Der Ku-ring-gai-Chase-Nationalpark ist ein Nationalpark bei Sydney in Australien. Er wurde 1894 gegründet und ist damit einer der ältesten Nationalparks Australiens. Der Park umfasst etwa 150 km² von Eukalyptus dominiertes Buschland auf Sandstein-Höhenzügen sowie einige Rias, vom Pazifischen Ozean überflutete Flusstäler, die letztlich über die beiden Arme Cowan Creek und Pittwater in den Hawkesbury River führen.
Traditionelle Eigentümer des Landes waren die Guringai, ein Stamm der Aborigines. Im Nationalpark befinden sich viele Artefakte ihrer Besiedlung, unter anderem Petroglyphen im Stil der Sydney-Felsgravuren. Ab 1834 siedelten Weiße im Gebiet; heute befindet sich mit Cottage Point aber nur noch ein bewohnter Ort im Park.
Seit 2006 ist der Ku-ring-gai-Chase-Nationalpark aufgrund seiner hohen Biodiversität in der Australian National Heritage List aufgeführt;Overview. Department of the Environment, Water, Heritage and the Arts (englisch) abgerufen am 15. Januar 2010. im Park finden sich 24 verschiedene Vegetationstypen mit insgesamt 13 bedrohten Tierarten.
Für die Bewohner Sydneys ist der Nationalpark ein beliebtes Naherholungsgebiet mit jährlich rund 2 Millionen Besuchern.
Geografie Der 150 km² große Ku-ring-gai-Chase-Nationalpark liegt etwa 25 km nördlich des Stadtzentrums von Sydney im Hornsby Shire und bildet die nördliche Grenze der Stadt. Eingegrenzt wird der Nationalpark im Süden von Wohngebieten von Hornsby und Mona Vale, im Westen vom Pacific Highway, im Norden vom Hawkesbury River und im Osten von Pittwater, eine der Rias des Hawkesbury Rivers. Außerdem grenzen das Muogamarra Nature Reserve, das Berowra Valley Nature Reserve sowie der Garigal-Nationalpark an. Der höchste Punkt, Willunga Trig, liegt 228 m über dem Meeresspiegel.NSW National Parks & Wildlife Service (2002), S. 17.
Die Rias Cowan Water und Pittwater werden vorwiegend vom Pazifischen Ozean über den Hawkesbury River gespeist sowie von einer Vielzahl kleinerer Zuläufe: Diese Zuläufe entstehen insbesondere nach Regen, wenn das Niederschlagswasser durch den Sandstein-Boden sickert und über kleine Wasserfälle und Bäche in die Rias abläuft.Bob & Ann Young: Understanding the Scenery. Royal National Park and Heathcote National Park. Envirobook, Annandale 2005, ISBN 0-85881-210-X. Cowan Creek hat eine Länge von 14 km und eine maximale Breite von rund 400 m. Zwei große Hauptbuchten (Coal and candle creek und Smiths creek) sowie eine Vielzahl kleinerer Buchten sind Rias kleinerer Bäche. Pittwater Creek ist 8 km lang und bis zu 2 km breit, neben einer Vielzahl von Buchten gibt es auch die nicht zum Nationalpark gehörende Inseln Scotland Island.NSW National Parks & Wildlife Service (1996), Karte
Es sind insgesamt vier Zugangsstraßen in den Nationalpark vorhanden. Der westliche Teil des Parks kann auch mit CityRail erreicht werden: Wanderwege führen von der Cowan Station, der Berowra Station und der Mt Ku-ring-gai Station in den Park. Boote können vom Hawkesbury River aus in die verschiedenen Buchten fahren und an drei Jachthäfen (Bobbin Head, Akuna Bay und Cottage Point) sowie 48 öffentlichen Moorings im Park ankern.
Klima Wie Sydney liegt der Nationalpark in der subtropischen Klimazone. Das durchschnittliche Temperaturmaximum schwankt zwischen 17 °C im Winter und 26 °C im Sommer; das durchschnittliche Temperaturminimum liegt zwischen 8 °C im Winter und 18 °C im Sommer.DECC Ku-ring-gai Chase National Park: Climate, zugegriffen am 13. Januar 2010. Der niedrigste gemessene Wert ist −3,5 °C, der höchste 43,1 °C.
Die Niederschlagsmenge ist mit durchschnittlich 120 mm (Januar) bis 140 mm (März) pro Monat im Sommer am höchsten und kann an einem Tag bis zu 253 mm erreichen. Im trockenen Winter – Juli bis September – werden durchschnittlich 60 mm pro Monat verzeichnet.
