. vermutlich Siedlungsgebiet des medischen Stammes der Mager und damit Kernland der Priesterkaste, von deren Name sich der Ausdruck Magier herleitet; möglicherweise stammt auch Zarathustra aus dieser Region. Der erste Staat auf dem Gebiet des heutigen Aserbaidschan war Albania, ein Reich der nomadischen Albani. Der Staat wurde im 4. Jahrhundert vor Christus gegründet und von Plinius, Plutarch und Strabo erwähnt. Das Land wurde 65 v. Chr. durch die römischen Streitkräfte unter Pompeius besetzt und ein Vasall des Römischen Reiches. Nach der Zeitenwende war Albania von den Parthern abhängig. Es kam häufig zu Kriegen gegen die Nachbarstaaten Armenien und Iberien. Im 4. Jahrhundert wurde durch Armenier das Christentum in der Region eingeführt; die Kirchenliteratur soll vom Heiligen Mesrop Maschtoz im 5. Jahrhundert begonnen worden sein. Nach dem Zerfall des Partherreichs zu Beginn des 3. Jahrhunderts wurde Albania Ende des 4. Jahrhunderts Vasall des Sassanidenreiches.
Die ersten Siedlungen türkischer Volksgruppen auf dem Gebiet des heutigen Aserbaidschan lassen sich seit dem 2. Jahrhundert nachweisen, als dort der frühhunnische Volksstamm der Az auftauchte. Dieser Volksstamm ist möglicherweise auch der Namensgeber des Gebietes, so dass Aserbaidschan Herrschaft der Az bedeutet. Eine andere Namenserklärung leitet den Namen wiederum vom persischen Satz Land des Feuers (Aderbaidjan) ab, der sowohl auf die seit dem Altertum bekannten Petroleum-Vorkommen als auch auf den Zoroastrismus mit seinem Feuerkult verweisen soll.Vgl. auch hier.
Ab frühestens dem 4. Jahrhundert siedelten die Sabiren in Aserbaidschan, nördlich des Staates Albania. Die Küste des Landes war ab dieser Zeit Teil des Reichs der Sassaniden, der Landesteil südlich des Kura ab dem 6. Jahrhundert.
Mittelalter
Zu Beginn des 7. Jahrhunderts bildeten sich im Norden der heutigen Republik Aserbaidschan die Staaten von Lekia und Derbent. 643 fielen die Araber in das Land ein und islamisierten es. Die christliche Kirche verschwand in der Folgezeit. Im 8. Jahrhundert wurde auch Derbent von den Arabern erobert.
Seit 799 existierte der Staat der Schirwanschahs mit der Hauptstadt Şamaxı im Ostteil des Landes vom Kura bis Derbent. Der Staat von Gəncə entstand Ende des 9. Jahrhunderts südlich des Kura im Westen Aserbaidschans. Später entstanden südlich des Kura ein Staat Aserbaidschan und Arrān. Die Reste des Reichs Albania wurden in den 30er Jahren des 9. Jahrhunderts vom georgischen Staat Heretien erobert. Im 9. und 10. Jahrhundert wanderten die Volksstämme der Oghusen in dieses Gebiet ein.
Ab den 1060er Jahren wurde das Gebiet von den Seldschuken abhängig. Es kam zu häufigen Einfällen von seldschukischen Truppen. Nach dem Erstarken von Georgien unterwarfen die Georgier die aserbaidschanischen Staaten von Schirwan, Ran, Gəncə, Lekia und Derbent.
Um 1220 wurde der Süden vom Choresm-Schah erobert, der Norden durch Dschingis Khan. Im Folgejahrzehnt wurde auch der Süden von den Mongolen erobert, nur der Staat der Schirwanschahs konnte als Vasall weiter existieren. Nach 1254 gehörte das Gebiet zum Einflussraum des Ilchan-Reiches. Dieses führte oft Kriege mit dem nördlichen Khanat der Goldenen Horde um die Länder in der Region und verbündete sich dabei mit der nördlich von Aserbaidschan ansässigen Nogaier-Horde. Zu dieser Zeit ließ sich eine geringe Zahl von Mongolen im Land nieder, ging aber in der ansässigen Bevölkerung auf. Die Festung Hanega am Ufer des Flusses Pirsagat stammt aus dieser Zeit.
Nach der Auflösung des Ilchanat 1336 wurde Schirwan unabhängig und umfasste große Teile des heutigen Aserbaidschans, kleinere wurden von Georgien beherrscht. Nach 1390 wurde Aserbaidschan von Timur erobert, der von Samarkand aus ein neues mongolisches Reich errichtete.
Frühe Neuzeit
Nach dem Tode Timurs 1405 beherrschte die Stammesföderation der Weißen Hammel das heutige Aserbaidschan und die südlicheren Länder, während westlich davon die Schwarzen Hammel herrschten. Von Derbent aus begann der Staat der Schirwanschahs wieder zu erstarken und umfasste einige Jahrzehnte später wieder große Teile des heutigen Aserbaidschan. Zudem entstand der Staat Khanat Karabach. Die Hauptzentren der aserbaidschanischen Kultur damals waren Təbriz (Täbris) und Şamaxı.