mini|hochkant|Kate Douglas Wiggin (undatiert)|alt=Das Bild zeigt Wiggin vom Oberkörper aufwärts. Sie hat ihren Kopf vom Betrachter her leicht nach rechts gedreht und trägt ein weißes Kleid mit dunklen Ornamenten sowie eine Art Schal in dunkler Farbe Kate Douglas Smith Wiggin (* 28. September 1856 als Kate Douglas Smith in Philadelphia, Pennsylvania; † 24. August 1923 in Harrow on the Hill, England), verheiratete Kate Douglas Wiggin Riggs, war eine US-amerikanische Schriftstellerin und Reformpädagogin.

Kate Smith verbrachte ihre Kindheit in Maine an der US-Ostküste und zog mit 17 Jahren zusammen mit ihrer Familie nach Kalifornien. Dort kam sie über Caroline Severance und Emma Marwedel in Kontakt mit der Kindergartenbewegung und ließ sich, beeinflusst durch die Ideen Friedrich Fröbels, zur Kindergärtnerin ausbilden. 1878 eröffnete sie mit dem Silver Street Kindergarten in San Francisco den ersten öffentlichen Kindergarten der US-Westküste, 1880 gründete sie zudem die California Kindergarten Training School. Nach ihrem Umzug nach New York City 1884 verlegte sie sich aufs Schreiben und publizierte in den nächsten Jahren dutzende Romane sowie vereinzelt auch Sachbücher zum Prinzip des Kindergartens. Viele ihrer Werke werden der Kinder- und Jugendliteratur zugerechnet und sind neben den Idealen Fröbels auch vom Transzendentalismus beeinflusst. Oftmals handeln sie von den Erlebnissen von Kindern aus benachteiligten Verhältnissen; zahlreiche ihrer Geschichten erfreuten sich damals großer Beliebtheit. Als ihr bekanntestes Werk gilt Rebecca of Sunnybrook Farm (1903). Mitunter arbeitete sie mit ihrer Schwester Nora Archibald Smith (1858–1934) zusammen, als Autorin wie auch als Herausgeberin.

Leben und Werk

Kindergartenbewegung mini|hochkant|Kate Smith im Alter von sechs Jahren (1862/1863)|alt=Das ovale Porträt zeigt Wiggin als kleines Mädchen. Sie sitzt auf einem Stuhl, von dem man nur die Stuhllehne erkennt, trägt ein weißes Oberteil, hat gescheiteltes Haar und blickt direkt in die Kamera. Kate Smith wurde 1856 als Tochter des Juristen Robert Noah Smith und seiner Ehefrau Helen Elizabeth Dyer in Philadelphia geboren. Ihre beiden Eltern stammten aus alteingesessenen neuenglischen Familien, ihre jüngere Schwester Nora Archibald Smith wurde 1858 geboren. Als ihr Vater wenig später verstarb, zog ihre Mutter mit den beiden Kindern nach Portland, Maine. Weitere drei Jahre später heiratete ihre Mutter den Arzt Albion Bradbury, einen entfernten Verwandten. Die neu gegründete Familie – ergänzt durch einen wenig später geborenen Halbbruder – lebte in Hollis, Maine, wo sich Bradbury persönlich um Smiths Bildung bemühte. Parallel besuchte sie verschiedene Schulen, darunter das lokale Gorham Female Seminary, die Morison Academy in Baltimore und die Abbot Academy in Andover. 1873 zog ihre Familie ins kalifornische Santa Barbara, wo sich ihr Stiefvater ein für seine schwächelnde Gesundheit förderlicheres Klima erhoffte. Smith folgte ihren Eltern sechs Monate später am Ende des Schuljahres.