Geologie mini|Pflanzenbewuchs auf Sandstein
Der Nationalpark liegt auf einem Teil des Sydney Basins, einem 60.000 km² großen Sedimentbecken, zugegriffen am 24. Januar 2010. eines großen Süßwasser-Sees, in dem sich während des Trias vor 290 bis 200 Millionen Jahren Sand, Schlamm und Schlick ablagerte, das dann zu Gestein verdichtet wurde.
Zur untersten Gesteinsschicht gehört das geschichtete, dichte und feinkörnige Schiefergestein der Narrabeen Group. Dieser Formation entstammen auch die ältesten Berge im Park, die in geringer Höhe von 20 bis 40 Metern an der Küste von Pittwater, Cowan Water, nördlich von Cottage Point und am Ende des Barrenjoey Heads hervortreten. Der verwitterte Narrabeen-Schiefer bildet den relativ roten Tonboden. Darüber liegt der körnige Hawkesbury-Sandstein, der aus verkitteten Quarzkörnern zusammengesetzt ist. Dieser Sandstein ist das am weitesten verbreitete Gestein der Ebenen und Hügel im Park. Die Verwitterung des Hawkesbury-Sandsteins bildete die ausgedehnten sandigen Böden auf den Höhen und die gelbe Erde in den tiefen Tälern. Die oberste Schicht bildete die Wianamatta Group, die mittlerweile weitgehend erodiert ist.
Vor 2 bis 12 Millionen Jahren hob sich das Hornsby-Plateau, auf dem sich der Ku-ring-gai-Chase-Nationalpark befindet, um 150 bis 250 m. Es fiel trocken, so dass Verwitterung und Erosion das Plateau formten. Eine letzte Erosionsperiode fand in der letzten Eiszeit statt, als das Meer tiefer lag und so durch ablaufende Flüsse die v-förmigen Täler im Plateau geformt wurden. Am Ende der Gletscherperiode wurden die Täler geflutet und die Höhen von Lion Island, Long Island, Spectacle Island und Barrenjoey Headland herausgeformt; anschließend entstand durch Ablagerungen wieder eine Landbrücke, die Barrenjoey Head mit dem Hauptland verband.
Vor 65 bis 40 Millionen Jahren drang in Klüfte Lava ein; deshalb befindet sich auch vereinzelt Lavagestein im Park. Die Verwitterung des Lavagesteins bildete rote und besonders fruchtbare Böden am West Head nahe der Picknick-Stellen, während tief verwittertes und zertrümmertes vulkanisches Gestein die Täler am Campbells Crater und Smith Crater und nahe am Smith Creek bei Cowan Water bildete.
Von 1901 an wurden Steinbrüche auf dem Parkgelände für Bausteine und Straßenmaterial angelegt. Die Bobbin Head Road wie auch die frühen Sandsteingebäude auf dem Parkgelände sind aus diesem Sandstein. Die Steinbrüche sind heute aufgelassen, stellen ein historisches Zeugnis dar und werden nicht verändert. Zwei weitere Steinbrüche im Park werden von Fall zu Fall noch genutzt.NSW National Parks & Wildlife Service (2002), S. 17.
Ökosysteme mini|Der Gelbhaubenkakadu ist häufig anzutreffen. mini|Heidelandschaft mini|Eucalyptus haemastoma wächst vor allem im Woodland. mini|Livistona australis im Regenwald
Im Ku-ring-gai-Chase-Nationalpark wurden von der Flora und Vegetation Australiens bislang mehr als 1000 Pflanzenarten in 24 Vegetationstypen entdeckt und in einer Reihe von Studien ausführlich untersucht. Zusammengefasst werden die Vegetationstypen in den Ökosystemen Heide, Woodland, Open Forest und subtropischer Regenwald. Die verschiedenen ÖkosystemeAlle genannten Ökosysteme dieses Kapitels und ihre Beschreibung entstammen - falls keine andere Quelle genannt ist - NSW National Parks & Wildlife Service (1996). S. 23–33. sind Heimat von Teilen der Fauna Australiens, nämlich von geschätzt 100 Schmetterlingsarten,NSW National Parks & Wildlife Service (2002), S. 20. verschiedenen Schlangen und Echsen, 160 Vogelarten sowie 28 heimischen Säugetierarten, von denen die meisten nur in Australien vorkommen. 13 Tierarten, die laut Threatened Species Conservation Act als bedroht gelistet sind, haben einen Lebensraum im Park: Neben dem Koala auch Kurznasenbeutler, Riesenbeutelmarder, mehrere Flughundarten, die Langflügelfledermaus, das Großfüßige Mausohr, Braunkopf-Rabenkakadu und Schwalbensittich, Riesenkauz und Neuhollandeule, die Lederschildkröte, der Rosenbergs-Waran sowie eine Frosch- und eine Krötenart (Heleioporus australiacus beziehungsweise Pseudophryne australi).NSW National Parks & Wildlife Service (2002), S. 25. Die Liste der Tierarten im Ku-ring-gai-Chase-Nationalpark gibt einen Überblick über weitere Tierarten. Von den Schmetterlingsarten werden in einer Arbeit von 1972 genannt: 18 der Familie der Dickkopffalter, 4 den Ritterfaltern (darunter der Papilio demoleus sthenelus), 7 Weißlinge, 12 Edelfalter (unter anderem der Monarchfalter) und 7 Bläulinge.A. B. Rose: Additional Records of Butterflies from Ku-ring-gai Chase National Park, New South Wales. In: Australian Entomological Magazine. (2), 1972, S. 5–6.