Als ihr Stiefvater 1876 verstarb, hinterließ er die Familie durch fehlgeschlagene Landspekulationen in schlechter finanzieller Lage. Ein Weg aus der Krise bahnte sich an, als Smith wenig später die kürzlich nach Kalifornien gezogene Caroline Severance kennenlernte. Die langjährige Aktivistin brachte Smith in Kontakt mit der US-amerikanischen Kindergartenbewegung, die sich aus den Ideen des Deutschen Friedrich Fröbel speiste. In den USA durch die Transzendentalisten um Ralph Waldo Emerson zunächst an der US-Ostküste bekannt gemacht, waren Fröbels Ideen deshalb revolutionär, weil sie keinen Drill, sondern das freie spielerische Erlernen sozialer Werte als ideale Kindererziehung propagierten. Mit Severances Hilfe schrieb sich Smith an Emma Marwedels kürzlich in Los Angeles gegründeter Pacific Normal Training School for Kindergartners ein, um eine Ausbildung zur Kindergärtnerin zu absolvieren. Nach Abschluss der Ausbildung im Sommer 1877 kehrte Smith nach Santa Barbara zurück, wo sie mit Hilfe ihrer Schwester Nora einen eigenen privaten Kindergarten namens Nido de la Golondrina oder The Swallow’s Nest gründete. Nur ein Jahr später wurde sie von Emma Marwedel der Public Kindergarten Society of San Francisco empfohlen, die die Gründung des ersten öffentlichen Kindergartens an der US-Westküste plante. Tatsächlich nahm die Gesellschaft Marwedels Empfehlung an; zum 1. September 1878 eröffnete Smith mit finanzieller Unterstützung der Gesellschaft in San Franciscos Armenviertel Tar Flat den Silver Street Kindergarten, der für seine Arbeit in den nächsten Jahren nationale Bekanntheit erlangte. Laut dem Historiker Doyce B. Nunis, Jr. wurde Smith bald zu einer „Autorität in Sachen Kindergartenpädagogik.“

Im Sommer 1880 reiste Smith an die Ostküste und traf sich mit dortigen Anführerinnen der Kindergartenbewegung wie Elizabeth P. Peabody aus dem Kreis der Transzendentalisten und Susan Blow. Im Rahmen des Besuches, der je nach Quelle auch auf das Jahr 1879 datiert wird, nahm Smith auch Unterricht an Amos Bronson Alcotts Concord School of Philosophy und kam in Kontakt mit anderen Transzendentalisten wie Emerson. Nach ihrer Rückkehr nach San Francisco gründete Smith dort die California Kindergarten Training School, um selbst Kindergärtnerinnen ausbilden zu können. Die Schule sorgte dafür, dass Kaliforniens aufblühender Kindergartenlandschaft bald zahlreiche Fachkräfte zur Verfügung standen; zu ihren ersten Schülerinnen gehörte ihre eigene Schwester Nora. Nachdem Nora ihren Abschluss gemacht hatte, übernahm sie von Kate die Leitung des Silver Street Kindergarten, damit sich Kate auf die Ausbildungsarbeit konzentrieren konnte. Immer mehr trat sie auch als öffentliche Rednerin in Erscheinung; parallel hatte sie 1881 den Juristen Samuel Bradley Wiggin geheiratet und dessen Nachnamen angenommen. Ihr Engagement in Kalifornien endete erst, als sie mit ihrem Ehemann 1884 nach New York City umzog. Nichtsdestotrotz blieb sie Teil der Kindergartenbewegung; bis 1892 kehrte sie jährlich als Dozentin sowie im Rahmen der Abschlussfeiern an die California Kindergarten Training School zurück. Erst als ihre schriftstellerische Karriere immer mehr an Fahrt aufnahm, reduzierte sie ihre Tätigkeit als Kindergartenaktivistin. Allerdings spiegelten sich ihre Ideale hinsichtlich der Kindererziehung in ihrem schriftstellerischen Werk wider; nicht zuletzt veröffentlichte 1895 / 1896 zusammen mit ihrer Schwester Nora unter dem Titel The Republic of Childhood eine Sammlung ihrer Vorlesungen an der California Kindergarten Training School. Für mehrere Jahre war sie Vizepräsidentin der New York Kindergarten Association. Der Historiker Doyce B. Nunis, Jr. urteilte 1962, dass Wiggin der Kindergartenbewegung gegenüber „viel beitrug, im Besonderen hinsichtlich der kindlichen Früherziehung durch ihr Eintreten für den Kindergarten.“

Schriftstellerin mini|hochkant|alt=Die Groáufnahme von Wiggin zeigt, wie sie seitlich nach rechts gedreht vor dunklem Hintergrund auf einem Sofa sitzt. Sie trägt ein weißes Kleid und stützt ihren Kopf mit ihrem Arm auf der Sofalehne ab.|Kate Douglas Wiggin (1903) Der Umzug nach New York City bedeutete für Wiggin auch ein neues berufliches Kapitel. Bereits 1878 hatte sie mit Half a Dozen Housekeeper, das in drei Teilen im St. Nicholas Magazine abgedruckt wurde, einen ersten Ausflug in die Literatur unternommen. 1883 publizierte sie in San Francisco den Roman The Story of Patsy, 1888 folgte in New York The Birds’ Christmas Carol. Ursprünglich schrieb sie diese Bücher nur, um Geld für die Kindergartenbewegung zu sammeln. Allerdings waren beide Bücher Publikumserfolge, und als 1889 ihr Ehemann verstarb, nahm Wiggin das Schreiben als sichere Einnahmequelle für ihren eigenen Lebensunterhalt an. Weitere Werke erschienen danach fast jährlich; nationale Beachtung fand zunächst vor allem A Cathedral Courtship, and Penelope’s English Experiences (1893). Viele der häufig als Kinder- und Jugendliteratur verstandenen Werke handelten vom Leben von Kindern aus benachteiligten Verhältnissen, oftmals spielen ihre Geschichten in ihrer Kindheitsheimat Maine. Beispielsweise veröffentlichte sie zwischen 1898 und 1901 drei Bücher über die kleine Penelope, die mit ihren Freundinnen Reisen durch die Welt unternimmt. Hin und wieder flossen auch autobiografische Details in ihre Geschichten ein. Einen kleineren Teil ihres schriftstellerischen Werkes nahmen auch Sachtexte zum Konzept des Kindergartens ein.

Ihr bekanntestes Werk ist die Erzählung Rebecca of Sunnybrook Farm (1903), die sie selbst 1909 als Drama adaptierte und die mehrfach verfilmt wurde (bspw. 1917 als Stummfilm mit Mary Pickford sowie 1937 als Shirley auf Welle 303 mit Shirley Temple). Das Buch handelt von einem Mädchen namens Rebecca, das von einer ledigen Tante großgezogen wird und trotz aller Schwierigkeiten zu einer jungen lady heranwächst, der die Zukunft offensteht. 1907 folgte mit New Chronicles of Rebecca ein weiteres Werk in diesem Kosmos, das allerdings nicht Rebeccas Leben fortsetzt, sondern ebenfalls Episoden aus der Kindheit des Mädchens erzählt. Viele Leser erwarteten die Heirat Rebeccas mit einem Protagonisten namens Adam Ladd, wurden jedoch enttäuscht. Damit erfüllte Wiggin auch nicht das gesellschaftliche Idealbild der damaligen Zeit, in dem das Streben nach Ehe und Sicherheit als Leitlinie des Lebens junger Frauen identifiziert wurde. Laut der Literaturwissenschaftlerin und Lehrerin Regina Pulei ist Rebecca daher ein Plädoyer für die Selbstbestimmung der Frau, da es das Erwachsenenleben „nicht [...] als das Ende von Freiheiten, sondern eher als randvoll mit einer ganzen Menge aufregender Möglichkeiten“ darstellt. In den Augen mehrerer Literaturwissenschaftlerinnen wie Gail S. Murray und Kelli M. Sellers muss man Rebeccas Nicht-Heirat vor dem Hintergrund der New-Women-Bewegung, der ersten feministischen Welle Anfang des 20. Jahrhunderts, betrachten. Obwohl das Buch eigentlich für Kinder gedacht war, begeisterte es auch Erwachsene, nicht zuletzt die Schriftsteller Mark Twain und Jack London. Der Schriftsteller Rob Hardy führte das zum einen auf eine Sehnsucht nach kindlicher Unbeschwertheit und zum anderen auf einen Beschützerinstinkt zurück, den Rebecca bei männlichen Lesern auslöse.