Heide Trockene Heide befindet sich auf den wasserdurchlässigen Hügeln auf Sandstein; hier gibt es vor allem Gebüsch mit niedrig wachsenden Banksien-Arten (Banksia oblongifolia, Banksia ericifolia), Boronia-Arten (Boronia pinnata, Boronia serrulata, Boronia floribunda) und den Australischen Teebaum (Melaleuca alternifolia). Diese Arten blühen zumeist im Frühjahr, also von September bis November, und ziehen zahlreiche samen- und nektarfressende Vögel an, zum Beispiel Papageien (Schwalbensittich, Rosellasittich, Pennantsittich, Allfarblori) und Honigfresser (unter anderem Weißaugen-Honigfresser, Lärmlederkopf, Goldohr-Honigfresser). Den Honigfressern kommt dabei zugute, dass sie lange, schmale Schnäbel besitzen, die ihnen das Erreichen von Nektar ermöglichen. Der Australischen Fauna entsprechend sind die meisten Säugetiere Beutelsäuger, wie die verschiedenen Possum-Arten (zum Beispiel Kurznasenbeutler, Kurzkopfgleitbeutler); seltener sind Wallabys – auch sie bewohnen die Heide, genauso wie die meisten Schlangen und Echsen. Australiens größter Greifvogel, der Keilschwanzadler, hat hier sein Jagdgebiet.
Feuchte Heide befindet sich auf Schiefer, der mit einer dünnen Schicht Ton bedeckt und darum wasserundurchlässig ist. Wiederum gibt es hier verschiedene Banksia-Arten, die eine zeitweilig hohe Feuchtigkeit tolerieren, zum Beispiel Banksia robur.
Heidegesellschaften bewachsen die Bergkämme, weil die Guringais die Bergkämme alle 1–5 Jahre abbrannten. Damit unterstützten sie dort die Ausbreitung jener Pflanzenarten, die Feuer unbeschadet überstehen oder wie die Banksia-Arten sogar für ihre Vermehrung benötigen sowie relativ schnellwüchsig sind.
Woodland Im etwas tiefer liegenden Woodland in geschützten Lagen auf Hängen mit geringer Steigung und Sandboden finden sich vor allem größere Bäume: Es dominieren verschiedene Eukalyptus-Arten, wie zum Beispiel Eucalyptus haemastoma und Eucalyptus gummifera. Es wächst dort unter anderem der Strauch Telopea speciosissima. Sittiche und Kakadus nutzen die Hohlräume in Baumstämmen als Brutplatz; auch Possums sind hier anzutreffen.
Open Forest Open Forest wächst wiederum tiefer gelegen in den feuchteren Ablaufrinnen, wo sich auch verschiedene Eukalyptus-Arten (zum Beispiel Eucalyptus maculata, Eucalyptus paniculata und Eucalyptus piperita) sowie Boronien-Arten (Boronia mollis, Boronia fraser) finden. Sowohl Woodland als auch Open Forest sind Heimat des Koala, der sich von den meisten Eukalyptus-Arten ernährt, sowie verschiedener Adler-Arten (Fischadler, Weißbauch-Seeadler), die auf hohen Bäumen ruhen.
Regenwald In besonders geschützten und feuchten Lagen wie an der Jerusalem Bay ist gemäßigter Regenwald erhalten geblieben. Im Gegensatz zu den eukalyptusreichen Gebieten steht der Regenwald auf kompostierendem Humusboden, der reich an Nährstoffen und Insekten ist. Graurücken-Leierschwanz und Lachender Hans suchen hier nach Nahrung. Der Regenwald ist auch bevorzugtes Siedlungsgebiet des Riesenbeutelmarders. Dieser Regenwald enthält beispielsweise Tristiniopis laurina, Acmena smithii, Backhousia myrtifolia und die Palmen-Art Livistona australis sowie Baumfarn-Arten.
Gewässer